Metal Hammer Paradise am Weissenhäuser Strand am 28.11. und 29.11.2025 – Tag 2

Tag zwei am Weissenhäuser Strand mit wesentlich mehr Licht als Schatten

Event: Metal Hammer Paradise 2025

Bands: Saxon, D-A-D, J.B.O, Turbokill, Iron Saviour, Endseeker, Invoke, Brothers Of Metal, Brainstorm, Crimson Veil, Kanonenfieber, Rhapsody Of Fire, Fateful Finality, Apocalyptica, Induction, Velvet Rush, Dymytry Paradox, The Night Eternal, Taskforce Toxicator, Nestor, April Art, Eternal Evil, Tankard, Blacktoothed, Benediction, Bonsai Kitten

Datum: 28.11. – 29.11.2025

Genres: Black Metal, Heavy Metal, Hard Rock, Prog Metal, Fun Metal, NWOBHM, Nu Metal, Modern Metal, Thrash Metal, Death Metal

Besucher: ca. 4000

Ort: Weissenhäuser Strand

Veranstalter: FKP Scorpio, Metal Hammer

Kosten: ab 162,75 € VVK, Tagestickets, 111,50 € Sold Out

Link: Metal Hammer Paradise

Der heutige Tag beginnt um einiges früher. Somit müssen wir bereits deutlich zeitiger los. Die erste Band beginnt bereits um 14:15 Uhr, und die wollen wir natürlich sehen. Nach dem Deponieren der persönlichen Sachen geht es zur

Maximum Metal Stage
Induction, Metal Hammer Paradise, 29.11.2025, Bild: Kay L.

um hier Induction zu sehen. Die Band ist uns bereits Anfang des Jahres beim Epic Fest in Roskilde aufgefallen. Der kraftvolle Power Metal der Hamburger Band, in der auch der Kai-Hansen-Sprössling Tim eine der Gitarren bedient, soll die müden Geister vertreiben. Die Sonnenbrille bei Tim ist vielleicht etwas übertrieben, aber so ist das mit Musikern. Das Zelt ist noch mäßig gefüllt, was sich aber nach den ersten Tönen schnell gibt. Born Of Fire eröffnet und findet schnell Anhänger, die sich mitreißen lassen. Munter geht es weiter: Songs der beiden bereits erschienenen Alben, gespickt mit wenigen Titeln des im Frühjahr erscheinenden dritten Albums Love Kills, wechseln sich ab. Es werden keine Kompromisse gemacht, und so entwickelt sich ein munteres Konzert, das die Menge wachrüttelt. Wir lassen uns noch eine ganze Weile von der Spielfreude begeistern, bevor wir uns auf den Weg zum

Baltic Ballroom

machen, um dort die erste Band zu besuchen. Velvet Rush mit ihrer in einem sexy schwarzen Dress gekleideten Frontfrau Sandra Lian haben sich dem Achtziger-Hardrock mit psychedelisch-bluesigen Anleihen verschrieben und sind uns ebenfalls dieses Jahr schon auf dem Rockharz-Festival begegnet. Die ebenfalls aus Hamburg stammende Combo hat im September ihren ersten Full-Length-Dreher herausgebracht, und davon gibt es hier eine geballte Kostprobe. Trail Of Gold heißt die Platte und beinhaltet einige Perlen. Heart Of Stone beweist die Stimmgewalt von Sandra und die musikalische Ausrichtung ihrer drei Begleiter. Gekonnt – aber davon konnten wir uns ja bereits beim Rockharz ein Bild machen. Nach einer guten Viertelstunde zieht es uns dann aber zur nächsten Band, denn bereits um 15:45 Uhr kommen die aus Tschechien stammenden Dymytry Paradox auf die

Maximum Metal Stage

um sich mit ihrem Modern Metal und maskiert zu präsentieren. Gegründet 2003, damals noch als Dymytry agierend, haben sie zunächst auf Tschechisch gesungen. Erst mit dem Einstieg des Sängers Alen Ljubić konnte eine internationale Karriere mit englischsprachigen Songs beginnen. In ihrem Heimatland sind sie noch immer mit Sänger Protheus unterwegs und singen dort in ihrer Sprache. Schick anzusehen mit ihren Overalls und Masken, geht es mit Revolt, dem ersten englischsprachigen Album, los. Da bleibt kaum ein Bein still stehen, während der Fünfer auf der großen Bühne Gas gibt. Weitere Songs stammen von Five Angry Men, das – wie auch Revolt – ebenfalls auf Tschechisch erschienen ist. Gekonnter Auftritt, der sich leider mit der ersten Band in der Riff Alm überschneidet. Dort haben sich Taskforce Toxicator, die Bandcontest-Gewinner, präsentiert. Auf dem Weg zur anderen Bühne kommen wir noch an den letzten Zügen der April Art-Autogrammstunde vorbei. Die erfolgreiche Truppe hat heute bereits eine Kegelrunde absolviert und steht um 18:15 Uhr auf der Bühne. Bis dahin ist noch etwas Zeit und zunächst sind im

Baltic Ballroom
The Night Eternal, Metal Hammer Paradise, 29.11.2025, Bild: Kay L.

