DesertFest vom 03.05. – 05.05.2019 in der Arena Kreuzberg in Berlin

Geniales Stoner Spektakel in Berlin

Bands: All Them Witches, Witch, Om, Fu Manchu, Earthless, Colour Haze, Naxatras, Kikagaku Moyo, Long Distance Calling, Wovenhand, The Devil & The Almighty Blues, Wino, Mondo Generator, Nick Oliveri, Zig Zags, Hällas, Swedish Death Candy, 24/7 Diva Heaven, Monkey 3, Earthless, Wino, Mirror Queen, Lucidvox, The Shrine, Greenleaf, R.I.P., Stonefield, Black Tusk, Electric Citzen, The Skull, Worshipper, Blackwater Holylight, The Great Machine

Ort: Arena Kreuzberg, Eichenstraße 4, 12435 Berlin

Datum: 03.05. – 05.05.2019

Kosten: 3-Tages Ticket 109 €, Tagestickets je 57,50 €

Genres: Stoner Rock, Psychedelic, Doom, Heavy Rock, Rock, Blues Rock, Sludge

Link: https://www.desertfest.de/news

Vom 3. bis 5. Mai 2019 findet in Berlin eine weitere Ausgabe des sehr erfolgreichen und über die Grenzen hinaus bekannten DesertFest statt. Drei Tage wird den Stonerjüngern ein grenzenloses Spektakel mit Stoner Rock, Psychedelic, Doom, Heavy Rock, Rock, Blues Rock und Sludge geboten. Die besten Bands aus verschiedenen Ländern werden auf dem Festival schwere Riffs, Stoner- und Heavy Rock mit gelassenem Auditorium voller Peace und Harmonie verbinden.

Nachdem das letzte Jahr das DesertFest das erste Mal in der Arena Kreuzberg stattfand, hat man auch in diesem Jahr in der Arena Kreuzberg die Zelte aufgeschlagen. Zelte aufschlagen beschreibt die Situation in diesem Jahr regelrecht. Im letzten Jahr gab es unter anderem Kritik an dem Sound. Die Veranstalter sind darauf eingegangen und haben in dem riesigen Areal der Arena Kreuzberg, praktisch durch eine große Abtrennung dafür gesorgt, dass der Sound in diesem Jahr besser rüber kommt. Das kann man sich so ungefähr vorstellen, dass rund um die Bühne ein riesiges Zelt aufgestellt wurde mit Eingangstüren. So kann man den Sound regelrecht in diesem Bereich einfangen. Eine gute Lösung, wie ich meine. Hinzugekommen ist in diesem Jahr ein wesentlich größerer Merchbereich, der uns Sammler praktisch das Geld aus der Tasche holt, da man das eine oder andere Schnäppchen machen kann. Der Außenbereich wurde aufgepeppt. Schade, dass in diesem Jahr das Wetter nicht so wie letztes Jahr mitspielt. Zudem wird in diesem Jahr das erste Mal das vor Anker liegende Schiff Hoppetosse mit ins Programm einbezogen. Hier finden parallel zu den Konzerten in der Halle weitere exquisite Gigs statt.

Schaut euch mal bitte dieses Video an, hier erklärt Kat die Neuerungen in diesem Jahr.

Wie auch im letzten Jahr, bin ich mit den Freunden Alex und Rene hier. Dieses Mal haben wir die Jugendherberge am Ostkreuz als Übernachtungsgelegenheit ausgesucht. Sehr cool, denn wir müssen nur eine Station mit der S-Bahn fahren.

Dieses Jahr kann ich auch meine Frau Heike überreden, mitzufliegen und mir auf dem DesertFest journalistisch zu helfen. Ich kann jetzt schon sagen, dass sie es nicht bereut hat, denn eins ist klar: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.

Tolle Stoner Bands erwarten uns die nächsten drei Tage von Freitag bis Sonntag. Wir sind schon am Donnerstag gelandet und können so den Freitagmorgen entspannt angehen. Pünktlich angekommen wechseln meine Kumpels ihre Early Bird Tickets gegen Bändchen. Heike und ich nehmen die Akkreditierung an einem separaten Schalter vor. Alles sehr easy. Wir gehen rein, schauen uns zunächst um. Noch ist keine Band am Spielen, wir gehen vorher noch etwas essen.

