Festivalname: Southside Festival
Bands: A Day To Remember, Alexisonfire, All Time Low, Anda Morts, Basement, Bass & Bullshit and Friends, Betterov, BHZ, Billy Talent, Blackgold, Bosse, Boys Noize, Brasspalast, Clueso, David Puentez, Davina Michelle, Delilah Bon, Dennis Concorde, Destroy Boys, Donots, Drei Meter Feldweg, Drunken Masters, Ecca Vandal, Edwin Rosen, Empire Of The Sun, Esther Graf, Filow, Finch, Florence + The Machine, Florence Road, Grandson, Halsey, HI! Spencer, Kaffkiez, Kasi, Kayla Shyx, King Kong Kicks, Kingfishr, Kraftklub, Leila Lamb, Leony, Levin Liam, Liska, Majan, Militarie Gun, Modeselektor, Modestep , Mola, Moop Mama, Natasha Bedingfield, Nothing But Thieves, OG Keemo, Orville Peck, PA69, Papa Roach, Paula Engels, Pennywise, Picture Parlour, President, Provinz, Raynor, Rikas, Ritter Lean, Rosmarin, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys, Royel Otis, RØRY, Roya, Scene Queen, Skindred, Sondaschule, Sprints, SSIO, The Ataris, The Beaches, The Butcher Sisters, The Offspring, The Sophs, Tinlicker, Tors, Twenty One Pilots, Tusker, Unpeople, Vicky, Wolf Alice, Yonaka, Yungblud, Zebrahead, Zimt & Zorn
Ort: TakeOff Gewerbepark, Neuhausen ob Eck
Datum: 19.06.2026 – 21.06.2026
Kosten: 219,00 bis 279,00 €
Genre: Rock, Metal, Rap, HipHop, Pop, Alternative, Indie, Electro
Besucher: ca. 60.000
Veranstalter: FKP Scorpio (https://www.fkpscorpio.de/)
Link: https://www.southside.de/
Pünktlich zur ersten Hitzewelle des Jahres reiht sich das Southside Festival auf dem Gelände des TakeOff-Gewerbeparks nahe des kleinen Orts Neuhausen ob Eck in den Festivalsommer ein. Als eines der größten Festivals in Deutschland bietet es über drei bzw. vier Tage, den Warm-up-Donnerstag mitgezählt, ein kunterbunt gemischtes Line-Up, welches jedes Jahr aufs Neue etwa 60.000 Festivalbegeisterte auf die Wiesen des Flugplatzes lockt. Hoffentlich haben sie alle an ausreichend Wasser und eine Kopfbedeckung gedacht, schließlich stehen drei lange und sonnige Tage mit Temperaturen jenseits der 30 Grad bevor. Mit vielen Bands aus dem diesjährigen Line-Up wird es aber sicher noch heißer, sobald diese ihre Klänge auf uns loslassen.
Tag 1: Freitag, 19.06.2026
Das Southside 2026 startet für mich um 16:00 Uhr und bei 32 Grad mit Skindred. Nach ein wenig Verwirrung bei der Wegfindung schaffe ich es trotzdem rechtzeitig zur Green Stage, welche die größte der vier Bühnen ist und dementsprechend die Mainstage darstellt. Wie schon von den fünf Walisern gewohnt, geht es pünktlich los und das Imperial-March-Intro ertönt. Viel los ist noch nicht, ob nun der Musikrichtung oder der Hitze geschuldet. Aus Erfahrung lässt sich aber sagen, dass hier bei Bands, die in die Metalrichtung gehen, tendenziell immer eher begrenzter Andrang herrscht. Das ist zwar einerseits schade für die Bands, aber super für die Fans, da sich auch kurz vor Konzertbeginn fast immer noch ein Platz weit vorne und in schöner Atmosphäre unter Gleichgesinnten finden lässt. Hierzu ist zu erwähnen, dass der vorderste Wellenbrecher auf dem Southside von der Besucherzahl her limitiert wird und ab einer bestimmten Füllmenge nicht mehr zugänglich ist. Darüber muss man sich bei Bands in den angesprochenen Genrekreisen aber wie gesagt meist keine Gedanken machen. Die Menschen, die jetzt mit Skindred durch die Hitze gehen, haben aber auf jeden Fall Bock und gehen schon bei Set Fazers direkt mit. Sänger Benji Webbe integriert mitten in Ratrace eine Gesangseinlage für das Publikum, das diese Einladung gerne und laut annimmt. So prescht das Quintett durch sein kurzes, 45-minütiges Set und präsentiert dabei natürlich hauptsächlich die populärsten Songs wie Gimme That Boom.

