Event: Blues Pills – Double Bill Tour 2026
Bands: Blues Pills, DeWolff
Ort: Fabrik Hamburg, Barnerstr. 36, 22765 Hamburg
Datum: 27.03.2026
Kosten: VVK circa 49,95 €, AK 55 €
Zuschauer: ca. 900 Menschen
Genre: Hard Rock, Classic Rock, Blues Rock, Psychedelic Rock
Link: https://fabrik.de/
Setlisten:
- Night Train
- Natural Woman
- The Fan (Little Feat Cover)
- Don’t You Go Up The Sky
- Faster and Faster (Eden Rose Cover)
- Treasure City Moonchild
- Tired Of Loving You
- Rosita
- High Class Woman
- Kiss My Past Goodbye
- Bliss
- Proud Woman
- Top Of The Sky
- Black Smoke
- Song From A Mourning Dove
- Astralplane
- Birthday
- Don’t You Love It
- Lady in Gold
- Low Road
- Bye Bye Birdy
- Little Sun
- Devil Man
Psychedelischer Rock im Style der 70er-Jahre und ein Mix aus Classic und Blues Rock mit Frauenpower – passt das zusammen? Auf den ersten Blick ja, aber trotzdem sind beide Bands des heutigen Abends sehr eigenständig und in unterschiedlichen Gefilden unterwegs. DeWolff aus den Niederlanden agieren als Trio und knüpfen an Bands wie Led Zeppelin, Cream oder Deep Purple an. Eine Hammondorgel, die an Jon Lord erinnert, steht auf der Bühne. Aber wo ist der Bass? Tatsächlich kommen um 20 Uhr nur drei Herren mit Schlaghosen auf die Bretter und spielen einen ziemlich wilden 70er-Jahre-Mix. Immer wieder mischen sich kurze Facetten von zum Beispiel With A Little Help From My Friends in der Joe-Cocker-Variante oder Rock And Roll von Led Zeppelin in den Sound. Umgekehrt schnappen sich DeWolff The Fan von Little Feat und drehen die Nummer durch den DeWolff. Sprich, die Herren legen ihre Version des Tracks aus dem Jahr 1974 und dem Album Feats Don’t Fail Me Now auf den Tisch.

Alle drei Protagonisten übernehmen auch Gesangsparts. Die verschiedenen Stimmfarben können punkten, der Basssound fehlt trotzdem irgendwo. Wobei hier die Geschmäcker auseinandergehen. Das Publikum ist heute zweigeteilt, genauso wie das Set. Beide Bands erhalten ungefähr die gleiche Spielzeit zwischen 70 und 80 Minuten. Der Schlussakkord Rosita belegt auf Vinyl eine komplette Seite mit mehr als 16 Minuten Laufzeit. Während bei einem Teil der Besucherschaft die Darbietung für Stirnrunzeln sorgt, feiern viele Fans die Nummer ab. Nach circa 70 Minuten verlässt das Trio die Bühne und die Menschen vor der Bühne zwischen Euphorie und Ratlosigkeit. Das Talent ist unbestritten, aber Musik ist am Ende eine Geschmacksfrage und der DeWolff-Sound passt nicht in jeden Gehörgang.

Für einen Freitagabend ist die Fabrik gut besucht und auch das Obergeschoss ist geöffnet. Der Umbau für Blues Pills benötigt etwas länger. Das Intro will nicht starten und die Session-Drummerin Lina Anderberg, die den bei einem Motorradunfall verletzten André Kvarnström seit einiger Zeit vertritt, bekommt das Ding nicht zum Laufen. Irgendwann sind die technischen Probleme behoben und neben Anderberg gibt es am Bass mit Agnes Röslund ein neues Gesicht. Kristoffer Schander hat Blues Pills kurz vor der Tour verlassen und Röslund spielt heute ihren ersten Gig überhaupt mit der Band. Da auch Gitarrist Zack Anderson nicht der große Showmensch ist, fühlt sich der Auftritt von Blues Pills wie die Elin-Larsson-Band an, wobei die Mitmusiker:innen im Hintergrund agieren. Natürlich stand Larsson schon immer im Mittelpunkt von Blues Pills. Der Veränderungen im Bandgefüge haben die Instrumente noch weiter aus dem Blickfeld der Fans geschoben. Alles ist auf Larsson fokussiert. Allerdings füllt Larsson die Bühne mit ihrer unbändigen Energie problemlos aus und springt nicht nur einmal ins Publikum oder singt mit ihren Fans die Stücke gemeinsam. Trotzdem ist es schade, dass Blues Pills anscheinend eine One-Woman-Show geworden sind.

Musikalisch gibt es wenig zu meckern. Die neue Bassistin liefert die richtigen Töne, bei der Performance und den Showelementen gibt es noch Luft nach oben. Larsson und Co. spielen einen Querschnitt ihrer bisherigen vier Alben plus Bliss, den Titeltrack der Debüt-LP. Gerade die Stücke von der Blues Pills wie Astraplane, Black Smoke oder das abschließende Devil Man zeigen, warum Blues Pills mittlerweile eine der angesagten Rock-Acts sind. Auch der Sound passt. Hier haben die Damen und Herren an den Reglern beim Check die richtige Einstellung gefunden.
Ein medizinischer Zwischenfall sorgt für eine kurze Unterbrechung. Larsson stoppt sofort das Konzert, dann steht der Herr aber wieder und die Show läuft bis zum Ende ungestört durch. Nach der Show sind beide Bands in der Location greifbar und stehen für Bilder, Autogramme etc. zur Verfügung.
Was bleibt als Fazit? DeWolff sind eine Geschmacksfrage. Das niederländische Trio hat seine Fans, ist aber vom Sound her sehr speziell. Blues Pills stehen am Rand zur Elin-Larsson-Band, was sehr schade wäre. Es bleibt zu hoffen, dass das aktuelle Line-Up noch besser zusammenwächst, sodass wir wieder von einer Band-Performance sprechen können. Gegen 23:30 Uhr leert sich die Fabrik und viele Fans ziehen noch in die Altonaer Altstadt oder auf den Kiez.

















