Eventname: Mahlstrom Open Air
Bands: Old Ruins, Ükanose, Antikvlt, Servant, Stillbirth, Tabernis, Afsky, Yoth Iria, Astral Spectre, Wesen, Agrypnie, Desaster, Vogelfrey, Aephanemer, Harakiri For The Sky, Pentarium, Magefa, Blakylle, Mythemia, All Will Know, Waldläufer
Ort: Am Herthasee, 56379 Holzappel
Datum: 11.06. – 13.06.2026
Kosten: 95 Euro VVK (Zwei-Tages-Ticket), 15,00 Euro Camping, Tagesticket Fr. / Sa. je 60,00 Euro
Genre: Black Metal, Pagan Metal, Folk Metal, Mittelalter Metal, Post Black Metal, Viking Metal, Death Metal
Veranstalter: Hornschleiferei Holzappel
Link: https://mahlstrom-openair.de/
Seine ersten Sporen verdiente sich das noch junge Mahlstrom Open Air bereits mit seinem Debüt im Jahr 2018. Schon ein Jahr später konnte die zweite Ausgabe den gelungenen Einstand sogar noch übertreffen. Wie so viele andere Veranstaltungen fiel das Festival 2020 der Corona-Pandemie zum Opfer. Umso bemerkenswerter war die Rückkehr 2021: Unter strengen Auflagen gelang es den Veranstaltern dennoch, ein Festival am Herthasee auf die Beine zu stellen, das sämtliche Erwartungen sprengte. Nicht nur das Wetter spielte mit – auch die Fans strömten in Scharen nach Holzappel und unterstützten das Festival eindrucksvoll.

Seit vielen Jahren begleiten wir von Time For Metal das Mahlstrom Open Air. Nach den Pandemie-Jahren entwickelte sich die Veranstaltung kontinuierlich weiter und hat sich mittlerweile einen festen Platz in der deutschen Festivallandschaft erarbeitet. Musikalisch liegt der Schwerpunkt auf Black Metal, Pagan Metal und Viking Metal, dennoch bleibt immer genügend Raum für stilistische Ausflüge in angrenzende Genres.
Bereits der Donnerstag fungiert traditionell als Warm-up. Mit der Öffnung des Campingplatzes und ersten Konzerten auf dem Infield beginnt das Festivalwochenende entspannt und vor allem kostenlos – ein Angebot nicht nur für Festivalgäste, sondern auch für Wanderer und spontane Besucher.
Sonne, Atmosphäre und ein nahezu perfekter Festivaltag – der zweite Tag: Samstag, 13. Juni 2026
Heute hat der Wettergott endlich ein Einsehen mit den Metalheads am Herthasee und zeigt sich von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein und angenehm warme Temperaturen sorgen für beste Festivalstimmung. Auch heute verpassen wir den Opener – in diesem Fall Pentarium. Zum Bericht vom Freitag kommt ihr hier!
Old Ruins – atmosphärischer Black Metal als perfekter Einstieg
Pünktlich zum Auftritt von Old Ruins stehen wir allerdings vor der Bühne. Und das ist auch gut so. Einige Musiker der Band waren bereits gestern auf dem Festivalgelände unterwegs. Besonders amüsant: Schlagzeuger Mike wurde in der Dunkelheit fast sogar mit M.S. von Harakiri For The Sky verwechselt – und das ausgerechnet von deren Frontmann J.J. selbst. Solche Geschichten schreibt eben nur ein Festival.

Mit Sänger und Gitarrist Christian „Kraje“ Krajewski hatte ich bereits vor einiger Zeit online Kontakt – Anlass war das neue Album der Band, das im September erscheinen wird. Darauf dürft ihr euch freuen, denn rechtzeitig vor der Veröffentlichung wird es bei uns natürlich ein ausführliches Review geben.
Die 2019 in Gelsenkirchen gegründeten Old Ruins überzeugen auch live mit ihrem atmosphärischen und melodischen Black Metal. Ihr Debütalbum Always Heading East aus dem Jahr 2023 beschäftigt sich thematisch mit dem Videospiel Diablo. Entsprechend abwechslungsreich gestaltet sich auch die Setlist, auf der sich ältere Stücke ebenso wiederfinden wie erste Einblicke in neues Material. Die Jungs legen als Opener einen überzeugenden Auftritt hin!
Ükanose – Folk Metal aus Litauen bringt Bewegung ins Publikum
Anschließend schlägt das Festival wieder einmal folkige Töne an. Mit Ükanose aus Vilnius (Litauen) steht eine ganze Schar Musikerinnen und Musiker auf der Bühne. Violine und Flöte gehören selbstverständlich zum Instrumentarium und verleihen dem Sound die typische Folk-Metal-Note. Die Spielfreude der Litauer springt schnell auf das Publikum über und sorgt für ausgelassene Stimmung.