Eine halbe Stunde nach dem Ende der vorherigen Show ist es Zeit für TBS. Hier haben sich inzwischen schon etwas mehr Menschen eingefunden und auch so manche aufblasbare Keule oder Banane ist zu erspähen. Die Jungs aus Mannheim passen, sind für mich eine super Nummer für dieses Festival, da sie einfach lustige Gute-Laune-Musik mitbringen, bei der man nicht großartig nachdenken muss, sondern einfach hören und Party dazu machen kann, egal, ob man die Songs kennt oder nicht. Nicht wenige davon handeln vom mehr oder weniger genüsslichen und intensiven Alkoholkonsum, auch da dürften sich einige Southside-Besucher mit wohlfühlen. Passend dazu starten TBS direkt mal mit Bierosaufus Ex in ihr Set, Frontmann Stroppo kippt sich eine Dose rein und der anschließende Breakdown stellt seinen gewaltigen Rülpser dar. Für manche vielleicht zu primitiv, aber zum Vibe hier passt das und es ist einfach lustig. Da kommt es sehr gelegen, dass sich Lachen als nächster Song hier wieder thematisch perfekt einreiht. Ich glaube, es wurde viel gelacht. Eine sehr eigene Interpretation des Crazy Frog tut dem auch keinen Abbruch, im Gegenteil. Über Herr Dokter und Der Nudelsong bis hin zu den Klassikern Baggersee und Bauchtasche ist die gute Stimmung bis zum Ende hin garantiert, und vielen wird die „lustigste Band in Tuttlingen“ sicher noch eine Weile im Kopf herumschwirren.
Nach der Umbaupause geht es um 19:00 Uhr Schlag auf Schlag direkt mit A Day To Remember weiter. Inzwischen hat es sich zugezogen, ist rings um den Flugplatz ziemlich dunkel geworden und stärkerer Wind sorgt für das erste angenehme Klima des Tages. Dass ein Unwetter in der Nähe ist, sieht wohl jeder, aber die Hoffnung, dass es nur Regen ist oder gar vorbeizieht, lässt trotzdem viele Menschen ins Infield strömen. Auf den Leinwänden läuft schon ein Text, dass man sich darauf einstellen solle, dass das Festival eventuell unterbrochen werde. Die eine Show werden wir aber ja wohl vorher noch schaffen, oder? Leider nein. Scheinbar sind die harten Riffs zu viel für den angespannten Himmel. Die US-Amerikaner haben gerade ihren ersten Song The Downfall Of Us All beendet und das leider wieder etwas spärlich besetzte Infield auf Touren gebracht, als Sänger Jeremy McKinnon in kurzen, schnellen und trockenen Worten mitteilt, dass besagtes Unwetter nun aufzieht. Dann sind sie weg und eine Durchsage mit Sirenen gibt die Instruktionen für die Evakuierung. Abgesehen davon, dass McKinnons Ansage akustisch nicht ganz einfach zu verstehen war, hätte ich mir von der Band hier auch etwas mehr Einfühlungsvermögen gewünscht. Viele der ausströmenden Besuchenden sind sichtlich enttäuscht und hatten sich sehr auf diesen Auftritt gefreut. So heißt es für die meisten, den langen Weg zum Auto auf sich zu nehmen, denn hier sind Camping- und Parkplätze getrennt und letztere sind teilweise ziemlich weit zu laufen. Updates kommen jetzt über die App, Social Media und das eigene Radio CampFM. Problem ist nur, dass das Netz wohl ziemlich darunter leidet, dass alle in ihren Autos festsitzen, und es daher gar nicht so einfach ist, etwas mitzubekommen. Das heftigste des Gewitters ist im Endeffekt dann doch vorbeigezogen, aber die Veranstalter haben wohl auch zehn Jahre nach dem Katastrophenjahr 2016 mit Komplettabbruch immer noch ihre Lehren daraus gezogen und gehen kein Risiko ein. Richtig so. Knappe drei Stunden später dann die Info, dass der Betrieb ab 22:00 Uhr wieder aufgenommen wird und alle weiteren Acts sich um eine Stunde nach hinten verschieben.