Die Running Order für Freitag, 03.05.2019

The Devil And The Almighty Blues sind die Opener des diesjährigen Festivals. Und was für welche. Direkt mit der ersten Band erleben wir schon einen total heißen Geheimtipp. TRE, das neue Album von The Devil And The Almighty Blues, habe ich erst vor Kurzem rezensiert (hier geht es zum Review). Die Band besticht durch ihre raue und rohe Art. Songs, die sich schwer und langsam entwickeln. Heavy ohne Metal und langsam und bedächtig, ohne Doom zu sein. Dazwischen liegt die Musik der Band. Doomiger Heavy Stoner Blues Rock. Die Songs haben genügend Zeit, um sich zu entwickeln. Sänger Arnt Olaf Andersen ist dabei in einem priesterartigen Gewand zu sehen. Er hat irgendwie etwas Kultiges fast Okkulthaftes, wenn er den Gesang zelebriert. Er ist übrigens nur vorne am Mikro, wenn er singt, ansonsten geht er nach hinten zu Schlagzeuger Kenneth Simonsen und wippt mit der Musik in den instrumentellen Phasen mit und trinkt das eine oder andere Bier. In dieser Zeit haben die anderen Musiker genügend Zeit sich vorne auf der Bühne zu präsentieren. Allen voran Bassist Kim Skaug, der mächtig böse dreinblickt. Kim Skaug ist dabei wohl The Devil und die anderen Musiker The Almighty Blues. Was für ein genialer Auftakt heute.

Mondo Generator mit Nick Olivieri sind nun an der Reihe. Nick Olivieri hat als ehemaliger Bassist von Kyuss und Queens Of The Stone Age Kultstatus. Bei Queens Of The Stone Age wurde er von Josh Homme wegen verschiedener persönlicher Probleme rausgeworfen. Probleme gibt es heute auch. Aber keine persönlichen Probleme. Diese hat der Gitarrist des Trios. Da klappt einiges nicht und man braucht einige Zeit dies richtig in den Griff zu bekommen. Man bekommt es dann auch irgendwie hin und das Trio kann seine Show mit den schrillen punklastigen Voices von Nick Olivieri fortsetzen. Die Show bleibt heute im normalen Bereich. Nick Olivieri und Mondo Generator sind ja durch extrovertierte Liveauftritte bekannt, sie spielten zum Teil in Verkleidungen oder auch Nick Olivieri völlig nackt. Das bleibt uns heute erspart.

 

Der dritte Act des heutigen Tages sind Monkey 3. Heike bleibt bei jedem Tag der dritte Act positiv in Erinnerung. Die Psychedelic Space Rocker sorgen dafür, dass sich die Halle massiv füllt. Das ist der Act, auf den alle gewartet haben. Die Schweizer Kombo begeistert mit ihren lang ausgedehnten Soundreisen bereits seit 2001 die Fans. Lustig ist übrigens, dass die Musiker in den Anfängen lange nach einem passenden Sänger suchten, aber nie jemand passenden fanden. Also blieb man bei der Instrumentalmusik. Auf der Leinwand hinter den Musikern spielen sich ebenso psychedelische Vorgänge ab. Und klar, die Dampfer werden auch benutzt, sodass die Musiker teilweise schön eingehüllt in den von ihnen erzeugten Dampfwolken stehen. Dies trägt natürlich noch weiter zu dieser ganz besonders Atmosphäre hier bei.

 

Wer die Band Earthless kennt, weiß, was auf ihn zukommt! Songs wie Trips! Trips ohne gesundheitsschädliche Nebenwirkungen. Diese Trips gehen ab, ohne auf Droge zu sein. Da fühlt man sich in die Siebziger zurückkatapultiert.
Auch Black Heaven, das letzte Studioalbum der nun folgenden Band Earthless habe ich rezensiert (hier geht es zum Review). Earthless waren bis zum letzten Album eine reine Instrumentalband. Von dieser Linie sind sie inzwischen abgewichen. Mittlerweile gibt es Songs mit Gesang. Die Gesangsparts übernimmt Gitarrist Isaiah Mitchell. Ich würde Isaiah Mitchell jetzt nicht als Voicehero herausstellen. Aber er kann singen. Das nicht schlecht und es passt gut zur Mucke der Band. Earthless bringen auch im heutigen Gig Songs vom neuen Album mit Gesang. Erfrischenden Gitarrensound von Earthless gibt es aus einer Mischen von Psychedelic Rock, Blues Rock Hard Rock aus den Seventies auf die Ohren, die alle eine jamsessionähnliche Struktur haben. Nachdem ich bereits das Livealbum From The West (hier geht es zum Review) sehr geil fand, freue ich mich natürlich sehr, sie heute hier auf dem DesertFest in Berlin zu sehen.

