DesertFest vom 03.05. – 05.05.2019 in der Arena Kreuzberg in Berlin

Geniales Stoner Spektakel in Berlin

Bands: All Them Witches, Witch, Om, Fu Manchu, Earthless, Colour Haze, Naxatras, Kikagaku Moyo, Long Distance Calling, Wovenhand, The Devil & The Almighty Blues, Wino, Mondo Generator, Nick Oliveri, Zig Zags, Hällas, Swedish Death Candy, 24/7 Diva Heaven, Monkey 3, Earthless, Wino, Mirror Queen, Lucidvox, The Shrine, Greenleaf, R.I.P., Stonefield, Black Tusk, Electric Citzen, The Skull, Worshipper, Blackwater Holylight, The Great Machine

Ort: Arena Kreuzberg, Eichenstraße 4, 12435 Berlin

Datum: 03.05. – 05.05.2019

Kosten: 3-Tages Ticket 109 €, Tagestickets je 57,50 €

Genres: Stoner Rock, Psychedelic, Doom, Heavy Rock, Rock, Blues Rock, Sludge

Link: https://www.desertfest.de/news

Vom 3. bis 5. Mai 2019 findet in Berlin eine weitere Ausgabe des sehr erfolgreichen und über die Grenzen hinaus bekannten DesertFest statt. Drei Tage wird den Stonerjüngern ein grenzenloses Spektakel mit Stoner Rock, Psychedelic, Doom, Heavy Rock, Rock, Blues Rock und Sludge geboten. Die besten Bands aus verschiedenen Ländern werden auf dem Festival schwere Riffs, Stoner- und Heavy Rock mit gelassenem Auditorium voller Peace und Harmonie verbinden.

Nachdem das letzte Jahr das DesertFest das erste Mal in der Arena Kreuzberg stattfand, hat man auch in diesem Jahr in der Arena Kreuzberg die Zelte aufgeschlagen. Zelte aufschlagen beschreibt die Situation in diesem Jahr regelrecht. Im letzten Jahr gab es unter anderem Kritik an dem Sound. Die Veranstalter sind darauf eingegangen und haben in dem riesigen Areal der Arena Kreuzberg, praktisch durch eine große Abtrennung dafür gesorgt, dass der Sound in diesem Jahr besser rüber kommt. Das kann man sich so ungefähr vorstellen, dass rund um die Bühne ein riesiges Zelt aufgestellt wurde mit Eingangstüren. So kann man den Sound regelrecht in diesem Bereich einfangen. Eine gute Lösung, wie ich meine. Hinzugekommen ist in diesem Jahr ein wesentlich größerer Merchbereich, der uns Sammler praktisch das Geld aus der Tasche holt, da man das eine oder andere Schnäppchen machen kann. Der Außenbereich wurde aufgepeppt. Schade, dass in diesem Jahr das Wetter nicht so wie letztes Jahr mitspielt. Zudem wird in diesem Jahr das erste Mal das vor Anker liegende Schiff Hoppetosse mit ins Programm einbezogen. Hier finden parallel zu den Konzerten in der Halle weitere exquisite Gigs statt.

Schaut euch mal bitte dieses Video an, hier erklärt Kat die Neuerungen in diesem Jahr.

Wie auch im letzten Jahr, bin ich mit den Freunden Alex und Rene hier. Dieses Mal haben wir die Jugendherberge am Ostkreuz als Übernachtungsgelegenheit ausgesucht. Sehr cool, denn wir müssen nur eine Station mit der S-Bahn fahren.

Dieses Jahr kann ich auch meine Frau Heike überreden, mitzufliegen und mir auf dem DesertFest journalistisch zu helfen. Ich kann jetzt schon sagen, dass sie es nicht bereut hat, denn eins ist klar: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.

Tolle Stoner Bands erwarten uns die nächsten drei Tage von Freitag bis Sonntag. Wir sind schon am Donnerstag gelandet und können so den Freitagmorgen entspannt angehen. Pünktlich angekommen wechseln meine Kumpels ihre Early Bird Tickets gegen Bändchen. Heike und ich nehmen die Akkreditierung an einem separaten Schalter vor. Alles sehr easy. Wir gehen rein, schauen uns zunächst um. Noch ist keine Band am Spielen, wir gehen vorher noch etwas essen.

