The Other – Alienated

Lässig abhängen mit dem Geist von Vincent Price

Band: The Other

Ort: Nordrhein-Westfalen

Album: Alienated

Label: Massacre Records / Fiend Force Records

Release: 31.10.2025

Genre: Punk Rock, Horror Punk

Link: https://www.theother.de/

Bandmitglieder:

Gesang– Rod Usher
Gitarre – J. Ends
Gitarre – Van Tom
Bass – Andy Only
Schlagzeug – Jag Boone

Tracklist:

  1. Hellfire
  2. I Give You The Creeps
  3. A Ghost From The ’80s
  4. Hier Sein
  5. I Need Blood
  6. Alienated
  7. In The End
  8. Horror Movie Monster
  9. The Witch From Outer Space
  10. Don’t Be Afraid Of The Night
  11. Batcave
  12. I Know Your Name
  13. Die Human Die

Wie die großartigen Edgar-Allen-Poe-Verfilmungen mit Vincent Price geht die illustre Geschichte von The Other in ein weiteres Kapitel – das neunte, benannt Alienated – und ist immer noch ein Grund, pathetische Texte, ausufernde Chöre und hymnische Refrains mit Kerzenschein abzufeiern. Metal, Pop, Gothic und Punk Rock in einer Dreiviertelstunde ohne Fehl und Tadel vereint. Vampire, Monster, Fledermäuse, Spinnen, und Liebe tummeln sich in den 13 Kompositionen, dass es eine wahre Freude ist. Mit alten und neuen Mitstreitern zelebriert Rod Usher unnachahmlich die Romantik des Horrors.

Mit dem typischen Horror-Punk-Song Hellfire startet der düster-beschwingte Reigen. Schon mit I Give You The Creeps erreichen The Other den ersten Höhepunkt. Das Stück trieft nur so vor schwärmerischem Pathos und Klischees in Blutrot, eine rasende Hymne voller Oh-ohs und 80er-Feeling. Veredelt wird die ausgelassene Stimmung mit A Ghost From The ’80s, das all den coolen Slashern und Monstern aus der großartigsten aller Dekaden ein überschwängliches Denkmal setzt. Ein Loblied mit herzergreifenden Melodien wie eine Filmszene, in der wollüstige Leidenschaft in rasende Eifersucht mündet.

Deutsch war nie die große Ausdrucksform der Poetik der Gänsehaut. So ist auch Hier Sein zu schmalzig, zu melodramatisch, um wahr zu sein. Dafür wird im Nachgang die Lust auf Blut mit I Need Blood auf vollmundig metallische Art und Weise befriedigt. Bevor Rod Usher und Kapelle ein Preislied auf die Außerirdischen, die Ausgestoßenen, die Unverstandenen anstimmen. Wir sind Alienated, wir sind wunderschön! Wir träumen sehnsüchtig vom Ende, mit dem alles wieder gut wird – In The End. Denn das Ende ist auch immer ein Neubeginn, in diesem Fall für die folgenden sechs der insgesamt 13 Grusel-Lieder.

Lässig und selbstverliebt wie Dracula, ganz im Stile von The Damned, steigern sich The Other in einen Breitwand-Chorus in satten Technicolor-Farben. Wer wäre nicht gerne ein Horror Movie Monster? Und würde der Nacht die dunklen Ecken und formlosen Schatten nehmen? Sodass das dunkle Pendant des Tages frei von unaussprechlichen Ängsten ist. Wo Macho-Macker eine Männerhöhle brauchen, um richtig Mann sein zu können, reicht uns eine Batcave, in der wir die dunklen Facetten in uns zelebrieren können und in Hurra-Chören das Ende der Menschheit herbeisehnen. Die Human Die: rheinländisch für Die Monster Die!

The Other – Alienated
Fazit
Einem Missgeschick in Form einer weniger gelungenen 08/15-Cover-Version des Ultravox-Klassikers Dancing With Tears In My Eyes kann eine Wiedergeburt folgen. The Other schaffen diese in Form von Alienated. Die feilgebotenen 45 Minuten sind voll von all den guten Momenten, die einen guten Gruselfilm ausmachen: Mord und Romantik, Liebe und Tod, Trauer und Jubel, einsames Piano und Orchester. Alienated ist die musikalische Untermalung einer ausgelassenen Halloween-Party, wie es sie nur einmal im Jahr geben kann und nicht jeden Tag. Oder doch – nur ohne kindische Kürbisse. The Other machen jeden Abend zum Samhain.

Anspieltipps: A Ghost From The ’80s, Horror Movie Monster, Don't Be Afraid Of The Night und Die Human Die
Kristian H.
8.6
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