Event: Winter Storm Over Europe
Headliner: Ensiferum
Vorbands: Freedom Call, Dragons
Ort: Markthalle Hamburg
Datum: 19.01.2025
Genre: Viking Metal, Speed Metal, Happy Metal
Besucher: Unter 500
Setlist: Ensiferum | Freedom Call | Dragony

2026 ist musikalisch perfekt gestartet – und die Messlatte für die nächsten Bands liegt jetzt verdammt hoch. Schuld daran sind Freedom Call, die gerade mit Ensiferum und Dragnony auf Tour sind. Ok, eigentlich sind Ensiferum die Tour-Headliner, aber Freedom Call haben ihnen den Schneid abgelaufen.
Freedom Call: Live eine Sensation
Die Alben der Nürnberger machen auch auf Kopfhörern Spaß: freundlicher, fröhlicher Power Metal, mit klarem und hoffnungsvollem Gesang. Live sind sie dafür eine ganz andere Nummer. In einer Moderation erzählt ihr Sänger Chris Bay, dass ein US-Magazin sie zur “Happiest Metal Band Of The World” gekürt habe. Und ich habe keine Zweifel, dass sie diesen Titel verdient haben. Innerhalb von ein oder zwei Songs haben sie den Ausdruck eines besonders tristen Montagabends von meinem Gesicht gefegt und in ein breites Grinsen verwandelt.
Es sind die kleinen Gesten: das unablässige Spielen mit dem Publikum. Die rausgestreckten Zungen und schrägen Ausdrücke von Chris Bay. Wie Bassist Francesco Ferraro in den Fotograben hüpft und direkt in der ersten Reihe spielt. Live verwandeln sie Metal Is For Everyone oder Heavy Metal Happycore in ein absolutes Fest. Lauter strahlende Gesichter, in die Höhe gereckte Fäuste und laut mitsingende Kehlen bedanken sich dafür.

Ansteckend fröhlich
Ihr Trick ist dabei nicht dumpfe Partymucke – auch wenn außerordentliche Komplexität jetzt auch nicht ihr Markenzeichen ist. Stattdessen sind sie einfach glücklich und tragen das nach außen. Vier nicht ganz junge Kerle, die den Moment feiern, in ihrer Musik aufgehen und das mit dem Publikum teilen, deren Lächeln wie Sonnenschein durch die knapp halbvolle Markthalle strahlt. Nach ihrem Konzert hat sich ein breites Lachen in meinem Gesicht eingebrannt, das auch jetzt beim Schreiben wieder aufflammt. Ich kann nicht darauf warten, dass sie wieder in der Nähe sind.
Ensiferum: Kein Moshpit mit Kamera

Ensiferum, den eigentlichen Headlinern, haben Freedom Call damit eine ordentliche Herausforderung geboten: Nach einer so guten Vorband müssten die Finnen gleich doppelt liefern. Für mich kriegen sie das leider nicht ganz hin, aber das liegt vermutlich an dem großen Klotz an meiner Seite. Mit Kamera kann man sich leider schlicht und ergreifend nicht in den Moshpit stürzen. Und der sieht wirklich köstlich aus.
Wie man ihren harten Stahl und den klaren oder stürmischen Gesang richtig genießen kann, ohne sich durchgehend zu bewegen, erschließt sich mir nicht. Token Of Time oder Into Battle verlangen einfach danach, im Pit im Kreis zu rennen. Wer darin gefangen ist, sieht glücklich aus. Würde ich darin treiben, verlöre ich vermutlich auch die Zeit aus den Augen. So wie es ist, ärgere ich mich sehr, dass es keinen zweiten Termin in der Nähe gibt, zu dem ich ganz ohne Ballast fahren kann. Auch, weil sie währenddessen auf der Bühne nicht so viel bieten. Dem Hünen Sami Hinkka am Bass zuzusehen, bereit zwar durchaus Freude – und einen leichten Schauer auf dem Rücken, er ist ein sehr überzeugender, frenetischer Wikinger mit ausgesprochen wildem Bart. Aber seine Kollegen bieten showtechnisch weniger. Ensiferum lohnen sich heute für ihre Gitarren, Drums und Vocals. Nicht, um auf die Bühne zu schauen.
Dragony: Mehr Tour-Koops, bitte!
Zwischendurch holen sie Maria Nesh auf die Bühne: Sie singt bei den Wienern von Dragony, der ersten Band des Abends. Und die haben als Vorband alles richtig gemacht, eine gute Show und schöne Songs geliefert. Nur strahlen sie nicht so hell wie der außergewöhnliche Spaß, den Freedom Call darstellen, andernfalls würden sie noch mehr Lob bekommen. Jetzt singt Nesh mit Ensiferum zusammen Scars In My Heart vom aktuellen Album Winter Storm: Ein Klang, den sie gerne öfter bieten könnten. Die mächtigen, melancholischen Riffe ergänzen sich wunderbar mit einer Frauenstimme. Ein paar Songs später, es ist gerade mal kurz nach zehn, ziehen die Wikinger von der Bühne – kehren aber nach lauten Zugabe-Rufen direkt darauf zurück. Sie bieten noch drei Stücke als Zugabe, darunter den Klassiker In My Sword I Trust, und vollenden so die Metamorphose eines tristen Montagsabends.






