Die Running Order für Freitag, 03.05.2019

The Devil And The Almighty Blues sind die Opener des diesjährigen Festivals. Und was für welche. Direkt mit der ersten Band erleben wir schon einen total heißen Geheimtipp. TRE, das neue Album von The Devil And The Almighty Blues, habe ich erst vor Kurzem rezensiert (hier geht es zum Review). Die Band besticht durch ihre raue und rohe Art. Songs, die sich schwer und langsam entwickeln. Heavy ohne Metal und langsam und bedächtig, ohne Doom zu sein. Dazwischen liegt die Musik der Band. Doomiger Heavy Stoner Blues Rock. Die Songs haben genügend Zeit, um sich zu entwickeln. Sänger Arnt Olaf Andersen ist dabei in einem priesterartigen Gewand zu sehen. Er hat irgendwie etwas Kultiges fast Okkulthaftes, wenn er den Gesang zelebriert. Er ist übrigens nur vorne am Mikro, wenn er singt, ansonsten geht er nach hinten zu Schlagzeuger Kenneth Simonsen und wippt mit der Musik in den instrumentellen Phasen mit und trinkt das eine oder andere Bier. In dieser Zeit haben die anderen Musiker genügend Zeit sich vorne auf der Bühne zu präsentieren. Allen voran Bassist Kim Skaug, der mächtig böse dreinblickt. Kim Skaug ist dabei wohl The Devil und die anderen Musiker The Almighty Blues. Was für ein genialer Auftakt heute.

Mondo Generator mit Nick Olivieri sind nun an der Reihe. Nick Olivieri hat als ehemaliger Bassist von Kyuss und Queens Of The Stone Age Kultstatus. Bei Queens Of The Stone Age wurde er von Josh Homme wegen verschiedener persönlicher Probleme rausgeworfen. Probleme gibt es heute auch. Aber keine persönlichen Probleme. Diese hat der Gitarrist des Trios. Da klappt einiges nicht und man braucht einige Zeit dies richtig in den Griff zu bekommen. Man bekommt es dann auch irgendwie hin und das Trio kann seine Show mit den schrillen punklastigen Voices von Nick Olivieri fortsetzen. Die Show bleibt heute im normalen Bereich. Nick Olivieri und Mondo Generator sind ja durch extrovertierte Liveauftritte bekannt, sie spielten zum Teil in Verkleidungen oder auch Nick Olivieri völlig nackt. Das bleibt uns heute erspart.

 

Der dritte Act des heutigen Tages sind Monkey 3. Heike bleibt bei jedem Tag der dritte Act positiv in Erinnerung. Die Psychedelic Space Rocker sorgen dafür, dass sich die Halle massiv füllt. Das ist der Act, auf den alle gewartet haben. Die Schweizer Kombo begeistert mit ihren lang ausgedehnten Soundreisen bereits seit 2001 die Fans. Lustig ist übrigens, dass die Musiker in den Anfängen lange nach einem passenden Sänger suchten, aber nie jemand passenden fanden. Also blieb man bei der Instrumentalmusik. Auf der Leinwand hinter den Musikern spielen sich ebenso psychedelische Vorgänge ab. Und klar, die Dampfer werden auch benutzt, sodass die Musiker teilweise schön eingehüllt in den von ihnen erzeugten Dampfwolken stehen. Dies trägt natürlich noch weiter zu dieser ganz besonders Atmosphäre hier bei.

 

Wer die Band Earthless kennt, weiß, was auf ihn zukommt! Songs wie Trips! Trips ohne gesundheitsschädliche Nebenwirkungen. Diese Trips gehen ab, ohne auf Droge zu sein. Da fühlt man sich in die Siebziger zurückkatapultiert.
Auch Black Heaven, das letzte Studioalbum der nun folgenden Band Earthless habe ich rezensiert (hier geht es zum Review). Earthless waren bis zum letzten Album eine reine Instrumentalband. Von dieser Linie sind sie inzwischen abgewichen. Mittlerweile gibt es Songs mit Gesang. Die Gesangsparts übernimmt Gitarrist Isaiah Mitchell. Ich würde Isaiah Mitchell jetzt nicht als Voicehero herausstellen. Aber er kann singen. Das nicht schlecht und es passt gut zur Mucke der Band. Earthless bringen auch im heutigen Gig Songs vom neuen Album mit Gesang. Erfrischenden Gitarrensound von Earthless gibt es aus einer Mischen von Psychedelic Rock, Blues Rock Hard Rock aus den Seventies auf die Ohren, die alle eine jamsessionähnliche Struktur haben. Nachdem ich bereits das Livealbum From The West (hier geht es zum Review) sehr geil fand, freue ich mich natürlich sehr, sie heute hier auf dem DesertFest in Berlin zu sehen.

