Mittelalterliches Phantasie Spektakulum am 06. – 07.04.2019 im Schlosspark in Bad Säckingen

Das MPS macht auch 2019 Halt am Hochrhein

Event: Mittelalterliches Phantasie Spektakulum

Bands: Cultus Ferox, Pur Pur, Runeas, Comes Vagantes, Streuner, Duivelspack, Weltenkrieger

Ort: Schlosspark, Schönaugasse 5, 79713 Bad Säckingen

Datum: 06. – 07.04.2019

Kosten:
Samstag 06.04.2019 bis 5 Jahre frei
ab 6 Jahre VVK: 8,-/13-, € TK: 18,- €
ab 16 Jahre VVK: 25,-/30,- € TK: 35,- €
Sonntag 07.04.2019 bis 15 Jahre frei
ab 16 Jahre VVK: 20,- € TK: 20,- €
ab 55 Jahre VVK: 10,- € TK: 10,- €
ab 66 Jahre frei
2 Tagesticket: ab 16 Jahre VVK: 40,-/45,- € TK: 50,- €

Genre: Mittelalter Rock, Folk Rock, Marktmusik, Rock, Elektronik

Besucher: 5000 + pro Tag

Veranstalter: Mittelalterliches Phantasie Spektakulum https://www.spectaculum.de

Links: https://www.facebook.com/events/868090480249088/
https://www.spectaculum.de/termine/saeckingen/

Am 06 und 07.04.2019 ist es wieder einmal so weit, der Schlosspark in Bad Säckingen wird in ein mittelalterliches Flair getaucht. Der Tross des größten reisenden Mittelaltermarktes, des Mittelalterlichen Phantasie Spektakulums, schlägt seine Zelte auch in der 26. Spielsaison unter dem Motto „Endlich Wieder Zuhause“ am Hochrhein auf und mit ihm kommen Ritter, Edelleute, Bettler, Hofnarren, Mönche, Spielleute, Gaukler und auch Tote in die Stadt.
Der Schlosspark ist ein wahres Naturidyll, direkt in der City und am Rhein gelegen. Das Zentrum des Parks bildet das wunderschöne, kleine Schloss Schönau, um das herum sich das MPS-Spektakel abspielt, während auf der Rheinseite des Parks der Diebsturm einen herrlichen Ausblick auf Europas längste Holzbrücke bietet, welche Bad Säckingen mit der Schweizer Stadt Stein verbindet. So kann der MPS-Besuch gleich mit einem kurzen Trip in die Schweiz verbunden werden, wo am anderen Rheinufer passend zum Markt immer ein kleiner Flohmarkt stattfindet. (Achtung: Unbedingt einen Ausweis dabei haben, da der Zoll sich alljährlich mit Drogensuchhunden an der Brücke postiert.) Der Schlosspark ist definitiv einer der schönsten Veranstaltungsorte des MPS, aber auch der kleinste. Eigentlich hieß es im letzten Jahr, das 2018 das letzte MPS in Bad Säckingen stattfindet, doch wen interessiert schon das Geschwätz vom letzten Jahr …, das Spektakel am Hochrhein geht natürlich in die nächste Runde!

