Die Franzosen von Tankrust sind sicherlich nicht die ersten, die einem einfallen, wenn wir an unsere Nachbarn denken. Denkt man an Death Metal, fallen einem da natürlich sofort die Bands Loudblast oder Mercyless ein. Diese Pariser sind aber auch schon seit zwanzig Jahren dabei und haben sich in der einheimischen Szene einen guten Namen erspielt. Das letzte Album ist jetzt allerdings auch schon sieben Jahre her, also wurde es Zeit für das Quintett, sich wieder hinzusetzen, um neues Material zu schreiben. Das haben sie gemacht und das Ergebnis können wir in Form des Albums Shrike hören, welches in Eigenregie auf die Meute losgelassen wird.
Tankrust legen mit Brute Force gleich ordentlich los und starten mit einem thrashigen Riff, einem Growl und einer gewissen Portion Wut im Bauch. Das Tempo wird variiert und fiese Screams gesellen sich dazu. Diese klingen sehr aggressiv und zerstörerisch. Von der ersten Sekunde an hört man, dass sie sich nicht festlegen möchten, wenn es um die Klassifizierung der Musikrichtung geht, denn man betreibt nicht nur Ausflüge in den Death-Metal-Sektor, sondern verarbeitet diese Klänge dauerhaft, und auch Genosse Hardcore ist vollwertig mit von der Partie. Die Krux ist es ja nun, diese drei musikalischen Richtungen zu einer Einheit verschmelzen zu lassen, und dies gelingt ihnen ganz gut. Ein melodisches Solo gesellt sich noch dazu, und so gehen diese drei Minuten absolut gut ins Ohr. Definitiv kein Übersong, aber absolut gefällig. Das klingt nach purer Energie und Power, die raus muss.
Auch Sunken legt gleich los wie die Feuerwehr und überzeugt mit einem geilen Riff und einer melodischen Kurzattacke. Dann greift man wieder in die Hardcore-Kiste und knattert dazu einen Death-Metal-Part. Diese geilen Screams folgen und dann holt man zum Groove aus, wobei man jederzeit aggressiv und druckvoll bleibt. Auch hier hat man das Gefühl, dass man zu viel Energie hat und der Tiger im Tank vorhanden ist, welcher unbedingt in die freie Laufbahn muss. Irgendetwas treibt sie an und man spürt eine gewisse Form von Hektik, aber diese ist eher förderlich als störend. Das Tempo wird variiert. Uptempo und Groove und alles dazwischen. Die Rhythmusfraktion ist hier völlig am Abdrehen und das macht schon Spaß, auch wenn man wirklich rifftechnisch gesehen nichts Neues bietet, aber es macht eben Spaß.
Don’t Be Shy hat was von Slayer und durch die Gitarrenquietscher auch etwas von Machine Head und schockt wohl, hat aber kompositorisch nicht die gleiche Wirkung wie die beiden ersten Songs, welche meines Erachtens schon die Highlights des Albums darstellen.
Das Stück Mother Load geht schön aggressiv zu Werke, kann sich aber nicht ganz so in meine Gehörgänge einpflanzen, aber es ist definitiv auch nicht verkehrt, denn es sind ziemlich geile Riffs dabei. Der schleppende und abrupt endende Part zum Schluss des Songs ist aber echt stark und intensiv.
Kraftvoll und ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit geht es dann mit Father Blood weiter. Mit Stakkato-Riffing und betonenden Drums und einem interessanten Hardcore-Part. Wieder diese Mischung. Schockt wohl. Schön auf den Punkt kommend und absolut treibend. Es geht hin und her und alles muss raus. Das Tempo wird dann noch einmal schön verschärft und die Screams drehen wieder komplett durch. Fein.
Wenn es zu sehr in Richtung Hardcore abdriftet, wie bei den Songs Onward oder ASMR, bin ich ein wenig raus, aber wenn man dann diese Mischung aus Death Metal, Hardcore und Thrash Metal gelungen auf den Punkt bringt wie beim Namensgeber Shrike, dann macht das hier alles totalen Spaß. Man wird quasi von der Energie mitgerissen. Hier treibt man die Sau durch das Dorf, stoppt sie und führt sie zur Tränke, um sie dann wieder zum nächsten Dorf zu treiben. Dabei klingt man immer total angeekelt von der Gesellschaft und dieser Ekel wird musikalisch umgesetzt. Was raus muss, muss raus. Da gibt es keine zwei Meinungen.
Diese zehn Songs dürften jeden etwas angehen, der es intensiv mag und sich sowohl im Death Metal als auch im Hardcore zu Hause fühlt.
Hier geht es für weitere Informationen zu Tankrust – Shrike in unserem Time For Metal Release-Kalender.



