Depravity – Bestial Possession

21.11.2025 - Death Metal - Transcending Obscurity Records - 50:03 Minuten

Was ist eigentlich aus der Reutlinger Death-Metal-Band Depravity geworden, die 1996 ein Demo auf den Markt geworfen hat und dann nie wieder gesehen wurde? Wer das hier liest und es weiß, kann mich bitte aufklären. Wie ihr schon bei diesem recht sinnlosen Einstieg mitbekommen habt, besteht bei dem Bandnamen die Chance, dass man ein wenig durcheinanderkommt. Bei dieser Combo hier handelt es sich um eine Band aus Australien, die seit 2016 nicht nur ihren Kontinent musikalisch beglückt. Besonders Drummer Louis Rando ist ein viel beschäftigter Mann und ist noch bei Bands wie Impiety, Bloodlust oder Pathogen, um nur ein paar zu nennen, unterwegs. Aber auch der Rest des Quintetts hat noch andere Kapellen. Diese Erfahrungen kann man auf ihrem mittlerweile dritten Album Bestial Possession (erschienen bei Transcending Obscurity Records) spüren und hören.

Der Down-Under-Express Depravity fegt dann mit Engulfed In Agony auch recht düster über das Parkett und leitet das Geschehen mit einer aufkommenden Gitarre ordentlich ein und bietet dann eine ordentliche Portion aggressiven Metal, der die ganze Zeit über straight forward und schön heftig agiert. Der Gesang geht zwischen Growls und Screams hin und her und bietet so eine gelungene Abwechslung, wenn nicht sogar einen Kontrast. Selbst bei dem kleinen, eingebauten Solo bleibt man recht zügig. Die Riffs sind kraftvoll und hart und zu keiner Zeit stumpf, sodass bei einem wohlwollenden Brutal-Death-Metal-Fan tatsächlich ein Lächeln im Gesicht hängen bleibt.

Auch nach dem kleinen Solo ändert man die Marschrichtung nicht. Kleine und kurze melodische Spannungsbögen werden mit eingearbeitet und bringen eine gewisse Dunkelheit ins Spiel. Dann folgt das richtige Solo, welches recht verspielt ist. Einzelne Gitarrenanschläge erfolgen, aber die Drums geben weiter Gummi. Dadurch wird eine bedrohliche Kulisse, zusammen mit den tiefen Growls, aufgebaut, bevor man dann in einen Morbid-Angel-lastigen Midtempo-Groove wechselt. Absolut gelungen, und so leitet man das Ende des Songs ein, indem man die Vocals noch einmal ein Stück härter und intensiver einsetzt und so eine Art Endbedrohung herstellt. Interessante Herangehensweise. Ergibt Sinn und macht vor allem Laune.

Klasse Anfang, der fortgesetzt wird

Auch der nachfolgende Song Eunuch Maker zeigt, trotz der recht hohen Geschwindigkeit, dass diese Australier ihre Instrumente nicht beim Bingo gewonnen haben. Die wissen absolut damit umzugehen, da gibt es keine zwei Meinungen. Halleluja! Die Riffs preschen auf einen ein und die Leadgitarre ist der Herrscher des Universums. Sehr fett. Dann Gitarre vorweg und ab dafür. Growl und Screams dazu und fertig ist die Vernichtung. Jo, das erzeugt definitiv beim Zuhörer einen Aha-Effekt. Kurz verschleppt man das Tempo, aber man bleibt die ganze Zeit absolut aggressiv und nimmt einen mit auf die dunkle Seite der Macht. Immer wieder schimmern hier und da mal beim Gitarrenspiel die guten Amerikaner von Morbid Angel durch, aber sie sind sehr weit davon entfernt, eine Kopie zu sein. Ein verspieltes Solo und dissonante Momente dürfen nicht fehlen. Gerade das recht lange Solo ist sehr krass und sick. Da haben die wohl extremen Spaß bei, gar keine Frage, und warum auch nicht, wenn man es kann? Man wiederholt die schnellen Momente und bringt das Raumschiff sicher zum Absturz.

