Epica, Amaranthe und Charlotte Wessels am 22.03.2026 in der myTicket Jahrhunderthalle in Frankfurt

Epischer Tourabschluss in Frankfurt

Event: The Arcane Dimensions Tour 2026

Bands: Epica, Amaranthe, Charlotte Wessels

Datum: 22.03.2026

Genres: Symphonic Metal, Modern Metal, Power Metal

Besucher: ca. 2.500

Ort: myTicket Jahrhunderthalle, Frankfurt

Veranstalter: Concert Team NRW GmbH

Kosten: VVK ab 64,99 EUR

Setlisten:  

  1. Chasing Sunsets
  2. Dopamine (mit Simone Simons)
  3. The Crying Room
  4. Soft Revolution (mit Coen Janssen)
  5. Tempest
  6. After Us, The Flood
  7. The Exorcism

  1. Apparition
  2. Cross The Divide
  3. Martyr Of The Free Word
  4. Eye Of The Storm
  5. Unleashed
  6. Never Enough
  7. Sirens – Of Blood And Water (mit Charlotte Wessels & Elize Ryd)
  8. Tides Of Water
  9. The Grand Saga Of Existence
  10. Cry For The Moon
  11. Fight To Survive
  12. The Last Crusade
  13. Beyond The Matrix

  1. Fearless
  2. Viral
  3. Digital World
  4. Damnation Flame
  5. Maximize
  6. Strong
  7. PvP
  8. Crystalline
  9. Boom!
  10. The Catalyst
  11. Re-Vision
  12. Chaos Theory
  13. Amaranthine
  14. The Nexus
  15. Call Out My Name
  16. Archangel
  17. That Song (mit Schnipseln von Queens We Will Rock You)
  18. Drop Dead Cynical

Diesmal geht es Schlag auf Schlag. Nachdem wir am Donnerstag noch bei Angus McSix im Graben standen (Bericht hier), geht es heute auf nach Frankfurt in die myTicket Jahrhunderthalle: Abschluss der Arcane Dimensions Tour 2026 für Epica, Amaranthe und die Ex-Delain Frontfrau Charlotte Wessels. Vor der kuppelartigen Halle haben sich bereits 30 Minuten vor Einlass zwei lange Schlangen gebildet. Wir genießen bis zum Einlass noch ein wenig die Abendsonne und warten, bis die Abendkasse öffnet, um uns unsere Tickets auszuhändigen zu lassen. Pünktlich um 17:30 Uhr werden die Türen zu der beeindruckenden Veranstaltungshalle geöffnet. Es ist unser erster Besuch in der Jahrhunderthalle. Durch die runde Form der Halle ist es möglich, eine große Bühne mit einer breiten Front aufzubauen. Der Platz für die Stehgäste ist tatsächlich recht reduziert gehalten, da der komplette hintere Teil des Rundes bestuhlt ist. Ich bin gespannt, wie sich das auf die Stimmung auswirkt. Die generelle Struktur lässt auf einen guten Sound hoffen.

Charlotte Wessels & The Obsession, Frankfurt 2026, Pic. by Alex. Wahl
Charlotte Wessels, Pic. Alex. W.

