Bands: Anthrax, Static-X, Fateful Finality
Ort: Reithalle (Straße E), Dresden
Datum: 09.06.2026
Kosten: ab 47,25 € VVK (ausverkauft)
Genre: Thrash Metal
Besucher: ca. 1500 Besucher
Veranstalter: Aust Konzerte (https://www.aust-konzerte.com/)
Großstadtarenen besitzen zwar eine gewaltige Ausstrahlung, doch die wahre, ungefilterte Intensität harter Gitarrenmusik entfaltet sich am besten im engen, verschwitzten Rahmen eines Traditionsclubs. Genau diese besondere Atmosphäre bietet die Dresdner Reithalle an diesem Abend, als sie als Schauplatz für eine von lediglich zwei exklusiven Deutschland-Shows des legendären New Yorker Vierergespanns Anthrax dient. Schon Stunden vor dem Einlass versammelt sich eine generationsübergreifende Fangemeinde vor den Toren, geeint durch die Vorfreude auf ein Konzert, das sowohl geschichtsträchtige Hymnen des Genres als auch einen exklusiven Ausblick auf zukünftiges Songmaterial verspricht. Das Live-Programm erfährt im Vorfeld allerdings eine unfreiwillige Änderung: Die Formation Static-X muss im Mai 2026 sämtliche Auftritte und Tourdaten für das restliche Jahr aufgrund ernsthafter gesundheitlicher Probleme absagen und kann daher heute nicht spielen. Somit stehen heute ausschließlich Fateful Finality als Einheizer für Anthrax auf den Brettern.
Den Auftakt des Abends gestaltet daher das Stuttgarter Quartett Fateful Finality, das die Bühne ab der ersten Minute mit einer bemerkenswerten Entschlossenheit einnimmt. Die tiefe persönliche Verbundenheit der Musiker, die sich teilweise bereits seit Kindertagen kennen, überträgt sich sofort spürbar auf das Publikum und resultiert in einem perfekt eingespielten, druckvollen Zusammenspiel. Ihr Auftritt lebt von einem ausgeklügelten vokalen Kontrastspiel aus rauen, aggressiven Shouts und melodischen Gesangslinien. Zwischen den Stücken erobert die Band mit einer sympathischen Anekdote über ihre eigentlich für diesen Dienstag angesetzte, nun kurzerhand in die ausverkaufte Halle verlegte Bandprobe die Sympathien der Zuschauer im Sturm. Mit einem Fokus auf die Tracks ihres aktuellen Albums Desolation gelingt es den Süddeutschen binnen kürzester Zeit, das Publikum in Bewegung zu versetzen, die Nackenmuskulatur der vorderen Reihen zu fordern und damit die Rolle des Einheizers bravourös zu erfüllen.
Nach einer kurzen Umbaupause und einem bewusst gegensätzlichen Intro-Doppel aus einer klassischen Heavy-Metal-Hymne und einer Soul-Nummer, entfesselt der Hauptact Anthrax ein musikalisches Inferno im Saal. Angeführt von der unerbittlich präzisen, messerscharfen Rhythmusarbeit an den Saiten und getragen von einem wuchtigen Schlagzeugfundament, beweist die Band eindrucksvoll, dass sie auch nach Jahrzehnten im weltweiten Geschäft kein Stück ihrer ursprünglichen Energie eingebüßt hat. Die einzelnen Musiker agieren dabei keineswegs wie eine Altherrenriege, die lediglich ihr großes historisches Erbe routiniert verwaltet; vielmehr präsentieren sie sich hungrig, spielfreudig und fest entschlossen, sich ihren Status an diesem Abend im direkten Austausch mit den Fans neu zu verdienen. Über dem druckvollen Soundteppich thront die erstaunlich kraftvolle, epische Stimme ihres altbewährten Frontmanns, der mühelos die typischen Höhen und den enormen Wiedererkennungswert der Gesangslinien meistert. Die Setliste spannt dabei einen mitreißenden Bogen von den wegweisenden Meilensteinen der späten 1980er-Jahre, welche die dichte Luft in der Halle rasch zum Stehen bringen und das Publikum durch kollektives Headbangen, tobende Moshpits und über die Köpfe gleitende Crowdsurfer erbeben lassen, bis hin zur Moderne. Ein besonderer Höhepunkt ist die Darbietung ihrer brandneuen Single aus dem im Herbst 2026 anstehenden Studioalbum Cursum Perficio, die sich dank ihrer aggressiven Riffs und des großen, eingängigen Refrains nahtlos zwischen den etablierten Klassikern einfügt, vom Publikum frenetisch gefeiert wird und den schweißtreibenden Abend schließlich als perfekten, energiegeladenen Triumphzug der gesamten Bandgeschichte besiegelt.