Während ich sonst beide Tage in Bad Säckingen war, kann ich in diesem Jahr nur am Sonntag, denn gestern hatte das No Playback Festival in Karlsruhe Priorität. Während das Wetter gestern noch weitestgehend frühlingshaft war, sieht es heute nicht so prickelnd aus. Schon als ich früh aus dem Bett krieche, schüttet es wie aus Eimern. Schnell mal einen Blick bei wetter.de riskieren und dann entscheiden: Auf den Weg machen, oder wieder ab ins Bett. Mhm …, Bad Säckingen bewölkt und kühl, aber trocken …, wer`s denn glaubt. Trotzdem mache ich mich auf den Weg und tatsächlich, unterwegs schon klart es auf und teilweise schaut sogar etwas Sonnenähnliches durch die Wolken. So öffnen sich pünktlich um 11 Uhr die Tore. Da heute der verbilligte Familientag ist, füllt sich der Schlosspark rasch und ein buntes Gewusel aus Gewandeten, Familien und Kindern nimmt seinen Lauf. Etwa 30 Minuten nach dem Einlass wird dann der Markt offiziell durch Bruder Rectus eröffnet, der mit dem Hässlichen Hans, dem Tod und der Fechtkampfgruppe Fictum auf der großen MPS-Bühne seine unheilige Morgenmesse zelebriert. Mit dem einen oder anderen Kirschbier und unflätigen Flüchen auf der Zunge wird es eine witzige Zeremonie, in die auch immer wieder das Publikum eingebunden wird. Nachträglich gibt es auch noch Geburtstagsgrüße für Veranstalter Gisi, der gestern Geburtstag hatte, doch gleichzeitig wird drauf hingewiesen, dass man ihn besser nicht darauf anspricht. Auch die Spielleute Runeas und Comes Vergantes kommen kurz zum Zug und dürfen jeweils einen Song zum Besten geben, da sie bei der gestrigen Morgenmesse wohl vergessen wurden. Nach der Eröffnungszeremonie hat man noch gerade Zeit sich mit etwas Flüssigem zu versorgen, bevor die Spielleute Comes Vergantes auch das musikalische Wochenende eröffnen. Der Markt in Bad Säckingen ist etwas Besonderes unter den MPS-Veranstaltungen, quasi ein Unplugged MPS, denn da der Park mitten in der City gelegen ist, werden hier zum Anwohnerschutz nur die leiseren Bands eingeladen. Seit 2013 lassen die örtlichen Lärmschutzauflagen keine übermäßige Beschallung mehr zu, was die Macher des MPS dazu zwingt, das ganze Festival komplett unverstärkt durchzuführen. Back to the Roots heißt seitdem die Devise. Für Rock- und Metalfans wird es somit natürlich zum uninteressantesten aller MPS Wochenenden, aber manchmal kann man sich ja auch mit ruhigeren Folktönen zufriedengeben. Mit ihrem bunten Mittelalter-Folk nehmen die Comes Vergantes aus dem Kreis Nienburg / Weser dann schon am frühen Mittag das Publikum mit auf eine musikalische Reise. Mit ihren bezaubernden Klängen bringen sie doch tatsächlich schon den einen oder anderen zum Tanzen, während andere es vorziehen, den Schlosspark genauer in Augenschein zu nehmen.

Das Programm des MPS ist wie immer sehr abwechslungsreich und es gibt vieles zu entdecken. Viele Händler haben den Weg nach Bad Säckingen gefunden und so ist das Angebot ziemlich groß. Vom einfachen Lederband über Messer, Deko, Musik, Schmuck, bis hin zu Gewandungen, Schwertern und gar ganzen Ritterrüstungen ist alles zu bekommen, was das mittelalterliche Herz begehrt. Auch diverse Handwerker geben einen interessanten Einblick in alte Berufe wie den des Schmieds, des Töpfers oder des Bildhauers. Die kleinen Besucher zieht es dagegen zum Puppentheater Kiepenkasper, der mit seinen hölzernen Figuren einzig, aber nicht artig ist. Auch die Gaukler Lupus und Bagatelli und Zauberer Orlando Von Godenhaven lassen viele Kinderaugen leuchten. Die Großen führt der Weg dann doch eher an die verschiedenen Tavernen, um den Tag mit ein paar Met oder Kirschbieren langsam einzuläuten.