Antikvlt – schwarze Kunst aus Wien begeistert am Herthasee
Danach wird es wieder deutlich düsterer. Mit Antikvlt betritt ein spannendes Projekt aus der Wiener Black-Metal-Szene die Bühne. Harakiri For The Sky– und Schammasch-Livegitarrist Chris Marrok betreibt die Band gemeinsam mit dem schwedischen Schlagzeuger Daniel Johansson.
Nicht schlecht, staune ich, als ich auf der Bühne plötzlich auch P.G. und U.A. von Groza entdecke, die im vergangenen Jahr bereits am Herthasee begeistert haben. Geboten wird kompromissloser Black Metal mit einer ordentlichen Portion Punk-Attitüde.

Das Debütalbum A Revelation Of Intoxication, erschienen bei Immortal Frost Productions, die hier mit einem eigenen Merchzelt vertreten sind, wandert direkt in meine Tasche. Dabei entwickelt sich noch ein interessantes Gespräch mit P.G. sowie Labelinhaber Surtur Lenaerts – genau solche Begegnungen machen Festivals immer wieder besonders.
Servant – Black Metal zwischen Finsternis und Energie
Die nun folgenden Servant sind tatsächlich Blessed By The Light Of A Thousand Stars und beherrschen ihre ganz eigene Death Devil Magick. Natürlich sind das lediglich die Titel zweier ihrer bislang drei Alben. Die Niedersachsen aus Hann. Münden haben sich erst 2021 gegründet und präsentieren sich in klassischer Black-Metal-Optik mit Corpsepaint und einer energiegeladenen Performance. Musikalisch liefern sie modernen Black Metal mit viel Druck und Atmosphäre.

Stillbirth – Party, Brutalität und Moshpit-Garantie
Meine Freunde von Stillbirth habe ich bereits vor dem Auftritt begrüßen können. Obwohl ich die Band schon unzählige Male live erlebt habe, ist jede Show aufs Neue ein Erlebnis. Vor dem Gig frage ich Frontmann Lukas noch, ob Stillbirth überhaupt in dieses Festival-Line-up passe. „Wir werden schon sehen“, meint Lukas grinsend. „Entweder geht es in die Badehose oder richtig ab. Lassen wir uns überraschen.“ Mit Lukas durfte ich vor kurzem übrigens ein sehr interessantes Interview führen, das ihr gerne hier bei uns nachlesen könnt.
Was anschließend folgt, lässt sich tatsächlich am besten mit dem Titel ihres aktuellen Albums beschreiben: Survival Protocol. Seit 1999 walzen Stillbirth mit einer gnadenlosen Mischung aus brutalen Blastbeats, massiven Grooves, Slam, Grindcore und jeder Menge Humor über die Bühnen dieser Welt. Offenbar haben die Besucher des Mahlstrom Open Air genau auf diese Abrissbirne der Jungs in den auffälligen und kultigen Badehosen gewartet.

Ungestüme Energie bestimmt das Geschehen – auf und vor der Bühne. Lukas springt mitten ins Publikum und zelebriert eine gewaltige Wall of Death. Über den gesamten Festivalplatz entstehen Moshpits. Die Menge feiert jede einzelne Nummer frenetisch. Stillbirth liefern ohne Zweifel eines der absoluten Highlights des diesjährigen Mahlstrom Open Air ab.
Während des Konzerts bildet sich bereits eine Schlange am Merchstand. Die legendären Badehosen und die tollen Shirts gehen weg wie warme Semmeln. Bevor die beliebtesten Größen vergriffen sind, helfe ich dort gerne noch ein wenig mit.
Tabernis – mittelalterliche Klangwelten als Kontrastprogramm
Nach diesem brachialen Abriss muss man erst einmal wieder herunterkommen. Das gelingt mit Tabernis allerdings. Wer den Namen kennt, weiß, dass es sich um ein Duo musikalischer mittelalterlicher Imker handelt. Ihre historische Gewandung mit den geflochtenen Korbmasken dient gleichzeitig als unverwechselbares Markenzeichen. Obwohl, so unverwechselbar sind diese Korbmasken dann doch nicht. Vor ein paar Jahren habe ich bereits die Schweizer Black Metaller Vigljos kennengelernt, deren Markenzeichen diese Korbmasken auch sind.
Unterstützt werden die beiden Musiker von weiteren vollständig schwarz gekleideten und maskierten Musikerinnen und Musikern, die mit ihren Kapuzen und Gesichtstüchern beinahe an den Gevatter Tod erinnern. Das gesamte Bühnenbild versprüht Mittelaltermarkt-Flair und bildet den größtmöglichen Kontrast zum chaotischen Death-Metal-Gewitter von Stillbirth.

