Teramaze – Her Halo

“Ein Licht in der dunklen Jahreszeit“

Artist: Teramaze

Herkunft: Melbourne, Australien

Album: Her Halo

Spiellänge: 56:36 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 30.10.2015

Label: Music Theories Recordings/Mascot Label Group

Link: https://www.facebook.com/teramaze und http://www.teramaze.com.au/

Bandmitglieder:

Gesang – Nathan (The Bliz) Peachey
Gitarren und Backgroundgesang – Dean Wells
Bassgitarre – Luis Eguren
Schlagzeug – Dean Kennedy

Tracklist:

  1. An Ordinary Dream (Enla Momento)
  2. To Love, A Tyrant
  3. Her Halo
  4. Out Of Subconscious
  5. For The Innocent
  6. Trapeze
  7. Broken
  8. Delusions Of Grandeur

Teramaze - Her Halo

 

Mit neuem Plattenlabel und neuem Sänger ausgestattet, schicken sich Teramaze an, ihr fünftes Album Her Halo am 30.10.2015 zu veröffentlichen. Vorab wurde bereits das komplette Album als Stream zur Verfügung gestellt. Gegründet wurde Teramaze von Dean Wells schon, als er noch Teenager war. Die beiden Alben vor dem 2012er Album Anhedonia verkörpern allerdings nach seiner Aussage nicht das, was Teramaze ausmacht. Kann ich nichts zu sagen, ich bin erst bei Anhedonia eingestiegen 😉

Dass eine Band mit dem längsten Stück des Albums startet, ist ja mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr, aber ich zucke trotzdem immer noch ein wenig zusammen, wenn ich lese, dass ein Song länger als 10 Minuten ist 😀 An Ordinary Dream (Enla Momento) startet noch sehr verhalten, aber das ist nach einer Minute vorbei, wenn die Band gleich mal zeigt, welche Richtung sie einschlagen möchte. Und dann kann man auch gleich zum ersten Mal den neuen Sänger Nathan Peachey hören. Mich erinnert er in den höheren Gesangspassagen, die er hervorragend beherrscht, sehr an Ashe Austin O’Hara (ex-TesseracT), das macht ihn mir gleich sehr sympathisch, denn ich bedaure es nach wie vor, dass Ashe Austin O’Hara nicht mehr bei TesseracT ist. Sehr ruhig geht es im mittleren Teil des Songs zu, bei dem auch ein gesprochener Text eingespielt wird, der von einem absolut Gänsehaut erzeugenden Gitarrensolo abgelöst wird. Danach nehmen Teramaze den Faden mühelos wieder auf, das schaffen auch nicht alle Bands. Das knapp zweiminütige Outro ist dann wieder sehr verhalten.

Mit To Love, A Tyrant legen Teramaze einen Härtegrad zu. Die Gitarrenriffs in Kombination mit den Keyboards lassen den Song in meinen Ohren relativ kalt und technisch (im positiven Sinne) klingen und mich ein wenig an MyGrain denken.

Und dann kommen gleich drei meiner Anspieltipps hintereinander weg. Beim Beginn von Her Halo befürchte ich schon, dass das jetzt eine Ballade wird, und ganz grob könnte man den Song auch so einordnen. Aber durch den etwas an Fahrt aufnehmenden und ziemlich bombastisch gehaltenen Refrain gewinnt der Song ungemein. Und dann dieses wunderbare Gitarrenspiel… Zum folgenden Out Of Subconscious haben Teramaze vorab ein Video veröffentlicht, was meine Vorfreude auf das Album noch mal mächtig gesteigert hat. Dieser überwiegend im Uptempo gehaltene Song steht am besten für den Sound von Teramaze, den ich mittlerweile auch aus meiner ziemlich umfangreichen Musiksammlung sehr schnell heraushöre. Es könnte höchstens Verwechslungsgefahr mit TesseracT bestehen, zumindest, was den Gesang betrifft. Ansonsten sind hier mindestens gleichwertige Künstler am Werk; was da an den Saiteninstrumenten und am Schlagzeug abgeliefert wird, ist erste Sahne. For The Innocent ist in den einzelnen Strophen fast schon tanzbar, das Schlagzeugspiel im Übergang zum Refrain kommt hier richtig gut durch und schafft es, in Kombination mit den anderen Instrumenten, fast so etwas wie einen Spannungsbogen aufzubauen.

Beim instrumentalen Trapeze darf sich dann insbesondere Dean Wells mal richtig austoben. Da er ja schon in bislang jedem Song sein mehr oder weniger ausgedehntes Solo hatte, ist dieser Song für mich fast schon entbehrlich.

Rein akustisch und als Ballade fängt Broken an. Nathan Peachey singt in normaler Stimmlage, und irgendwann steigt die Band in den sich zur Powerballade entwickelnden Song ein. Erstaunlich finde ich, dass die akustische Gitarre weiter mitläuft, wobei ich mich frage, wie Teramaze das alles auf der Bühne umsetzen wollen. Natürlich gibt es auch hier die mittlerweile ja schon obligatorischen Gitarrensoli, bevor der Song sehr abrupt endet.

Beim letzten und zweitlängsten Song des Albums, Delusions Of Grandeur, fahren Teramaze noch einmal alles auf, was dieses Album für mich so absolut hörenswert macht. Mich erinnert dieser Song an ähnliche Glanztaten von Circus Maximus, die genauso in der Lage sind, Spannungsbögen aufzubauen und dann auch weiterzuführen. Ans Ende passt der Song allerdings nicht, denn danach ist die Stille umso lauter.

Und dann ist das Album nach noch nicht mal einer Stunde zu Ende. Wenn ich überlege, dass das Vorgängeralbum bei 13 Songs eine Spielzeit von fast 80 (in Worten: achtzig) Minuten hatte, ist das hier schön auf das Wesentliche reduziert, nämlich die klasse Musik im Teramaze-typischen Stil. Einige Soli und Instrumentalpassagen könnte man rein theoretisch vielleicht auch etwas kürzen, aber Progressive Bands dürfen (fast) alles 😀

Fazit: Nachdem mich ja das Vorgängeralbum Esoteric Symbolism schwer beeindruckt und mich auch mit Anhedonia ein wenig versöhnt hat, habe ich mich natürlich sehr gefreut zu lesen, dass das nächste Album zur Veröffentlichung ansteht. Und Teramaze haben es definitiv geschafft, sich noch einmal zu steigern. Das mag auch ein wenig am neuen Sänger Nathan Peachey liegen, der mich mächtig an den von mir heiß und innig geliebten Ashe Austin O'Hara (ex-TesseracT) erinnert. Aber auch das Songwriting stimmt, die Lieder sind schlüssig, eingängig, sehr abwechslungsreich und haben definitiv die Klasse, Teramaze auf die nächste Stufe im Progressive Metal zu heben.

Anspieltipps: Her Halo, Out Of Subconsicous, For The Innocent und Delusions Of Grandeur
Heike L.
9.5
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