Witch sind als nächstes an der Reihe. Witch ist die Band um Dinosaur J. Mastermind/Gitarrist J Mascis. J Mascis spielt bei Witch die Drums. Es ist schon eine kleine Sensation, sie hier in Berlin zu sehen, denn so oft treten sie nicht in Erscheinung. In Berlin dieses Wochenende sogar zweimal. Heute und gestern haben sie schon beim DesertFest Warm-Up in der Zukunft Am Ostkreuz aufgespielt. J Mascic, der Multiinstrumentalist (Das Magazin Rolling Stone führt ihn unter den besten 100 Gitarristen auf) hält sich eher im Hintergrund. Die Show machen vor allem Sänger und Gitarrist Kyle Thomas, der wie ein Holzfäller mit seinem Rauschebart und seinem Kappi wirkt und der andere Gitarrist Graham Clise. Mit Graham Clise habe ich anschließend im VIP-Bereich noch viel Spaß. Auch die anderen Musiker von Witch treffe ich da. Sie signieren mir noch ein tolles Poster. Mit J Mascis erweist sich die Kommunikation nicht so einfach, was nicht unbedingt am sprachlichen Bereich liegt.

Eine Hexe jagt die andere. Jetzt kommen All Them Witches. All Them Witches servieren uns einen bluesigen, erdigen Hardrock, der in die Knochen geht. Das Trio aus Nashville Tennessee, der Heimat des Country, weiß zu überzeugen. Nix Country, hier geht es in die Vollen!

 

35 Jahre haben die Giganten Colour Haze schon auf dem Buckel. Psychedelic Stoner Rock ist zum Schluss des heutigen Tages wieder angesagt. Die Halle brechend voll, wollen die Fans sich die Münchener Giganten nicht entgehen lassen. Colour Haze lassen sich diese Chance hier in Berlin natürlich nicht entgehen und zaubern den Fans ein Verzücken und ein wenig Entrücken in die Augen. Mit tiefen Riffparts wandelt das Gitarrenspiel von Bandgründer Stefan Koglek zwischen warmen und trancelastigen Melodien. Ein Sound, um dem Erdischen zu entrücken. Schlagzeuger Manfred Mewald spielt mitreißend. Bassist Philipp Rasthofer wirkt mit seinem stoischen Bassspiel fast entrückt. Stefan Koglek singt hier und da auch einmal. Dabei verwendet er diesen Gesang praktisch als zusätzliches Instrument und nicht als eigenständigen Gesang. Die Kombo um Bandgründer Stefan Koglek entfaltet sich jammartig in grenzenlos wirkender künstlerischer Freiheit.
Die Fans gehen begeistert mit. Der Sound von Colour Haze ist zum Eintauchen, Träumen, aber auch zum Abfahren oder Wegfliegen. Man meint, die einzelnen Musiker verfingen sich in Improvisationen, kommen aber jederzeit überraschend zur Harmonie zurück, um gleichzeitig einen weiteren Rhythmuswechsel erneut zu vollziehen. Besser kann der heutige Abend hier auf dem DesertFest nicht abschließen.

 

In der Nacht geht es zurück zur Jugendherberge, vorher aber noch ein Bier an einem der Spätläden mitgenommen.
Beinahe hätte ich es vergessen: Es waren ja noch zwei Konzerte auf der Hoppetosse, die ich aber aus Mangel an Zeit und wegen der Überschneidungen eher außer Acht gelassen habe. Sowohl bei Wino (Scott „Wino“ Weinrich – Sänger bei Obsessed und Ex-Sänger von Saint Vitus) und bei 24/7 Diva Heaven bin ich kurz in der Kälte mal raus schauen gewesen. Wino hat eine Solo-Akustik-Show gegeben. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass seine Sachen mit Obsessed mich mehr begeistern. Die All Female Band 24/7 Diva Heaven konnte sich draußen in der Kälte einige neue Fans erspielen.

Am Samstagmorgen chillig aufstehen und frühstücken. Am Frühstückstisch unterhalten wir uns über das gestern Erlebte und wir sind alle vier richtig begeistert. Auch Heike ist schwer angetan, es ist ja ihr erstes DesertFest. Wir machen uns wieder Richtung Arena Kreuzberg und essen vor Ort bei einem Türken etwas, um gut gestärkt den zweiten Tag anzugehen. Früh genug sind wir wieder am Einlass.