Pünktlich um 18:40 Uhr geht die Hauptbeleuchtung aus, nur um dann von der orangegeprägten Bühnenbeleuchtung ersetzt zu werden. Charlotte betritt die Bühne in einem silbernen Wickelrock und einem dazu passenden Bustier, schnappt sich ihren von Sonnenblumen und Gerbera umrankten Mikrofonständer und beginnt ihr Set mit Chasing Sunsets. Beim zweiten Song Dopamine gibt es schon die erste Überraschung, als Epicas Simone Simons im schwarzen Lederkleid die Bühne betritt und ihre Landsfrau im Duett unterstützt. Der Sound ist bereits jetzt auffallend gut. Mal schauen, ob dieses Level bei den Headlinern bestehen bleibt. Laut Charlotte war dies das erste Mal, dass die beiden Sängerinnen das Duett live performen. Gitarrist Timo Somers bekommt beim folgenden The Crying Room seine erste Chance, seiner 8-Saiter ein beeindruckendes Solo zu entlocken, während Keyboarderin Sophia Vernikov Charlottes Gesang mit ihrer eigenen Zweitstimme melodisch stützt. Heute wechseln die Musiker munter durch auf der Bühne. Als Sophia ihr Instrument verlässt und Charlotte im Duett bei Soft Revolution unterstützt, greift Epicas Coen Jannsen für sie in die Tasten. Ich muss zugeben, dass ich ehrlich gesagt ziemlich überwältigt bin. Die Performance der Niederländer mit ihren mystischen Melodien hatte ich nicht so ergreifend erwartet. Vor dem letzten Song des Sets bedanken sich Charlotte und The Obsession bei allen für die wundervolle Tour, bevor mit The Exorcism, bei dem die sympathische Diva auch ein wenig growlen darf, der Abend und die Tour für Charlotte und Band nach gut 50 Minuten zu Ende geht.

Epica, Frankfurt 2026, Pic. by Alex. Wahl
Epica, Pic. by Alex. Wahl

Nach einer 20-minütigen Umbaupause steht der erste Headliner in den Startlöchern. Das Set beginnt ungewöhnlich mit einem Einspieler im Schmalfilm-Format, bei dem ein Mann in ABC-Maske das Publikum bittet, die Handys auszuschalten und das nachfolgende Programm mit allen eigenen Sinnen zu genießen. Nach einem Countdown steht Simone im schwarzen Brautkleid auf einem weißen LED-Podest und die Menge tobt. War bei Charlotte eher das gemütliche Genießen angesagt, so geht es bei Epica gleich heftiger zur Sache und die Menge wogt gemeinsam im Takt zu Apparition. Simone schmeißt sich schnell in ein kurzes Lederkleid, setzt eine Sonnenbrille im Cyberpunk-Stil auf und schmettert uns Cross The Divide, den Opener ihres aktuellen Albums Aspiral entgegen.

Mir fällt keine Band ein, die einen agileren Keyboarder als Coen Jannsen ihr Eigen nennen kann. Mit seinem speziellen Keyboardständer kann er sowohl die Position auf der Bühne ändern als es auch einfach rotieren lassen. Für das folgende Martyr Of The Free World schnallt sich der Keyboarder eine halbrunde Variation seines Instruments um die Hüften, geht nach vorne und fordert einen Circlepit, worauf sich auch ein kleiner Kreis im schmalen Bereich vor der Bühne bildet. Epica nutzen die komplette Größe der Bühne, die Musiker wechseln häufig die Positionen und die verschiedenen Podesthöhen. Daraus entsteht eine unglaublich starke Bühnenperformance. Der große LED-Screen im Hintergrund wird passend zu den Songs bespielt, wie bei Eye Of The Storm, bei dem Gewitterwolken und Blitze das zum Song passende Ambiente erzeugen. Ebenfalls passend bildet sich auf Wunsch der Frontfrau auch ein kleiner Moshpit, bei dem munter gebangt und gemosht wird. Der Auftritt der Niederländer ist ein audiovisueller Knaller: die grandiose Sopranstimme von Simone, die von LED-Screens bespielte Bühne, die bombastischen Sounds der Musiker – alles passt hervorragend zusammen.

