Lustfinger & Ihre Motive am 14.12.2018 im Schlosskeller in Emmendingen

                             „Der Staatsanwalt zu Gast im Markgrafenschloss“

Hauptband: Lustfinger

Vorgruppe: Ihre Motive

Ort: Schlosskeller, Schloßplatz 1, 79312 Emmendingen

Datum: 14.12.2018

Kosten: 5,- € VVK, 7,- € AK

Genre: Fun Punk, Deutschpunk, Punk`N`Roll, Alternative Rock, Deutschrock

Besucher: 7-8

Veranstalter: Schlosskeller Emmendingen https://www.facebook.com/SchlosskellerEmmendingen/

Link: https://www.facebook.com/events/278840492652424/

Setlisten:


01. Reste Von Gestern
02. Alles Neu
03. Oben Bleiben
04. Erso
05. Dazwischen
06. Menschenmaschine
07. Angekommen
08. Schweden
09. Prag
10. Was Hat Sie
11. Einer Von Euch
12. Die Stadt
13. 37°
14. Meer Sehn


01. Wir Geben Uns Die Ehre
02. Kommt Mit Uns
03. Zündstoff
04. Wir Werden Niemals Untergehen
05. Untergang
06. Schwerkraft
07. Niemals Vergessen
08. Bier
09. Dafür Dagegen
10. Seele Brennt
11. Heilig
12. Liebesterroristen
13. Bumsilaki
14. Euch Gehört Die Macht
15. Korn, Bier, Schnaps (Zugabe)
16. Diese Nacht (Zugabe)
17. Bitte Lieber Staatsanwalt (Zugabe)
18. König Von Deutschland (Rio Reiser) (Zugabe)
19. Löwenmut (Optional) (Zugabe)

Im Erdgeschoss des Emmendinger Markgrafenschlosses befindet sich der Schlosskeller mit einem schönen Kreuzgewölbe. Dieser historische Keller bietet unter dem Motto Kultur, Kneipe & mehr ein ganz besonderes Ambiente für kulturelle Veranstaltungen aller Art. Das Ganze nennt sich Kulturbühne Schlosskeller. Ein eingetragener Verein zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern bietet hier bis zu 250 mal im Jahr ein Programm, das sich sehen und hören lassen kann. Alles ist möglich, von Klassik, Rock, Pop, Metal, Punk, Jazz, Chansons, Kabarett, Vorträge, Lesungen, Kleinkunst bis hin zu Partys. Der Schlosskeller bietet Regiokünstlern ebenso Raum wie überregional bekannten Größen. Die ausgewogene Mischung begeistert ein Publikum, das keine Alters- und Stilfragen kennt. Künstler lieben besonders die intime Atmosphäre des Schlosskellers mit direktem Kontakt zum Publikum und kommen gerne hierher.Heute steht deutscher Fun Punk mit einer der dienstältesten Deutschpunkbands auf dem Programm. Als ich gegen 20:00 Uhr im Schlosskeller ankomme, merke ich schnell, dass ich viel zu früh dran bin. Danny Raygun, Sänger der Raygun Rebels und Gitarrist bei Lustfinger, sitzt noch an der Kasse und lauert auf den Nächsten, der 7,- € in die Kasse spült. Im Inneren sitzen zwei Leute gemütlich mit ihrem Bier in der Ecke und die Bands des Abends trinken auch noch zusammen ein Bierchen. Sonst ist noch nichts los im Kellergewölbe des Markgrafenschlosses und ich befürchte auch, dass das heute so bleibt, da viele momentan lieber auf Weihnachtsmärkten und Weihnachtsfeiern abhängen. Punk ist vor den Feiertagen doch nicht jedermanns Sache.  