Für den Headliner Billy Talent bedeutet das eine noch spätere Nachtschicht: Statt um 23:00 Uhr legen die Kanadier pünktlich um Mitternacht los. Die aktuelle Tour ist komplett auf das 20-jährige Jubiläum ihres zweiten Albums Billy Talent II aus 2006 ausgerichtet, und so gibt es dieses einmal in Komplettfassung von vorne bis hinten. Die ersten beiden Songs sind mit Devil In A Midnight Mass und Red Flag damit direkt zwei der beliebtesten und die Band braucht keine Sekunde, um die Menge mitzureißen. Zum ersten Mal ist jetzt auch nicht nur der erste Wellenbrecher, sondern der gesamte Bereich vor der Mainstage gut gefüllt. Dem Publikum ist die Freude über die Fortsetzung und den angepassten Zeitplan, um so viele Acts wie möglich zu ermöglichen, deutlich anzumerken. Ich hatte während der Unterbrechung etwas Sorge, dass sich vielleicht viele so spät und mit dem angematschten Boden nicht mehr ins Infield aufmachen und stattdessen den Tag entspannt im Camp ausklingen lassen, aber das Gegenteil ist der Fall: Die Menschen haben Lust auf Musik, Party und Tanzen. So entlädt sich die gesamte angestaute Energie und der Frust über die abgesagten Konzerte mit einem Mal in dieser Show. Und gegen die inzwischen erstaunlich kühle Temperatur und den frischen Wind hilft das natürlich auch. Ein Highlight ist Fallen Leaves, der wohl beliebteste Song, bei dem alle zusammen springen und lautstark mitsingen. Zwischendurch erzählt Sänger Benjamin Kowalewicz von einer Show am Anfang der Bandgeschichte, bei der sie auch am Southside einen der Openingslots spielen durften, und wie unglaublich es ist, jetzt, etwa 20 Jahre später, als Headliner das Jubiläum ihres Albums hier feiern zu können. Eine schöne Geste. Nach gut einer Stunde und weiteren sehr populären Songs wie Surrender oder Burn The Evidence ist der Albumdurchlauf vollendet und es bleibt eine weitere knappe halbe Stunde für die Zugabe. Hier packen Billy Talent noch einmal alles aus: Mit Reckless Paradise, Surprise Surprise, Rusted From The Rain und Try Honesty als Abschluss sind Songs aus jedem einzelnen Album dabei und lassen keine Wünsche offen. Besonders schön: Nicht nur jetzt beim Headliner, sondern auch zuvor bei allen anderen Bands schon ist der Sound exzellent. So macht das richtig Spaß und dieser Auftritt rundet den Freitag perfekt ab!
