Skindred – You Got This

17.04.2026 - Crossover, Reggae Metal - Earache Records - 33:34 Minuten

Die 1998 gegründete Band Skindred ist wahrlich kein Newcomer, sondern blickt auf eine bald 30-jährige Karriere zurück, in der sie sich als eine der energetischsten Livebands etabliert hat. You Got This heißt so viel wie „Du schaffst das schon“ und passt in zweierlei Hinsicht zum neuen Album der walisischen Spaßgaranten. Der Reggae-Metal-Sound der Band aus brachialen Riffmonstern und schwofigen Arschwackelnummern ist stets motivierend. Gleichzeitig kann sich die Band ein routiniertes „You Got This“ ausstellen. Mit dem Vorgängeralbum Smile erreichten Skindred Platz 2 der britischen Charts.

Das neunte Studioalbum You Got This wirkt wie ein Best-of der Bandhistorie, das neue Fans gewinnen und alte zufriedenstellen, jedoch nicht überraschen wird. Doch nicht alles ist beim Alten: You Got This markiert den Abschied vom Bassisten und Gründungsmitglied Dan Pugsley, der die Band nach den Aufnahmen verließ. Die Saiten übernahm Tommy Gleeson, der zuvor Feeder auf Tour unterstützte.

Im Zentrum des neuen Albums steht wie gewohnt Frontmann Benji Webbe, der nicht nur Sänger, Geschichtenerzähler und (live) ultimativer Entertainer ist. Seine markante Stimme will mitreißen und singt jenseits der Partyhymnen von Alltagsproblemen und persönlicher Vergangenheit. Immer präsent: Lebensfreude.

Wie bei vielen Veteranen, die einen routiniert hochwertigen Output liefern, fühlt man sich auf You Got This direkt heimisch. Der Titeltrack eröffnet gewohnt eingängig mit Mitsingparole und wuchtigen Bounce-Riffs. Skindred nutzen das ikonische, durch Kill Bill bekannte Zirpen von Quincy JonesIronside-Titelmelodie (Der Chef, 1967–1975) als effektives Sample, um euch das Lied direkt ins Gehirn zu setzen. Ein typisch hüpfanregender Skindred-Song, der an That’s My Jam erinnert und live seine Wirkung nicht verfehlen wird. Webbe gibt an, dass ihn ein Mann im Fitnessstudio zum Song inspirierte, der, angefeuert vom Trainer, nach einem Schlaganfall wieder zu Kräften kam.

Die zweite Single, Can I Get A, ist das erste Lied zum Armeschwenken, in dem Webbe zwischen Rap und bedachtem Gesang wechselt und seine von Armut geprägte Kindheit als Waisenkind reflektiert. Der an Samples reiche Chorus bleibt natürlich sofort im Gehörgang stecken und gehört zu den ruhigeren Tracks des Albums.

Born Fe Dis untermauert Skindreds Anspruch auf die Genrebezeichnung Reggae Metal, bleibt innerhalb der bandeigenen Discografie jedoch konventionell. Diesen Vorwurf muss sich auch This Is The Sound gefallen lassen, doch die selbstreferentielle Partyhymne weiß die Muskeln anzuspannen und reicht an Klassiker wie Warning oder Nobody heran. Dass der Breakdown an Rammsteins Mein Teil erinnert, ist zugegeben weird. Auf jeden Fall dürfte dieser Track den Pit zum Ausrasten bringen.

Broke ist mehr Dancehall/Reggae als Metal und erzählt von harter Arbeit und Geldmangel. „Ich bin pleite“, erzählt das lyrische Ich, das sich scheinbar für nichts unermüdlich abrackert. Dass eine etablierte Band über Finanznot singt, mag zunächst unglaubwürdig erscheinen. Doch auch hier scheint die persönliche Vergangenheit durchzusickern.

Die Reggae-Einflüsse stehen auch bei Glass im Vordergrund, das auf Webbes glasklaren Gesang ausgerichtet ist. Fast schon eine Powerballade mit Themen um Verlust, die zu sanften Pianoklängen in den Sonnenuntergang reitet. Dass es danach wieder heftiger wird, war zu erwarten. Big Em Up geht ähnlich nach vorne wie This Is The Sound, flirtet jedoch stärker mit dem Dancehall-Sound der Band und knüppelt im letzten Drittel erfrischend in den Circle-Pit.

Die dickste Partyrakete heben sich Skindred für Do It Like This auf. Dass dieser betörende Ohrwurm den Rattenfänger von Hameln zitiert („I’m the Pied Piper, come follow me“), ist kein Zufall. Skindred planen hier den nächsten „Newport Helicopter“. Do It Like This will auch die letzten Tanzunwilligen in Bewegung bringen, was mit bombastischen Riffs, Breakdowns und Webbes Anfeuerungsrufen sicher gelingen wird. Tiefsinnig ist das freilich nicht, doch beim Springen habt ihr ohnehin keine Zeit zum Nachdenken. My People hält die schweißtreibende Energie aufrecht und macht direkt im Titel klar, dass die Band ihre Fan-Community konstant auf Trab halten will.

Der chillige Abschluss Give Thanks folgt dem Muster, das mit L.O.V.E. schon auf Smile alle Fans zum Lächeln gebracht hat. Eine positive Reggae-Hymne als Danksagung an Fans, Freunde und Familie – und ein Plädoyer dafür, es der Band im Alltag gleichzutun. Unbeschwerte Lebensfreude als konsequente Entscheidung? Tut doch gut, oder?

Hier geht es für weitere Informationen zu SkindredYou Got This in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Skindred – You Got This
Fazit zu You Got This
Skindred bleiben maximal tanzbar und werden auch mit You Got This die Festivals mitreißen. Die Waliser beweisen weiterhin Treffsicherheit für Hooks und druckvolle Riffs, die sich in Gedächtnis und Gesäß festsetzen. Dass sich die neuen Tracks dabei nahtlos in den bestehenden Backkatalog einfügen, ist Fluch und Segen zugleich: Wirkliche Überraschungen oder stilistische Wagnisse fehlen, doch die Qualität stimmt. Mitreißend und gut.

Anspieltipps: This Is The Sound, Do It Like This und Give Thanks
Christian D.
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