Kat Von D am 09.06.2025 im Technikum, München

Ja, DIE Kat von D.

Eventname: Kat Von D EU/UK Tour 2025

Headliner: Kat Von D

Vorband: Prayers

Ort: Technikum, München

Datum: 09.06.2025

Kosten: 55 €

Genre: Elektro, Pop, Gothic

Besucher: ca. 250 Besucher

Veranstalter: Global Concerts

Link: https://www.eventfabrik-muenchen.de/event/kat-von-d/

Während sich der eine oder andere Rockfan am Pfingstmontag vermutlich noch vom Festival-Marathon erholt, mache ich mich auf den Weg ins Münchner Technikum. Hier sind weder Bierduschen noch Moshpits angesagt, sondern Kat von D.

Zur Vermeidung von Missverständnissen: Ja, die Kat von D. Der eine oder andere kennt sie vielleicht aus der Show LA Ink. Die Tattoo-Ikone ist aber nicht nur Fernseh-Berühmtheit, sie ist auch Ex-Kosmetikunternehmerin und Bestsellerautorin. Seit ein paar Jahren macht sie sich außerdem als Musikerin einen Namen. Ihr Logo schreit Metal, ihre Musik flüstert dunklen Elektro-Pop mit deutlicher Gothic-Schlagseite. Das passt, in ihrer Jugend hat sie eine klassische Piano-Ausbildung erhalten. Zwei Alben hat die gebürtige Mexikanerin inzwischen veröffentlicht und sich damit bereits einen gewissen Ruf in der entsprechenden Sub-Szene erarbeitet.

Dass das Konzert ausgerechnet an Pfingsten stattfindet, passt ins Bild. Der Feiertag erinnert an jenen Moment, als der Heilige Geist auf die Jünger Jesu herabkam. Auch Kat von D hat ihren spirituellen Pfad gefunden – sie besucht seit einiger Zeit regelmäßig eine Baptistenkirche. Bühnennebel und Bibelvers, Synthieflächen und Seelenheil – ein ungewöhnlicher Mix für einen Feiertag, der sonst eher zwischen Grillwurst und Katerstimmung versandet.

Die Tour von Kat von D ist eine Familienangelegenheit. Den Abend eröffnen Prayers, das Projekt ihres Ehemanns Rafael Reyes. Eine düstere Mischung aus Electro-Wave und Oldschool-Hip-Hop, die Reyes als Cholo Goth bezeichnet – ein Stil irgendwo zwischen Ghettoblaster und Friedhofsmief.

Prayers

Musikalisch macht er alles allein: Synthesizer, Rap, Attitüde. Um optisch mehr Wucht zu erzeugen, hat er sich zwei „Bodyguards“ auf die Bühne gestellt – zwei tätowierte Kolosse, so als wären sie direkt aus einem Netflix-Kartellthriller gefallen. Ihre Aufgabe: schweigen, drohen, Macheten in die Luft halten.

Einer der beiden, von Reyes stilecht „El Chino“ genannt – wegen seines asiatischen Aussehens –, darf zweimal ran ans Mikro. Er soll auf Deutsch mit dem Publikum reden. Ein Mann großer Worte scheint er nicht zu sein, wirkt dabei aber dennoch deutlich sympathischer als man zunächst erwarten würde. 

Live überzeugt mich Prayers mehr als auf Platte. Die Tracks wirken roher, echter, weniger inszeniert. Reyes gibt alles, obwohl das Technikum höchstens halb gefüllt ist. Mit Machetenmännern, Videoshow und viel Gefühl liefert er einen durch und durch stimmigen Auftritt. Zum Schluss zieht er dann doch noch das große Gefühl aus der Hüfte: eine Liebeshymne an seine Frau. Kein Kitsch, kein Zwang – einfach nur aufrichtig. Ein Gänsehautmoment, der hängenbleibt.

Bei Kat von D sind dann nur noch zwei Personen auf der Bühne. Neben der Frontfrau steht die umtriebige Multiinstrumentalistin Sammi Doll. Sie bedient den Synthesizer, das Keyboard, ist für die Background-Vocals verantwortlich und spielt in einigen Liedern zusätzlich Gitarre. 

Im Gegensatz zu den beiden messerschwingenden Kartellbrüdern ist Sammi aber keine Deko, sondern ein echter Teil der Show. Kat von D steht zwar klar im Zentrum, sie lässt ihrer Begleitung aber Raum. In der ersten Reihe machen ein paar Fanatiker kein Geheimnis daraus, wem ihre Herzen gehören. Sammi bekommt Zwischenrufe, Jubel, Funkeln in den Augen.

Kat von Ds Stimme ist sanft und voller Gefühl. Große Melodien liegen ihr, treibende Beats und melancholische Synths liefern den passenden Unterbau. Dazu flimmert eine Videoshow über die Leinwand: Kreuze, Dornenkronen, Heiligenikonen – oder einfach nur Vaporwave-Nebel in Rosa und Blau. Zwischen Andacht und Abgründigkeit, zwischen Sakralbau und Cyberclub.

Kat Von D

Nach nicht ganz einer Stunde und einem Outfitwechsel – Kat von D wechselt von kurzen zu langen Haaren – bittet die Frontfrau ihren Gatten noch einmal auf die Bühne. Reyes bellender Sprechgesang und Kat von Ds melancholische Stimme sind nicht unbedingt ein „Match made in Heaven“, die beiden scheinen es aber durchaus zu sein. Und so endet der Auftritt mit einer weiteren Liebesbekundung, die durchaus ins Gesamtkonzept passt.

Ein gutes Konzert. Anders, aber stimmig. Wer sonst eher auf Gitarrenbretter und Doublebass schwört, kann hier trotzdem was mitnehmen – Atmosphäre, Energie und einen wohldosierten Hauch Pathos. Wer sich auf ihren düsteren Electro-Goth einlässt, bekommt einen intensiven Abend. Die Tour läuft noch: Frankfurt, Hamburg, ein paar Städte im nahen Ausland. Wer neugierig ist, sollte hingehen. Es lohnt sich.