Bring Me The Horizon – Amo

“Wie immer polarisierend!“

Artist: Bring Me The Horizon

Herkunft: Sheffield, England

Album: Amo

Spiellänge: 51:54 Minuten

Genre: Alternative Rock, Electro, Post-Hardcore

Release: 25.01.2019

Label: Sony Music

Link: https://www.bmthofficial.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Oliver „Oli“ Sykes
Keyboard, Gesang – Jordan Fish
Gitarre – Lee Malia
Bassgitarre – Matt Kean
Schlagzeug – Matt Nicholls

Tracklist:

  1. I Apologise If You Feel Something
  2. Mantra
  3. Nihilist Blues (featuring Grimes)
  4. In the Dark
  5. Wonderful Life (featuring Dani Filth)
  6. Ouch
  7. Medicine
  8. Sugar Honey Ice & Tea
  9. Why You Gotta Kick Me When I’m Down?
  10. Fresh Bruises
  11. Mother Tongue
  12. Heavy Metal
  13. I Don’t Know What to Say

Manche Künstler sind dafür bekannt auf sich aufmerksam zu machen oder Meinungen der Öffentlichkeit zu spalten – und wohl keine Band schafft das so gut wie Bring Me The Horizon. Die britische (Rock?) Band veröffentlicht am 25. Januar 2019 mit Amo ihr inzwischen sechstes Album. So richtig fällt bereits vor dem Anhören das zusprechende Genre hier schwer, bewegten sich doch die früheren Alben der Band im Deathcore und Metalcore bis das letzte Album That‘s The Spirit die Veränderung zu einem eher rockigen Pop-Sound dann komplett machte. Was man also von Amo nun erwarten darf? Eins bleibt auf jeden Fall sicher: Bring Me The Horizon verstehen wie immer zu polarisieren.

Das Intro I Apologise If You Feel Something scheint schleichend wie eine Warnung sich selbst zu präsentieren – nicht umsonst lässt das Intro verlauten “Don’t be afraid to wonder/ Don’t be afraid to be scared.”. Mit verschieden Synth-Elementen und einem stark nachbearbeiteten Gesang bereiten Bring Me The Horizon zumindest schon einmal darauf vor, was kommt. Als Opener versteht I Apologise If You Feel Something auf jeden Fall neugierig zu machen.

Auf die eher verwirrenden Elemente des Openers folgt dann das rockige Mantra, welches wohl den meisten Zuhörern bereits mehr als gut bekannt ist, wurde die Single doch bereits letztes Jahr im August veröffentlicht. Und nach wie vor dürfen sich hier wohl sowohl alte Fans als auch neue Fans zufriedengeben, gibt es doch laute Gitarren zu hören, die Sykes‘ Gesang und ja tatsächlich auch Screams wunderbar untermalen. Hier dürfte live der Moshpit wohl nicht fehlen, auch, wenn Bring Me The Horizon mit einem Singalong-Chorus und entsprechenden Electro-Elementen verstehen, Mantra nicht als ‚alten‘ Sound innerhalb der neuen Platte zu präsentieren. Auch das entsprechende Video zur Single weiß genauso stark zu überzeugen.

Danach geht es mit Nihilist Blues weiter, der wieder die Synth-Pop Elemente auffahren lässt und sich dabei ganze Ecken von Mantra wegbewegt. Auch das Feature von Alt-Pop Künstlerin Grimes lebt Nihilist Blues und bekommt einen recht individuellen Sound. Eine Kombination, die interessant ist, bewegt Grimes sich doch eher in die andere Richtung als Bring Me The Horizon – beide Künstler treffen sich also in der Mitte. Nihilist Blues  ist definitiv einer der größten Electro-Experimental Tracks auf der Platte und wer diesen Elementen offen gegenübersteht, wird einen Song finden, der nicht schnell aus dem Kopf zu bekommen ist. Zuerst etwas seltsam, jedoch stärker desto häufiger er erklingt.

Etwas leichter folgt darauf In The Dark, den man eventuell etwas schnell als Rock-Pop Sound abtun könnte. Interessant präsentiert sich hier Oli Sykes von gesanglicher Leistung, da er seine Stimme locker und dennoch betont durch die Lyrics schweben lässt. Es scheint fast spielerisch und dürfte live, sollte der Song es in die Setlist schaffen, durchaus interessant zu sehen sein. Zum Ende hin nimmt In The Dark noch etwas mehr an Fahrt auf, insgesamt bleibt der Song aber etwas zurück und spielt eher nur vor sich hin.

Der nächste Track Wonderful Life gehört zu den hoffentlich bereits bekannten Tracks und ja – er ist und bleibt wohl der ‚härteste‘ Song der Platte. Schon allein das Feature von Dani Filth, Sänger bei Cradle Of Filth, dürfte wohl vor Veröffentlichung für Aufsehen gesorgt haben. Der Song vereint jedoch die Elemente der alten Bring Me The Horizon mit ihrer neuen, leichten ‚Who cares?‘ Attitüde mehr als gut und darf live ähnlich wie Mantra auf keinen Fall fehlen (mit entsprechendem Pit natürlich). Insbesondere der Breakdown in der zweiten Hälfte mit den unterlegten Screams dürfte hier für die einzig richtige Eskalation sorgen.

Nachdem Wonderful Life für etwas Aufwind gesorgt hat, folgt mit Ouch erst mal ein kleines Interlude – der wohl zugegebenermaßen an dieser Stelle etwas unpassend daherkommt. Etwas erscheinen die hier präsentierten Elemente wie ein starker Mix aus der Trickkiste, der eventuell in einem vollen Song oder an anderer Stelle besser funktioniert hätte.