Epica, Frankfurt 2026, Pic. by Alex. Wahl
Epica, Pic. by Alex. Wahl

Nach einem kurzen Danke an alle Beteiligten spielen die Niederländer mit Never Enough einen Song ihres Erfolgsalbums The Devine Conspiracy. Der nächste Song entführt uns in die Tiefe des Meeres. Als der Screen die Bühne in tiefblaues, gedämpftes Licht und die Kamera unter Wasser taucht, intoniert Epicas Sirene Simone gemeinsam mit Elize Ryd und Charlotte Wessels das herrlich melodiöse Stück Sirens – Of Blood And Water – wunderschön mystisch. Beim Pianointro zum folgenden, thematisch passenden Tides Of Water erleuchtet der große Screen in hellem Licht, während Simone scherenschnittartig unbeleuchtet im Vordergrund steht und mit ihrer klaren Stimme alle Blicke auf sich zieht. Dieses Bild kehrt sich im Laufe des Liedes ins Gegenteil, als der Spot auf die Sängerin gerichtet wird, der Hintergrund sich verdunkelt und die Pailletten auf ihrem Kleid zu funkeln beginnen: eine unglaublich starke Inszenierung für die Ballade. Nach diesem ruhigen, besinnlichen Intermezzo führen uns Epica mit The Great Saga Of Existence wieder in Richtung der härteren Gangart. Die ruhigen Gesangsparts werden immer wieder von schmetternden Gitarren und Growls von Gitarrist Mark Jansen unterbrochen, um dann im operalen Refrain zu gipfeln. Auch der kleine Moshpit formt sich wieder. Nachdem sich Coen im Namen der Band bei der Crew bedankt hat, geht es mit dem ältesten Song des Abends, der nach einem Kamelot-Album benannten Band, weiter. Cry For The Moon animiert das Publikum zum Mitsingen. Dieses Mal wird der Screen mit schwarz-weißen Live-Bildern einer auf der Bühne umherhuschenden Kamerafrau beschickt und ermöglicht so einen komplett neuen Blickwinkel. Coen lässt es sich nicht nehmen, mit seinem mobilen Keyboard in die Menge zu gehen, und taucht im Mittelgang zwischen den Stühlen wieder auf. Mit dem eingängigen Fight To Survive wird die Beinmuskulatur für den Abschluss des Sets schon einmal aufgewärmt, denn für den letzten Song Beyond The Matrix bittet die sympathische Frontfrau alle, aufzustehen und mit ihnen zu springen. Direkt vor der Bühne funktioniert das auch hervorragend. Die Sitzfraktion steht immerhin auf, gegen Ende springen aber auch hier fast alle. Auch die Jungs und Mädels um Charlotte Wessels lassen es sich nicht nehmen, zusammen mit Epica auf der Bühne zu feiern und zu springen. Dieser Song verpasst mir immer wieder eine wohlige Gänsehaut. Nach 80 Minuten ist der audiovisuelle Overkill der Niederländer leider zu Ende. Das wird schwer zu toppen für Amaranthe.

Amaranthe, Frankfurt 2026, Pic. by Alex. Wahl
Amaranthe, Pic. by Alex. Wahl

Punkt 21:40 Uhr starten Amaranthe ihr Intro. Nacheinander betreten die Instrumentalisten die Bühne und beginnen ihr Set mit Fearless, bei dem die Sänger passend zu ihren Einsätzen die Bühne stürmen. Elize trägt einen langen Leder-Trenchcoat, unter dem immer wieder ein glitzerndes Outfit hervorblitzt. Stimmlich kann Elize nicht ganz mit der Klasse ihrer beiden Vorgängerinnen mithalten. Aber die Stimmung ist grandios und die Menge springt ab dem ersten Ton wild umher. Das Bühnensetting ist jetzt wieder der klassische Aufbau, mit Backdrop und Aufstellern, Nebelmaschinen und Lasern. Die Lautstärke der Mikros der drei Vokalisten wirkt nicht richtig aufeinander abgestimmt. Während die Jungs laut und deutlich zu verstehen sind, ist speziell an Elizes Stimme häufig ein Schwanken in der Lautstärke zu vernehmen. Wie ihre zuvor aufspielenden Kapellen bedanken sich Amaranthe, hier in Persona von Nils Molin, bei allen für die Tour, bevor sie mit Damnation Flame wieder ordentlich Energie von der Bühne versprühen. Auch das folgende Maximize schlägt in die gleiche Kerbe: laut, schnell und energiegeladen. Mit Stronger wird es dann ein wenig ruhiger und emotionaler, ein Song über das Finden der inneren Stärke. Mit PvP geht es dann ab in die digitale Tiefe des Onlinegamings, speziell des Shootergenres. Das Publikum wird hier mit vielen Mitsingparts auch wieder eingebunden. Speziell Nils Molin spricht heute viel mit dem Publikum. Nach diesem Banger folgt nun eine der schönsten Balladen der Schweden, Crystalline. Elize, allein auf der Bühne, begleitet von einem Piano und einigen Streichern. Hier kommt ihre Stimme wunderbar zur Geltung. Nach diesem Part steigen dann auch die anderen Fuchsschwanzgewächse 🙂 mit ein und bringen die Powerballade gemeinsam zu Ende. Elize hat sich inzwischen des Trenchcoats entledigt und das Glitzeroutfit kommt besser zur Geltung. Mit Boom gibt’s dann wieder was zum Schütteln des Haupthaares, während Elize bei dem von tiefen, schnellen Rap-Parts gespickten Song eine Chance zum Verschnaufen bekommt. Die Pause nutzt sie, um ein weiteres Teil ihrer Garderobe abzulegen. Wenn das so weitergeht, endet die Veranstaltung nicht jugendfrei.

