Die Sängerin und Musikerin Eivør Pálsdóttir stammt von den Färöer-Inseln und hat sich mit ihrer außergewöhnlichen Stimme sowie einer Mischung aus nordischer Folklore, Pop, Elektronik und düsteren Klanglandschaften international einen Namen gemacht. Neben zahlreichen Soloalben arbeitete sie auch an Soundtracks, unter anderem für The Last Kingdom und God Of War Ragnarök. Mit archaischen Gesängen und modernen Klängen begeistert sie längst auch das Metalpublikum.

Der Mond hat bekanntlich zwei Seiten, und auch musikalisch gibt es Schatten und Licht zu entdecken. Mit Tungl, dem färöischen Wort für Mond, öffnet Eivør ein Tor in eine schwer einzuordnende Klangwelt. Wer klassischen Metal mit Gitarrenwänden und donnernden Doublebass-Attacken erwartet, dürfte überrascht sein. Die zehn Stücke verbinden nordische Mystik, elektronische Wucht und emotionale Intensität.
Schon der Opener Og Mánin Græt (And The Moon Cried) verbindet folkloristische Gesänge mit pulsierenden elektronischen Rhythmen. Ursprünglich und modern zugleich zeigt sich, wie Eivør ihre Wurzeln weiterentwickelt. Mit Drekafljóð (Dragon Maiden) folgt ein Stück zwischen melancholischer Atmosphäre und beinahe tänzerischer Energie. Gegensätze treffen aufeinander, ohne die musikalische Geschlossenheit zu gefährden.
Besonders spannend wird es bei Spøkilsir (Revenants). Verzerrte Gesangspassagen, markante Rhythmen und dunkle elektronische Klangfarben erzeugen eine geisterhafte Stimmung. Auch Healer setzt statt auf Geschwindigkeit auf Spannung und Dynamik. Eivørs Stimme reicht von sanften, zerbrechlichen Tönen bis zu kraftvollen, archaischen Ausbrüchen. Sie bildet das Zentrum der Produktion und benötigt keine zusätzlichen Effekte, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Verjugarðar (Walls) und Hinumegin (The Other Side) setzen auf weitläufige Melodien und cineastische Klangflächen, während Eon mit zurückgenommener Instrumentierung einen ruhigen Gegenpol bildet. Dass Eivør überwiegend auf Färöisch singt, verleiht dem Album Eigenständigkeit. Auch ohne jedes Wort zu verstehen, spürt man Sehnsucht, Verletzlichkeit und innere Stärke.
Ein besonderes Kapitel ist Fangað (Trapped), bei dem Eivørs Schwester Elinborg als Gastsängerin mitwirkt. Ihre beiden Stimmen verleihen dem Stück eine archaische Note, die traditionelle Gesangstechniken mit modernen Rhythmen verbindet. Produziert wurde das Album von Eivør und ihrem musikalischen Partner Tróndur Bogason. Dieser steuerte Streicher bei. Auch Multiinstrumentalist Mikael Blak und Backgroundsängerin Birita Dam wirkten an der Klanggestaltung mit.
Den Abschluss bildet Everyone But Me, das mit seiner ruhigen, nachdenklichen Ausrichtung die emotionale Seite der Künstlerin unterstreicht. Statt schneller Wirkung steht das Eintauchen in eine Atmosphäre im Mittelpunkt, die nachhallt. Tungl fordert Geduld. Nicht jeder Song bleibt sofort im Gedächtnis und stellenweise dominiert die dichte Stimmung gegenüber markanten Melodien. Gerade diese Konsequenz macht das Album zu einem geschlossenen Gesamterlebnis.
Hier geht es für weitere Informationen zu Eivør – Tungl in unserem Time For Metal Release-Kalender.



