Festivalname: Rock Hard Festival 2025
Bands: W.A.S.P., Dirkschneider, Myrath, Victory, Deserted Fear, The Crypt, Hiraes, Tailgunner, Dismember, Crimson Glory, Nile, Threshold, Dool, The Gems, The Night Eternal, Amethyst, Exodus, Geoff Tate, Death Angel, Municipal Waste, Attic, Sanhedrin
Ort: Amphitheater Gelsenkirchen, Grothusstr. 201, 45883 Gelsenkirchen
Datum: 06.06.2025 – 08.06.2025
Kosten: Festivalticket ab 149,50 €, Tagesticket ab 60,50 €
Genre: Heavy Metal, Power Metal, Melodic Metal, Thrash Metal, Hard Rock, Death Metal, Progressive Metal, Progressive Rock, Melodic Rock, NWoBHM, Hard Rock
Besucher: ca. 5000 Besucher (grobe Schätzung)
Veranstalter: Rock Hard Event GmbH
Link: https://www.rockhard.de/rhfestival
Über Nacht ist es nass geworden und rund um das Amphitheater ist einiges an Wasser runter gekommen. Auch die Temperaturen sind ordentlich in den Keller gerauscht. Regenjacken und Hoodies sind die Kleidung für den Tag. Wenn um 12 Uhr einer der Newcomer der vergangenen zwei Jahre auf der Bühne steht, dann sind die Metalheads natürlich vor der Bühne.
Amethyst

Keep It True-Fans sind beim Auftakt klar im Vorteil. Keep It True Rising 2023, Hell Over Hammaburg 2025 und Keep It True Warm-Up gerade im April 2025. Amethyst aus der Schweiz sind mit ihrem Album Throw Down The Gauntlet ein starker Newcomer und waren in vielen Bestenlisten 2024 zu finden. Ein Sound zwischen Thin Lizzy und Angel Witch, old school, aber nicht altbacken. Das holt bereits zur frühen Stunde die Metalheads bei wenig angenehmen äußeren Bedingungen vor die Bühne.
Sänger Frederic verkörpert perfekt die 80er-Jahre-Attitüde und das Set der Schweizer mischt die EP Rock Knights mit der aktuellen LP. Sachen wie Into The Black, Nightstranger oder Stormchild gehen ins Bein und sorgen bereits zur frühen Stunde für ausgelassene Stimmung vor der Bühne. Wer auf Patronengürtel und Nietenjacken steht, der sollte unbedingt Amethyst antesten. Auch live verbessert sich der Newcomer mit jedem Auftritt. Das Quintett rockt auch eine große Bühne wie hier auf dem Rock Hard Festival ordentlich. Starker Gig!
The Night Eternal

Ein Heimspiel haben die Ruhrpott-Metaller aus Essen. The Night Eternal verbinden mit dem Rock Hard Festival eine Besonderheit, wie Sänger Ricardo Baum während des Gigs erläutert. Vor einigen Jahren fand sich hier die Band und entwickelte eine eingängige, düstere Rezeptur, die der Truppe Vergleiche zu Unto Others, Portrait und In Solitude eingebracht hat. Der Lohn ist ein Vertrag bei Metal Blade. Aktuell sind The Night Eternal einer der großen Hoffnungsträger im deutschen Heavy Metal.
Der Start nennt sich Between The Worlds vom 2023er-Release In Fatale. Ein genauer Blick auf Sänger Baum offenbart, dass er anscheinend auch gerade zwischen den Welten unterwegs war. Ein deutlicher Cut über dem Auge zeigt, dass der Ruhrpott ein hartes Pflaster ist. Oder war es der Moshpit gestern Abend bei Exodus, bei dem aus dem Sänger Baum der Fan Ricardo wurde? Wie immer bei solchen Geschichten, sind die Wahrheit und das Auffüllen mit spekulativen Informationen schwer zu trennen. Oder ist die Verletzung völlig banal bei einem Sturz entstanden?
Nicht stürzen tut das Quintett auf dem Rock Hard Festival, sondern liefert acht Nummern, die unterstreichen, warum hier Metal Blade zugegriffen hat. Die Bühnenperformance passt genauso wie das Set an sich. Einfach mal Prince Of Darkness oder Moonlit Cross antesten. Das Zeug hat was und nicht ohne Grund sind die Ruhrpott-Metaller im Laufe des Jahres noch auf unter anderem dem Headbangers Open Air und dem Metal Hammer Paradise zu erleben. Heute ist das Quintett an Position zwei des Tages bereits mehr als nur ein Hingucker und sorgt für einen starken Andrang bei ihrer Autogrammstunde. Später sind die Musiker wieder Fans und verfolgen die Gigs von anderen Bands.
The Gems