Bei Call To The Fallen hat man das Gefühl, die Australier hätten ein Einsehen und gönnten der Gemeinde eine kurze Pause, und das ist auch so, aber eben nur kurz. Kleiner melodischer und heroischer Anfang, bis man dann wieder die Keule herausholt. Melodisches Riffing zu Beginn auch noch quasi ein wenig entspannend, aber dann geht die Vernichtung weiter. Gerade hier fällt mir auf, wie geil ich den wechselhaften Gesang zwischen Growls und Screams finde. Das erzeugt total viel Energie, wie ich finde, weil sie es aber auch schaffen, diese gekonnt und zielgerichtet einzusetzen. Der Rhythmus und die kurzen, knackigen Riffs lassen wieder tief blicken und dann dieses melodische Solo, welches seinesgleichen sucht. Sehr, sehr geil, unbedingt anchecken. Dieser Part stellt den Hauptpart des Songs dar und wird am Anfang mit Screams und dann auch noch mit Growls verfeinert. Sehr geiles Teil.

Die Burschen blitzen immer wieder mit absolut geilen Riffs auf, die einfach hängen bleiben, wie z.B. beim nachfolgenden Song Awful Mangulation. Sehr gelungenes Statement und auch hier liefern sie wieder ein fettes Solo ab, aber auch der Rest des Songs kann sich hören lassen. Immer wieder gibt es so kleine Extras, wie hier z.B. den schnellen, growligen Gesang. Der Song knallt zwar nicht mehr so, wie die ersten drei Stücke, macht aber trotzdem absolut Laune.

Am Ende des Albums fehlen ein wenig die Ideen

Rot In The Pit wuchert auch ordentlich aus den Boxen, klingt ein bisschen dissonant, kann aber meine absolute Begeisterung des ersten Materials nicht mehr so ganz teilen, auch wenn der Song noch immer absolut intensiv und wuchtig ist. Immer schön zerstörend und natürlich mit einem melodischen Solo versehen. Muss ja sein, gar keine Frage, klingt mir aber, eben durch die eine oder andere dissonante Stelle, ein wenig zu chaotisch. Dieses bedeutet aber nicht, dass dieser Song schlecht ist. Am Ende bietet man dem Publikum endlich einen Refrainpart an, den man mitschreien kann. Rot In The Pit erklingt und der recht melodische Endpart ist dann wieder ziemlich geil.

Aber irgendwie fruchtet der zweite Teil des Albums mit dem recht experimentierenden Song Aligned With Satan oder Blinding Oblivion nicht mehr so bei mir bzw. entfacht nicht die Euphorie des Anfangs des Albums. Trotzdem kann ich das Album mit gutem Gewissen empfehlen.

Hier geht es für weitere Informationen zu Depravity – Bestial Possession in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Depravity – Bestial Possession
Fazit zu Bestial Possession
Die Australier von Depravity wissen absolut mit ihren Instrumenten umzugehen und haben ein gewisses Händchen, Dunkelheit und aggressiven Death Metal zu verbinden. Überwiegend ein sehr gelungenes Songwriting. Growls und Screams gesellen sich gerne in einen Raum, so auch hier. Technisches Können und die Liebe zu dissonanten Momenten, melodischen Riffs, verspielten Soli, Härte und Geschwindigkeit schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern harmonieren ganz ordentlich. Echt ein leckeres Ding, auch wenn ich der Meinung bin, dass ihnen gegen Ende des Albums ein wenig die Ideen ausgehen, allerdings sind diese zu Beginn auch extrem geil. Ein gutes, aber nicht sehr gutes Death-Metal-Album.

Anspieltipps: Engulfed In Agony und Call To The Fallen
Michael E.
7.9
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