Diemonds – Diemonds

“Hochwertiges Material auch ohne Label“

Artist: Diemonds

Herkunft: Toronto, Kanada

Album: Diemonds

Spiellänge: 33:55 Minuten

Genre: Glam, Sleaze, Hard Rock

Release: 10. August 2018

Label: Eigenproduktion

Link: https://diemonds.bigcartel.com

Produktion: Vespa Studios, Toronto, Kanada von Eric Ratz – Mastering von Harry Hess

Bandmitglieder:

  • Vocals – Priya Panda
  • Gitarre – Daniel Dekay
  • Gitarre – C.C. Diemond
  • Bass & Backing Vocals – Tyrone Buccione
  • Drums – Aiden Tranquada

Tracklist:

  1. Breathe
  2. Our Song
  3. Shoulda Listened To Ya
  4. Waiting For Something
  5. Burn It Down
  6. I Miss
  7. How Long
  8. I See Red
  9. Made It Through
  10. Warrior

Etwas überraschend verkündigen die Kanadier Diemonds am 11. Juli, dass am 10. August ihr drittes Album Diemonds erscheinen wird. Nachdem der Vorgänger auf Napalm Records veröffentlicht wurde, wagt die Band den Schritt hin zu einer in Eigenregie veröffentlichten Platte. Details zu den Gründen wurden bisher nicht veröffentlicht. Als Resultat wurden in einem ersten Zyklus nur 100 LP-Versionen per Vorbestellung verkauft, die nach einigen Tagen vergriffen waren. Reaktion auf die rege Nachfrage war eine weitere Auflage von 100 CDs, die in weniger als zwei Tagen ausverkauft war. Alle anderen müssen sich zunächst mit der digitalen Version begnügen, die auf allen gängigen Streaming-Plattformen und Online-Diensten verfügbar sein wird. Ob dieser Schritt ein Marketing-Schachzug oder eine Verzweiflungstat ist, bleibt erstmal das Geheimnis der Band, soll aber auch nicht vom Kern der Sache ablenken: dem Album.

Nach der Nominierung für das Heavy Metal Album des Jahres bei den Juno-Awards 2016 ist die Erwartungshaltung sicher nicht kleiner geworden. Never Wanna Die (2015) war die härtere und Songwriting-technisch gereifte Version des Vorgängers The Bad Pack (2012) und wurde von der Allgemeinheit mehr als positiv aufgenommen. Der punkige, fast thrashige Glam-Sound der Band weiß auf dieser Platte voll zu überzeugen und ist in Kombination mit Priya Pandas weiblichem, frechen Gesang und der Rock ‘n‘ Roll & Sex-Appeal-Attitüde der Frontfrau eine gelungene Kombination. Der Erfolg der Platte sorgte sogleich für Slots im Vorprogramm von Steel PantherL.A. Guns und auf der KISS-Kruise. Die poppigen Vorzeichen vom Vorgänger wurden auf Diemonds leider etwas zu sehr ausgereizt, aber hier und da blitzt noch auf, warum Diemonds von vielen als eine der modernen Glam/Sleaze-Bands gehandelt werden.

Songs wie I See Red, How Long oder Made It Through knüpfen genau da an, wo Never Wanna Die aufgehört hat und machen richtig Laune. Im Gegensatz dazu stehen aber mit Shoulda Listened To Ya, Waiting For Something, Burn It Down und I Miss, allerdings auch vier Songs, die voll von Pop und Balladen sind und dafür leider viel Punk und Gitarren vermissen lassen. Da diese Songs Track drei bis sechs belegen, kann einem zwischendrin schon einmal der Gedanke kommen, warum man das Album überhaupt hört. Zum Glück gelingt es der Band den Hörer mit How Long genau zum richtigen Zeitpunkt aufzuwecken und abzuholen. Vor Allem Priya Panda hat mit ihrer trotzigen Attitüde hier eine Sternstunde. Auf diesem Hoch folgt mit I See Red der wohl düsterste Songs der Platte, ehe die Band mit Made It Through zeigt, dass man poppig und punkig auch wunderbar kombinieren kann. Der Refrain bleibt hängen, der Song wirkt aber nicht kitschig oder abgedroschen.

Inhaltlich greift Priya als Haupt-Songwriterin vor Allem den Lifestyle und die Probleme von jungen, heranwachsenden ‚Rebellen‘ auf. Selten haben Musik und Text so gut zusammengepasst. Hier und da ein paar Zeilen zum Thema Beziehung, Liebe oder Verflossenen und schon ist das Glam Rock-Album perfekt. Das haben auch die Größen des Genres nie groß anders gehalten. Etwas vermissen lässt die Band aber die Genre-typischen Party-Songs. Obwohl Warriors in eine ähnliche Kerbe schlägt, ist er vielleicht nicht unmittelbar genug. Instrumental und produktionstechnisch gibt es ebenfalls wenig zu bemängeln. Hochwertige und songdienliche Arbeit prägen das Klangbild.

Auch, wenn der Hörer mit härterem Background sich von den Diemonds eine Entwicklung in eine andere Richtung gewünscht hat, kann man der Band auf dieser Platte wenig Vorwürfe machen. Sie bleibt sich treu, wandelt sich aber genug um kein zweites Never Wanna Die zu produzieren und kreiert dabei eine Handvoll großartiger Songs. Für die paar ‚Ausreißer-Songs‘ findet sich bestimmt ein Publikum, alle anderen können sicherlich darüber hinwegsehen. Abgerundet von einem zeitgemäßen – ist retro jetzt wirklich zeitgemäß? -Artwork erhält der Hörer ein solides Gesamtpaket. Einzig die Frage, wie das Album hätte klingen können, wenn ein Label wie Napalm Records wieder seine Finger im Spiel gehabt hätte, bliebt nach dem Hören im Raum stehen.

Anspieltipps: How Long, I See Red, Made It Through
Carsten B.
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