Tag 2: Samstag, 20.06.2026

Auch heute, am Samstag und dem zweiten Festivaltag, soll es trotz des Gewitters gestern und der daraus folgenden sehr angenehmen Temperaturen wieder richtig heiß werden, sowohl physisch als auch auf den Bühnen natürlich! Los geht es heute um 14:00 Uhr mit den US-amerikanischen Punkrockern von Zebrahead. Es ist natürlich ein sehr unglücklicher Zeitslot für die fünf, so früh und in der größten Mittagssonne. Nichtsdestotrotz hat sich eine sehr ansehnliche Menge Menschen im ersten und zweiten Wellenbrecher versammelt. Verständlich, denn ihre Musik macht einfach Laune! Der Funke springt sofort über und die Pits und Circlepits werden eröffnet. Gitarrist Dan Palmer trägt seinen Teil dazu mehr als bei. Die ganze Zeit animiert er die Menge und springt dabei selbst über die Bühne, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Alle Mitglieder der Band scheinen viel Spaß zu haben und liefern dabei einen energiegeladenen und perfekten Auftritt ab. Wer da nicht mit angesteckt wird, da weiß ich auch nicht weiter. Leadsänger und Gitarrist Adrian Estrella steht passend für das WM-Spiel heute Abend im Deutschland-Trikot auf der Bühne. Wer weiß, vielleicht trifft man ihn heute Abend beim Public Viewing. Ihr kurzes Set füllen die Kalifornier hauptsächlich mit ihren größten Nummern wie All My Friends Are Nobodies und Falling Apart, was vom Publikum mit schallendem Gesang und noch mehr abgehenden Menschen angenommen wird. Etwa in der Mitte des Sets dankt die Band den Securities und stimmt sogar ein Geburtstagslied für einen von ihnen an. Sein Geburtstagswunsch, möglichst viele Crowdsurfer in Empfang zu nehmen, wird für Southside-Verhältnisse gut, verglichen mit dem Standard auf Metalfestivals eher etwas zurückhaltend erfüllt. Muss ja auch nicht, offensichtlich hatten alle, sowohl Fans als auch Band, einen riesigen Spaß, das ist die Hauptsache, und die Show ein voller Erfolg zu früher Stunde!
Eigentlich hätten nun Pennywise auf dem Programm gestanden, ihr Slot wurde allerdings getauscht, und so spielen sie nun erst spät in der Nacht. Stattdessen geht es erst um 18:15 Uhr mit den Donots weiter. Mit im Gepäck haben sie neben einer mit Songs vollgepackten Stunde wie immer auch ihre treue Fanbase und es sind alle Bereiche gut gefüllt. Bereits mit dem ersten Ton wird die erste grüne Rauchfackel gezündet und drückt ziemlich gut aus, wie sehr sich die Anwesenden auf die folgende Show freuen. Kaum ist der Vorhang zum Opener Auf Sie Mit Gebrüll gefallen, gibt es kein Halten mehr. Es wird viel gemosht, gesprungen, getanzt und so manche weitere Rauchfackel folgt. Natürlich stacheln die Männer aus Ibbenbüren die Meute auch noch immer weiter an. Auch fast selbstverständlich ist nach ein paar Songs der obligatorische und fast rituelle Wettstreit mit dem zeitgleich stattfindenden Schwesterfestival Hurricane darum, wer nun die bessere, lautere und verrücktere Crowd hat. Sänger Ingo Knollmann stellt fest, dass es seit dem ersten Auftritt der Donots auf dem Southside nicht nur jedes Mal noch heißer wird, sondern dass es auch jedes Mal ein größeres und lauteres Publikum gibt. Überprüfen lässt sich das schwer, aber viel Luft nach oben ist heute stimmungsmäßig auf jeden Fall nicht.

