Festivalname: Rock Hard Festival 2025
Bands: W.A.S.P., Dirkschneider, Myrath, Victory, Deserted Fear, The Crypt, Hiraes, Tailgunner, Dismember, Crimson Glory, Nile, Threshold, Dool, The Gems, The Night Eternal, Amethyst, Exodus, Geoff Tate, Death Angel, Municipal Waste, Attic, Sanhedrin
Ort: Amphitheater Gelsenkirchen, Grothusstr. 201, 45883 Gelsenkirchen
Datum: 06.06.2025 – 08.06.2025
Kosten: Festivalticket ab 149,50 €, Tagesticket ab 60,50 €
Genre: Heavy Metal, Power Metal, Melodic Metal, Thrash Metal, Hard Rock, Death Metal, Progressive Metal, Progressive Rock, Melodic Rock, NWoBHM, Hard Rock
Besucher: ca. 5000 Besucher (grobe Schätzung)
Veranstalter: Rock Hard Event GmbH
Link: https://www.rockhard.de/rhfestival
Es ist kalt und mehr als ungemütlich am Pfingstsonntag. Gegen Mittag liegen die Temperaturen bei circa 10 Grad und immer wieder gibt es Wasser von oben. Der Andrang ist entsprechend gering in Richtung Festivalgelände. Einige Fans räumen bereits das Camp und packen ihre nassen Siebensachen. Das Programm läuft trotz der eher unangenehmen äußeren Umstände weiter. Tailgunner aus UK eröffnen den finalen Festivaltag. Die Temperaturen sind auch für die Künstlerschaft eine Herausforderung. Der Soundcheck erfolgt in dicken Klamotten. Gefühlt ist heute Herbst.
Tailgunner

Mittags 12 Uhr, Sauwetter, trotzdem haben sich reichlich Metalheads vor der Bühne eingefunden, um Tailgunner zu verfolgen. Die Truppe aus England räumt vor allem in den einheimischen Gefilden mächtig ab und werden dort bereits als die neuen Judas Priest gefeiert. Auch in Europa ist das Quintett auf dem Weg nach oben. Der Nachfolger von Guns For Hire steht in den Startlöchern und wird im Frühherbst auf den Markt kommen. Kostproben liefern Sänger Craig Cairns und Co. einige. Sachen wie Blood Sacrifice, Eulogy oder Midnight Blitz kommen gut rüber und dürften Tailgunner weiter nach oben in den Listen von Festivals und Bookern schieben. Auch Metallica können die Engländer. Hit The Lights passt gut zu den äußeren Bedingungen, bei denen der Himmel mal wieder seine Schleusen öffnet. Trotzdem: starker Gig von einer Band, die auf dem Weg nach oben ist.
Hiraes

Aus den Überbleibseln von Dawn Of Disease plus Frontröhre Britta Görtz entstand 2020 Hiraes, die mittlerweile mit Solitary und Dormant zwei Longplayer veröffentlicht haben. Es geht um melodischen Death Metal, der durchaus moderne Züge annimmt. Wer sofort Arch Enemy schreit, liegt nicht daneben, wobei die Unterschiede nicht nur zwischen den beiden Frontdamen, sondern auch den Instrumentalisten klar vernehmbar ist.
Acht Stücke liefert das Quintett mit dem klaren Fokus auf das aktuelle Werk Dormant. Vor allem brilliert Görtz am Mikrofon, die anfänglich eine Art Flüstertüte zum Intro nutzt, bevor es mit Growlgesang und Through The Storm weitergeht. Dass die Truppe auf dem Sprung ist, unterstreicht das Arrangement von Görtz bei Heaven Shall Burn als Ersatzsängerin. Wie auch Tailgunner haben Hiraes circa 45 Minuten Spielzeit bei genauso wenig einladenden Bedingungen wie zum Anfang des Tages.
The Crypt

Eine Art Wundertüte sind The Crypt aus Schweden. Die Band wird mit ihrem selbstbetitelten Debüt gerade gehypt, da die Songschreiber aus dem Hause Candlemass und Avatarium stammen. Der erste Blick auf die Bühne offenbart jedoch etwas anderes. Sängerin Pepper wirkt wie das Battle Beast, nur eben auf dunkel getrimmt. Das ganze Outfit mit dem Geweih auf dem Schädel kommt wie abgekupfert und eingefärbt daher.
Auch der Sound ist nicht bei Candlemass. Insgesamt eher rockig mit Keyboard mixen The Crypt einen Dark-Rock-Gothic-Metal-Cocktail, der nicht den Geschmack aller Fans auf dem Rock Hard Festival 2025 trifft. Die nach wie vor unangenehmen äußeren Bedingungen sorgen für den Rest, sodass The Crypt nicht so ankommen, wie von der Band selbst gewünscht.
Deserted Fear

