Europe – Come This Madness

25.09.2026 – Melodic Rock, Classic Rock – Silver Lining Music – 41:24 Minuten

Europe, sind das nicht die mit dem Final Countdown? Die gibt es noch? So oder so ähnlich dürften viele Reaktionen ausfallen auf die Ankündigung von Come This Madness, dem Nachfolger von Walk This Earth aus dem Jahr 2017. Ein Alterswerk oder doch noch wegweisende Musik? Wer in den vergangenen Jahren vor allem die Hard-Rock- und Progressive-Rock-Szene verfolgte, stolperte über sehr viele Veteranen aus den 70ern.

Ist Come This Madness mehr als ein Alterswerk?

Wer Europe aus Schweden auf das bekannte Final Countdown reduziert, tut der Band unrecht. Schon die Platten vor dem 1986er-Smash-Hit waren alles andere als Flops. Wings Of Tomorrow oder Children Of This Time vom Debüt sind gutklassige Rockmusik, nur nicht so bekannt wie der große Hit. Auch nach dem großen Erfolg gibt es Platten wie zum Beispiel Prisoners In Paradise, die in Schweden auf Platz 1 der Albumcharts landeten. Der poppige Glam Rock mit Sachen wie Carrie, Rock The Night oder Superstitious trafen den Zeitgeist der heranwachsenden Generation. Die nachfolgenden Platten mit zum Teil progressiven Einschlägen eher nicht. Was haben uns Europe 2026 kredenzt?

Klassische Klänge eröffnen die LP und One On One, das in einem leichten Anzug irgendwo zwischen lockerem Melodic Rock und Hard Rock wabert, wobei das Keyboard für einen weichen und sanften Sound sorgt. Etwas mehr Tempo liefert The Cult Of Ignorance, wobei der Spagat zwischen poppig eingängig und melodisch rockig gut getroffen wird und das Ding sich auch auf dem Geburtstag der Oma sehr gut macht.

Der Titeltrack bringt ebenfalls keinen Schwung in die Angelegenheit. Mehr als ein poppiger Soft-Rocker ist Come This Madness leider nicht. Das gilt auch für die auf ein Europe-Album gehörende Ballade This Time Of Year, bei der vermutlich selbst für Doro zu viel Schmalz heraustrieft.

Nach den vier Nummern stellt sich die Frage, ob Europe mehr als kommerziell orientierten Soft Rock und Melodic Rock in petto haben. In A Different World punktet mit dem Refrain und der Songstruktur, hätte aber etwas druckvoller daherkommen können. Die skandinavischen Augen sorgen endlich für Schwung und ein ordentlicher Hard-Rocker kommt aus den Boxen. Zumindest bis zum Refrain, wo die Chöre und das Keyboard die Dynamik der Nummer reduzieren.

Das weitere Material (Takin‘ It Back, The Angels Must Have Flown) wird vermutlich selbst bei Frontiers Records aussortiert. Mehr als soliden, kommerziellen Rock, der mehr von dem bietet, was schon 100.000-fach veröffentlicht wurde, haben Joey Tempest und Co. 2026 nicht im Köcher. Die Truppe agiert auf der sicheren Seite von „Nummer sicher“. Ist der kommerzielle Erfolg für die Truppe selbst 2026 noch so wichtig?

Das Highlight haben sich Europe für das Finale vorbehalten. The Devil’s Back ist zumindest etwas mehr als solide Rockmusik und sticht aus dem durchschnittlichen und kommerziellen Material hervor. Auch der Schlusspunkt Nothing Can Follow This liefert mehr als die anderen Nummern und knüpft in Teilen an die progressive Phase der Band an.

Hier gibt es weitere Informationen zu Europe Come This Madness in unserem Time-For-Metal-Release-Kalender!

Europe – Come This Madness
Fazit zu Come This Madness
Du benötigst Beschallung für den Geburtstag deiner Oma? Europe und Come This Madness sind fast perfektes Material. Immer schön soft, nur keine Ecken und Kanten und auf keinen Fall jemandem wehtun. Bis auf The Devil’s Back regiert die Langeweile und die neue Platte von Europe sortiert sich in die Masse der Melodic-Rock- und Metal-Alben ein, die jeden Monat den Markt überschwemmen.

Warum Tempest und Co. derartiges Standardmaterial liefern, ist schwer zu verstehen. An der einen oder anderen Stelle fällt eine Bridge positiv auf, wie beim finalen Nothing Can Follow This, aber mehr als ein paar ganz nette Ansätze sind unterm Strich nicht zu notieren. Europe und ihre neue Platte sind eine glatte Enttäuschung.

Anspieltipps: The Devil’s Back und Nothing Can Follow This
Jürgen F.
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