„Einzigartiger Eskimo-Charakter“

Künstler: Eskimo Callboy

Supports: Bad Omens, Slaves

Kosten: 29,90 Euro zzgl. VVK Gebühr (ausverkauft)

Genre: Metalcore, Trancecore, Partycore

Besucher: ca. 1500

Veranstalter: Avocado Booking

Link: https://www.eskimocallboy.com/

Setlist Eskimo Callboy:

  1. The Scene
  2. My Own Summer
  3. We Are The Mess
  4. Shallows
  5. Back In The Bizz
  6. Party At The Horror House
  7. The Devil Within
  8. Banshee
  9. Muffin Purper-Gurk
  10. Pitch Blease
  11. Cinema
  12. Rooftop
  13. VIP
  14. New Age
  15. Is Anyone Up
  16. Calling
  17. Crystals
  18. Best Day
  19. MC Thunder

Es schien ein guter Vorbote zu sein: Kaum kam die große The Scene Tour von Eskimo Callboy näher, welche nach dem neuen Album benannt ist, sammelten sich die ausverkauften Termine, sodass sogar in München zwei statt nur dem einen geplanten stattfinden sollten. Während alle Ticketzögerer also am 12.10. das Backstage besuchten, fand am 13.10. der „eigentliche“ Termin statt.

Da der Einlass an diesem Abend bereits auf 18 Uhr gesetzt war, hat sich eine halbe Stunde vor dieser Zeit bereits eine ordentliche Schlange an Menschen gebildet, welche mit guter Laune dank auch schönem Wetter auf den Einlass warten. Auffällig viele bunte Haare sind zu sehen, aber so muss es auch sein, bei einem Eskimo Callboy Konzert. Der Einlass beginnt pünktlich und das Backstage in München ist eines der wenigen Venues, bei denen es auch fast nie zu ungewünschten Verzögerungen kommt. Wenig später steht man also bereits im Werk drin, wo sich die ersten beiden Reihen vor der Bühne bereits gefüllt haben. Eben diese steht bereits recht voll mit allerlei Equipment, während das große Banner der Vorband Bad Omens bereits den Hintergrund ziert. Diese soll aber nicht die erste Band des Abends sein.

Um Punkt 19 Uhr betritt dann auch mit Slaves der Opener des Abends die Bühne. Die Amerikaner, welche sich im Post-Hardcore bewegen, bringen nicht unbedingt eine einfache Geschichte mit sich: 2016 hatte Sänger Jonny Craig das Ende der Band aufgrund seiner Drogensucht angekündigt – ein Ende, zu welchem es nie kam und die Band machte weiter, auch wenn es zwischen den Mitgliedern wohl zu dieser Zeit zu heftigen Streitigkeiten kam. Aber dies alles liegt ja in der Vergangenheit und ist Schnee von gestern – oder auch nicht? Zumindest fällt während der Performance auf, dass die Band auf der Bühne unter sich ein wenig unkoordiniert wirkt. Dies liegt nicht nur an den technischen Problemen, mit denen sie zu kämpfen hat, was ja jedem Künstler mal passieren kann, sondern auch die ausgetauschten Gestiken und Blicke sprechen nicht unbedingt für eine eingespielte und harmonisierende Band – eine Tatsache, welche dem Zuschauer eigentlich gar nicht auffallen sollte, aber dennoch wirken Slaves da oben ein wenig angespannt. Sänger und Frontmann Jonny Craig liefert dennoch seine durchaus hohen Vocals ab, die recht überzeugend sind, auch wenn sie an der einen oder anderen Stelle teils schräg daher kommen. Auch die Bühnenbewegung stimmt, was man der Band bei dem geringen Platz dann doch noch zugutehalten kann. Als Opener für eine Band wie Eskimo Callboy, welche vor allem für ihre Party Stimmung bekannt und geliebt ist, scheinen Slaves doch aber insgesamt eine eigentlich seltsame Wahl, ist die Band doch eher gefühlvoll und eventuell für den einen oder anderen etwas lahm. Als Opener funktioniert die Band dennoch ganz gut, allerdings müssen die Jungs noch deutlich an ihrer Bühnenperformance feilen.

