Alsen rockt 2011

Ort: Alsen Gelände, Itzehoe
Datum: 27.05 – 29.05.2011
Kosten: 10 Euro
Besucher: ca. 450 insgesamt

Freitag:

Dieser Abend beginnt schon mit einigen Problemen, da der Keyboarder der Band Becomeinsane bis zum Soundcheck noch nicht erschienen ist. So wird kurzerhand das Line-Up umgestellt und die zweite Band Panacea darf auf die Bühne.

Panacea hat sich dem rockigen Blues verschrieben und ergänzt diesen mit Passagen auf der Mundharmonika. Auffallend hierbei ist, dass die noch junge Band instrumentell wirklich professionell ist und Leadsänger Tillmann kann einigen alten Hasen an der Gitarre noch was vormachen. Die Sträke von Panacea liegt in der Vielseitigkeit ihrer Songs, die für eine so junge Generation doch untypisch ist. Die Zuschauer honorieren die Leistung mit viel Applaus und so verabschiedet sich die Band mit einer Zugabe vom Publikum.

Die nächste Band Becomeinsane ist eine frische, neue Combo, die das Konzept verfolgt, harten Metal mit einer schönen Frauenstimme zu verbinden. Die sympathische Sängerin wird gesanglich durch den Schlagzeuger unterstützt, der durch seine Death Metal-Einlagen den Stil der Band komplettiert. Ihre englischen Songs gehen gut ins Ohr. Ein kleines Manko ist vielleicht die fehlende Bewegung. Sie wirken oft sehr steif. Da Becomeinsane aber am Anfang ihrer Musikkarriere stehen, sei ihnen das verziehen und man kann nur sagen: „Macht weiter so!“

Harter, melodischer Metal erklingt, die Fans stürmen zur Bühne und kreischen, also kann es nur eins bedeuten: Obsensifer stehen auf der Bühne. Diese Band ist überaus beliebt und heizt den Zuschauern gehörig ein. Durch Sänger Timbos einzigartige Stimme, die mal kraftvoll und mal gefühlvoll sein kann, wird jeder Auftritt zu einem Hörerlebnis par excellence. Die deutschen Texte sind sprachlich auf hohem Niveau und gut verständlich. Diese Band glänzt durch ihre Bühnenpräsenz und ihrer bis dato schon riesigen Fanbase. Eine großen Anteil daran hat der charismatische Sänger Timbo.

Das Publikum tobt immer noch und nun liegt es an Frozen Desert, die Stimmung am Kochen zu halten. Ihre Musik läuft doch in etwas ruhigerem Stil ab, ist aber dennoch professionell. Die langjährige musikalische Erfahrung ist zu spüren und Sänger Kevin, der gleichzeitig Drummer ist, gibt alles. Ihre eigenen Songs sind erfrischend und die Cover perfekt umgesetzt, sodass sie in neuem Licht erscheinen. Die Zuschauer applaudieren herzlich und so kann die Band mit einem guten Gefühl von der Bühne gehen.

Die nächste Band Sixball ist wahrlich ein Hingucker. Sie überraschen ihre Fans mit immer neu erdachten Kostümen, womit sie schon alle Sympathien auf ihrer Seite haben. Ihre lustigen Songs sprechen zwar ernste Themen an, die aber nicht so ernst genommen werden. Das Motto dieser Combo ist definitiv Spaß und der ist sofort spürbar. Beim Song Ponyfreunde Rostock e.V zieht der Frontmann Timo an einer Strippe und ein aufblasbares Pferd umschließt seinen Körper. Sixball ist ein Highlight für Augen und Ohren!

Die vorletzte Band des Abends ist Small Heap Misery. Sie sind definitiv der Publikumsmagnet schlechthin. Mit ihren Powersongs im Stil des Metalcore treffen sie voll in die Herzen ihrer Fans. Small Heap Misery ist das zweite Projekt von Sänger Timbo (Obsensifer), der auch hier voll punkten kann. Eine Mischung aus schnellen Songs wechselt sich mit ruhigeren Parts ab und macht das Gesamtkonzept zu einem großartigen Klangerlebnis. Die Nähe zu ihren Fans und ihre Bühnenarbeit zeichnen diese Gruppe aus. Sie rocken die Bühne und man kann ihnen wohl eine gute musikalische Zukunft voraussagen: Alles richtig gemacht, Jungs!

