Jordsjø – Pestkrønikene

24.06.2026 – Progressive Rock, Folk Rock, Retro Rock – Dying Victims Productions – 35:13 Minuten

Der Name Jordsjø aus Oslo dürfte primär Insidern im Bereich progressiven, folkigen Retro-Rock bekannt sein. Hinter dem Namen stecken Håkon Oftung und Kristian Frøland, die seit 2014 bereits neun Veröffentlichungen, darunter zwei Split-Scheiben, auf den Tisch gelegt haben. Vor allem der Multiinstrumentalist Oftung könnte einen größeren Bekanntheitsgrad besitzen. Er war und ist unter anderem bei Bands wie Tusmørke, The Chronicles Of Father Robin oder Breidablik aktiv. 2026 ist es Zeit für Release Nummer zehn, namens Pestkrønikene. Jordsjø bleiben ihrer bisherigen Linie treu und agieren abwechselnd in ihrer Heimatsprache und mit englischen Lyrics.

Jordsjø bleiben mit Pestkrønikene ihrer Linie treu

Die eher kantige Heimatsprache sorgt bereits für ein Alleinstellungsmerkmal. Dazu gesellen sich Folkinstrumente wie diverse Flöten und eine Hammondorgel im 70er-Jahre-Style. Der Auftakt Pestkrønikene wabert irgendwo zwischen Folkrock, 70er-Jahre-Krautrock und progressivem Rock, wobei Namen wie die Holländer Focus oder die Briten Gentle Giant ins Gedächtnis springen. Aber auch die norwegischen Proggis Tusmørke, die bereits seit Mitte der 90er aktiv sind, haben Spuren bei Jordsjø hinterlassen.

White Magic (mit Unterstützung von Jon Arne Henriksen) und Seven Heads springen ins Englische und kommen insgesamt etwas flotter daher, ohne den progressiven Retro-Rock-Charme zu verlassen. Bei den weiteren Stücken kommen diverse Gastmusiker zum Einsatz, wie zum Beispiel Lars Fredrik Frøislie, der als Studiomusiker in unendlich vielen Projekten von zum Beispiel Trollfest über Shining bis Tusmørke verewigt ist und wahlweise Keyboard, Drums oder auch Vocals beisteuert.

Von Ashbury, Gentle Giant, Focus und Tusmørke beeinflusst

Verträumt und folkig können Jordsjø auch und packen mit dem instrumentalen Kaosvelde – Vasallens Elegi das passende Stück Musik dazu auf die LP.  Kaosveldets Endelikt legt mit kräftiger Keyboard-Unterstützung an Tempo zu, The Awakened erinnert an Bands wie Ashbury mit einem sehr eigenen Gitarrensound und einer entspannten Atmosphäre.

In Richtung Finale ertönen die Langläufer der Platte mit mehr als fünf Minuten, namens Spiritual Lament und Talisman II. Spiritual Lament reduziert den folkigen Anteil, knüpft sonst an den Vorgänger in Richtung Ashbury mit Akustikgitarre an. Der Schlusspunkt Talisman II entlässt die Hörerschaft ruhig mit einer leicht verträumten Note in die raue Realität.

Hier geht es für weitere Informationen zu JordsjøPestkrønikene in unserem Time For Metal Release-Kalender.

 

Jordsjø – Pestkrønikene
Fazit Pestkrønikene
Jordsjø und Pestkrønikene sind spezielle Musik für Menschen mit einem speziellen Musikgeschmack, fernab von jedem Mainstream. Wer überproduzierte und auf Plastik getrimmte Musik mag, kann um Jordsjø einen Bogen machen. Hier geht es um handgemachte, authentische Rockmusik, basierend auf Bandnamen wie Focus, Gentle Giant oder Novalis. Die Kraut-Rock-Ära in den 70ern dürfte genauso Einflüsse auf Bandchef Håkon Oftung haben, wie sein Mitwirken bei Tusmørke oder die US-Rocker Ashbury, die mit Endless Skies eine viel beachtete Scheibe veröffentlichten, um anschließend für viele Jahre in der Versenkung zu verschwinden.

Wer mit Begriffen wie Progressive Rock, Retro-Rock oder Folk Rock nichts anfangen kann, dürfte nicht die richtige Zielgruppe sein. Wer aber die angesprochenen Endless Skies, Focus und Focus 3 oder Gentle Giant mit Octopus in seinem Regal stehen hat, sollte Pestkrønikene unbedingt sein Gehör schenken. Neue Räder gibt es nicht zu bestaunen, aber ein sehr authentisches 70er-Jahre-Feeling, das der Anhängerschaft von progressivem Retro-Rock ein Lächeln auf die Lippen zaubern sollte.

Anspieltipps: White Magic, The Awakened und Spiritual Lament
Jürgen F.
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