Avantasia am 04.06.2026 beim Schlossgarten Open Air in Tettnang

Nass bis auf die Knochen – Avantasia liefern uns Shelter From The Rain!

Event: Schlossgarten Open Air 2026

Bands: Avantasia, Serenity

Datum: 04.06.2026

Genres: Symphonic Metal, Power Metal

Besucher: ca. 2.000 (grob geschätzt)

Ort: Schlosspark, Tettnang

Veranstalter: Allgäu Concerts GmbH

Kosten: VVK ab 70,40 Euro

Link: www.tettnang.de/de/geniessen/veranstaltungen/open-air/

Setlisten:  

  1. The Fall Of Man
  2. Ritter, Tod Und Teufel
  3. Spirit In The Flesh
  4. Set The World On Fire
  5. Reflections (Of AD)
  6. United
  7. Legacy Of Tudors
  8. Lionheart

  1. Creepshow
  2. Reach Out For The Light (mit Kenny Leckremo)
  3. The Witch (mit Tommy Karevik)
  4. Devil In The Belfry (mit Herbie Langhans)
  5. Dying For An Angel (mit Tommy Karevik)
  6. The Story Ain’t Over (mit Bob Catley und Chiara Tricarico)
  7. Runaway Train (mit Bob Cately und Herbie Langhans)
  8. Phantasmagoria (mit Ronnie Atkins)
  9. Let The Storm Descend Upon You (mit Ronnie Atkins & Herbie Langhans)
  10. Promised Land (Kenny Leckremo mit Ronnie Atkins)
  11. The Toy Master
  12. Avantasia (mit Tommy Karevik)
  13. Twisted Mind (Tommy Karevik mit Ronnie Atkins)
  14. The Wicked Symphony (Tommy Karevik mit Kenny Leckremo & Herbie Langhans)
  15. Shelter From The Rain (Herbie Langhans mit Kenny Leckremo und Bob Catley)
  16. Farewell (mit Chiara Tricarico)
  17. The Scarecrow (mit Ronnie Atkins)
  18. No Return (mit Kenny Leckremo)
  19. Mystery Of A Blood Red Rose
  20. Lost In Space
  21. Lucifer
  22. Sign Of The Cross / The Seven Angels (mit Allen)
Photo credit: Kevin Nixon

Langes Wochenende für uns in Baden-Württemberg. Was könnte man da Schöneres tun, als die freien Tage am Bodensee mit guter Musik zu beginnen? Wie passend, dass heute in Tettnang am Bodensee das Schlosspark Open Air 2026 startet. Das Tettnanger Open Air läuft drei Tage und bringt eine bunte Mischung an Musik in die Bodenseeregion. Den Anfang machen heute Avantasia, unterstützt von den Tiroler Symphonic Metallern Serenity, während freitags dann Sarah Connor und samstags Unheilig für die musikalische Untermalung sorgen. Das Konzertgelände liegt wunderschön im Garten des Tettnanger Schlosses. Es gibt genügend Getränkestände, etwas zu essen und eben das vorgenannte malerische Schloss im Renaissancestil.

Serenity, 04.06.2026, Tettnang, Pic. by Alex. Wahl
Serenity, 04.06.2026, Tettnang, Pic. by Alex. Wahl

War das Wetter bei unserer Ankunft noch herrlich angenehm und konnten wir unser Essen im Freien genießen, so beginnt es pünktlich zum Soundcheck, der über das kleine Städtchen weht, mit leichtem Niesel, der leider zu einem ausgewachsenen Regensturm anschwillt.

Glücklicherweise lässt der Regen aber ca. eine halbe Stunde vor Konzertbeginn nach, somit ist auch der Rasen noch nicht komplett durchweicht, als wir den Schlossgarten betreten. Das Gelände bzw. der Front-of-Stage-Bereich füllt sich langsam. Hier treffen wir auch zufällig drei Freunde aus der Heimat tatsächlich völlig unabgesprochen. Wir versorgen uns mit Getränken (die 7 € für 0,5 l Bier schmerzen zwar etwas im Geldbeutel, aber nur kurz). Somit steht einem schönen Abend eigentlich nichts entgegen.