Amaranthe, Frankfurt 2026, Pic. by Alex. Wahl
Amaranthe, Pic. by Alex. Wahl

Der Titeltrack ihres aktuellen Albums The Catalyst ist geprägt von Lasern, die im Takt zu den Elektrobeats feuern, während die Nebelwerfer die leeren Stellen der Bühne füllen. Amaranthe haben vor ein paar Wochen ihre brandneue Single Chaos-Theory veröffentlicht, die sie uns nun auch direkt kredenzen. Irgendwie wirkt die Harmonie zwischen Nils und Elize auf mich heute gestört, ich kann nicht genau sagen, warum: ein genervt wirkender Blick, fehlende Abstimmung beim Headbangen, kaum Blickkontakt. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Egal, Spot auf Olof Mörck, der sich am Piano niedergelassen hat und mit den ersten verspielten Tönen den nächsten Song Amaranthine einleitet. Elize ist es wohl kühl geworden, sie trägt wieder etwas mehr, als sie mit ihrer glockenhellen Stimme das Lied intoniert. Als der Rest der Band einsteigt, macht der stimmliche Zauber der puren Energie von Gitarre, Bass, Schlagzeug und den männlichen Stimmen Platz. In den letzten Part des Abends und somit der gesamten Tour leitet dann The Nexus ein, das Lied, mit dem Amaranthe die erste größere Beachtung erlangen konnten. Auch die Mikrolautstärke wirkt inzwischen besser ausgepegelt. Eine Aufforderung liegt im Namen des nächsten Songs Call Out My Name, ein passender Abschluss für das offizielle Set, aber natürlich gibt es noch ein bis drei Zugaben. Eine in rotes Licht getauchte und benebelte Bühne bildet ein passendes Ambiente, als Archangel aus den Boxen dröhnt. Die Schweden geben noch mal ordentlich Gas. Als ich mich jedoch in der rot erleuchteten Halle umsehe, fällt auf, dass viele Besucher leider bereits die Halle verlassen.

Auch Amaranthe holen sich Charlotte und ihre Band auf die Bühne und feiern gemeinsam mit einem Abschlussfoto. Bevor der Abend mit That Song inklusive Anleihen aus Queens We Will Rock You und dem abschließenden Drop Dead Cynical dann tatsächlich pünktlich um 23 Uhr zu Ende geht. Es hat sich für uns definitiv gelohnt, den Weg nach Frankfurt auf uns zu nehmen. Ein Abend mit melodiöser Mystik durch Charlotte Wessels – The Obsession, audiovisuellem Overkill von Epica und powervollem schwedischen Modern Metal von Amaranthe hat uns gut auf die kommende Arbeitswoche vorbereitet. Jetzt aber schnell ins Auto: 100 Minuten Heimfahrt, morgen früh klingelt der Wecker.

Text: Oliver W.