Witch sind als nächstes an der Reihe. Witch ist die Band um Dinosaur J. Mastermind/Gitarrist J Mascis. J Mascis spielt bei Witch die Drums. Es ist schon eine kleine Sensation, sie hier in Berlin zu sehen, denn so oft treten sie nicht in Erscheinung. In Berlin dieses Wochenende sogar zweimal. Heute und gestern haben sie schon beim DesertFest Warm-Up in der Zukunft Am Ostkreuz aufgespielt. J Mascic, der Multiinstrumentalist (Das Magazin Rolling Stone führt ihn unter den besten 100 Gitarristen auf) hält sich eher im Hintergrund. Die Show machen vor allem Sänger und Gitarrist Kyle Thomas, der wie ein Holzfäller mit seinem Rauschebart und seinem Kappi wirkt und der andere Gitarrist Graham Clise. Mit Graham Clise habe ich anschließend im VIP-Bereich noch viel Spaß. Auch die anderen Musiker von Witch treffe ich da. Sie signieren mir noch ein tolles Poster. Mit J Mascis erweist sich die Kommunikation nicht so einfach, was nicht unbedingt am sprachlichen Bereich liegt.

Eine Hexe jagt die andere. Jetzt kommen All Them Witches. All Them Witches servieren uns einen bluesigen, erdigen Hardrock, der in die Knochen geht. Das Trio aus Nashville Tennessee, der Heimat des Country, weiß zu überzeugen. Nix Country, hier geht es in die Vollen!

 

35 Jahre haben die Giganten Colour Haze schon auf dem Buckel. Psychedelic Stoner Rock ist zum Schluss des heutigen Tages wieder angesagt. Die Halle brechend voll, wollen die Fans sich die Münchener Giganten nicht entgehen lassen. Colour Haze lassen sich diese Chance hier in Berlin natürlich nicht entgehen und zaubern den Fans ein Verzücken und ein wenig Entrücken in die Augen. Mit tiefen Riffparts wandelt das Gitarrenspiel von Bandgründer Stefan Koglek zwischen warmen und trancelastigen Melodien. Ein Sound, um dem Erdischen zu entrücken. Schlagzeuger Manfred Mewald spielt mitreißend. Bassist Philipp Rasthofer wirkt mit seinem stoischen Bassspiel fast entrückt. Stefan Koglek singt hier und da auch einmal. Dabei verwendet er diesen Gesang praktisch als zusätzliches Instrument und nicht als eigenständigen Gesang. Die Kombo um Bandgründer Stefan Koglek entfaltet sich jammartig in grenzenlos wirkender künstlerischer Freiheit.
Die Fans gehen begeistert mit. Der Sound von Colour Haze ist zum Eintauchen, Träumen, aber auch zum Abfahren oder Wegfliegen. Man meint, die einzelnen Musiker verfingen sich in Improvisationen, kommen aber jederzeit überraschend zur Harmonie zurück, um gleichzeitig einen weiteren Rhythmuswechsel erneut zu vollziehen. Besser kann der heutige Abend hier auf dem DesertFest nicht abschließen.

 

In der Nacht geht es zurück zur Jugendherberge, vorher aber noch ein Bier an einem der Spätläden mitgenommen.
Beinahe hätte ich es vergessen: Es waren ja noch zwei Konzerte auf der Hoppetosse, die ich aber aus Mangel an Zeit und wegen der Überschneidungen eher außer Acht gelassen habe. Sowohl bei Wino (Scott „Wino“ Weinrich – Sänger bei Obsessed und Ex-Sänger von Saint Vitus) und bei 24/7 Diva Heaven bin ich kurz in der Kälte mal raus schauen gewesen. Wino hat eine Solo-Akustik-Show gegeben. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass seine Sachen mit Obsessed mich mehr begeistern. Die All Female Band 24/7 Diva Heaven konnte sich draußen in der Kälte einige neue Fans erspielen.

