“Eine Tour, die man einfach nur noch mal besuchen möchte. “

Headliner: Our Last Night

Vorbands: Blessthefall, New Volume,

Ort: Backstage Werk, München

Datum: 07.10.2017

Kosten: VVK 26,70 €

Genre: Post-Hardcore, Metalcore

Besucher: ca. 2000

Veranstalter: Backstage Concerts GmbH

Link: https://www.muenchenticket.de/guide/tickets/20yp1/Our+Last+Night.html

Setlists:

  1. Broken Lives
  2. Same Old War
  3. I’ve Never Felt This Way
  4. Prisoners
  5. Road To Throne
  6. Fate
  7. Tongue Tied
  8. Ivory Tower
  9. Shape Of You (Ed Sheeran Cover)
  10. Falling Away
  11. Reality Without You (Akustik)
  12. White Tiger
  13. Dark Storms
  14. Ghost In The Machine
  15. Younger Dreams
  16. Look What You Made Me Do (Taylor Swift Cover)
  17. Home
  18. Common Ground
  19. Sunrise

  1. 2.0
  2. What’s Left Of Me
  3. Hollow Bodies
  4. Youngbloods
  5. See You On The Outside
  6. Hey Baby, Here’s that Song You Wanted
  7. Dead Air
  8. You Wear A Crown But You’re No King

Die Selective Hearing Tour bekam vor wenigen Tagen einen bitteren Beigeschmack, als The Color Morale aus persönlichen Gründen absagen mussten, war doch die Vorfreude auf alle beteiligten Bands mehr als gegeben. Aber natürlich geht davon nicht die komplette Tour unter, und so fanden sich Our Last Night als Headliner zusammen mit Blessthefall und New Volume im Backstage Werk in München ein, um den Besuchern eine ordentliche Portion Musik und Party zu liefern.

Auch wenn das Konzert an diesem Abend nicht bereits vorher ausverkauft war, so wirkt dies dennoch so – die Schlange, die sich vor dem Backstage bereits aufbereitet hat, zieht sich bis zur Straße hinweg. Das Publikum zeichnet sich durch vor allem junge Menschen aus, aber durchaus mit unterschiedlichstem Merchandise. Der Einlass ist und bleibt im Backstage in München problemlos, sodass sich die Schlange in gefühlt 5 Minuten auflöst und man ohne große Ungeduld den Weg in das Werk bestreiten kann. Bereits direkt beim Eingang warten die verschiedenen Merchandise Stände auf die Besucher und es wird auch vor der ersten Band ordentlich eingekauft, während sich die ersten Reihen vor der Bühne bereits gebildet haben. Diese sind vor allem mit weiblichen, jüngeren Fans gefüllt, welche ganz klar bereits für den Headliner bereit sind. Andere lassen es da ruhiger angehen, besorgen sich erst mal etwas zu trinken oder genießen einfach die jetzt endlich herrschende Wärme.

Und natürlich gibt es nichts Schöneres, als wenn ein musikalischer Abend verspricht vielseitig zu werden: Mit New Volume als Ersatz für The Color Moral sowie Blessthefall hat Our Last Night ein interessantes Package mitgebracht, welches bereits die Vorfreude steigerte und definitiv wohl auch dafür sorgte, dass sich das Werk mehr als nur gut füllt und an diesem Abend doch noch den Ausverkauf macht.

New Volume wurden erst kurz vor Tourbeginn als Ersatz für The Color Morale angekündigt – eine interessante Wahl, bewegt sich das Trio doch eher im Rock bzw. Alternative Rock und liegt somit musikalisch etwas von Our Last Night und Blessthefall entfernt. Ein wenig leer wirkt die Bühne, als das Trio sein Set beginnt, aber schon bald wird dieser Aspekt vom unglaublich qualitativen Gesang von Tyron Layley abgelöst, welcher zwar nicht Screams oder ähnliche Metalelemente beinhaltet, aber somit auch New Volume eine ganz eigene Seite und irgendwie Besonderheit an diesem Abend verleiht. Ebenso besonders musikalisch präsentiert sich auf der Bühne Ryan Morris, der neben der Gitarre auch noch für Keyboard und Backround Vocals sorgt, ein wahres Multitalent also. Durch diese zusätzlichen Elemente, insbesondere dezente Keyboard Parts, wirkt die Musik von New Volume besonders erfrischend und fast etwas neuartig – zumindest nicht, was man so direkt bei einem typischen „Core“ Abend erwartet hätte, sondern Alternative Rock in einer ganz neuen Verpackung und Kreativität, die auch bei den Zuschauern Anklang findet. Eine Band, die man also definitiv im Auge behalten sollte.

Nach dem Auftritt beginnt die Umbaupause zu Blessthefall, die sich doch recht amüsierend entwickelt, als plötzlich Justin Bieber durch das Werk spielt und alle weiblichen Fans lautstark mitsingen – ein Mixgefühl von gequälter Faszination macht sich da breit, wieso Menschen solche Musik gefällt, wenn sie sich auf einem Rock bzw. Metal Konzert befinden. Das Ganze wird danach mit Fall Out Boy und Panic! At The Disco wieder etwas ausbalanciert. Normalerweise nimmt die Musik in den Umbaupausen keine wirkliche Wichtigkeit an, wenn allerdings drei Songs hintereinander laut mitgesungen werden, dann weiß man, dass das Publikum zumindest bester Laune ist. Aber auch diese Pause soll ein Ende finden und so geht das Konzert mit Blessthefall weiter.