Kommen wir zurück zum Death Metal. Das Wetter soll sich laut Vorhersage gegen 16 Uhr verbessern. An der Vorhersage sollte der Vorhersager noch mal arbeiten. Deserted Fear ist das egal. Es gibt eine knappe Stunde Musik aus Thüringen, inklusive des bekannten Humors der Herren. Dabei spielen sich Sänger und Gitarrist Manuel Glatter und Gitarrist Fabian Hildebrandt die Bälle geschickt zu, sodass es neben der Musik noch den einen oder anderen Lacher gibt. In dem Sinne grüßen wir die Mutti von Fabian.
Musikalisch gibt es einen Querschnitt über das bisherige Schaffen der Band, wobei mit Kingdom Of Worms auch der Titeltrack des mittlerweile mehr als zehn Jahre alten Zweitlings Berücksichtigung findet. In die Anfangstage und My Empire kehren Deserted Fear aber nicht zurück. Das Herzstück des Sets sind die 2025er und 2022er-LPs Veins Of Fire und Doomsday. Ja, es wird melodischer und eventuell nicht mehr so brachial wie in den Anfangstagen, was Sänger Glatter auch thematisiert. Trotzdem sind und bleiben Deserted Fear live eine ausgezeichnete Death-Metal-Kapelle, die nicht nur mit Gesang und Instrumenten unterhält. Wir winken zum Abschluss.
Victory

Keep-It-True-Gänger sind bezüglich Victory klar im Vorteil. Dort spielte die von Herman Frank reaktivierte Band 2024 und konnte – ähnlich wie Crimson Glory – die Meute überzeugen. Die Tour mit Grave Digger folgte und nun völlig zu Recht ein Platz im Billing auf dem Rock Hard Festival. Das Wetter und den Vorhersager thematisieren wir nicht. Dafür Tracks wie Rock The Neighbours, Temples Of Gold, Take The Pace oder Check’s In The Mail. Sänger Gianni Pontillo intoniert die Klassiker aus den 80ern bärenstark, sodass das gesamte Set die Fans mitreißen kann. Dazu ist die Saitenfraktion, allen voran Altmeister Frank, derart agil, dass es eine Wonne ist, den Musikern zuzusehen. Victory und das Publikum steigern sich ähnlich wie auf dem Keep It True Rising mit jeder Minute weiter. Are You Ready sind die Fans schon lange und On The Loose sowieso. Victory erleben ihren x-ten Frühling und dürften mit der Performance in der aktuellen Festivalsaison für reichlich Aufmerksamkeit sorgen. Bärenstarker Auftritt, wieder einmal.
Myrath

Es wird orientalisch auf dem Rock Hard Festival. Myrath stammen aus Tunesien und mischen ihrem Power Metal progressive und orientalische Elemente bei. Es gab einen eher scherzhaften Vergleich als Blind Guardian Tunesiens. Viel besser passen Bands wie Orphaned Land, die sich selbst dem Oriental Metal zugeordnet haben. Der Bühnenaufbau orientiert sich an der Thematik, genauso wie das Outfit von Sänger Zaher Zorgati.
Es sind außergewöhnliche Klänge, die Myrath aus den Boxen lassen. Irgendwo ist es eingängiger Power Metal, der aber durch die speziellen Aktivitäten von Keyboarder Kévin Codfert (Adagio, die inaktiv sind) und einer Tänzerin aus 1000 und einer Nacht einen speziellen Touch bekommen. Das Songmaterial sorgt entsprechend für unterschiedliche Meinungen. Der einen Fraktion ist es zu kitschig, die andere Fraktion erfreut sich an den Melodien. Es ist Festivalsaison, da gehört auch auf das Rock Hard Festival ein Farbtupfer wie Myrath, wenn auch nicht alle Menschen von der Performance überzeugt sind.
Dirkschneider

Balls To The Wall, wer kennt den Klassiker von Accept nicht? Entsprechend voll ist es geworden im Amphitheater. Irgendwie will jeder Metalhead zumindest mal gucken, was Udo und seine Mitstreiter so auf der Bühne veranstalten. Das denkt sich auch die Sonne. Die guckt tatsächlich auch vorbei und stellt Udo und seine Mitstreiter auf die Sonnenseite des Lebens. Frisch ist es aber nach wie vor, als das Quintett die Bühne entert und mit dem Titeltrack Balls To The Wall eröffnet. Bassist Peter Baltes hat anscheinend seinen alten Bass aus dem Keller geholt, auf dem auf der Rückseite der Titeltrack verewigt ist. Die Betriebstemperatur ist sofort da, London Leatherboys legt direkt nach und die Band strahlt eine unfassbare Spielfreude aus. Endlich scheint sich das Festival am zweiten Tag doch noch zu berappeln und ein Highlight zu liefern, trotz der wenig angenehmen Bedingungen.
Das Album ist allgemein bekannt, sodass sich die weniger oft gespielten Stücke wie Head Over Heels, Losing More Than You’ve Ever Had oder Guardian Of The Night als Highlights entpuppen. Winterdreams geht ohne speziellen Gast über die Bühne. Sabina Classen, die ehemalige Frontdame von Holy Moses, ist für eine Ballade eher nur bedingt geeignet. Classen hatte am Nachmittag eine Lesung zu ihrem aktuellen Buch Laut.Stark.Leben. 75 Minuten haben Dirkschneider und als Best-of gibt es die Cinderella Story von der Prinzessin auf der Erbse, die einfach unterstreicht, dass hier der ewige Udo agiert. Burning aus dem Jahr 1981 macht den Deckel auf die 75-minütige Show, die einmal mehr junge und alte Fans mitreißen kann. Der ewige Udo halt.
W.A.S.P.