Am Samstagmorgen chillig aufstehen und frühstücken. Am Frühstückstisch unterhalten wir uns über das gestern Erlebte und wir sind alle vier richtig begeistert. Auch Heike ist schwer angetan, es ist ja ihr erstes DesertFest. Wir machen uns wieder Richtung Arena Kreuzberg und essen vor Ort bei einem Türken etwas, um gut gestärkt den zweiten Tag anzugehen. Früh genug sind wir wieder am Einlass.

Hier das Timetable für Samstag, 04.05.2019

Die Halle schon recht gut gefüllt, eröffnen doch die New Yorker Mirror Queen den Tag. Mirror Queen entstanden vor Jahren aus der Stoner Kultband Kreisor. Ja richtig Kenny Kreisor ist auch bei Mirror Queen der Bandleader. Jetzt gibt es Stoner Rock mit einem schweren Seventies Touch. Deep Purple, UFO oder auch Blue Oyster Cult hat da wohl die Queen im Spiegel entdeckt. Da gibt es ein starkes Rock Riffing und auch weitläufige Soli. Das Ganze unter einer tollen Dynamik dargeboten. Ein Schuss Psychedelic ist ebenfalls dabei. Das Quartett aus New York rockt hier ganz schön und begeistert das Publikum. Sänger und Gitarrist Kenny ist sehr sympathisch. Ich lerne ihn später noch im VIP/Backstage-Bereich kennen und unterhalte mich mit ihm. Da teile ich ihm mit, dass ich sie in einer Woche wiedersehe, dann mit Black Tusk in Wiesbaden. Cool, da lerne ich dann auch die anderen Jungs kennen. Mirror Queen haben hier einen glanzvollen Opener des zweiten Tages gemacht.

 

Zwischendurch muss ich dann doch mal nach draußen, denn auf der Hoppetosse läuft auch etwas Extravagantes ab. Meine Kumpels haben mich darauf hingewiesen und mir gesagt, dass ich unbedingt mal raus kommen müsse. Und tatsächlich, da sind auf dem Deck der Hoppetosse R.I.P. im Gange. Und wie. Der Sänger fackelt die ganze Zeit mit einer stilechten Sense herum. Auf der hat er ein Mikrofon befestigt. R.I.P. liefern eine extrem fette Show da draußen ab. Ich habe regelrecht Angst um die beiden Nebenmänner des Sängers, denn der zappelt doch heftig mit der Sense rum. Was die da treiben, würde ich am ehesten als Heavy Doom mit einem Schuss Rock bezeichnen. Die Ansage des Sängers ist klar: We dig your fucking Grave tonight. Bei dieser Ansage aber wieder schnell rein.

 

Schnell rein müssen wir dann eigentlich doch nicht. Lucidvox aus Russland sind jetzt dran. Bei denen verzögert sich der Beginn um einiges. Keine Ahnung wieso, aber es scheint irgendwie Abstimmungsprobleme zu geben. Irgendwann sind die dann doch behoben. Irgendwie eine merkwürdige Kombi/Anordnung auf der Bühne. Um das Keyboard der Sängerin ist ein wenig Tüll und eine Lichterkette gewoben. Auf der Videowand im Hintergrund spielen sich Szenen in Wäldern ab. Die Mädels selbst wirken zerbrechlich und bringen so etwas wie Psychedelic Rock mit Folk Einflüssen auf die Bühne. Bei der Darbietung herrscht doch eine recht gespaltene Meinung. Eine Kollegin im Fotograben meint: Wie die sich so mit dem Tüll, der Lichterkette und dem Mädchengehabe darstellen, geht gar nicht. Nun ja, wie gesagt, es gibt auch einige positive Resonanzen. Festzustellen ist auf jeden Fall, dass die Mädels von Lucidvox schon ein wenig auf zerbrechliches Mädelgehabe machen. Dazu trägt sicher auch das etwas merkwürdige Getanze der Sängerin zu bei.