Herrschten hier im letzten Jahr noch Temperaturen von über 30 Grad, sodass man sich fast nur unter dem Sonnensegel, oder direkt am Rhein aufhalten konnte, so sind die Wettergötter heute gnädig gestimmt. Es bleibt tatsächlich trocken und die Temperaturen sind durchaus angenehm. Der Platz vor der Hauptbühne unter dem Sonnensegel ist trotzdem schnell gefüllt, heute nicht wegen der Temperaturen, doch aber wegen Cultus Ferox, die dort zwischenzeitlich auf der Bühne stehen. Der Bandname stammt aus dem lateinischen und bedeutet nichts anderes als Wilde Lebensart – und genau das praktiziert die Band dann auch auf der Bühne. Die Berliner verstehen es wieder einmal, mit ihrer energiegeladenen Dudelsack Rock Show das Publikum zu animieren. Die Songs sind größtenteils instrumental und erzählen so Geschichten über die mittelalterliche Lebensweise, über Sagen und Mythen, über die heidnische Religion und über Piraterie. So wird auf und vor der Bühne wild getanzt und gefeiert. Geboten wird eine kraftvolle, abwechslungsreiche, energetische Liveshow, geprägt von Sackpfeifen und Perkussionsinstrumenten. Die Musiker bringen alle jahrelange Erfahrung aus anderen großen Szenebands mit – so spielten die Mitglieder schon bei Corvus Corax, Tanzwut, Wolgemut und Heidenlärm. Das macht auch den Stil der Band aus, mittelalterliche Dudelsäcke und Trommeln treffen auf Elemente aus Rock und Elektronik. Mal ruhig und traditionell, dann wieder kraftvoll und mitreißend. Die Spiellust ist in jedem Moment spürbar und überträgt sich prompt auf das Publikum, das auch hier in Säckingen genießen und nicht stillstehen kann. Vor der Bühne ist ordentlich Stimmung, es wird geschunkelt, gesungen, getanzt und gefeiert. Leise wird es nur kurzfristig, als zwischendurch auch noch eine sehr nett anzusehende Tänzerin in knappem Mini-Outfit auf die Bühne kommt, denn da ist die Männerwelt kurzzeitig abgelenkt und ist mit Gaffen beschäftigt. Die Band um den heiligen Brandanarius sucht in der Mittelalterszene sicherlich ihresgleichen und hebt sich von anderen Bands ab. Das Gelände hat sich in den Nachmittagsstunden erheblich gefüllt und mehrere Tausend Gäste sorgen überall für dichtes Gedränge. An den diversen Theken haben die Mädels alle Hände voll zu tun. Besonders gut gehen der obligatorische Met, aber auch die nicht alltäglichen Biersorten wie Kirschbier, Apfelbier, Ginger Bier und Schwarzer Abt. Auch für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt, angeboten werden u.a. Zyklopenspieße (300 g feinstes Schweinefleisch) oder Hexenpeitschen (ein halber Meter Mettwurst). Zu den Stoßzeiten bilden sich hier allerdings lange Schlangen und man muss etwas Geduld mitbringen. Auch wenn es heute nicht so heiß ist wie im letzten Jahr, sind die gewandeten Besucher und Schausteller in ihren schweren Rüstungen, Masken und Leder- und Felloutfits ganz sicher nicht zu beneiden, doch die allermeisten machten gute Miene zum bösen Spiel und posieren immer wieder geduldig für Fotos. So auch die Fechtkampfgruppe Fictum, die während des Tages mehrfach ihre Schaukämpfe aufführt. Gut, dass die Rüstungen alle aus rostfreiem Edelstahl hergestellt sind, denn auch bei den recht kühlen Temperaturen fließt der Schweiß in Strömen. Auf die großen Ritterturniere mit Pferden und Feuerspektakel muss hier aus Platzgründen verzichtet werden, nichtsdestotrotz finden sich auch so viel Interessierte zu den Shows ein. Auch auf die Heerlager muss aus Platzgründen hier in Bad Säckingen verzichtet werden.

Dadurch, dass alle Bands mehrfach über den Tag verteilt auftreten, haben wir am Nachmittag auch noch die Möglichkeit die anderen Bands wie Weltenkrieger, Pur Pur, Die Streuner, Duivelspack und Runeas zu bewundern. Als Metalfan kann ich jedoch mit den meist ruhigeren Folktönen nicht so viel anfangen und bleibe meist nur kurz an den einzelnen Aktionsbühnen. Nichtsdestotrotz können auch diese Bands allesamt das mittelalterliche Volk begeistern, denn vor allen Bühnen versammeln sich die Publikumsmassen und feiern ausgelassen mit den Bands.

Obwohl überall was los ist und immer noch weitere Besucher auf das Gelände strömen, finde ich heute nicht wirklich einen Draht zu dem Spektakel, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich noch von gestern angeschlagen bin und auch kaum geschlafen habe. So mache ich mich schon am späten Nachmittag wieder auf den Heimweg und lasse den Sonntag noch leiser ausklingen.

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