Die kurze Umbaupause ist geprägt von lauten „Eskimo…CALLBOY“ Rufen, welche nicht nur zeigen, wie viel Laune das Publikum hat, sondern auch, wie sehr man sich hier auf die Jungs der Gruppe freut. Doch bevor es so weit sein soll, haben sie noch eine Gruppe düsterer, geleckter Gestalten mit langen schwarzen Haaren mitgebracht – so zumindest werden sie später von Eskimo Callboy beschrieben. Die Rede ist von der amerikanischen Band Bad Omens, welche, zugegebenermaßen, genauso düster aussieht und auch musikalisch daher kommt, wie man bei solch einer Haarpracht vermuten könnte – lange, schwarze Haare sind halt doch schon irgendwie Metal, oder? Spaß beiseite, beweisen doch die Jungs, welche sich auf ihren ersten Konzerten durch Deutschland befinden, bereits beim ersten Ton oder auch Beat, was in ihnen steckt. Sofort werden heftige Riffs ausgepackt, die zum Moshen und Headbangen einladen, als ob es kein Morgen geben würde.

Sänger Noah versteht es, dem Publikum einzuheizen. Dabei bewegt er sich geschickt über die Bühne und es ist quasi das Kontrastprogramm zur Vorband Slaves. Was bei denen nämlich etwas unkoordiniert gewirkt hat und musikalisch fast zu romantisch, klappt bei Bad Omens auf beiden Ebenen besser: Der hier präsentierte Metalcore ist gepaart mit recht vielen, verschiedenen Einflüssen, die teilweise fast schon okkult oder auch gothig wirken. Aber nicht nur musikalisch überzeugen Bad Omens – gesanglich unterstützt wird Noah von allen Mitgliedern an den Gitarren bzw. am Bass, wodurch vor allem der Gesang angenehme zusätzliche Ebenen erhält, welche die Wirkung live vielseitig und fast schon einzigartig machen. Und für all die Menschen, die die Musik der Band immer so gerne mit Bring Me The Horizon vergleichen: Zugegeben, im Stil, so auch live, findet man durchaus Ähnlichkeiten. Doch welche Bands im Metalcore Genre haben dies nicht? Live sind es eben genau diese mehreren Gesangsebenen und musikalischen Einflüsse außerhalb des Metalcores, welche Bad Omens weitaus interessanter machen als die stets erwähnte BMTH Gruppe. Am Ende ist dieser Vergleich eigentlich auch egal, denn den Fans gefällt es sichtlich und so geht auch bereits hier ein guter Mosh Pit los, während dem Publikum teilweise sogar die eine oder andere Zeile bekannt ist. Bad Omens liefern ab und man darf gespannt sein, wie sich diese Gruppe in Zukunft noch entwickeln wird.

Eingeheizt durch diesen mehr als feinen Metalcore, ist nun die Vorfreude auf den erwarteten Headliner Eskimo Callboy mehr als groß und steigert sich für viele Anwesenden wohl ins Unermessliche, als auch noch der schwarze Vorhang zugezogen wird, um die Geschehnisse auf der Bühne auch ja geheim zu halten. Und so vertreibt man sich die Zeit mit den klassischen Rockhymnen, welche über die Anlage durch das Werk klingen oder auch mit lauten Rufen nach dem Headliner. Das Backstage Werk, welches an diesem Abend auch bereits im Vorfeld ausverkauft war, wirkt schon den ganzen Abend recht gefüllt, doch insbesondere jetzt kurz vor dem Headliner drücken sich fast alle irgendwie nach vorne. Und grad, als man einen AC/DC Song genießt, bricht dieser ab und das erwartete Rauschen der Anlagen auf der Bühne erstimmt, welches sofort im lauten Jubel untergeht.

Der Vorhang fällt (bzw. wird sanft zur Seite gezogen) und präsentiert ein großes, leuchtendes X, welches das aktuelle Album von Eskimo Callboy und natürlich auch jeglichen, momentanen Merchandise zeichnet. Und kaum werden die Buchstaben von The Scene auf der Bühne eingeleuchtet, fängt auch eben der Titeltrack an. Mit dem Worten „Everybody get the fuck up!“ betreten nicht nur Eskimo Callboy die Bühne, sondern das Publikum lässt jegliche Schwerkraft hinter sich und springt, als ob es kein Morgen gäbe. Das weiße Konfetti, welches da von der Bühne kommt, hilft natürlich ungemein. Eskimo Callboy verstehen es, zwischen Partyzeilen, welche vor allem durch ihren „Fuck It“ Charakter sowie die elektronischen Elemente glänzen, und echt coolen Metalcore Parts hin und her zu wechseln. Der Stil ist und bleibt einfach unverkennbar, auch wenn man natürlich sagen muss, dass mit dem letzten Album The Scene dann doch eine etwas ruhigere Note der Band erschienen ist. Keine, die einen Fan wohl sonderlich stört, dennoch aber auffallend viele Songs, die sich zumindest selbst ernstzunehmen scheinen.