Als Serenity um 19:15 Uhr pünktlich die Bühne betreten, beginnt es leider wieder wie aus Eimern zu schütten und … Achtung, Spoiler: So bleibt es auch bis in die Nacht hinein! Die Tiroler beginnen ihr Set mit The Fall Of Man und versuchen, den Regen mit ihren symphonischen Klängen wegzublasen. Das Wetter sorgt leider dafür, dass die letzten Tageskarten in der Kasse bleiben und der Bereich hinter dem Front-of-Stage ziemlich ausgedünnt ist. Da neben den Regentropfen auch die Temperatur fällt, nutzen die Besucher Songs wie Ritter, Tod Und Teufel und Spirit In The Flesh und springen und klatschen sich warm. Der Sound ist, zumindest an unserem Standort, auch ohne Gehörschutz sehr angenehm.

Serenity, 04.06.2026, Tettnang, Pic. by Alex. Wahl
Serenity, Pic. by Alex. Wahl

Kurzfristig scheint es tatsächlich so, als würden sich die Regenwolken durch Set The World On Fire und die klatschende Menge vertreiben lassen. Frontmann Georg Neuhauser kündigt mit Reflections (Of AD) dann noch ihren eigenen Avantasia-Klon-Song an und nutzt den heutigen Auftritt auch, um darauf hinzuweisen, dass sie bereits an einem neuen Album arbeiten. Weiter geht es mit dem Mottosong des heutigen Abends: United. Und wieder beginnt es so zu schütten, dass unsere Biere zu sauren Radlern mutieren. Das herrlich beschwingende Legacy Of Tudors animiert die Fans dann wieder zum Klatschen und Tanzen. Was ich bei Serenity immer wieder toll finde, ist, dass hier alle Musiker den Chor bilden und keine zusätzlichen Zweit- und Drittstimmen vom Band eingespielt werden müssen. Mit Lionheart verabschieden sich die Tiroler Metaller dann nach ca. 45 Minuten offiziell nach einem sehr starken Auftritt.

Avantasia, 04.06.2026, Tettnang, Pic. by Alex. Wahl
Avantasia, Pic. by Alex. Wahl

Um 20:30 Uhr ist es dann so weit: Die Headliner Avantasia entern die nasse Bühne und eröffnen ihre Creepshow. Wir sehen Avantasia heute das vierte Mal Open Air und jedes Mal regnet es, das letzte Mal auf dem Area 53 Festival, als wegen Sturmwarnung und Festivalunterbrechung sogar später begonnen werden musste. Dieses Mal ist es glücklicherweise nicht ganz so schlimm. Egal, we Reach Out For The Light und tanzen dazu im Regen mit dem ersten Gastsänger, Heat-Fronter Kenny Leckremo. Avantasia eröffnen mit dieser Show in Tettnang ihre Sommertour durch Europa und absolvieren ihren ersten Auftritt in diesem Jahr. Kenny wird von Tommy Karevik von Kamelot abgelöst, als die Truppe mit The Witch direkt einen weiteren Song ihres aktuellen Albums Here Be Dragons schmettert. Nach einer kurzen Ansprache, wie geil es doch sei, wieder on Stage zu sein, ballern Avantasia mit Devil In The Belfrey den nächsten Banger des Albums The Scarecrow hinterher.

Als Tobi Sammet ein T-Shirt aus dem Publikum fängt, meint er: „Das kenn ich ja schon. Was soll ich denn damit machen … unterschreiben? OK, mach ich in der Pause.“ Und wie wir den Mastermind einschätzen, wird er das auch tun. Jetzt kommt aber erst mal Tommy wieder auf die Bühne und gemeinsam gibt es Dying For An Angel auf die Ohren. Dann kommt es zu unserem persönlichen Höhepunkt des Abends, als Magnum-Sänger Bob Catley mit seinen 78 Jahren die Bühne betritt und The Story Ain’t Over anstimmt und alle Fans den Refrain mitsingen. Als dann auch noch Moonlight Hazes Chiara Tricarico mit einsteigt, ist der emotionale Overkill bei uns perfekt.

Avantasia, 04.06.2026, Tettnang, Pic. by Alex. Wahl
Avantasia, Pic. by Alex. Wahl

