Event: 40 Years Anniversary Tour
Headliner: Helloween
Vorband: Beast In Black
Ort: Barclays Arena Hamburg
Datum: 01.11.2025
Genre: Power Metal
Besucher: Vermutlich unter 10.000
Setlisten: Helloween | Beast in Black

Ach, wie gerne würde ich eine restlos glückliche Kritik schreiben: Helloween, Legenden des Power Metal, spielen in ihrer Heimatstadt Hamburg. Es ist ihre 40-Jahres-Jubiläums-Show. Und anders als bei anderen Legenden muss man bei ihnen noch lange nicht diskutieren, ob sie den Zeitpunkt verpasst haben, aufzuhören – sie beherrschen noch immer ohne jeden Zweifel ihr Handwerk. Nur leider sind da diese kleineren und größeren Probleme – gerade beim Soundmix, den ich kaum genießen kann.
Aber von vorne: Um 19:15 treten Beast In Black auf die Bühne – heute mit Catwalk zum Publikum. Sehr namhaft für eine Vorband, ebenso erfahren im Entertainment. Ob Drumsticks oder Mikros: Was jongliert werden kann, fliegt durch die Luft. Mein Held des Abends ist Atte Palokangas. Wenige Dummer strahlen so viel Freude aus. Er macht genau richtig viel Unsinn und trommelt sich auch einfach mal gegen den Kopf, als er nur einen Stick braucht. Yannis Papadopoulos springt über die Bühne, wenn er nicht gerade singt, und erinnert mich in seinem schwarzen Ledermantel an Shinzon aus Star Trek: Nemesis. Nur leider kommen die Biester nicht so richtig an, passen vielleicht auch nicht so ganz zum Publikum, kriegen jedenfalls weniger Applaus, als sie verdient hätten.

Der Altersdurchschnitt schlägt vermutlich das Wacken, selten sieht man so viele grauhaarige Kuttenträger an einem Ort. Entsprechend sind die Ränge mit Sitzen sehr gut gefüllt, während der Pit eher leer ist. Korrektur: Die Pits. Aus irgendeinem Grund wurde die Fläche vor der Bühne zweigeteilt. Nur leider sind beide Bereiche nicht besonders voll, was die Stimmung dämpft. Ein einzelner Pit wäre besser gewesen. Und auch der Soundmix klingt so, als ob er darauf ausgelegt sei, auch dann noch laut zu sein, wenn man seit 40 Jahren Metal hört. Sprich: Alles ist zu laut, leicht scheppernd, und mit Gehörschutz klingt es nicht rund.

Um 20:45 werden Helloween empfangen und ziehen direkt durch. Nach zwei langen Songs tritt dann auch Kai Hansen – dessen Band Gamma Ray in meiner Teenager-Zeit hoch und runter lief – in den Vordergrund, singt mit Michael Kiske und Andi Deris zusammen Future World. Das Gitarrenspiel, neben Hansen erklingen noch zwei weitere Gitarren, sitzt, Bass und Drums sind treibend. Und die beiden Leadsänger, Kiske und Deris, verstehen das Showbusiness: Erst einmal wird diskutiert, ob das Publikum links oder rechts singen soll, dann nehmen sie auch mal ihre In-Ears raus, um die Masse gebührend zu hören – auch ganz hinten stimmen sie laut ein.
Bei This Is Tokyo, dem vierten Song, läuft über die riesige Videowand eine anfangs schwarz-weiße, cyberpunkige Szene der namensgebenden Stadt. Auch sonst prägt die Videowand die Show, mal mit dem Look einer Arcade-Konsole, mal mit sehr schönen Schwenks durchs Universum. Es gibt zwar auch mal eine Konfettikanone oder Pyro, aber nur sehr zurückhaltend. Zwischen den Songs moderiert immer wieder ein Avatar in einer dunklen Robe und mit einer Galaxie als Gesicht – bis auf seine menschlichen Hände und eine leicht freundlichere Aura sieht er wie Anubis aus Stargate aus.

Später, bei Ride The Sky, ist Hansens Stimme zwar etwas schwächer, aber immer noch sehr charakteristisch. Das ist aber auch das einzige Manko an den Musikern. Zwischendurch gibt es immer wieder Soli. Auch die beiden Sänger liefern sich für mehrere Songs ein Duett an der Akustikgitarre, etwa zu In The Middle Of A Heartbeat. Währenddessen kann der Rest der Band eine kurze Pause genießen. Dafür geht A Tale That Wasn’t Right dann meisterhaft von der Akustik- in die Metal-Version über. Wunderschön. Hier hätten es ruhig ein paar mehr Handytaschenlampen sein können, ist das Lied anfangs doch eine wunderschöne Ballade. Dafür gibt es umgekehrt insgesamt erfreulich wenige Handys. Der Fokus liegt klar auf diesen Legenden, die hier 40 Jahre Metalgeschichte präsentieren.
Nur leider ist es mehr eine Show als ein Erlebnis, die Musik spielt nur auf der Bühne. Auch als das Kernset auf Halloween endet, gefolgt von viel Jubel und Applaus, die in einer Zugabe münden, ändert sich das nicht. Während der Zugabe bricht ein CGI-Adler zu Eagle Fly Free aus einem Glaskasten aus – allgemein ist es ein Theme der Videowand, dass Dinge zerstört werden und aufbrechen. Dann folgen noch zwei Songs, ehe um kurz nach Elfe auf Keeper Of The Seven Keys Schluss ist – so viel dazu, dass sie keine Nachtruhe hätten und so lange spielen könnten, wie sie wollen. Aber vermutlich warten die Shuttle-Busse nicht länger …



























