Artist: Deliver The Galaxy
Herkunft: Quedlinburg, Deutschland
Album: Bury Your Gods
Spiellänge: 45:22 Minuten
Genre: Melodic Death Metal
Release: 30.08.2024
Label: Massacre Records
Link: https://www.deliverthegalaxy.com/
Bandmitglieder:
Gesang und Gitarre – Matthias Mente
Gitarre – Christian Rockstedt
Bassgitarre – Danny Stoye
Schlagzeug – Tim Schirmer
Tracklist:
- Ancient Alien
- Bury Your Gods
- Insetopia
- Unsterblich
- Get Down
- Dead Planet
- Live.Die.Repeat
- Shadows
- Path Of Existence
- Deathlight
- Serpent’s Lament
- In Retrospect
- PE3
130 Reviews mussten aus meinen Hirnwindungen fließen, bevor ich eine Band aus meiner schönen Heimat im Harz in die Finger bekomme. Mein Erstkontakt zu Deliver The Galaxy aus der Welterbestadt Quedlinburg fand auf der 2022er-Ausgabe des Heimburger Metalnacht Festivals statt. Dort habe ich die Melodic Deather für mich entdeckt und warte seither auf neues Material. Die ersten Singles sorgten schon mal für Vorfreude. Erstkontakt und Entdeckung sind auch gleich die Stichwörter zum dritten Studiowerk des Quartetts. Die Menschheit nimmt sich stets so wichtig und hält sich größtenteils für die einzige Spezies im Universum. Bury Your Gods hat jedoch die hoch spannende Prä-Astronautik zum Thema und stellt sich folgende Fragen: Gab es bereits eine außerirdische Rasse in der Zeit der ersten Hochkultur der Welt? Wurde das Wissen um die Technologie, mit der die Sumerer Pyramiden erbauten, von eben jener Rasse überliefert?
Im melodischen Death-Metal-Sektor gibt es seit Jahr und Tag zwei Bands für mich, an denen sich jeder neue Output messen lassen muss: Hypocrisy und Dark Tranquillity. Die Science-Fiction-Thematik haben Deliver The Galaxy schon einmal mit den Mannen um Peter Tägtgren gemeinsam. Die Riffs der Göteborger-Schule aus dem Hause Dark Tranquillity haben die Harzer ebenfalls an Bord. Gepaart mit dem auffälligen Cover-Artwork aus der Wappenschmiede von Dominik Schäfer ergeben sich zahlreiche Argumente für ein starkes Album. Werden Deliver The Galaxy mit ihrem dritten Album endgültig den Sprung aus dem Underground schaffen?
Mit Donnergrollen und verzerrter Stimme verkünden die Aliens im Namen des Gottes Sularis ihre Ankunft auf der Erde, um die Menschheit zu führen. Begrabt eure Götter und geht unbeschwert in eine neue Zukunft. Eine neue Ära ist angebrochen und falsche Götter finden ein jähes Ende. Die hypnotisierende Leadgitarre von Christian „Rocky“ Rockstedt trägt den Song auf ihren Schultern. Matthias „Matze“ Mente hat eines dieser Organe, von denen ich gar nicht genug bekommen kann. Voller Wut und Entschlossenheit und trotzdem klar verständlich keift er die Zeilen „Bury your gods. Let them rot and decay. Slaughter their lies. In this chaotic ballet“ ins Mikro. Was für ein Statement, was für ein geiler Refrain. Einer dieser Passagen, bei denen man völlig ausrasten und den Text mit geballter Faust herausschreien kann.
„We, we will deliver the galaxy. We won’t stop until we’re done“ lautet die unmissverständliche Mission im nächsten Song namens Insetopia. Bereits zu Beginn des Albums wird deutlich, wie weit die Jungs ihre Songwriting-Skills nach vorne getrieben haben. Die starke Produktion von André Hofmann (Hofmann Studios) sorgt zusätzlich für ein neues Premium-Gefühl. Auffordernde Drums, erneut ein starkes Lead und unbändiges Selbstbewusstsein treiben die Nummer voran. Egal, ob Midtempo oder furiose Raserei, hier wirkt nichts erzwungen oder gar banal.
So schön unsere deutsche Sprache auch sein mag, bei einigen Bands klingt sie einfach nur deplatziert. Nicht so bei Deliver The Galaxy, die ihren ersten deutschsprachigen Song präsentieren. Eine einprägsame Melodie und gezielte Doublebass-Attacken sorgen dafür, dass Unsterblich abseits der gewählten Sprache nicht aus dem Rahmen fällt. Die Gitarrenarbeit der beiden Bandgründer Matze und Rocky muss einfach hervorgehoben werden. Die beiden spielen auf internationalem Niveau und werden von Danny und Tim mit einem dicken Fundament aus Bass und Drums unterstützt. Im Mittelteil darf man als Hörer in fremde Galaxien eintauchen und ein bisschen träumen, ehe die Gitarren- und Drum-Attacken wieder erbarmungslos zuschlagen. Steht euch gut, Jungs! Gerne wiedermal auf Deutsch.

