„Alazka & Support am 11. Mai 2018 im clubCann, Stuttgart“

Headliner: Alazka

Bands: Polaris, The Plot In You

Ort: clubCann, Stuttgart

Datum: 11.05.2018

Kosten: 17 €

Genres: Melodic Hardcore, Post Hardcore, Metalcore

Link: https://www.alazkaofficial.com/

Die deutschen Melodic Hardcore-Aufsteiger Alazka haben im vergangenen Jahr mit Phoenix ihr neues Album herausgebracht. Nicht nur das, sondern auch kürzten sie ihren alten Namen Burning Down Alaska zu eben Alazka, unter welchem sie seit dem Release mehr als fleißig unterwegs waren und das auch nach wie vor sind. So absolvierten die Jungs aus Recklinghausen gerade eine eigene Headliner Tour – und die Unterstützung kommt dabei aus ganz anderen Ländern, nämlich in Form von Polaris aus Australien und The Plot In You aus den Staaten. Und wer diese Bands musikalisch jetzt bereits einordnen kann, weiß bereits: Ein durchaus spannendes Package!

Für mich persönlich waren alle drei Bands noch in bester Erinnerung, hatte ich sie doch zwei Wochen vorher bei dem Impericon Festival in Leipzig erleben dürfen. Doch nichts geht über kleine Clubshows und das clubCann in Stuttgart eignet sich perfekt dafür. Das dachten sich wohl auch andere Fans und so war der Abend noch vor Beginn ausverkauft. Bereits recht früh versammelt sich vor dem eigentlichen Jugendhaus die Fangemeinde in typischem schwarzen Gewand. Der wohl lustigste Faktor gestaltet sich allerdings dadurch, dass direkt nebendran auch die Besucher des Stuttgarter Frühlingsfestes zu finden sind, welche gewohnt im Dirndl und Lederhosen auftreten. Hier treffen schon vor Konzertbeginn Welten aufeinander!

Als es dann endlich rein geht, warten an den Merchständen schon die Screamer von sowohl Alazka als auch Polaris auf die Fans, um direkt die ersten Shirts loszuwerden, Smalltalk zu führen und um für das eine oder andere Foto zu posen. Diese Nähe zu den Fans zeigt sich insbesondere bei kleinen Shows immer wieder als natürliche Gegebenheit, die man sonst eben eher nicht vorfindet. Nach einer kleinen Warterei vor der Tür zum eigentlichen Bühnenbereich darf dann auch dieser betreten werden und das Konzert kann endlich losgehen.

Den Anfang macht dabei die Melodic Hardcore Gruppe The Plot In You, die mit ihrem letzten Album Dispose durchaus einen recht drastischen Soundwechsel aufzuweisen hatte – von recht aggressivem Metalcore gingen die Jungs ein paar Schritte zurück und fokussierten ihre Songs auf emotionale und umso intensivere Strukturen. Einen Wechsel, der innerhalb dieses Genres immer sehr schnell negativ betrachtet wird. Doch was The Plot In You mit Dispose abgeliefert haben, überzeugt vom ersten bis zum letzten Ton und es gelingt der Gruppe genau, diese Stärke auch mit auf die Bühne zu bringen. Selbst die Technik scheint nicht ganz zu wissen, wie sie mit diesem massiven Soundbild umgehen soll, so ist leider an der einen oder anderen Stelle ein deutliches Knacken/Rascheln zu vernehmen. Es ist aber vor allem Landon Tewers am Mikro, der hier beweist, dass er wohl zu den stärksten Vocalists der momentanen Szene gehört – und live noch mehr überzeugt als auf der Platte. Wer also mit den Jungs noch nicht vertraut ist: eine vielversprechende und komplett unterschätzte Band!

Nicht unterschätzt, dafür aber bereits jetzt geliebt, wird dagegen die nächste Gruppe Polaris. Die Australier machten zum ersten Mal letztes Jahr während der Never Say Die! Tour auf sich aufmerksam und bereits bei dem Impericon Festivals brachten sie die großen Hallen zum Beben. Und auch im clubCann fackelt das Publikum nicht lange, um sich im Mosh oder Circle Pit auszutoben und dabei bereits viele der Textzeilen mitzusingen. Die hier spürbare Euphorie scheint für eine Vorband in einer solch kleinen Location unglaublich – könnte hier das Parkway Drive der Zukunft stehen? Genug Fans dürften Polaris auf jeden Fall dafür sammeln mit ihren intensiven und energiegeladenen Auftritten – und immerhin begeben sie sich jetzt gerade mit Parkway Drive auf große Tour durch Amerika!

Nach dem intensiven Auftritt von Polaris kann man durchaus eine kleine Verschnaufpause gebrauchen. Wie gut, dass der eigentliche Headliner des Abends für eben dies ganz gut passt: Alazka verstehen es mit ihrem Melodic-Hardcore zwischen harten Passagen und Träumerei hin und her zu wechseln, nicht zuletzt durch ihr perfekt funktionierendes Duo am Mikro. Selten wirkte eine Band so sehr in ihrem eigenem Element und ja, fast schon in ihrem eigenen Genre wie Alazka. Denn auch wenn Melodic Hardcore auf den Plakaten prangt, so ist es doch irgendwie anders und irgendwie viel mehr, was die Jungs da auf der Bühne präsentieren.

Neben ihrer unglaublichen Soundqualität ist es auch vor allem die Sympathie, welche bei Alazka stark zum Tragen kommt. Dies zeigt sich insbesondere am Ende, als alle Bands auf die Bühne geholt werden sollen und sich so manche Mitglieder nicht finden lassen. Alazka lassen sich nicht davon stören und warten eben, bis tatsächlich alle Personen auf der Bühne stehen. Und während sie den letzten Song performen, werfen sich die übrigen Bands ins Publikum. Es sind genau solche Aktionen, die kleine Konzerte so wundervoll machen und insgesamt gestaltet sich der Abend als gefühlvolles und energiereiches Erlebnis, welches einem noch Tage später durch den Kopf jagt. Gespannt darf man sein, wie sich diese Bands entwickeln werden. Denn auch Alazka haben es geschafft, sich in Deutschland einen recht sicheren Platz in der Szene zu erspielen, mit einer stetig wachsenden Fangemeinde. Und sollten sie diese Energie aufrechterhalten, so wird diese wohl weiterhin wachsen.

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