Hier das Timetable für Samstag, 04.05.2019

Die Halle schon recht gut gefüllt, eröffnen doch die New Yorker Mirror Queen den Tag. Mirror Queen entstanden vor Jahren aus der Stoner Kultband Kreisor. Ja richtig Kenny Kreisor ist auch bei Mirror Queen der Bandleader. Jetzt gibt es Stoner Rock mit einem schweren Seventies Touch. Deep Purple, UFO oder auch Blue Oyster Cult hat da wohl die Queen im Spiegel entdeckt. Da gibt es ein starkes Rock Riffing und auch weitläufige Soli. Das Ganze unter einer tollen Dynamik dargeboten. Ein Schuss Psychedelic ist ebenfalls dabei. Das Quartett aus New York rockt hier ganz schön und begeistert das Publikum. Sänger und Gitarrist Kenny ist sehr sympathisch. Ich lerne ihn später noch im VIP/Backstage-Bereich kennen und unterhalte mich mit ihm. Da teile ich ihm mit, dass ich sie in einer Woche wiedersehe, dann mit Black Tusk in Wiesbaden. Cool, da lerne ich dann auch die anderen Jungs kennen. Mirror Queen haben hier einen glanzvollen Opener des zweiten Tages gemacht.

 

Zwischendurch muss ich dann doch mal nach draußen, denn auf der Hoppetosse läuft auch etwas Extravagantes ab. Meine Kumpels haben mich darauf hingewiesen und mir gesagt, dass ich unbedingt mal raus kommen müsse. Und tatsächlich, da sind auf dem Deck der Hoppetosse R.I.P. im Gange. Und wie. Der Sänger fackelt die ganze Zeit mit einer stilechten Sense herum. Auf der hat er ein Mikrofon befestigt. R.I.P. liefern eine extrem fette Show da draußen ab. Ich habe regelrecht Angst um die beiden Nebenmänner des Sängers, denn der zappelt doch heftig mit der Sense rum. Was die da treiben, würde ich am ehesten als Heavy Doom mit einem Schuss Rock bezeichnen. Die Ansage des Sängers ist klar: We dig your fucking Grave tonight. Bei dieser Ansage aber wieder schnell rein.

 

Schnell rein müssen wir dann eigentlich doch nicht. Lucidvox aus Russland sind jetzt dran. Bei denen verzögert sich der Beginn um einiges. Keine Ahnung wieso, aber es scheint irgendwie Abstimmungsprobleme zu geben. Irgendwann sind die dann doch behoben. Irgendwie eine merkwürdige Kombi/Anordnung auf der Bühne. Um das Keyboard der Sängerin ist ein wenig Tüll und eine Lichterkette gewoben. Auf der Videowand im Hintergrund spielen sich Szenen in Wäldern ab. Die Mädels selbst wirken zerbrechlich und bringen so etwas wie Psychedelic Rock mit Folk Einflüssen auf die Bühne. Bei der Darbietung herrscht doch eine recht gespaltene Meinung. Eine Kollegin im Fotograben meint: Wie die sich so mit dem Tüll, der Lichterkette und dem Mädchengehabe darstellen, geht gar nicht. Nun ja, wie gesagt, es gibt auch einige positive Resonanzen. Festzustellen ist auf jeden Fall, dass die Mädels von Lucidvox schon ein wenig auf zerbrechliches Mädelgehabe machen. Dazu trägt sicher auch das etwas merkwürdige Getanze der Sängerin zu bei.

 

Hällas sind nun an der Reihe. Jetzt hat sich die Halle richtig stark gefüllt. Der Ruf scheint den Jungs von Hällas vorauszueilen. Hällas, Hällas! Rufe gibt es bereits beim Soundcheck. Hällas kommen nicht, wie es der Name vermuten lässt, aus Griechenland, sondern aus Schweden. Die durfte ich bereits im letzten Jahr beim Der Detze Rockt live erleben. Hällas sind bei den Fans hier richtig angesagt. Nein, nicht nur bei den Fans hier. Die ersten Auflagen ihres Albums Excerpts For A Future Past hat sich so gut verkauft, dass nachgelegt werden musste. Die Jungs von Hällas stehen in auffälligen Fantasykostümen und geschminkt auf der Bühne. Insgesamt läuft da eine geniale audiovisuelle Show ab. Progrock/Metal mit psychedelischen Attitüden. Die Show ist wirklich ganz großes Kino für Augen und Ohren. Hardrock mit psychedelischen Einflüssen der Siebziger ist angesagt. Uriah Heep meets Wishbone Ash and many more. Und immer wieder Hällas, Hällas! Sprechchöre. Diese Newcomer aus Schweden sind wieder einmal echte Knaller. Nach der Show treffe ich sie noch im VIP/Backstage-Bereich. Sie können sich noch sehr gut an mich und das Open Air Der Detze Rockt erinnern. Wir tauschen noch ein paar Worte.

