Birth Control am 29.01.2026 im Lola Kulturzentrum, Hamburg

Wo kommt eigentlich Gamma Ray her?

Event: Birth Control – Live Dezember 2025 und Januar 2026

Bands: Birth Control

Ort: Lola Kulturzentrum, Lohbrügger Landstr. 8, 21031 Hamburg

Datum: 29.01.2026

Kosten: VVK circa 20 € plus Gebühren, AK 24 €

Zuschauer: ca. 200

Genre: Kraut Rock, Progressive Rock, Classic Rock

Links: https://www.lola-hh.de/

Setlist:

  1. She’s Got Nothing On You
  2. The Work Is Done
  3. Right Place, Wrong Time
  4. Plastic People
  5. Open Sesame
  6. Titanic
  7. These Are The Days
  8. Wrestling Mama
  9. Trial Trip
  10. I Don’t Mind
  11. Drum Solo
  12. Lost In The Sea
  13. Gamma Ray
  14. Wasting My Time

Der Name Gamma Ray ist seit vielen Jahrzehnten ein fester Begriff in metallischen Gewässern, auch wenn Mastermind Kai Hansen aktuell anderweitig aktiv ist. Wo kommt aber eigentlich der Name Gamma Ray her? 1972 veröffentlichte die deutsche Band Birth Control das Album Hoodoo Man. Darauf befindet sich ein Song, der für den Durchbruch von Birth Control in den frühen 70ern sorgte. Klar, es handelt sich um Gamma Ray, den es in verschiedenen Versionen gibt. Die Single ist zweiteilig und als knapp vierminütiges Stück verfügbar, bei der Standard-LP-Variante beträgt die Laufzeit circa acht Minuten. Live konnte das Ding in den Hochphasen des Krautrock schon mal ausarten und sich in Richtung einer halben Stunde ziehen. Auf dem Album Birthcontrol Live aus dem Jahr 1975 befindet sich zum Beispiel eine mehr als 20-minütige Fassung. Wer noch tiefer in der Geschichte von Birth Control wühlt, findet auf dem Debüt den Namen Hugo Egon Balder, der später als Fernsehmoderator Karriere machte. Es ist ein geschichtsträchtiger Abend im Kulturzentrum Lola in Hamburg Bergedorf.

Birth Control liefern einen geschichtsträchtigen Abend

1972, das ist mehr als 50 Jahre her, und entsprechend sind von der Bandbesetzung der Hoodoo Man keine Mitglieder mehr bei Birth Control aktiv. Die Band hatte in der langen Geschichte verschiedene Bandformationen. Viele der ehemaligen Bandmusiker weilen leider nicht mehr unter uns, so zum Beispiel das langjährige Bandmitglied Bernd Noske, der 2014 verstarb und sowohl als Sänger als auch als Drummer insgesamt 46 Jahre für Birth Control aktiv war. Sänger und Gitarrist Peter Föller ist erstmalig auf der Rebirth aus dem Jahr 1974 zu hören. Ebenfalls bereits in den 70ern war der heutige Drummer Manfred von Bohr für Birth Control aktiv. Titanic nennt sich sein Einstandswerk, auf dem aber der heutige Sänger Peter Föller nicht am Mikro zu hören ist. Der Zahn der Zeit lässt sich auch von Birth Control nicht aufhalten.

Birth Control – Lola, Hamburg – 2026

Seit 2016 sind die beiden Veteranen wieder bei Birth Control dabei und zeigen, dass auch im Alter das Musizieren funktioniert und sowohl auf als auch vor der Bühne Spaß bringt. Klar, hier sind keine Duracell-Häschen unterwegs. Es geht um das technische Können an den Instrumenten und die Geschichte der Band und nicht um die große Show.

Das Lola ist eine kleine Location mit einem Fassungsvermögen von circa 500 Leuten, wenn der Saal nicht bestuhlt ist und ausschließlich Stehplatzkapazität zur Verfügung steht. Heute ist das Veranstaltungsteam auf Silberrücken eingestellt. Es gibt einige Sitzgelegenheiten mit Tischen, die von der Besucherschaft gerne genutzt werden. Kurz nach 20 Uhr geht es in den Konzertabend mit einem Klassiker von der bereits erwähnten Platte Rebirth und She’s Got Nothing On You. Das Ding stammt vom Einstandswerk von Föller bei Birth Control, sodass die Nummer gut zum Einstieg ins Konzert passt. Im vorderen Teil des Sets wechseln Birth Control munter zwischen der aktuellen Platte Open Up und Stücken aus den 70ern. Während die Open-Up-Sachen klar im progressiven Rock verortet sind, sind die alten Nummern wie Plastic People oder Titanic eher im Krautrock angesiedelt. Dass die Vocals von Föller nicht mehr wie vor mehr als 50 Jahren klingen, versteht sich von selbst. Aber die langgezogenen Tracks – Plastic People hat auf der LP eine Laufzeit von mehr als zehn Minuten – sind musikalisch stark interpretiert und begeistern nicht nur das gesetzte Publikum. Auch die jüngere Generation, die von ihren Eltern oder Großeltern mitgeschleppt wurde, kann sich der Magie der Klänge nicht entziehen.

Birth Control sind mehr als nur Gamma Ray

Birth Control – Lola, Hamburg – 2026

Im weiteren Verlauf des Abends fühlt sich der Gig der Herren ein wenig nach dem Warten auf den Überflieger an. Als Föller die bekannten Rasseln in die Hand nimmt, ist klar, was die Zeit geschlagen hat. Es gibt eine Gamma-Ray-Liveversion, die sich um circa 15 Minuten bewegt und bei der vor allem Gitarrist Martin „Ludi“ Ettrich mit der Nutzung verschiedener Pedale, die auch mit der Hand für diverse Effekte bedient werden, und Bassist Hannes Vesper ihr Können zeigen. Föller selbst gönnt sich eine Verschnaufpause. Drummer von Bohr hat seinen Auftritt mit einem ausufernden Solo nach I Don’t Mind. Ist damit alles erzählt und haben die Fans alles bekommen, was Birth Control auf den Zettel haben? Nein, eine Zugabe folgt mit Wasting My Time vom bereits erwähnten aktuellen Album Open Up, das kurz und knackig den Deckel auf den Abend platziert.

Nach deutlich mehr als zwei Stunden endet der Nostalgietrip im Lola. Wer auf eine Zeitreise Lust hat und mit Krautrock beziehungsweise Progressive Rock im Style der 70er etwas anfangen kann, macht mit der jetzigen Birth-Control-Besetzung nichts verkehrt. Die Truppe ist nach dem Konzert noch in der Location unterwegs und steht für Bilder, Autogramme, etc. gerne zur Verfügung.

Überhaupt scheint das Lola in Bergedorf sowas wie die Location für Krautrock und Progressive Rock der 70er Jahre zu sein. Bröselmaschine, eine Band aus dem Ruhrpott, die zwischen Folk und Krautrock unterwegs ist, spielt am 27.03. im Lola, Guru Guru folgen am 29. Mai.