Das Highlight heute ist wohl der letzte Act, Forgotten North. Ihre Mischung aus mittelalterlichen Klängen, Folk und progressivem Metal steht seit Jahren für diese Band. Ihre vorrangig deutschen Songs sind geprägt von altdeutscher Sprache, mit teilweise historischem Hintergrund. Sänger Sascha gibt Vollgas und animiert jeden im Publikum zum Mitmachen und Tanzen. Es ist schwer, sich nicht zu bewegen. Durch ihre jahrelange Arbeit sind sie sehr bekannt und fester Bestandteil norddeutscher Festivals. So ist es nicht verwunderlich, dass beim Song Störtebecker fast jeder Mitsingen kann. Die Fans feiern auf der Bühne mit ihren Idolen und gröhlen ins Mikrofon, sodass dieser Abend gar kein Ende nehmen möchte. Forgotten North glänzen durch pure Spielfreude und mitreißende Lieder. „Macht weiter so und produziert noch viele Alben!“, das wünschen sich wohl alle Fans.

Samstag:

Heute erwartet die Besucher ein Tag unter dem Motto Rock, der aber durch Dauerregen getrübt wird, so ist doch das Gelände um die frühe Nachmittagszeit noch relativ leer. Den heutigen Anfang macht die Gruppe Sunburst, die mit ihren rockigen Songs einen gelungenen Auftakt bieten. Die kraftvolle Stimme Birtes, die schönen Solis des Gitarristen und das laute Schlagzeug ziehen die Besucher in ihren Bann.

Who killed the cat? Die Antwort lautet: Mary Jane! Diese Band bleibt nicht nur durch ihren Namen im Gedächtnis, sondern auch durch die ineinanderfließenden Songs. Eine Mischung aus britischem Rock und Einflüssen der 70er ziehen das Publikum magisch an. Die vielseitige Stimme des Leadsängers sorgt für Abwechslung und erschafft einen Sound, der so äußerst selten zu hören ist. Die Spielfreude ist ihnen anzumerken und springt auf die Zuschauer über, die zudem mit der Zugabe My Generation belohnt werden.

Free Thoughts übersetzt „Freie Gedanken“ rocken als nächstes die Bühne. Trotz ihrer einfachen Liedtexte sind die Songs so eingängig, dass sie dem Zuhörer für längere Zeit im Ohr bleiben. So hat selbst ein eingefleischter Metalhead damit zu kämpfen, die Zeilen aus dem Kopf zu bekommen. Sängerin KayCee heizt das Publikum zum Mitmachen an und die gute Stimmung auf der Bühne überträgt sich auf das Publikum. Den Höhepunkt bildet der Coversong RemmiDemmi,den man auch so schnell nicht vergessen kann.

Die bekannte Band Attic gibt unter Frontfrau Mirja Vollgas. Deutsche Songs, die selbst getextet sind, sind ihre Leidenschaft und werden mit viel Herzblut vorgetragen. Langweile kommt hier sicher nicht auf. Die Spielfreude ist ihnen anzumerken und so herrscht Bewegung auf der Bühne, welche die vielen Fans mitreißt. Viele Zuschauer sind nur wegen dieser Band gekommen und erfreuen sich an dem gelungenen Auftritt.

Forecast ist die nächste Band. Sie betreten die Bühne und man empfindet direkt Sympathie für diese Jungs. Ein großer Respekt gilt auch dem Gitarristen, der trotz Lähmung immer noch perfekt das Instrument beherrscht und eine Lebensfreude ausstrahlt, die das Herz berührt. Das Lächeln des Leadsängers ist einnehmend, aber natürlich bestichen Forecast vor allem durch ihre musikalische Darbietung. Das gesamte Arrangement ist sehr professionell gelöst und alles wirkt sehr erfahren. Mit rockigen, englischen Texten und einer dazu passenden Stimme nehmen sie die Zuhörer für sich ein. Rockmusik auf höchstem Niveau, die im Ohr bleibt, bietet Forecast. Ihre Songs strahlen gute Laune aus und diese lassen sie auch zurück, als sie von der Bühne gehen

Peto, ein wirklicher Geheimtipp, erregen schon Aufmerksamkeit durch ihr riesiges Equipment. Neben den gängigen Rockinstrumenten befinden sich auch zwei Saxophone und eine Posaune auf der Bühne. Durch ihren Mix aus Reggae, Ska und Rockeinflüssen wird diese Band zum Publikumsmagnet. Diese Musik lädt nicht nur zum Tanzen ein, man wird erfasst von der Welle dieser außergewöhnlichen Mischung aus verschiedenen Genres. Peto sind wirkliche Exoten, ihre musikalische Umsetzung bleibt einzigartig und unvergessen. Da kann man nur sagen: „Weiter so!“

Chaos ist die nächste Band wohl keinesfalls, aber sie machen ordentlich Stimmung. She wants Chaos ist eine Rockband, die wirklich Abwechslung an den Tag bringt. Ihre Musik macht Spaß und ihre Erfahrung spiegelt sich in ihren Stücken wieder. Die klare Stimme vom Sänger dröhnt aus den Boxen und so kann man diese Band in vollen Zügen genießen. Präsenz auf der Bühne ist bei ihnen fester Bestandteil und so spürt man pure Lebensfreude bei ihrem Auftritt.