 

Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Die Verzögerung durch Lucidvox wird trotzdem nicht mehr aufgeholt. Jetzt kommt mit The Shrine ein absolutes Powertrio. The Shrine: Das ist Heavy Rock mit einem Schuss Punk. The Shrine: Das ist vor allem Josh Landau. Mittlerweile als Bassistin dabei ist die Ex-Nashville Pussy Corey Parks. Eine fulminante fast zwei Meter Frau auf der Bühne. Das ist schon hart und heftig, was hier abgeht, da sprühen die Funken nur so. Irgendwo habe ich mal gelesen, wenn Black Flag, Thin Lizzy und Black Sabbath ein Baby hätten, dann würde es The Shrine heißen. Das sagt doch schon alles zu dieser Mucke.

 

Pünktlich mit Showende gehe ich hoch in den VIP-Bereich. Corey Parks kommt direkt von der Bühne und geht auf allen vieren die Treppe hoch. Super scharfe Show!!! Später lasse ich es mir nicht nehmen noch ein Selfie mit ihr zu machen. Endlich mal eine Frau auf Augenhöhe 😉

Naxatras hört sich so ähnlich an wie Metaxa. Und klar, das Trio ist aus Griechenland. Naxatras bringen uns Psychedelic Rock aus der Götterwelt der Griechen. Psychedelische Sphären mit fetten Grooves, traumhaften Meldodien, harte Riffs und fantastischen Gitarrensoli. Sie bringen uns ähnlich wie die alten Helden von Pink Floyd oder Hawkwind in andere Reiche. Mit Naxatras kann man den Olymp erklimmen. Kaum vorstellbar, wie das Trio das so hinbekommt.

 

Die Schweden von Greenleafe werden hier von vielen mit Begeisterung erwartet. Greenleafe als die schwedischen Clutch zu bezeichnen, würde der Band nicht ganz gerecht werden, aber von der Performance hier gibt es aus meiner Sicht doch einige Ähnlichkeiten in der Performance. Vor allem möchte ich da eine Ähnlichkeit zwischen Arvid Jonsson und Nick Falon von Clutch behaupten. Clutch hatte ich Ende des letzten Jahres in Köln. Was hier Arvid Jonsson und seine Mannen machen, ist schon sensationell.

 

Was danach Kikagaku Moyo machen, schlägt wieder eine andere Richtung ein. Der Sound von Kikagaku Moyo aus Tokio mischt Psychedelic Rock mit Krautrock und Acid Rock und erinnert dabei an Bands wie Acid Mothers Temple. Harte Jams treffen auf softe, harmonische Töne. Psychedelic hat hier eine besondere Bedeutung. Ein Hauptansatz im Sound der Japaner ist, den Körper und den Geist zu befreien und die Brücke zwischen dem Übersinnlichen und dem Jetzt zu schlagen. Ja, irgendwie scheinen sie heute Abend diese Grenzen hier verwischen zu lassen.

   

Headliner des heutigen Abends sind Fu Manchu. Das Programm hat sich um einiges verzögert. Die beiden Jungs Rene und Alex (beide zwei Dekaden jünger als ich) können nicht mehr. Heike macht auch schlapp. So muss ich heute auf Fu Manchu leider verzichten. Mist, die hätte ich auch noch gerne gesehen. Aber was soll man machen. Es waren ja genügend exquisite Sachen heute am Start. Auf dem Schiff habe ich heute Zig Zags und Nick Olivieri mit seiner Solonummer verpasst. Toller zweiter Tag mit einigen tollen Begegnungen im VIP/Backstage-Bereich. An den Plattenständen habe ich heute auch mal wieder zugeschlagen. Unter anderem von Mirror Queen und The Shrine Sachen mitgenommen, und sie auch noch von den Bands signieren lassen. Ich könnte mich hier arm kaufen, geht aber nicht, da ich mich doch recht einschränken muss. Mit ins Flugzeug kann ich nur begrenzt Sachen mitnehmen.

