Tony Mitchell – Church Of A Restless Soul

Schnittmenge aus Melodic Rock, Hard Rock und AOR mit ein paar richtigen Melodie-Höhepunkten, aber auch zu viel Durchschnittsware

Artist: Tony Mitchell

Herkunft: Großbritannien

Album: Church Of A Restless Soul

Spiellänge: 65:44 Minuten

Genre: Melodic Metal, Melodic Rock, Hard Rock, AOR

Release: 28.08.2020

Label: AOR Heaven

Link: www.facebook.com/tmitchellofficial/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre, Keyboards, Bass – Tony Mitchell
Gitarre – Paul Hume
Gitarre – Tim Manford
Bass – Nigel Bailey
Schlagzeug – Neil Ogden

Tracklist:

1. Church Of A Restless Soul
2. Living On The Run
3. In & Out Of Love
4. The Mighty Fall
5. Electric
6. I Believe In Angels
7. Killing Me To Love You
8. Never Wanted Love
9. One Good Reason
10. Sacrifice
11. Shattered Dreams
12. Evil Woman
13. Heaven Is Falling

Für Fakten-Fans hier erst mal ein paar Infos: Der Brite Tony Mitchell hat schon einiges gemacht: In den 90ern war er Sänger und Songwriter beim einzigen Album, der in Fachkreisen gelobten Classic Rock Band Kiss Of The Gypsy, bei Rick Wakemann übernahm er die Vocals beim Album Return To The Centre Of The Earth und auch bei Alice Cooper, Jon Anderson, Alan Parsons Project, Tony Hadley & It Bites war Mitchell als Gitarrist und Sänger tätig. 2011 gab es ein erstes Soloalbum von ihm mit dem Titel Far Away From Home, das später bei seinem zweiten Album wiederveröffentlicht wurde. 2016 erschien das Album Down & Dirty von Dirty White Boyz mit Mitchell als Frontmann und Hauptsongwriter, 2018 schließlich sein zweites Soloalbum Beggars Gold. Auch seine Mitmusiker sind erfahren: Danny Vaughn (u. a. Tyketto) ist bei einem Song vertreten, eingespielt haben die Songs Tim Manford (Dante Fox), Paul Hume (Demon & Lawless, Dirty White Boyz), Nigel Bailey (Bailey, 3 Lions, Dirty White Boyz) und Neil Ogden (Dirty White Boyz) – die Jungs kannten sich also schon vor dem aktuellen Album. Auch ist The Rogues Gallery Rock Choir zu hören sowie Shawn Charvette und Josh Tabbie Williams (beide Midnite City).

Jetzt aber zum dritten Streich von Tony Mitchell namens Church Of A Restless Soul: Insgesamt hätten dem Album zwei Songs weniger gut zu Gesicht gestanden, auch wenn Fans der Schnittmenge AOR, Meldodic Rock, Melodic Metal und Hard Rock sich dadurch über viel Futter freuen dürfen – irgendwann schmeckt selbst wirklich Gutes nicht mehr so recht. Zumal längst nicht alle Tracks zwingend auf das Album gemusst hätten. So hat der Titeltrack zwar eine ganz nette Idee mit dem gospel-mäßigen Chor und auch Living In The Run ist eine fröhlich-luftig-flockige Nummer mit starkem AOR-Einschlag der Marke Foreigner, letztlich gewinnt man damit aber keine neuen Fans, sondern nur, aber immerhin, anerkennende Resonanz. Das Gleiche gilt für den Hard Rocker In & Out For Love, der direkt aus den späten 80ern, frühen 90ern stammen könnte.