The Night Eternal an der Reihe. Auch die Band ist keine Unbekannte für uns, sind sie doch beim Headbangers Open Air bereits erfolgreich aufgetreten. Ricardo Baum ist an diesem Erfolg maßgeblich mit seiner Stimme und seiner Performance „mitschuldig“. Aber auch die beteiligten Musiker können mithalten, und so gibt es hier einen beeindruckenden Auftritt. Die beiden Alben Fatale und Moonlit Cross liefern dann auch die hier gespielten Songs. We Praise Death, Prince Of Darkness (eigentlich ja Ozzy) und Between The Worlds sind die ersten drei Songs, die uns umhauen. Rasanter Auftritt einer sicherlich aufstrebenden Band. Da nicht so viel Zeit bis zum Auftritt von Nestor bleibt, verlassen wir The Night Eternal, die ichspäter noch bei der Autogrammstunde treffen möchte.

Maximum Metal Stage

Jetzt gibt es eingängigen Mainstream Metal von Nestor. Die schwedische Band feiert seit 2021 einen zweiten Frühling und wird vielerorts gehypt. Weshalb, erschließt sich mir nicht sofort, aber die Band aus Falköping fällt schon mal durch ihre einheitliche Kleidung auf. Schwarz, mit vielen roten Applikationen, verleiht dem Ganzen etwas Abba-Feeling. Musikalisch schön geglättet geht es durch Songs wie We Came Alive, Kids In A Ghost Town, These Days und Caroline. Sei’s drum, es macht Spaß zuzuhören, auch wenn die Musik sicherlich mehr als radiotauglich eingestuft werden kann. Es bleibt uns eine gute Dreiviertelstunde, um rechtzeitig April Art im

Baltic Ballroom

zu sehen. Schnell noch eine Bratwurst gegen den ersten Hunger und hoch zum Baltic Ballroom. Weshalb man diese Band im kleineren Saal auftreten lässt, erschließt sich mir nicht. Der Andrang ist so groß, dass zeitweise der Zugang zum Saal nicht mehr möglich ist. Eigentlich gehören die vier aus Gießen auf die große Bühne. In kürzester Zeit haben es Lisa-Marie Watz und ihre drei männlichen Begleiter zu großer Bekanntheit geschafft und füllen bereits größere Hallen. Es dürfte nicht mehr allzu lange dauern, bis sie zur Speerspitze des Modern Metal gehören. Lisa-Marie ist durchaus ansehnlich und fotogen, was sicherlich durch ihr Outfit und die langen Dreadlocks gefördert wird. Aber auch musikalisch liefern sie ab. Die letzte Platte heißt Rodeo aus dem Jahre 2024 und liefert auch die meisten Songs. Lichttechnisch ist es ebenfalls gut, sodass der bemühte Fotograf gute Bilder erhascht (danke an Olaf Räwel). Zeitgleich schaffen es Eternal Evil, die Riffalm zu füllen. Natürlich sind es Eingeweihte, die da rüber eilen, bzw. diejenigen, die keinen Zutritt mehr zum April Art-Auftritt bekommen. Für uns steht aber nun der Fun Metal von J.B.O. auf der

Maximum Metal Stage

an. Man kann zu der Band stehen, wie man will – sie bekommt das Zelt voll. Ihre eigenwillige Show besticht durch ausgefeilte, integrierte Soundfiles, die an Rammstein, Slayer oder andere Genregrößen erinnern. Dies wird mit deutschen Texten vermischt, aber es sind eindeutige Anleihen nicht zu überhören. Dass es da in der Vergangenheit schon rechtliche Auseinandersetzungen gab, ist nicht verwunderlich. J.B.O. (kurz für James Blast Orchester) verstehen es, die Leute zum Feiern zu bewegen, und Bussi (Pussy von Rammstein lässt grüßen) oder Arschloch Und Spaß Dabei lassen sich hervorragend abfeiern.

Baltic Ballroom
Tankard, Metal Hammer Paradise, 29.11.2025, Bild: Kay L.

Uns zieht es aber von dannen und weiter zu den Thrash-Urgesteinen von Tankard. Max von Lobeck ist ja der Social-Media-Manager der Band und war bereits gestern da. Ein kurzer Plausch ist immer drin und wie es aussieht, haben wir demnächst ein neues Teammitglied. Auch heute ist er vor Ort und darf sich hinter der Bühne frei bewegen. Wir machen das vor der Bühne – und auch hier stellt sich die Frage, warum Tankard auf der kleinen Bühne spielen. Gerre und seine Mitstreiter würden es locker schaffen, das Zelt zu füllen. Auch hier ist der Andrang groß, und schon ab der ersten Minute wird klar: Die bierselige Party geht voll ab. One Foot In The Grave, The Morning After (das kennen sicherlich einige von heute und dürften es auch morgen haben) und Ex-Fluencer machen klar, weshalb ihr Thrash oftmals als Alcoholic Metal bezeichnet wird. Gerre steht kaum still, aber auch Bassist Frank Thorwarth ist nur schwer fotografisch zu erwischen. Auf der kleinen Bühne ist viel Bewegung, und schweißtreibend geht es in die Vollen. Nur wenig Zeit bleibt, um den Wechsel in das Zelt zu schaffen, um auf der