 

Sonntag, 05.05.2018, wir haben gut ausgeschlafen. Heike und die beiden Kumpels Rene und Alex sind weiter bester Laune. Erneut resümieren wir den vorangegangen Tag. Das kann hier doch überhaupt nicht besser werden, oder!? Abwarten, denn auch der dritte Tag des Desertfest 2019 wird absolut geil. Wieder in die S-Bahn und nach einer Station an der Haltestelle Treptower Park aussteigen. Wir sind wieder früh genug. Die Jungs kaufen sich schon das Early Bird Ticket für das DesertFest 2020, denn eins ist jetzt schon klar: Da sind wir wieder dabei!!! Da wir noch etwas Zeit haben, besuchen wir noch den Flohmarkt im Terrain der Arena Kreuzberg. Rene hat da schon zugeschlagen und ein paar abstruse Horror Wackelbilder für die Wand zu Hause gekauft.

Hier das Timetable für Sonntag, 05.05.2019

Der heutige Tag beginnt mit Swedish Death Candy. Für uns alte Bekannte, denn die haben wir Ende letzten Jahres bereits auf dem Freak Valley X Mas Fest im Vortex in Siegen gesehen.
Swedish Death Candy legen mächtig los und geben Vollgas. Swedish Death Candy kommen nicht aus Schweden, nein sie kommen aus London. Sie spielen eine Mischung aus Post R&B und Acid Rock. Ganz schön betäubend, was auf der Bühne abgeht. Vor der Bühne fehlen am heutigen dritten Tag doch noch einige Langschläfer. Sehr geil kommt ihre Mucke rüber und die Jungs haben auf der Bühne richtig Spaß. Mit ihren Songs holen sie uns in die psychedelische Ecke der Musikepoche der late Sixties und early Seventies. Die Beatles haben ihnen wohl von ihren Erlebnissen bei „Rajneesh“ Chandra Mohan Jain erzählt. Keine Ahnung, wer dieser „Rajneesh“ Chandra Mohan Jain ist? Naja, er war auch als Bhagwan in dieser Zeit eine bekannte Persönlichkeit und animierte zahlreiche Musiker zu außergewöhnlichen Songs, die auch unter außergewöhnlichen Umständen zustande kamen. Die Jungs von Swedish Death Candy sind jedoch eindeutig zu jung, um die Phase miterlebt zu haben. Trotzdem ist der Einfluss da. Die Jungs nehmen uns auf eine außergewöhnliche Reise mit. Die Show der Band ist wie ein Trip, der uns einige Zeit gefangen hält und nach vierzig Minuten wieder schonungslos erwachen lässt.

 

Weiter geht es mit Stonefield aus Australien. Stonefield sind etwas ganz Besonderes. Die Band besteht aus den vier Schwestern Amy Findlay (vocals, drums) , Hannah Findlay (guitar), Holly Findlay (bass) und Sarah Findlay (keys, backgroud vocals). Da kann man jetzt sagen: Eine hübscher als die andere. Die Schwestern trennen 8 Jahre, die älteste ist 28 Jahre, die jüngste ist 20 Jahre alt. Und die vier Schwestern machen außergewöhnlich gute Mucke. Drei Alben stehen bereits auf der Habenseite des Quartetts.

Das, was sie machen, kann sich nicht nur hören lassen, sondern flasht irgendwie auch die Leute. Es gibt eine elegante Mischung als Psychedelic, Hard und Stoner Rock und Doom Einschläge sind auch noch zu vernehmen. Very Great!!! Auch unserem Kumpel Alex gefallen Stonefield außergewöhnlich gut. Ich habe das große Vergnügen, sie anschließend noch im VIP-Bereich zu treffen. Da machen sie gerne ein Selfie mit mir, damit ich Kumpel Alex die Nase lang machen kann. Die Stonefield Mädels und ich stellen fest, dass wir uns in ein paar Wochen beim Freak Valley Festival wieder begegnen. Wir haben uns vorgenommen, dort dann ein Interview zu machen. Ich freue mich.

Nach Stonefield gibt es mit Black Tusk gewaltig eins auf die Fresse. Mit Black Tusk kommt die wohl dreckigste Sludge Band überhaupt an den Start. Black Tusk sind Legende. Sie kommen wie Kylesa und Baroness aus Savannah (USA) und werden daher auch regelmäßig mit diesen Bands in Verbindung gebracht. Eine Verbindung gibt es auch durch Baroness Gitarrist und Sänger John Dyer Baizley, der die Gestaltung der Veröffentlichungen von Black Tusk übernimmt. Der Sludge von Black Tusk enthält auch wüste Punkelemente. Das ist schon eine mächtige Show, die die Jungs hier abliefern, zudem sehr aggressiv. Jeder der vier Musiker übernimmt auch mal den Gesang. Drummer, Gitarrist und Bassist stehen sich in dem nichts nach. Nur der zweite Gitarrist Chris Adams ist beim Gesang etwas zurückhaltender, was er in den Bewegungsabläufen überhaupt nicht ist. Black Tusk nennen ihre Mucke schlichtweg Swamp Metal. Und dieser Swamp Metal stellt so etwas wie den trübsten und dreckigsten Sludge überhaupt dar. Die Sümpfe lassen grüßen. Ich werde diese wunderbaren Jungs eine Woche später in Wiesbaden wiedersehen. Auch hier ist die Freude groß.