Einen Slot später folgt eine Band, die, wie ich im Voraus oft gehört habe, für viele ganz oben auf der Liste steht: The Offspring. Der Andrang vor der Bühne passt sehr gut zu diesem Eindruck, es ist von vorne bis hinten voll. Die Rocker lassen sich auch nicht lange bitten und starten ihr Set direkt mit Come Out And Play, einem ihrer größten Hits. Auch hier beginnt es im Publikum direkt zu kochen und die Atmosphäre ist gigantisch! Etwas überraschend, da hier ja eine doch schon etwas ältere Band auf ein überwiegend jüngeres Publikum trifft, aber umso schöner, dass die Band so gut angenommen wird und alle Generationen gemeinsam die Musik fühlen. The Offspring selbst wirken allerdings eher etwas distanziert, für mich fehlt ein wenig die Verbindung zu den Fans. So spielen sie Song für Song herunter und liefern mit zum Beispiel Self Esteem oder You’re Gonna Go Far, Kid auch alle Hits, die man sich wünschen kann, aber es fehlt ein bisschen die Emotion dabei. Vielleicht werden die Emotionen aber auch von der Kombination der langen Bandgeschichte und den dunklen Sonnenbrillen nach außen gedämpft. Die zuschauenden Menschen stört das auf jeden Fall überhaupt nicht, bis hinten wird mitgesungen und getanzt. Ein großes Miteinander und ein schönes Bild!

Direkt im Anschluss folgt nebenan der heutige Headliner der etwas kleineren Blue Stage: Yungblud. Hier ist die Vorfreude schon von weitem zu spüren und nicht nur der Wartebereich zum Fotopit quillt förmlich über vor lauter Menschen. Etwa 15 Minuten nach offiziellem Beginn startet dann auch das Intro und mit lautem Knall sowie Konfetti nimmt der Opener Hello Heaven, Hello seinen Lauf. Dieser ist allerdings nur der Beginn und ein kleiner Vorgeschmack auf grandiose anderthalb Stunden. Die Verspätung wird dem jungen Rockstar direkt verziehen, wie könnte es auch anders sein, so oft, wie er auf erstaunlich gutem Deutsch einzelne Sätze ins Publikum schreit oder Liebesbekundungen ausspricht. Insgesamt interagiert er sehr viel mit den Fans und spielt nicht nur Song nach Song, sondern baut in fast allen irgendwelche Livevariationen ein. So wird beispielsweise bei Fleabag ein junger Mann zum Gitarre spielen auf die Bühne eingeladen, und auch, wenn der Sound dabei mutmaßlich vom Band kommt, die Aktion wird in einer Lautstärke gefeiert, die ich bislang auf dem Festival noch nicht gehört habe, und ist sowohl für den mutigen Gitarristen als auch für die Atmosphäre unvergesslich. An anderer Stelle begibt sich Yungblud selbst in die Menge und lässt sich, während er singt, über die Köpfe tragen. Publikumsnähe scheint ihm also sehr wichtig zu sein und erklärt wohl auch die gute Verbindung während des gesamten Konzerts. Schöne Momente gibt es zahlreich, wie bei My Only Angel, einem gemeinsamen Song mit Aerosmith, oder dem Black-Sabbath-Cover Changes, bei denen der spontane Chor aus tausenden Menschen für Gänsehaut sorgt. Untermalt wird das Ganze noch von einer perfekten Bühnenshow: Es gibt viel Feuer, ein gigantisches, schwebendes Bühnenbild mit toller Lichtchoreografie und zum Abschluss während Zombie sogar ein kleines Feuerwerk.
Durch die Verspätung und das daraus folgende auch spätere Ende des Auftritts komme ich etwas verspätet erst zur letzten Band des Samstags: Die Red Stage und kleinste Open-Air-Bühne des Festivals wird heute von Pennywise zugemacht. Anfangs hat sich nur eine sehr kleine Menschentraube versammelt, nach und nach bleiben aber doch noch einige auf dem Weg zum Ausgang an der Bühne hängen und geben den Kaliforniern die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Mit Peaceful Day, Fuck Authority, Society oder Bro Hymn folgt Hit auf Hit und macht klar, wofür die Band mit ihren gesellschaftskritischen und politischen Texten steht. Im Gegenzug macht die inzwischen sehr stattliche Menge ebenfalls klar, wofür sie steht, und zwar auf keinen Fall für Müdigkeit oder mangelnde Energie nach dem langen und heißen Festivaltag. So wird zum Abschluss noch mal richtig abgefeiert und eskaliert, bevor sich der Samstag dem Ende nähert. Auf den anderen Bühnen geht es noch bis 2:00 Uhr mit Livemusik oder sogar bis 5:00 Uhr mit DJ im Zelt der White Stage weiter, aber für mich ist nichts mehr dabei, und so bleibt nur noch der Gang zum Camp, um noch einmal Kraft für den letzten Tag zu sammeln.