Das darauffolgende Medicine, welches auch bereits wenige Wochen zuvor veröffentlicht wurde, durfte bereits in entsprechenden Interviews der Band als der ‚poppigste‘ Song bezeichnet werden. Und wenn man als Zuhörer die alten Platten im Kopf hat, wünscht man sich natürlich die Screams und harten Gitarren zurück. Dennoch schaffen es Bring Me The Horizon einen 80er-Popsound zu präsentieren, der sowohl gesanglich als auch instrumental zu überzeugen weiß, eben in dem, was er sein soll. Und das Gefühl der Genre-Achterbahnfahrt bleibt bisher zu 100 % erhalten.

Kann es noch komischer werden? Nun, zumindest weiß Sugar Honey Ice & Tea wieder spielerisch mit allem um sich zu schmeißen – ein Soundbild, welches für das Album auf jeden Fall spricht. Sugar Honey Ice & Tea fährt dabei sowohl Screams als auch passende Gitarren auf, während der Chorus dabei zwar passend wirkt, nach einiger Zeit aber auch eher die Nerven kostet. Dennoch bleibt der Song an sich eine Überraschung, vor allem nach Medicine. Wieder zeigt sich, dass Bring Me The Horizon sich gerne von einem Ende zum Anderen bewegen und sich dabei nicht festlegen möchten, wo sie denn stehen.

Für einen Ohrwurm der besonderen Art sorgt Why You Gotta Kick Me When I’m Down?, der sich eher wieder Richtung Synth-Elemente bewegt und dabei aber instrumental im Chorus sich versteht einzigartig zu machen. Auch die spielerischen Vocals von Sykes tragen dazu bei, dass der Song nicht nur vor sich plätschert, sondern fast schon eine spannende Dynamik zieht. Der Aufbau in der zweiten Hälfte tut dem Song unglaublich gut und verwandelt Why You Gotta Kick Me When I’m Down? zu einem der stärksten Songs der Platte, da die eher dunkle und mysteriöse Atmosphäre, die Bring Me The Horizon auf ihren alten Platten ausmacht, wieder zum Leben erweckt. Fresh Bruises fährt das Tempo danach wieder etwas runter und sorgt für einen Instrumentaltrack, der weder besonders hervorsticht noch einige wirkliche Überraschungen bereithält.

Und wer mit Medicine bereits so seine Probleme hatte, dürfte wohl mit Mother Tongue noch weniger etwas anfangen können, treibt der Song den Popsound und die Liebesgefühle auf die Spitze. Eine Tatsache, die man wohl eher schlecht kritisieren kann, soll Mother Tongue wohl genau das sein. Gesanglich überzeugt er jedenfalls, auch wenn man sich hier gedanklich weit weg von der (alten) Band bewegen sollte. Inzwischen sollte es auch zu jedem letzten Fan und Kenner der Band durchgedrungen sein, dass sie sich nicht gerne in ihre alten Schubladen stecken lassen. Und als Popsong funktioniert Mother Tongue genau so, wie er soll.

Der nächste Song Heavy Metal spielt genau mit diesen Fans, die noch immer Suicide Season und Count Your Blessing an jeder Stelle erwähnen. Während Razhel von The Roots zusammen mit den Beatbox-Elementen hier eine weitere Schicht Veränderung in die Platte bringt, liefert der Song dennoch rockige Gitarrenklänge mit einem entsprechenden Breakdown am Ende – fast wie ein Geschenk an alte und neue Fans und das am Ende diese ganze Diskussionen über Veränderungen doch langsam zu alt werden. Schließlich durften diese bereits 2015 über That’s The Spirit zu Ende diskutiert werden.

Das Album Amo schließt dann mit I Don’t Know What To Say ab und präsentiert hier noch ganz nebenbei einen, wenn nicht sogar den stärksten Song der Platte – ein Rocksong, der instrumental nicht weiter und stärker rüberkommen könnte. Mit traurig melancholischer Stimmung zeigt sich, dass harte Screams und fetzige Sounds nicht immer notwendig sind. I Don’t Know What To Say wirkt ehrlich, ohne irgendwelche Kompromisse und dürfte wohl in den großen Hallen, die Bring Me The Horizon inzwischen längst füllen, einen faszinieren Sound herbeizaubern.

Fazit: Sie sind und bleiben polarisierend, und ja, vielleicht gehören sie auch schon lange nicht mehr zu dieser großen Überkategorie Metal & Rockmusik. Mit ihrem sechsten Album Amo schaffen es Bring Me The Horizon jedoch sich trotz der noch weiteren Entfernung vom Ursprung zu einem gewissen Grad treu zu bleiben, während sie sich neu definieren. Über mehrere Genres hinweg bewegt sich Amo durch viele Songs, die sich mal mehr im Synth-Pop, mal mehr im Alternative Rock bewegen. Dabei zeigen sich Bring Me The Horizon spielerisch, sowohl mit ihrer Vergangenheit (Heavy Metal) als auch mit neuen Elementen (Mother Tongue). Die Jungs aus Sheffield zeigen auch, dass sie nicht daran interessiert sind, etwas Altes oder Bekanntes zu machen. Statt zu wiederholen was That's The Spirit bereits ablieferte, zeigen sie in Amo alle Facetten, die sie haben bzw. über die Jahre hinzugewonnen haben. Und mit diesem Facettenreichtum ist Amo ein stärkeres Album, als man vielleicht beim ersten Anhören denkt.

Anspieltipps: I Don't Know What To Say; Wonderful Life, Why You Gotta Kick Me When I'm Down?
Anabel S. 8
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