 

Nachdem es bisher hier schwer rund gegangen ist, kommt der nächste Höhepunkt für mich. Ach Quatsch, hier gibt es eigentlich nur Höhepunkte. Electric Citizen aus Cincinnati spielen hier extrem heiß auf. Die Band um das Ehepaar Laura Dolan (Gesang) und Gitarrist Ross Dolan trumpft hier total auf. Schwerer Psychedelic Rock gepaart mit mächtigem Doom gibt es auf die Ohren. Ganz im Zentrum Frontfrau Laura Dolan, die sich im schwarzen Leder windet und wendet und die Songs hingebungsvoll performt. Dies macht sie einer Schlange gleich, die den paradiesischen Apfel geklaut hat, oder auch mit einer Mimik einer Ausgeburt der Hölle. Man, ist das authentisch und musikalisch furchtbar geil.

   

Der größte Einfluss von Electric Citizen sind hörbar Black Sabbath. Wenn Ozzy der Fürst der Finsternis ist, dann ist sie bestimmt die Fürstin der Finsternis. Sie klingen düster und schwer mit harten Riffs, können im gleichen Moment groovende Uptempo Parts mit Gitarre und Rhythmusfraktion hinlegen. Eine atemberaubende Performance hier von Electric Citizen. Eigentlich ein Quartett, haben sie sich zumindest am heutigen Tag mit einer weiteren mystischen Dame im Halbdunkel an den Keys verstärkt. Auch die stoische Performance dieser in einem schwarzen Lackmantel gekleideten Dame ist wie ein Act aus der Finsternis.

 

Jetzt kommen The Skull mit Doomlegende Eric Wagner (Ex-Trouble) am Mikrofon. Ein Traum, ihn endlich zu sehen. Seine Nachfolger bei Trouble habe ich schon gesehen.

Ich bin Eric Wagner bereits vorhin im VIP-Bereich begegnet. Wir haben uns über das Interview (hier geht es zum Interview), welches ich mit ihm letztes Jahr gemacht habe unterhalten. Ein paar andere Fans und ich machen ein Selfie mit ihm. Dann muss er sich seine Stimme noch für den Auftritt an der Bar ölen.
The Skull ist natürlich klassischer Doom mit der Wahnsinnsstimme von Eric Wagner. Die Songs gehen durch Mark und Bein. Eric Wagner fällt mit seiner Stimme ins tiefe Tal, bevor er mit dieser Stimme wieder unglaubliche Höhen erklimmt. Endlich sehe ich The Skull live, nachdem es die letzten paar Male irgendwie nicht ging. Zur Band gehört auch Ex-Trouble Bassist Ron Holzner. Ich treffe Eric Wagner und Ron Holzner nachher noch auf dem Platz vor der Arena, wo man wieder die Stimmen am Ölen ist und gratuliere zum fantastischen Gig.

 

So, alles gesehen. Jetzt kann ich heimgehen! Denkste!!! Jetzt kommen Long Distance Calling und machen eine große reine instrumentale progressive Rock/Stoner Reise mit uns. Die Halle ist mittlerweile wieder richtig voll, alle wollen Long Distance Calling sehen und das berechtigterweise. Long Distance Calling sind schwer angesagt. Das Quartett erfüllt die in sie gesetzten Erwartungen exzellent. Drummer Janosch habe ich bereits eine Woche vorher mit seiner anderen (reformierten) Band Zodiac in Frankfurt gesehen und dort auch ein Interview mit ihm geführt (hier geht es zum Interview). Wir wollten uns hier eigentlich kurz noch mal treffen. Das ist dann jedoch aufgrund der ganzen Fülle der Eindrücke hier nicht zustande gekommen. Ich war einfach viel zu beschäftig, um die ganzen Eindrücke hier aufzunehmen und zu verarbeiten. Ich denke mir, ihm ging es genauso. Auf jeden Fall werde ich mir den sympathischen Janosch mit seinen Jungs von Long Distance Calling nach diesem fantastischen Gig hier in Berlin unbedingt noch mal auf einer anderen Venue ansehen.