Bevor man nun abwinkt und sich denkt, okay, das ist wieder so eine Truppe, die bekannte Rezepturen solide zockt, aber nix reißt, der höre sich The Mighty Fall an, wo Mitchell im Duett mit Vaughn singt und zeigt, dass er starke Melodic Rock Nummern schreiben kann, die fluffig und geschmeidig ins Ohr gehen. Fast schon Rock-Pop, aber hymnisch und einfach gut. Auffällig an der Nummer ist auch, dass die Gitarristen absolute Könner ihres Instruments sind und verstehen, sich auch mal zugunsten des Songs zurückzunehmen und nur hin und wieder unterstützende Fills einzustreuen, die dann aber eine veredelnde Note besitzen. Nach diesem ersten Höhepunkt geht es bei Electric stilistisch einiges härter zur Sache mit groovenden E-Gitarren, sehr rhythmischen Drums und einer Art Computer-Voice als Soundspielerei. Ein netter Kontrast zum seichteren Track zuvor. Die Halbballade I Belive In Angels ist hingegen ein eindeutiger Streichkandidat. Schon hundertmal in ähnlicher Form von US Hard Rock Bands gehört.

Glücklicherweise kommt dann ein weiteres Highlight mit Killing Me To Love You (ja, die meisten Texte sind ziemlich 08/15-Gedöns). Toller Mix aus Hard Rock à la Bon Jovi und Melodic Metal der Marke H.E.A.T., Harem Scarem oder Magnum – mit melancholischer Note, die dem Track ein paar Widerhaken verpasst. Und die Gitarristen toben sich im Mittelteil ja mal richtig geil aus. Well done, boys! Ziemlich cool und lässig geht es mit der AOR-Nummer Never Wanted Love weiter, die aber gern eine Minute oder so kürzer hätte sein können. One Good Reason ist dann leider ein weiterer Song, der nicht schlecht ist, aber doch zu sehr nach Fließbandarbeit wirkt und den man sich hätte sparen können. Zumindest vor dem Hintergrund der allmonatlichen Schwemme an neuer Musik. Und weil durch solche eher durchschnittlichen Nummern Gefahr läuft, zu übersehen, dass Tony Mitchell ein paar richtig gute Songs geschrieben hat. Das recht ruhige Sacrifice ist zwar besser, funktioniert als Hymne, die sie offenbar sein sollte, allerdings nicht so ganz.

Dann lieber Shattered Dreams, das flotter und etwas gitarrenlastiger zu Werke geht und bei dem sich erneut zeigt, dass Tony Mitchell mit seiner klaren Stimme wunderbar melancholische Stimmungen transportieren kann. Könnte schon für den einen oder anderen Hörer zum Ohrwurm mutieren, das Teil. Mächtig bratende Gitarren gibt’s dann bei Evil Woman, das solide rockt unter Einsatz einer Hammond-Orgel, aber nix Neues zu bieten hat. Das abschließende, ruhigere Heaven Is Falling zieht das Niveau noch mal etwas nach oben, wo noch mal Magnum mit dem Zaunpfahl winken.

Tony Mitchell – Church Of A Restless Soul
Fazit
Leider wurde auf das warm produzierte dritte Album von Tony Mitchell zu viel Durchschnittsware gepackt, die zwar äußerst solide gezockt wird, aber Fans der Schnittmenge aus Melodic Rock, AOR, Hard Rock, Melodic Metal kaum überzeugen wird. Dafür klingen zu viele Songs zu sehr nach schon hundert Mal gehört. Das ist schade, denn im Kontrast dazu haben sich gleichzeitig echte Perlen auf Church Of Restless Soul geradezu versteckt. Denn wer sich auf die Suche macht – oder einfach diesen Anspieltipps hier folgt – wird belohnt mit den starken The Mighty Fall (hymnisch), Killing Me To Love You (mit melancholischen Widerhaken) oder das flotte Shattered Dreams (nah am Ohrwurm). Nicht falsch verstehen: Der Rest ist auch nicht schlecht, kann halt nur nicht vom Hocker hauen und klingt allzu vertraut. Anhänger der genannten Genres sollten aber zumindest die drei genannten Nummern kennen und wenn das gefällt, dann den anderen Songs eine Chance geben.

Anspieltipps: The Mighty Fall, Killing Me To Love You und Shattered Dreams
Tobias K.
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