Tag 3: Sonntag, 21.06.2026

Der heutige Samstag geht für mich schon früh los, und zwar um 13:15 Uhr mit den Punkrockern von 3 Meter Feldweg. Bis etwa eine Dreiviertelstunde vor Beginn steht dieser Plan noch. Dann zieht wie aus dem Nichts ein Gewitter auf und die anfänglich eher spärlichen Regentropfen entwickeln sich in den nächsten 30 Minuten zum Sturm mit Starkregen und Hagel. Obwohl diesmal nicht unterbrochen und evakuiert wird, nehme ich bei diesem Wetter den Weg nicht auf mich. Zum Glück ist das Unwetter bald vorübergezogen, hat aber seine Spuren an der Mainstage hinterlassen: Wegen Reparaturarbeiten geht es hier erst um 16:30 Uhr, 15 Minuten später als im Timetable angegeben, mit Alexisonfire weiter. Das passt perfekt, das war sowieso die nächste Band auf dem Plan. Die Kalkulation mit der Reparatur scheint aufzugehen und die Kanadier können pünktlich starten. Die Musik, die sich hauptsächlich im Post-Hardcore ansiedelt, kommt gut an und es ist schnell klar, dass sich hier niemand die gute Laune und die Partystimmung vom erneuten Unwetter oder dem jetzt schlammwüstenartigen Infield nehmen lässt. Mit Pulmonary Archery, Accidents, Young Cardinals und This Could Be Anywhere In The World gibt es während der neun Songs des Sets alle Hits aus vier Alben und der durchwachsene Start in den Tag ist schnell vergessen.

Kurz darauf legen Nothing But Thieves im Angesicht eines schon wieder sehr böse aussehenden, dunklen Himmels los. Bereits im ersten Song Amsterdam beginnt es zu tröpfeln, was aber weder die Band noch die Fans vor der gut besuchten Bühne zu stören scheint. Während sich das Quintett mit If I Get High und Sorry Stück für Stück durch ihre populärsten Werke spielt, ist das Tröpfeln schon zu einem soliden Sommerregen geworden. Diesmal sind die meisten jedoch vorbereitet und packen einfach Regenjacke oder Poncho aus, sodass einem guten Konzertnachmittag nichts mehr im Wege steht. Die Band wirkt auf mich etwas distanziert und vielleicht eine Spur zu professionell. Einzig Gitarrist Joe Langridge-Brown scheint richtig Bock zu haben und reißt die Bühne komplett ab. Insgesamt also ein solides Konzert mit guter Musik, das aber zumindest bei mir keine nachhaltigen Emotionen oder Erinnerungen erzeugen kann.
Bereits zum Ende des Tages hin wartet nun mit Papa Roach noch ein echtes Highlight auf mich. Mit Even If It Kills Me und viel Feuer legen die Männer um Sänger Jacoby Shaddix direkt voll los, und dieser schafft es damit auch, die Menge vom ersten Ton an auf seiner Seite zu haben. Die eingängigen und vielen schon gut bekannten Melodien laden aufs Feinste ein, mitzusingen, die Moshpits zu eröffnen oder einfach zu genießen. Dazu kommt die sympathische Art von Shaddix, die wirklich alle mitzieht. Auch die US-Amerikaner setzen mit Kill The Noise und Getting Away With Murder hauptsächlich auf ihre bekanntesten Songs, was aber kein Problem ist, denn live machen diese einfach noch einmal ganz anders Spaß, egal, wie oft sie schon davor gehört wurden. Als Besonderheit werden Papa Roach auf dieser Tour von Jacobys Söhnen begleitet. So gibt es bei See U In Hell einen Gastauftritt von Jagger Shaddix, während Brixton seinen Vater bei Braindead unterstützt und damit mit seinen zehn Jahren sämtliche Herzen für sich gewinnt. Es folgen ein In-The-End-Cover, welches Chester Bennington gewidmet ist, gefolgt von Scars und einer, für Papa Roach und Jacoby typischen Ansage, sich nicht für psychische Erkrankungen zu schämen, sondern Hilfe in Anspruch zu nehmen sowie füreinander da zu sein. Die „Nu-Metal-Time-Machine“ nimmt die Fans nun mit auf eine Reise von Deftones über Korn und System Of A Down, bis sie schließlich in den ikonischen ersten Zeilen von Last Resort endet. Spätestens hier ist kein Halten mehr, die Band feuert noch einmal aus allen Rohren und die Menge schreit ebenso laut zurück. Einen besseren Abschluss gibt es für diese Show wohl nicht.