Weiter geht es mit Hard Rock aus Schweden. The Gems sind aus dem Split von Thundermother hervorgegangen und haben mit Phoenix vergangenes Jahr ihre erste Scheibe veröffentlicht. Zumindest haben The Gems nicht mehr den Ruf einer Casting-Band, der musikalische Querverweis zu Thundermother bleibt jedoch. Hard Rock, der sich nicht groß von dem Ansatz der Donnermütter unterscheidet, gibt es circa eine Dreiviertelstunde Rockmusik, die je nach Geschmack mitreißt oder eben nicht.
Technisch und auch von der Performance ist die Darbietung in Ordnung, dazu spielt noch das Wetter mit, aber so richtig den großen Funken lassen The Gems nicht überspringen.
DOOL
Das schaffen dafür die Niederländer DOOL. Völlig andere Musik, irgendwo zwischen düsterem, psychedelischem Rock, progressivem Metal und Doom. Das Paket liefert die Truppe derart intensiv auf die Bühne, dass selbst auf den Traversen die Menschen mitgerissen werden. Das aktuelle Album The Shape Of Fluidity steht im Mittelpunkt des Sets mit fünf Stücken. Gerade als sich Band und Fans richtig eingegroovt haben, passiert das, was für den Tag angekündigt ist. Ein heftiger Platzregen vertreibt die Fans in Richtung Unterstellmöglichkeiten. Wer nicht schnell genug ist, bekommt eine kostenlose Dusche. Damit ist die Stimmung bei DOOL natürlich dahin. Schade, bis zum heftigen Regenguss eine bockstarke Darbietung.
Threshold

Der Samstag ist hochklassig von den Acts bezüglich der technischen Ausprägungen an den Instrumenten. Waren DOOL schon bockstark, so legen die britischen Progressiv-Metaller Threshold noch einen drauf. Klar, das ist keine Musik zum Headbangen, aber zum Zuhören und sich faszinieren lassen, von den Tönen, die das Quintett auf der Bühne fabriziert.
Als Set gibt es acht Nummern in 60 Minuten, bunt verteilt über die Diskografie, wobei der Scope auf den beiden neuen Werken mit Glynn Morgan an den Vocals liegt. Aber auch Falling Away vom 2002er-Release Critical Mass gibt es auf die Ohren. Schade, dass die Zeit nicht für die Frühwerke wie Psychedelicatessen reicht, das ebenfalls von Morgan eingesungen wurde. Technisch auf einem anderen Level als diverse andere Acts und absolut spannend. Threshold dürfen gerne auf eine Deutschlandtour kommen. Für Fans progressiver Klänge ist der Auftritt der Briten ein Genuss. Das Festival hat aber noch mehr im Petto, doch dazu später.
Nile