Runaway Train vom Album The Wicked Symphony schlägt dann direkt weiter in dieselbe Kerbe und speziell Bob Catleys ruhige und samtige Stimme bringt mich ins Schwärmen. Avantasia müssen heute mit einem kleineren Backgroundchor auskommen, da Adrienne Cowan mit ihrer Band Seven Spires unterwegs ist, aber die verbliebenen Herbie und Chiara machen das auch super allein. Auf die Frage, was ihn antreibt, weiter Musik zu schreiben und zu performen, antwortet Tobi einfach: „Solche Momente wie mit Bob Catley auf der Bühne zu stehen und vor Leuten zu spielen, denen es vollkommen egal ist, dass der Himmel einfach alles auf sie hinunterkippt, und sie trotzdem feiern.“ Das Tempo wird dann mit Ronny Atkins und Phantasmagoria vom aktuellen Album Here Be Dragons wieder angezogen. Passend zum Wetter kündigt Herbie nun noch Let The Strom Descent Upon You an, bei dem Herbie und Ronny die Bühne zum Glühen bringen. Tobias Sammet bekommt eine kleine Pause, als das dänisch-schwedische Duo Ronnie und Kenny übernimmt und uns ins Promised Land entführt. Ein geflügelter Thron wird auf die Bühne gerollt, Felix Bohnkes Marschdrums schallen aus den Boxen, als der Toy Master sein Kommen ankündigt, bei dem Tobi sich genüsslich auf dem in Flammen stehenden Thron niederlässt. Nach einer „kurzen“ Einleitung von Tobi geht es dann back to the roots, als die Band den Song anstimmt, der das ganze Projekt vor gut 25 Jahren ins Laufen brachte, Avantasia und wir im Quintett lauthals mitsingen und uns an unsere Schulzeit erinnern.

Avantasia, 04.06.2026, Tettnang, Pic. by Alex. Wahl
Avantasia, 04.06.2026, Tettnang, Pic. by Alex. Wahl

Vor dem folgenden Twisted Mind meint Tobi, dass er nun endlich mal aufs Klo gehen könne, da nun Tommy, Ronnie und Herbie die Show übernehmen. Tatsächlich sind die nächsten drei Songs eine Tobi-freie Zone. Während Tommys samtige Stimme uns in The Wicked Symphony eine Gänsehaut verpasst, legt uns Herbie mit Shelter From The Rain ein symbolisches Cape über.

Erst als Chiara an den Rand der Bühne tritt und mit Farewell in die Fußstapfen von Sharon Den Adel (Within Temptation) tritt, kehrt der Meister zurück, und gemeinsam singen die beiden eine der schönsten Balladen, die wir kennen. Ein kurzer Blick auf die Wetter-App bestätigt mein Gefühl: Es hat ca. 12° und meine Finger werden beim Tippen wegen der Kälte immer langsamer. Zeit, sich wieder etwas aufzuwärmen. Wie passend, dass mit The Scarecrow dann auch gleich ein zum Springen animierender Klassiker anliegt. Tobi kündigt dann No Return von The Metal Opera Part II an, einen Klassiker, den nach eigener Ansage ca. 90 % des Publikums kennen könnten.

Avantasia, 04.06.2026, Tettnang, Pic. by Alex. Wahl
Avantasia, Pic. by Alex. Wahl

Ein wenig Mainstream-Kritik gibt es dann auch noch, als Tobi erwähnt, dass er ganz froh sei, dass sie mit dem folgenden Song nicht beim ESC antreten durften, da sie sonst genauso abgekackt hätten wie alle deutschen Acts. Gemeint ist natürlich Mistery Of A Blood Red Rose, tatsächlich ein Song, der die Fans ein wenig spaltet.

Anders als der Regen kommt das Set aber langsam mit Lost In Space zum Ende. In einer kurzen Umbaupause, in der ein Flügel auf die Bühne geschoben wird, kämpfe ich mit der Freischaltung meines Handys, da der Daumen nicht mehr erkannt wird, weil er zu verschrumpelt ist. Das ist aber nicht das einzige technische Gerät, das der Feuchtigkeit Tribut zollen muss. Als Tobi an vorgenanntem Klavier sitzt und Lucifer dem Regen entgegensingt, flammt das Tasteninstrument kurz auf, aber wegen der Feuchtigkeit erlischt das Feuer direkt wieder. Mit dem Allstar-Medley Sign Of The Cross / Seven Angels verabschieden sich Avantasia gegen 23:00 Uhr von Tettnang, nicht ohne die widrigen Bedingungen zu berücksichtigen und sich anständig bei den im Regen ausharrenden Fans zu bedanken.

Ein, abgesehen vom Wetter, wundervoller Abend geht auch für uns und unsere Freunde zu Ende, das Gelände leert sich zügig und auch wir verziehen uns schnell in die Hotelzimmer bzw. in unseren Camper, raus aus den nassen Klamotten und schnell aufwärmen. Vielleicht haben wir ja Glück und unser fünftes Avantasia-Open-Air wird nicht verregnet.

Text: Oliver W.