Gutvoid stammen aus Kanada und sind seit dem Jahre 2019 dabei. Seit 2020 sind sie ziemlich konstant unterwegs, denn bis dato ist das Quartett in derselben Besetzung unterwegs. Bei Kanada muss ich immer ein wenig aufhorchen, denn irgendwie scheint das Land ein Plätzchen für fähige Musiker zu sein. Gleich 2019 kam die erste EP heraus und danach konnte man einen Deal mit Blood Harvest Records ergattern und das erste Full Length namens Durance Of Lightless Horizons kam heraus. Eine EP namens Breathing Obelisk folgte im Jahre 2024. Mittlerweile ist man bei Profound Lore Records gelandet und das kanadische Label haut nun Album Nummer zwei namens Liminal Shrines auf den Markt.
Wenn ein Album mit sechs Songs eine Spiellänge von fast 50 Minuten aufweist und der Opener Ruinous Gateways quasi mit fast drei Minuten auch noch ein Intro darstellt, dann muss man mal genauer hinschauen und hinhören, ob es sich tatsächlich um eine Death-Metal-Band handelt, denn diese Spiellänge ist für diese Musikrichtung ja eher ungewöhnlich. Der Opener kommt erst einmal langsam aus den Boxen mit einer ruhigen Eröffnung daher. Im Hintergrund hört man ein Pochen, welches dann immer weiter in den Vordergrund gerät. Die düsteren Gitarren setzen ein, das Pochen verschwindet wieder nach hinten, und im Midtempo wird eine morbide und dunkle Atmosphäre erschaffen, die es in sich hat und die Dunkelheit noch ein wenig verfinstert. Geiles Riff, teilweise melodisch und zerstörerisch. Nach einem abrupten Ende setzt man die Reise dann nahtlos fort.
Spell Reliquary nimmt diese traurige und melancholisch Grundstimmung weiter auf und langsam begibt man sich in einen verhängnisvollen Alptraum. Im Midtempo scheppert man dann weiter und baut immer wieder eine finstere Melodie mit ein, um dann immer wieder schön Druck zu erzeugen. Die tiefen Growls und diese auf Schwarz getrimmte Produktion passen sich der derben Untergangsstimmung an. Schön morbide das Ganze. Eine Art des Caves Death Metal mit doomigen Momenten wird dargeboten, hinzu kommen dann noch vertrackte und technische Parts, die es in sich haben, und ein weiteres, melodisches Lead zermürbt die Gemüter. Wilde Momente in Form von kurzen Geschwindigkeitsattacken und dissonante Parts gesellen sich künstlerisch dazu und immer wieder diese melodischen und düsteren Einsprengsel, die dann wieder mit technischen Spielereien verbunden werden. Puh, das ist ganz starker Tobak und definitiv nichts, was man eben so nebenbei hören kann. Hier gibt es viel zu entdecken. Ich persönlich habe zwischendurch auch das Gefühl, dass das Chaos ein wenig zu viel regiert, aber man kommt dann definitiv durch das getragene Midtempo und eben diesen melancholischen melodischen Ansatz wieder in Reih und Glied und macht einen derbe fertig. Diese langsam vorgetragenen melodischen Momente bringen dich in ein melancholisches Traumland und erinnern mich dann an My Dying Bride zu ihren Anfangstagen. Aber nur diese Momente. Krass.
Bei Of Smothering Sea eröffnet man mit einem gediegenen Ballerpart und fährt dann in Sachen Geschwindigkeit runter, um mit Einzelanschlägen Angriffe auf das Nervenzentrum zu nehmen. Schon wieder sehr krank und zermürbend. Hier sind die Parts zwar auch düster und melancholisch, aber man ist eher auf eine destruktive Vernichtung aus. Natürlich auch wieder alles auf technisch hohem Niveau und natürlich auch mit vielen disharmonischen Passagen und mit einem ziemlich langen, verspielten Solo. Das ganze Ding setzt sich sehr fies in den Gehörgängen fest, dreht sich einmal und setzt die Reise fort. Stark. Das Tempo wird auch einmal wieder kurz hin- und hergetrieben und man weiß eigentlich nie, wohin die Reise geht. Die vier Kanadier verlieren aber nie den Überblick und lassen den Zuhörer an der Reise teilhaben, aber man muss sich schon konzentrieren, um dabei zu bleiben. Aber diese melodischen Anschläge sind so richtig geil düster. Nach nur sieben Minuten darf man sich dann kurz ausruhen.
Kanadier und ihre technischen Fähigkeiten
Natürlich nur kurz, denn es folgt ja auch schon der Song Umbriel’s Door. Ob der, das oder die neben Alice wohnt, weiß ich nicht, aber ich kann auch sagen, dass Gutvoid ihre Art des Death Metals weiter gnadenlos durchziehen. Wie schon am Anfang erwähnt, hat man das Gefühl, sofern eine kanadische Band am Start ist, dass die musikalischen Fähigkeiten sehr ausgeprägt sind. So eben auch bei diesem Album und natürlich auch bei diesem Song. Halleluja! Das Teil hier geht ebenfalls so um die sieben Minuten, und auch hier eröffnet man den Reigen der Verzweiflung mit einer recht schnellen Attacke, kommt mit einem zermürbenden Riff um die Ecke und baut eine Melodie ein. Irgendwann setzen die Growls ein und es wird wieder wild, schnell und technisch. Dabei ist man natürlich weit davon entfernt, einfach draufloszuballern. Diese Soli im Song sind wieder einzigartig und bei den ganzen Wechseln weiß man auch nie, was der Drummer dazu spielt. Das hat schon was. Die Krux an der Geschichte ist ja, das Songwriting so zu gestalten, dass auch der Zuhörer den roten oder besser hier den schwarzen Faden nicht verliert und ein Fluss erkennbar ist, der trotz vieler Abzweigungen dann doch im dunklen Tal mündet. Fettes Ding. Die dunklen Screams sind schon geil und auch dieser disharmonische Groove, der mit eingebaut wird. Herrlich. Dann dieser Stopp mit langsamem Drumming und cleaner Gitarrenarbeit. Puh, schon krass. Irgendein Herr hat hier ganz viel chaotische Energie sprühen lassen. Mit diesem absolut kranken Part, inklusive kaputter Vocals und wildem Gitarrenspiel, endet das Ding.
Melancholische und kranke Grundstimmung
Auch die beiden restlichen Songs Lead Me Beyond The Sleeping I (welch ein doomiger Anfang, aber mit über elf Minuten meines Erachtens viel zu lang) und Chasm Of Displaced Of Souls reihen sich natürlich ein. Der Anfang vom Rausschmeißer erinnert an eine kranke Version von God’s Of Emptiness (Morbid Angel). Mit über zwölf Minuten ist mir der Song natürlich auch zu lang.
Auch wenn ich nicht immer alles nachvollziehen kann, muss man sagen, dass das Album sehr intensiv ist. Für mich ist das Songwriting an einigen Stellen zu chaotisch, zu dissonant, zu technisch und zu disharmonisch, aber dafür gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Diese melancholische und kranke Grundstimmung ist aber geil.
Hier geht es für weitere Informationen zu Gutvoid – Liminal Shrines in unserem Time For Metal Release-Kalender.