Maximum Metal Stage

D-A-D nicht zu verpassen. Die Dänen begeistern immer wieder, vor allem durch die Brüder Binzer und den Bassisten Stig Pedersen, der die abenteuerlichsten Bässe sein Eigen nennt. Seine Instrumente haben durchgehend nur zwei Saiten, denn die anderen benötigt er nicht. Markenzeichen ist melodischer Heavy Metal, gepaart mit humorvollen Einlagen – insbesondere auf Kosten des armen Schlagzeugers Laust Sonne, der immer wieder herhalten muss. Die als Disneyland After Dark gegründete Band musste den Namen wegen angedrohter Klage des Disney-Verlages in D-A-D ändern. Neben vielen Songs aus ihrer Geschichte darf natürlich ihr größter Erfolg Sleeping My Day Away von No Fuel Left For The Pilgrims aus dem Jahre 1989 nicht fehlen. Da wir die Band bereits oft gesehen haben, nutzen wir die Zeit, bis Benediction auftreten, zur Speisenaufnahme. Der größte Ansturm auf den Italiener ist vorbei, sodass wir schnell einen Platz bekommen und auch schnell gibt es Essen. Italiener geht eben immer.

Baltic Ballroom

Hier treten heute als letzte Band die britischen Death-Metal-Heroen von Benediction auf. Ich kenne nichts von ihnen und lasse mich gern überraschen. Aber richtig warm werde ich mit ihnen nicht. Trotzdem bleibe ich für die ersten Songs da, um zumindest einen Eindruck zu gewinnen. Zeitgleich sind Bonsai Kitten in der Riff Alm, und im Nachhinein ärgere ich mich etwas, nicht hingegangen zu sein. Das soll um einiges besser gewesen sein. Nun ja – man kann eben nicht überall sein. Aber so komme ich in den Genuss einiger Songs wie Scriptures In Scarlet oder Stormcrow. Da wir da nichts weiter erwarten, machen wir uns auf den Weg, um unsere Sachen aus dem Schließfach zu holen. Gleich kommt noch der Samstags-Headliner Saxon, den wir natürlich nicht verpassen wollen. Zwar durfte ich auch dieses Jahr die NWOBHM-Legende beim Rockharz sehen, aber nach der überstandenen Erkrankung von Biff Byford wird einem klar, dass man diese Auftritte mitnehmen sollte. Es wird einem deutlich gemacht, wie schnell das alles vorbei sein kann.

Maximum Metal Stage
Saxon, Metal Hammer Paradise, 29.11.2025, Bild: Kay L.

Es ist voll im Zelt. Fast alle Fotografen kommen noch mal zusammen, um den Auftritt auf Zelluloid zu bannen – naja, eher auf Speicherkarten heute. Saxon beginnt mit Hell Fire And Damnation und machen klar, wohin die Reise geht. Klassischer Heavy Metal einer der größten Bands der Achtziger. Auch wenn sie nie ganz so erfolgreich wurden wie Judas Priest oder Iron Maiden, haben sie ihre Fangemeinde – …und die ist heute vollständig versammelt. Es wird gespielt, was alle hören wollen: Power And The Glory, Heavy Metal Thunder, Sacrifice und weitere Klassiker sind auf der Setlist. Biff Byford, unterhaltsam wie immer, hat alle im Griff, und die Begleitmusiker, unter anderem Doug Scarratt und Brian Tatler von Diamond Head, liefern ab. Das hat Stil und ist ein würdiger Abschluss des Festivals. Natürlich dürfen 747 (Strangers In The Night) genauso wenig fehlen wie zum Ende hin Crusader und Princess Of The Night. Damit werden die Festivalgänger in die Nacht entlassen. Ich habe es noch zur letzten Autogrammstunde von The Night Eternal geschafft, um meine mitgebrachte Platte zumindest von drei Beteiligten unterschreiben zu lassen. Bereits davor habe ich mich von den Kolleg:innen verabschiedet und freue mich bereits jetzt, die meisten im kommenden Jahr hier wieder treffen zu können.

Ein großes Dankeschön an an den Metal Hammer und FKP Scorpio für die Möglichkeit, dabei sein zu dürfen, und auch an die freundlichen Secus, die einem das Gefühl gegeben haben, sicher zu sein. Highlights des Tages waren sicherlich Saxon, aber auch Tankard, The Night Eternal und Induction konnten überzeugen. Nicht ganz so spät wie gestern geht es zurück.

Metal Hammer Paradise am Weissenhäuser Strand am 28.11. und 29.11.2025 – Tag 1