Ein großes Fragezeichen begleitet Blackie Lawless und seine Mitstreiter auf die Bühne. Wer die Show 2023 erlebte, der wird vor allem Fragezeichen bezüglich der Gesundheit von Lawless haben. Nahezu bewegungsunfähig kettete sich Lawless an das Wespenskelett und klebte dort circa eine gute Stunde. Das Thema Playback-Blackie ist an anderen Stellen zu diskutieren und soll nicht Gegenstand der Betrachtung sein.
Die Antwort auf die Frage, ob es eine Rockshow gibt oder nicht, geben Lawless und seine Mitstreiter auf der Bühne. Ein überraschend agiler Lawless turnt in weißen Mokassins der Marke 80er-Jahre mit Fransen munter über die Bühne. Was auch immer in den vergangenen zwei Jahren passiert ist. Blackie scheint in einen Gesundbrunnen gefallen zu sein.
Dazu haben die Herren ihr selbstbetiteltes Debüt neu entdeckt und kredenzen den Fans die gesamte Scheibe aus dem Jahr 1984. Der oft missmutig wirkende Lawless erläutert, dass die Idee vom Label und Promoter kommt und die Band sehr viel Spaß daran hat, die alten Klassiker auf die Bühne zu bringen. Die zehn Stücke von I Wanna Be Somebody über On Your Knees bis The Torture Never Stops gibt es exakt in der Reihenfolge des Albums. Lawless wäre nicht Lawless, wenn er nicht mit dem Ende des letzten Tons von The Torture Never Stops „Tschüss“ sagt und von der Bühne für einige Minuten verschwindet. Als Best-of gibt es noch das The Who-Cover The Real Me sowie einige unsterbliche Klassiker wie The Headless Children, Wild Child oder Blind In Texas. Dass W.A.S.P. ihre Spielzeit nicht ausnutzen und nach circa 75 Minuten verschwinden, ist eine Randnotiz. Überraschend stark präsentieren sich die Altmeister mit ihrem Debüt und machen den Deckel auf das Rock Hard Festival 2025.
Was bleibt vom Rock Hard Festival 2025?
Für Metalfans steht die Musik immer im Vordergrund, egal wie das Wetter oder das Camping sind. Mit unter anderem Crimson Glory, Dirkscheider, überraschend starken W.A.S.P oder Dismember, hatte das Festival ein reichhaltiges Angebot an Highlights. Dazu bockstarke junge Bands wie Tailgunner, The Night Eternal oder Attic. Jeder Fan wird unterschiedliche Favoriten haben, sodass eine gewisse Genrebandbreite abgedeckt wurde. Insgesamt geht ein mehr als rundes Festival am Pfingstsonntagabend zu Ende.

Für 2026 steht der Termin. Pfingsten ist wieder im Mai vom 22.05. bis zum 24.05.2026. Nach aktueller Information ist der Fortbestand des Festivals in Gelsenkirchen gesichert. Bandnamen gibt es noch nicht. Das Rock Hard Festival lässt sich immer etwas mehr Zeit als andere Festivals. Zu hoffen ist, dass es eine für Fans und Händler zufriedenstellende Lösung bezüglich bargeldloser Zahlungsmöglichkeiten gibt. Ansonsten freuen sich Magazin, Fans, Bands und alle anderen Menschen, die mit dem Rock Hard Festival verbunden sind, auf ein schönes Festival im kommenden Jahr. Zum Abschluss ein Statement der Polizei, die auch mal vorbeischaute und wie folgt kommentierte: „Für die Stadt Gelsenkirchen eine hervorragende Klientel“.
Weitere Streams werden wir im Laufe der kommenden Wochen ergänzen. Der WDR Rockpalast strahlt ein Teil des Rock Hard Festivals 2025 im TV aus, sodass die dann überarbeiteten Live-Streams verfügbar sein werden.
Hier geht es zurück zum zweiten Tag (Klick). Der Freitag ist hier zu finden.








































