Afsky – der emotionale Höhepunkt des Samstags
Mit den Dänen Afsky folgt anschließend einer der ganz großen Höhepunkte des Tages. Hinter Afsky steht seit 2015 Ole Pedersen Luk, der sämtliche Kompositionen und Studioaufnahmen eigenständig einspielt. Für Live-Auftritte stellt er eine ausgewählte Begleitband zusammen.
Vor seinem Auftritt habe ich mich noch kurz mit Ole Pedersen Luk unterhalten und ihm gesagt, wie sehr ich mich freue, ihn endlich wieder live zu erleben. Übrigens war er bis 2021 auch Frontmann der dänischen Black-Metal-Band Solbrud, die sich leider 2024 aufgelöst hat.

Was Afsky anschließend auf die Bühne bringt, lässt sich kaum anders beschreiben als mit Wucht und Atmosphäre. Depressiver Black Metal trifft auf skandinavische Folk-Einflüsse und dänische Lyrik. Trotz des schlichten Bühnenbildes wirkt jeder Song intensiv und emotional. Zwei große Holzständer mit brennenden Kerzen sorgen im Hintergrund für eine stimmungsvolle Kulisse. Ohne übertriebene Inszenierung zieht die Band das Publikum vollständig in ihren Bann. Für mich persönlich ist Afsky einer der stärksten Auftritte des gesamten Festivals.
Yoth Iria – griechischer Black Metal als würdiger Tagesabschluss
Ganz vorbei ist der Abend aber noch nicht. Den Abschluss bilden die Griechen von Yoth Iria, die ich bereits im vergangenen Jahr auf dem Burning Q Festival kennenlernen durfte. Dort war ich gemeinsam mit den Kollegen für die Organisation der Autogrammstunden zuständig und konnte die sympathischen Musiker bereits persönlich treffen.
Yoth Iria existieren seit 2019. Kopf der Band ist Bassist Jim Mutilator, der über viele Jahre bei Rotting Christ spielte. Damit schließt sich am Herthasee gewissermaßen der Kreis: Im vergangenen Jahr standen Rotting Christ als Headliner auf der Bühne, nun übernehmen ihre Landsleute den Abschluss des zweiten Festivaltages.

Mit inzwischen drei veröffentlichten Alben im Gepäck – das aktuelle Werk trägt den passenden Titel Gone With The Devil – präsentieren Yoth Iria melodischen Black Metal mit deutlichen Gothic-Einflüssen. Vor allem die markanten Klargesangspassagen von Frontmann He verleihen den Songs eine ganz eigene Atmosphäre.
Immer wieder reckt He beide Hände zur Mano Cornuta in die Höhe. Tiefrotes Licht taucht die Bühne in eine mystische Atmosphäre und setzt die Hellenen eindrucksvoll in Szene. Vor der Bühne werden Yoth Iria lautstark gefeiert und liefern einen würdigen Abschluss eines zweiten Festivaltages, der sowohl wettertechnisch als auch musikalisch kaum Wünsche offenließ.
Fazit des Samstages
Nach einem verregneten Vortag präsentiert sich der Samstag als nahezu perfekter Festivaltag. Vom atmosphärischen Black Metal über ausgelassenen Folk Metal bis hin zu brutalen Death-Metal-Eskapaden bietet das Mahlstrom Open Air einmal mehr genau die stilistische Vielfalt, die dieses familiäre Festival so besonders macht. Mit Stillbirth und Afsky erlebt der Samstag außergewöhnliche Höhepunkte, doch letztlich überzeugt jede Band auf ihre ganz eigene Weise.

Weitere Bildergalerien:
Tag 1
Astral Spectre
Wesen
Agrypnie
Desaster
Vogelfrey
Aephanemer
Harakiri For The Sky
Impressionen
Tag 2
Old Ruins
Ükanose
Antikvlt
Servant
Stillbirth
Tabernis
Afsky
Yoth Iria
Impressionen
























