Durch private Termine am Abend konnte ich leider die letzten beiden Bands nicht sehen.

Sonntag:

Das Opening gestaltet heute die Elmshorner Band Def Cherry. Ausgeschrieben wurden sie als Rockband, aber sie überraschen mit harten Metalklängen. Die kraftvolle Stimme des Leadsängers Chris ist facettenreich und weist eine vielseitige Intonation auf. Ihre englischen Songs laden zum Moshen ein und selbst die Balladen sind nicht wirklich ruhig. Sie kommen bei den Zuschauern an und rütteln zu dieser frühen Mittagsstunde wohl auch den Letzten wach.

Der nun folgende Act macht seinem Namen alle Ehre. Das rote Universum ist ziemlich spacig und wirkt eher etwas unkoordiniert. Die schrägen Töne des Sängers scheinen beabsichtigt aber lassen das gesamte Paket ziemlich merkwürdig erscheinen. Trotz ihrer langen Bühnenerfahrung bleibt diese Musik gewöhnungsbedürftig.

Punkrock steht als Nächstes auf dem Programm. Mit Headcrime wird dieses Genre bestens bedient. Mit ausgeflippten Songs rocken die Jungs die Bühne. Die klare Stimme des Frontmannes Philipp ist vielseitig und verleiht den punkigen Liedern eine Weichheit, die diese Musik zu etwas Einmaligem macht. Die gesamte Band wirkt auf den Zuschauer sehr sympathisch und zaubert so manchem ein Lächeln ins Gesicht. Spaß ist auch hier die oberste Intension. Mit Sicherheit wird man in Zukunft noch einiges von Headcrime hören.

Rock it Baby! Das ist das Motto der nächsten Band, Westermore. Die erfahrenen Musiker trumpfen mit professioneller Musik auf, die auch Coversongs umfasst. Der Leadsänger Raimund hüpft wie ein junger Mann auf der Bühne herum und hat eine Menge Unterhaltungswert. Er bindet die Zuschauer ins Programm ein und überzeugt mit einer verrauchten Stimme. Verstärkt durch das Saxophon, ist diese Band schon lange auf der Überholspur. Trotz Songs der älteren Generation erreichen Westermore auch die Herzen und Ohren junger Zuhörer.

Die vorletzte Band an diesem Tage ist Fast-Tired. Mit einer Leadstimme à la Lemmy Kilmister (Motörhead) werden ihre Coversongs zum Highlight. Professionelle Gitarrenleistung überzeugt mit hartem Bass und rockigem Schlagzeug. 60er/70er- Cover à la Jimmy Hendrix sind genauso Programm wie neuere Stücke von AC/DC und Motörhead. Die kraftvolle Stimme und die lustigen Sprüche des Sängers Thorsten zwischen den Songs nehmen das Publikum vollkommen ein. Belohnt wird die Band mit überragendem Applaus. Immerhin sind viele Fans auch nur wegen dieser spektakulären Band gekommen.

Die letzte Band ist der absolute Höhepunkt. Mit Z-Roxx tritt eine der erfolgreichsten Coverbands des Nordens an. Ihr Einstiegssong Enter Sandman rockt schon mal ordentlich. Perfekte Beherrschung der Instrumente und eine rockige Stimme überzeugen auch diejenigen, die Coverbands gegenüber eher kritisch eingestellt sind. Als Zuschauer wird man mitgerissen und die gute Laune greift auf jeden über. Ihr Reportaire geht über Black Sabbath, The Cure, Kiss bis hin zu den Böhsen Onkelz. Z-Roxx sollte man im Gedächtnis behalten, da sicher noch einige Auftritte folgen werden.

Fazit: Alles in allem war das ein rundes Wochenende. Der Dauerregen am Samstag hat doch vielen zu schaffen gemacht, aber wohl keine nennenswerten Verluste in den Besucherzahlen nach sich gezogen. Man muss den zahlreichen Bands ein großes Dankeschön aussprechen, da sie ohne Gage spielten und trotzdem das Beste ablieferten. Man darf auf Alsen rockt 2012 gespannt sein!

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