Genrewechsel, eine Runde aufs Hackbrett gibt es von Nile. Death Metal der ganz derben Art, der wie bei Threshold oder The Gems die Geschmäcker trennt. Zehnmal Dampfhammer und die Anhängerschaft von Bewegung vor der Bühne kommt auf ihre Kosten. Technisch, allen voran gesangstechnisch, ist das hohe Kunst. Alle Musiker beteiligen sich am Knurren und die Saitenarbeit knallt heftig aus den Boxen. Technical Death Metal ist aber nicht der Geschmack der Masse, genauso wie Threshold davor. Das kühle und windige Wetter, das auch immer wieder einiges an Wasser parat hat, lädt nicht zum Verweilen auf den Traversen ein. Eine Feierstunde für die Hartwurstfraktion, der Rest verkrümelt sich auf dem Gelände.
Crimson Glory
Was nach dem Death-Metal-Hammer folgt, lässt sich als die Wiedergeburt einer unvollendeten Geschichte festhalten. Crimson Glory haben einen neuen Sänger mit Namen Travis Wills. Wo auch immer die Band und der Sänger sich gefunden haben. Der bisher unerreichte, aber leider verstorbene Midnight hat tatsächlich einen Nachfolger – oder ist Wills die Reinkarnation von Midnight? Es geht bereits mit Valhalla los, schaukelt sich über Dragon Lady zu Lady Of Winter weiter hoch. Spätestens bei Dark Places sind alle Menschen, die sich von den beiden 80er-Jahre-Alben von Crimson Glory begeistern lassen, tief gefangen. Was ist das für eine Gesangsperformance? Würden es die Fans nicht besser wissen: Jeder würde hier Midnight hören. Die Variabilität bei Lost Reflection ist genauso da und Azreal sorgt für das kollektive Ausflippen der Crimson-Glory-Fans.

Das Backdrop zeigt, was Crimson Glory heute vorhaben. Es gibt die komplette Transendence plus ein Best-of vom Debüt. Während der Show verabschiedet sich Keyboarder John Zahner, der aber ein neues Album und eine Tour für kommendes Jahr ankündigt. Sollten Crimson Glory tatsächlich ein neues Album veröffentlichen, steht neben Savatage die Rückkehr einer weiteren unvollendeten Legende auf die musikalischen Bühnen an. Viel besser als heute kannst du dich nicht präsentieren. Die Band spielt ähnlich wie Savatage in ihrer eigenen Liga und ist technisch über jeden Zweifel erhaben. Die 75 Minuten schreien nach einer Neuauflage. Das war großes Kino der ehemals maskierten Truppe.
Dismember
HM2 zum Tagesabschluss. Das Publikum tauscht sich vor der Bühne erneut aus und die schwedischen Death-Metaller fahren einiges an Pyrotechnik auf. Mit dem Beginn Of Fire schießen Feuerfontänen in den Himmel. Das Quintett liefert eine gewaltige Soundwand und reißt die Fans vom progressiven US-Metal in einen derben Stockholmer Death Metal.

Was Sänger Matti Kärki und seine Mitstreiter hier präsentieren, ist eine Nummer für sich, allen voran, da der Fokus auf dem Debüt Like An Ever Flowing Stream und Massive Killing Capacity tief in den 90ern liegt. Was die Truppe hier auf die Bühne bringt, holt die Death-Metal-Fans vollkommen ab. Wie beim Crimson Glory Auftritt sind die Geschmäcker unterschiedlich. Viele Menschen haben das Gelände bereits verlassen oder gehen im Laufe der Dismember-Show, da Crimson Glory der Favorit war und Death Metal nur bedingt das bevorzugte Liedgut ist. Einziger Makel ist die Spielzeit. Die vollen 90 Minuten nutzen Dismember nicht aus – da hätte Crimson Glory bestimmt noch einen Titel mehr spielen können.
Zum Ende des zweiten Festivaltags sind die Temperaturen am Abend ziemlich im Keller. Die Nacht wird für die Menschen auf dem Campingplatz alles andere als gemütlich.
Den ersten Tag verpasst? Dann hier lang.
Hier geht es zum dritten Tag.





































