Blessthefall sind wahrlich kein Neuling, was die Konzerte in Deutschland angeht, dennoch trifft man sie meistens, genauso an wie hier jetzt auch, als Support bzw. innerhalb einer etwas größer angelegten Veranstaltung. Irgendwann dürfte da ruhig mal eine eigene Headliner Tour stattfinden, doch solange muss man sich eben mit dem zufriedengeben, was man bekommt. Auf vorherigen Konzerten und Festivals zeigten sich Blessthefall stets etwas schwierig, da sie zwar durchaus durch Bühnenpräsenz und Show glänzen konnten, aber insbesondere die Vocals stets etwas schwach ausfielen und man somit als Zuhörer nicht unbedingt 100 % zufrieden war. An diesem Abend wird aber schnell nach dem Beginn von 2.0 klar: Heute stimmt endlich mal alles! Sowohl die Screams, als auch der Clean Gesang sind mehr als deutlich zu hören, kommen bei den Zuschauern an und selbst im sich sofort bildenden Mosh Pit gehen eben genau diese Vocals nicht verloren. Die Energie, welche Blessthefall sofort im Publikum hervorrufen, ist kaum zu ergreifen, scheint sich doch plötzlich jeder auf den Beinen oder irgendwie umher schwingend in Bewegung zu befinden. Craig Mabbit wirft auch ordentlich Wasserflaschen zur Abkühlung ins Publikum und sorgt auf der Bühne für mehr als genug Bewegung – Blessthefall verstehen es, das Publikum zu bewegen, zu animieren und einen Eindruck zu hinterlassen. Der Soundqualität ist dabei während des Sets definitiv eine der besten, die die Band jemals präsentierte und da kommt der Wunsch nach einer eigenen Headliner Show nur noch mehr auf, denn das Set zeigt sich leider recht kurz und so ist der schöne Auftritt etwas zu schnell wieder vorbei.

Dennoch steht das Highlight des Abends noch bevor: Our Last Night ist eine Band, die ich zugegeben nie wirklich aktiv gehört habe und dementsprechend war ich eher neugierig und gespannt als voller Vorfreude, was da wohl auf mich zukommt. Der Bühnenaufbau, mit vor allem vielen Lichtern, zeigt sich zumindest vielversprechend. Und kaum geht es mit Broken Lives los, wird wohl jedem Unwissendem klar, wieso der Raum so komplett gefüllt ist. Was man vielleicht der Band selbst gar nicht so zugetraut hätte: Mit ausgezeichneten Vocals und schnellen Wechseln zwischen energiegeladen Screams und Gänsehautmomenten jagen Our Last Night das Publikum durch ihre Songs und veranlassen, dass wahrlich keinen Stein auf dem anderen bleibt. Die erste Hälfte des Raumes bewegt sich in einem Pit, welchen man bei einer Post-Hardcore Band so gar nicht erwarten würde. Auch nimmt sich die Band die Zeit zwischen den Songs, um den Fans zu danken und ein wenig zu plaudern – so werden Witze gerissen, über Unterschiede zwischen Amerika und Deutschland gesprochen und auch ein wenig das Set und die Tour selbst den Besuchern noch einmal etwas näher gebracht, denn Our Last Night haben so einige Besonderheiten im Gepäck. So z.B. die Akustik Version von Reality Without You, welche, laut Aussagen der Band, vor allem von deutschen Fans stetig gewünscht wird und genau deswegen nun endlich den Weg ins Set gefunden hat. Insbesondere Trevor Wentworth beweist, dass er wunderbar schnell und präzise zwischen verschiedenen Gesangslagen variieren kann und auch zusammen mit seinem Bruder Matt, der singt und Gitarre spielt, zeigen Our Last Night eine musikalische Stärke und Präzision.

Natürlich dürfen auch die berühmten Coversongs von Our Last Night nicht fehlen, welche sie stets auf Youtube hochladen und die sich einer großen Beliebtheit erfreuen – dieses Mal auch wieder mit Ed Sheeran und Taylor Swift im Gepäck. Hier zeigt sich die Tatsache kein Radio anzuhören, sondern sich stets mit der „eigenen“ Musik zu beschäftigen übrigens als eher negativ, da mir persönlich die Originale hinter dem Cover nicht wirklich bekannt sind – dennoch sind auch diese Songs von gewohnter Qualität und steigern noch einmal zusätzlich die Energie im Publikum. Auch die Länge des Sets kann sich mit knapp 20 Songs durchaus sehen lassen und eine Meisterleistung des Crowdsurfings zeigt noch Alex, welcher sich von der Bühne bis zur Bar und auch wieder zurücktragen lässt, dabei natürlich noch den Bass zu Home liefert – keine schlechte Leistung, vor allem da im Backstage Werk Treppen und Geländer bis zur Bar zu überwinden sind. Mit Sunrise als Zugabe verabschieden sich Our Last Night und man kann wohl definitiv sagen, dass sie den Abend wahrlich verzaubert haben und das Werk auseinandergenommen wurde.

Die Selective Hearing Tour steht für viele Städte erst noch bevor und dennoch kann man jetzt bereits sagen, was für eine unglaublich coole Tour mit spannenden Künstlern auf die vielen Fans wartet. Mit New Volume frisch im Gepäck wartet ein interessantes Alternative Trio auf die Zuschauer, welches es versteht, sich musikalisch von jeglicher Norm abzuheben und dabei ihr ganz eigenes Ding durchzuziehen. Blessthefall präsentieren sich überraschend stark und sind wahre Experten darin, Energie im Publikum sowie auf der Bühne zu entfachen. Our Last Night zeigen sich vor allem gesanglich und menschlich unglaublich stark, wechseln die Songs doch zwischen Gänsehautmomenten und Ausrastermomenten hin und her, ohne dabei unstimmig zu wirken. Eine Tour, die man einfach nur noch noch mal besuchen möchte.

 

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