Den Abschluss für das Festival stellen schließlich um 22:25 Uhr Twenty One Pilots dar. Als letzter Headliner auf der Mainstage sind Erwartungen und Vorfreude beim Publikum riesig. Den ganzen Tag schon belagern einige in entsprechendem Merchandise die Absperrung und die ersten Reihen dahinter. Los geht es während Overcompensate und The Contract maskiert, bevor Sänger Tyler Joseph eine von der Menge getragene Plattform erobert, von dort singt und sich die Maske anschließend dann vom Kopf entfernt. Es herrscht eine mystische Stimmung mit viel Nebel und Gegenlicht auf der Bühne, einzig das Logo des Duos sticht vom oberen Bühnenbereich in klarem Weiß markant und episch heraus. Erst zu Center Mass geht es dann richtig los, der Nebel lichtet sich und die aufwändige Lichtshow kann ihre Trümpfe spielen. Über den Verlauf der Show hinweg bleiben hier keine Wünsche offen: CO₂, Feuer, Explosionen, alles dabei. Auch das musikalische Talent der beiden Musiker ist faszinierend: Ob Ukulele, Piano oder Bass, sie können und spielen alles. Bald steht mit Heathens schon der erste Mega-Hit auf dem Programm und die Lautstärke, in der die Fans die Zeilen mitsingen, ist gigantisch. Während Drum Show wird eine kurze Pause eingelegt und Schlagzeuger Josh Dun erklimmt über eine Leiter den Seitenflügel der Bühne, auf dem ein weiteres Drumset aufgebaut ist. Kurz darauf ist Joseph auch wieder auf seiner getragenen Plattform zu finden, sodass die Bühne an sich leer ist. Auf seinen Wegen vorne im Bühnengraben interagiert er viel mit den Fans, klatscht ab oder leiht sich das eine oder andere Accessoire. Für Ride gibt es eine weitere Besonderheit: Diesmal ist es der Sänger, der die Bühne verlässt und sich auf einen Turm im ersten Wellenbrecher begibt. Ein ganz schöner Aufwand mit all den Securities, die den Weg absperren, aber definitiv schön für alle, die weiter hinten stehen und ihn nun auch von nahem sehen können. Für den letzten Refrain, nun wieder auf der Hauptbühne, holen sich die beiden noch einen Fan zur Unterstützung dazu. Nach einem Seven-Nation-Army-Cover folgt der wohl berühmteste Song, Stressed Out. Zwei Songs später und nach insgesamt 90 Minuten Flugzeit landen die beiden Piloten dann erneut auf Plattformen im Publikum und läuten damit das Ende der Show ein. Zurück bleiben viele glückliche Gesichter, ein unfassbar lauter Abend und ein erfolgreiches letztes Konzert für dieses Southside-Jahr. Wer mag, kann noch bis 3:00 Uhr mit DJs weiterfeiern. Für die meisten wie auch für mich heißt es aber nun, den letzten Gang zum Camp und die Heimreise anzutreten.






