Als die Vorgruppe Ihre Motive gegen 21:00 Uhr die kleine Bühne betritt und mit Reste Von Gestern loslegt, bewahrheitet sich mal wieder, dass kleine, eher unbekannte Bands sich heutzutage für eine Handvoll Leute den Arsch abspielen müssen. Gerade einmal sieben, acht Leute haben den Weg in den Schlosskeller gefunden, traurig! Die Band um Frontschreihals Michael Grötzinger aus Tauberbischofsheim macht das Beste aus der Situation und gibt von Beginn an Vollgas. Der komische Bandname lässt zunächst einmal Fürchterliches erwarten, Deutschpop à la Virginia Jetzt!Silbermond oder Rosenstolz, doch weit gefehlt – das Quartett bietet ehrlichen, gradlinigen Alternative Punkrock. Reste Von Gestern handelt von kultureller Zukunftslosigkeit der Gesellschaft und geht durchaus als radiotauglicher Punkrock durch und macht klar, dass Punk schon lange nicht mehr die Drei Akkorde – Deutschland Verrecke! – Botschaft sein muss. Der Song Oben Bleiben hat dagegen nicht viel mit Punk gemeinsam, hier wird feinfühliger Betroffenheits Pop geboten, wie er in Deutschland ja gerade in ist. Die Band, die gerade erst ihr Label verloren hat, macht nur noch, worauf sie Bock hat, so Michael Grötzinger. Ihre Motive gibt es erst seit 2015, jedoch waren die Musiker zuvor 15 Jahre als Megakerls mehr oder weniger erfolgreich und wurden von der Industrie verheizt. Mit dem gesellschaftskritischen Erso geht es danach aber glücklicherweise wieder ordentlich zur Sache. Den Fans, sofern man hier, bei einer Hand von Leuten, von Fans reden kann, gefällt es. Besonders zwei Jungs stehen während des gesamten Auftritts vor der Bühne und feiern die Band und tanzen, als gäbe es kein Morgen. Musikalisch spielen Ihre Motive einen Mix aus alten und neuen Songs, darunter auch mit u.a. Schweden und Was Hat Sie neues, unveröffentlichtes Material, welches auf der nächsten Platte zu finden sein wird. Bei 37° wird es zum Schluss noch einmal etwas ruhiger, bevor Meer Sehn das Ende einläutet und noch einmal richtig nach vorne geht. Die Jungs haben alles gegeben und haben sich den Abend, trotz des ausbleibenden Publikums, nicht versauen lassen.
Direkt im Anschluss geht es weiter mit Lustfinger aus München, die mit Wir Geben Uns Die Ehre vom 2014er-Album Zündstoff in ihr Set einsteigen. Frontmann Tom Fock kommt mit rot-schwarz karierter Hose und schwarz-weißem Hemd auf die Bühne und mit seinem blonden Wuschelkopf erinnert er stark an einen gewissen Campino in jungen Jahren. Auch Lustfinger haben mit den alten A.C.A.B. – Punkrockattitüden nichts am Hut, sondern nehmen sich in ihren Texten selbst nicht so besonders ernst. Kommt Mit Uns, Zündstoff, Wir Werden Niemals Untergehen …, das ist eher poppig daherkommender Fun Punkrock, der schnell ins Ohr geht. Parallelen zu Bands wie Die Ärzte und Die Toten Hosen sind hier durchaus zu erkennen, jedoch kennt sicher nicht jeder die Münchener Altpunks. Im Vergleich, die Berliner genauso wie die Düsseldorfer kennt jeder, beide sind schon gefühlt seit drei Leben aktiv und ständig präsent, beide haben unzählige Charterfolge vorzuweisen, beide spielen die größten Hallen und Festivals, beide verdienen Millionen mit ihren Songs. Lustfinger dagegen sind noch ein Jahr länger aktiv, haben sich 1981, vor den Die Toten Hosen, gegründet, haben keine wirklichen Charterfolge, tingeln durch kleine Clubs und Kneipen und versuchen sich seit Jahrzehnten irgendwie über Wasser zu halten. Und trotzdem machen die Jungs hier gerade mehr Spaß, als es alle Ärzte – und Hosen – Gigs in den letzten zehn Jahren zusammen gemacht haben. Hier wird mit Charme und Witz gerockt. Tom Fock, übrigens das letzte Gründungsmitglied, ist die Spielfreude anzusehen und ihm ist es offenbar egal, ob vor der Bühne nun hundert Leute tanzen, oder wie eben heute nur zwei. Die bayrischen Punkrockveteranen zocken sich durch ihre gesamte Karriere und lassen zwischendurch auch ein paar neue Songs auf Emmendingen los. Das Blondie dabei die Texte von Niemals Vergessen oder Bier, bei dem unsere Helene durch den Kakao gezogen wird, noch ablesen muss, ist völlig egal. Als besonderer Aktivposten auf der Bühne zeigt sich Gitarrist Danny Raygun, den Fock erst kürzlich in Las Vegas aufgetrieben hat. Der Raygun Rebels Frontmann turnt über die Tische und post mit den Besuchern und bringt ordentlich frischen Wind in die alternde Combo. Mit Liebesterroristen kommt dann auch erstmals ein Song, der durchaus Hitpotenzial hätte und jede Party zu einem feuchtfröhlichen Gelage ausufern lassen würde. Vor ein paar Leuten werden hier aber leider Perlen vor die Säue geworfen, die dann irgendwie ungehört verschallen. Schade! Mit Bumsilaki und Euch Gehört Die Macht, einem Uraltsong von 1984, geht dann das offizielle Set zu Ende. Manche Band würde jetzt den Abgang machen, nicht jedoch die Bubblepunk Oldies von Lustfinger. Jetzt soll es erst richtig losgehen, tönt Fock und stimmt Korn, Bier, Schnaps an…, Prost! Es folgt Diese Nacht und dann endlich der Song, auf den ganz Emmendingen gewartet hat. Ganz Emmendingen? Nicht ganz, aber zumindest eine kleine Abordnung, eine ganz kleine. Bitte Lieber Staatsanwalt ist dann das Highlight des Abends, die kleine Hitsingle der Bayern vom 1990er-Album Alles Im Griff. Die Coverversion von König Von Deutschland ist etwas albern, doch heute Abend ist auch das egal. Zum endgültigen Ende gibt es noch etwas für die Fußballfans, doch ob Löwenmut dann in der Freiburger Region die richtige Wahl ist, sei mal dahin gestellt. Stattdessen hätte mal lieber noch ein paar Klassiker der Marke Harte Männer Tanzen Nicht oder Heinz Schwarzenegger ausgraben sollen, aber man kann halt nicht alles haben.

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