Get Down groovt wie Sau und hat auch einige eskalative Parts mit wahnwitzigem Geballer am Start. Lediglich der Refrain ist mir etwas zu plakativ, wenngleich das Konzept sicher im Livekontext aufgehen wird. Apropos live: Wer DTG auf der Bühne erleben möchte, kann das auf der kürzlich gestarteten Tour zusammen mit Asenblut tun. Dead Planet nimmt für meinen Geschmack erst zu spät im Verlauf der drei Minuten Fahrt auf. Die eingeschobenen Soundeffekte und Double-Leads sind zwar geschmackvoll, können aber nicht die Highlights liefern, die ich den ersten Liedern entnehmen konnte.
Genug Haare in der Suppe gefunden, jetzt wird hier richtig abgerissen. Live.Die.Repeat konnte mich bereits als Single überzeugen. Rocky schreddert seit einiger Zeit auch bei meinen Homies von Oceans die Gitarre und eben jene Band meine ich hier raushören zu können. Deliver The Galaxy konnten mir allerdings versichern, dass das vorliegende Material bereits vor seinem Einstieg bei Oceans fertig war. Das Intro schleicht sich an und dann spuckt Matze die ersten Zeilen voller Wut in mein Gesicht. War seine Leistung auf dem neuen Material bis hierhin schon stark, so zieht der Frontmann noch einmal alle Register. Growls, Shouts, Wut, Verzweiflung und Qualen ob des Teufelskreises, in dem sich der Mensch befindet. Ich hoffe, dass ich diese Abrissbirne mal im Moshpit erleben darf.
Kein gutes Album ohne Kontraste. Verzerrter Sprechgesang dringt durch dichten kosmischen Nebel. „Follow me into the dark“ fordert Matze den Hörer mit cleanem Gesang auf. Würde Shadows in diesem Stil weitergehen, wäre ich etwas enttäuscht. Doch halt! Es gibt noch Platz für einen kurz aufbrausenden Weltraum-Wirbelsturm. Ein richtiger Wolf im Schafspelz, der nach einigen Durchläufen umso besser funktioniert. Bei Path Of Existence kommt endlich das Gefühl auf, welches mir sonst nur Hypocrisy vermitteln können. Das getragene Tempo, die kleinen Breaks, dieses erhabene Gefühl. Die Welt um mich herum existiert nicht mehr, ich falle ins Nichts.
Willkommen zurück in der Welt der Gegensätze. Für sich genommen könnten die ersten 40 Sekunden von Deathlight von einer Power-Metal-Band stammen. So melodisch ging’s bisher nicht zu. Doch erst die erneut clean vorgetragenen Vocals und die gewohnte Härte im Verlauf des Stücks ergeben eine völlig andere Perspektive. Ein bisschen australischer Metalcore hier, ein wenig schwedischer Melodic Death da. Atmosphärische Breaks und eindringliche Leadgitarren lassen dieses Licht für die Ewigkeit leuchten.
So weit hergeholt das lyrische Konzept von Bury Your Gods auch sein mag, in einigen Ecken liegen auch persönliche Erfahrungen bzw. gesellschaftskritische Aspekte. Eine manipulative Person versteckt sich hinter einer engelsgleichen Fassade und schließlich fällt diese Maske. Entsprechend wütend verkauft sich Serpent’s Lament musikalisch und lyrisch. „With every breath you take. Lies spill from your tongue“ rechnet Matze mit dieser Person ab. Wieder sind es die Details, die dafür sorgen, dass keine Langeweile aufkommt. Während der Pre-Chorus nichts als verbrannte Erde zurücklässt, zeigt sich der Refrain von einer eher nachdenklichen Seite. Ich kann die Fans vor meinem geistigen Auge sehen, wie sie den Refrain voller Inbrunst mitsingen. Denn mal Hand aufs Herz, wer von uns hat so eine Person noch nicht in seinem Leben getroffen?
Weg mit den lähmenden Gedanken, die unsere Vergangenheit bestimmt haben. In Retrospect zeigt den Protagonisten, wie er sich von den Ketten der unterdrückten Wut befreit. Musikalisch geht es über knapp vier Minuten getragen zu Werke. Wieder sind es die Leads, die für Gänsehaut sorgen. Die Keyboardklänge gegen Ende gehen fließend in das Outro PE3 über und schließen den Kreis zum Debütalbum Project Earth.