 

Nach dem Trip eben mit Long Distance Calling erden uns Wovenhand wieder ein wenig. Wovenhand wurden 2001 als Nebenprojekt des 16 Horsepower Sängers David Eugene Edwards ins Leben gerufen. Der wirkt sehr auffällig mit einem Bandana, Sonnenbrille und einem riesigen weißen Cowboyhut, vermutlich Stetson. Das kann ich aus der räumlichen Entfernung aus dem Fotograben jedoch nicht erkennen. Wovenhand geben einen etwas gewöhnungsbedürftigen Country Rock Metal Punk Mix zum Besten. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Da soll sich aber niemand beschweren, denn hier ist alles weiterhin auf hohem Niveau.

Auf höchstem Niveau ist der Headliner des heutigen Abends. Nur zwei Buchstaben: OM. OM, aus der Band Sleep 2003 entstanden und im Ursprung von Al Cisneros (Bass, Gesang) und Chris Hakius (Schlagzeug) aus der Taufe geholt, stehen für hypnotische und transzendente Musik, der man sich kaum entziehen kann. Emil Amos übernimmt den Part am Schlag 2008 nach dem überraschenden Aus von Chris Hakius. Live gesellt sich in der Regel ein dritter Musiker dazu, der Keyboard und auch andere Instrumente übernimmt. Wer es am heutigen Abend ist, kann ich nicht definitiv sagen. Die Bühne bleibt ausnahmslos im blau-violetten Schummerlicht. Die Musiker sind nur schemenhaft zu erkennen. Mit den ersten Tönen ist man bereits im Bann des Trios auf der Bühne. Ein Klangkosmos jenseits jeglicher Genrekategorisierungen wird geschaffen. Der Sound von OM saugt einen praktisch auf. Der Hörer wird weitgehend in Ekstase versetzt, um ihn in einen anderen Bewusstseinszustand zu führen. Ja, das macht die Musik von OM mit dem Hörer.

 

Heute nur einmal ganz kurz draußen gewesen, als die Mädels von Blackwater Holylight gespielt haben, aber nicht wirklich was mitbekommen. Eigentlich schade. Auch Worshipper und The Great Machine haben wir verpasst, was sehr schade ist! Alles geht halt nicht.

Vor dem eigentlichen Konzertende verlassen wir die Arena mit glänzenden Augen. Ich bin stolz auf Heike und die beiden Jungs Rene und Alex, die heute richtig gut durchgehalten haben. Morgen früh steht der Rückflug nach Köln an!

 

Montagmorgen gefrühstückt und intensiver Austausch mit Heike, Rene und Alex. Wir sind uns einig, dass das DesertFest Berlin 2019 ein Top Eventgewesen ist und wir mächtig viele tolle Bands gesehen haben. Das macht Lust auf mehr. Das DesertFest Berlin 2020 kann kommen. Da sind wir gerne wieder dabei. Rene und Alex haben ja schon die Early Bird Tickets. Ab in die S-Bahn und zum Flugplatz. Anschließend das Erlebte verarbeiten.

Fazit: Wieder ein sensationelles DesertFest Berlin erlebt. Dieses Mal die Ausgabe 2019. Die Arena Kreuzberg hat mit den vielen Verbesserungen, die die Veranstalter umgesetzt haben, gezeigt, dass die Venue die absolut richtige Wahl ist. Sie liegt direkt an der Spree. Der Außenbereich mit Chillout-Bereich und Biergarten ist zusätzlich zur genialen Musik der Bands eine Attraktion, die dieses Mal leider nicht so toll genutzt werden konnte wie letztes Jahr. Das war alleine dem Wetter geschuldet. Obwohl das DesertFest sehr gut besucht war, gab es in der Halle keine Enge. Viel Platz für die Fans, die sich dort ins Getümmel werfen wollten und auch für die Fans, die sich zwischen oder während der Gigs mal ausruhen oder chillen wollten. Das Stoner Herz ist 2019 wieder auf seine Kosten gekommen: geniales Line-Up, tolle Atmosphäre und wieder eine Menge freaky Leute, mit denen man viel Spaß haben konnte. Da freue ich mich jetzt bereits auf das DesertFest Berlin 2020.

 

Kommentare

Kommentare

Weitere Beiträge
Das Core Fest 2019 am 05. Oktober im Club Zentral, Stuttgart (Vorbericht)