Seraina Telli: buntes Spektakel für die Musikwelt – neue Single mit Julia Vieregge „Hey G!rl“

Auf Tour im September

Zwei Stimmen. Eine Haltung. Kein Kompromiss.

Es gibt einen Satz, den Seraina Telli in den letzten Wochen öfter gesagt hat als jeden anderen: „Wer kommt denn drauf, dass wir schon irgendwo angekommen sind, wo Frauen gleichgestellt betrachtet werden? Da sind wir noch längst nicht.“ Kein Slogan, keine Kampagnenzeile – eher eine Feststellung, ausgesprochen mit der Selbstverständlichkeit von jemandem, der es leid ist, diese Debatte immer wieder von vorne führen zu müssen. Genau aus dieser Erschöpfung heraus erscheint Hey G!rl, die neue Single der Schweizer Rockmusikerin und der deutschen Musical- und Popkünstlerin Julia Vieregge – ein Duett, das weniger nach Versöhnung klingt als nach einer Standortbestimmung.

„Wer kommt denn drauf, dass wir schon irgendwo angekommen sind, wo Frauen gleichgestellt betrachtet werden? Da sind wir noch längst nicht.“

Zwei Karrieren treffen hier aufeinander, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Telli, geboren 1990 im aargauischen Untersiggenthal, machte sich als Solokünstlerin einen Namen – mit Simple Talk (2022, Platz 2 der Schweizer Albumcharts), Addicted To Color (2023, Platz 1) und Green (2025, Platz 1). Ihren Stil nennt sie selbst In Your Face Rock: laut, farbig, kompromisslos. Vieregge, Jahrgang 1985, aus Troisdorf, kommt aus einer anderen Ecke der Musikwelt Musicalbühnen, Kreuzfahrtschiffe, Synchronrollen, ein eigener Podcast, eine Rosenstolz-Tribute-Show. Wo Telli mit Wucht auftritt, arbeitet Vieregge mit Timing und Nähe, mit einer Offenheit über Selbstzweifel und mentale Gesundheit, die sie besonders auf Social Media zeigt. Zwei Powerfrauen mit ganz unterschiedlichen Wegen dorthin – und beide mit einer Seite, die genauso weich und warm sein kann wie kompromisslos. Hey G!rl bringt diese zwei Sprachen zusammen, ohne eine davon zu glätten.

Inhaltlich verweigert sich der Song jeder Wohlfühl-Botschaft. Es geht um Frauen, die sich gegenseitig stützen sollen, aber genauso um die Fragen, die im Weg stehen: Warum wird eine Frau mit eigener Meinung „schwierig“ genannt, während derselbe Mann als „durchsetzungsstark“ gilt? Telli bringt es im Gespräch so auf den Punkt: „Wenn man das Ganze einfach mal umdreht, sieht man, wie bescheuert das eigentlich ist.“ Es sind Sätze wie dieser, die den Song von einer Empowerment-Hymne unterscheiden, wie es sie inzwischen im Dutzend gibt. Hey G!rl moralisiert nicht, es beschreibt – Alltag, kein Manifest. Der eigene Körper, der ständig kommentiert wird. Die Ausrüstung, die man angeblich nicht selbst tragen kann. Die „gut gemeinten“ Tipps, die niemand angefordert hat.

Dass Hey G!rl ausgerechnet jetzt erscheint, ist kein Zufall. 2026 diskutiert eine Gesellschaft, die sich gerne für weit fortgeschritten hält, immer noch über Lohnunterschiede zwischen Kolleginnen und Kollegen mit identischer Verantwortung, über Kommentarspalten, die Frauen für Selbstbewusstsein bestrafen, über eine Solidarität unter Frauen, die im Alltag oft mehr Anspruch als Realität ist. Telli formuliert es unverblümt: „Es schweigen immer noch zu viele Frauen. Über Missbrauch, über Unterdrückung und über ganz banale alltägliche Dinge, wie dass wir selber wissen, was wir wollen und wann es genug ist.“ In einer Öffentlichkeit, die zwischen Gleichgültigkeit und Empörung kaum noch ein mittleres Register kennt, ist das kein bequemer Song – aber ein notwendiger.

„Wenn Musik nichts verändern kann, was denn?“

In Kürze ist Seraina Telli auf Deutschlandtour:
04.09. Bochum, Rockpalast
05.09. Frankfurt, Das Bett
06.09. Düsseldorf, Pitcher