Denn Eskimo hatten dies selbst bisher nie getan, die Musik wirklich ernst genommen. Doch irgendwie scheint sich dies nun verändert zu haben, denn sie präsentieren sich nicht nur gewohnt lustig und energiereich, sondern ihr komplettes Set scheint perfekt abgestimmt. Es enthält eine gesunde Mischung aus alten und neuen Songs, die sich gekonnt abwechseln. Dabei findet man vor allem in der zweiten Hälfte, die „ruhigeren“ Momente, bei denen das Publikum, welches sich eigentlich von Anfang bis Ende in einem einzigen Mosh Pit befindet, ein wenig entspannen kann. Ebenso das komplette Bühnensetting mit Lichtern, Videoeinblendungen und dem großen X natürlich wirkt einfach, wie es eine Headliner Tour auch ist – professionell und abgestimmt. Ebenso auffällig, wenn auch nur im kleinen Moment, ist, dass während der kompletten Show kein einziger Tropfen Alkohol auf der Bühne zu sich genommen wird – nicht, dass dies alles ist, was Eskimo tun, dennoch wundert man sich, ob das nicht früher etwas anders lief. Das Publikum hat jedenfalls sichtlich Freude, wobei auch die neuen Songs genau gebührend gefeiert werden, wie die Alten. Ebenso zeigt sich die Meute vor allem wieder als menschlich und hilfsbereit, da wahrlich niemand, der im Pit fällt, auch nur mehr als eine Sekunde auf dem Boden liegt, bevor er wieder hochgezogen wird. Es sind diese kleinen Details, welche herzerwärmend sind und die eine tolle Liveshow zu einem genialen Abend machen.

Die Band nimmt sich die Zeit zwischen den Songs ein wenig zu plaudern oder auch, extra natürlich für VIP, die Outfits zu wechseln. Interessant ist auch mit anzusehen, dass Kevin, welcher normalerweise stets mit Sushi vorne für die Vocals sorgt, nun öfter hinten am Synthesizer zu sehen ist. Ein Detail, welches ihrer Performance zwar nicht unbedingt etwas abtut, dennoch sind die besten Songs immer noch die, welche auch beide als Partyführer vorne hat. Hier zeigt sich wieder das etwas professionellere Setting der Band. Spätestens, als mit dem Song Calling der letzte des Abends angekündigt wird und dann auch noch die Seifenblasen ausgepackt werden, weiß man schon als Zuschauer: Die Zugabe kommt! Nichts gegen Calling als Song an sich, aber wohl eine der schwächsten Songs, die Eskimo vorzuweisen haben. Somit ist es auch nicht überraschend, dass die Bühne nur kurz verlassen wird, bevor es dann mit den wohl größten Klassikern Crystals und Best Day weitergeht. Der letzte Song des Abends ist allerdings ein Neuer, welchen die Fans auch schon bereits in den Pausen lautstark verlangt haben: Mit MC Thunder geht eine grandiose Party zu Ende, welche wohl jedem jegliche Energie gekostet hat.

Was bleibt da also noch groß zu sagen? Man kann nun Eskimo Callboy mögen oder auch nicht, dennoch stehen die Jungs inzwischen nicht mehr nur für Party Liveshows, welche einfach Spaß machen, sondern präsentieren sich musikalisch variierend auf der Bühne, wissen dabei all ihre Elemente einzusetzen und so zu verpacken, dass ein cooles Programm dabei herauskommt. Mit Slaves und Bad Omens im Support, welche musikalisch nicht nur von Eskimo selbst, sondern sich auch untereinander unterscheiden, zeigt sich der Abend als musikalisch vielseitig und unterhaltsam. Selbst Fans, die das neue Album von Eskimo Callboy eventuell nicht so mögen, dürfen also dennoch ganz unbesorgt die Live Shows besuchen: Sie sind, wie immer, ein Fest, machen Spaß und besitzen den einzigartigen Eskimo Charakter – gerne immer wieder!

 

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