Evil Invaders – Feed Me Violence

“Musikgewordener Wahnsinn“

Artist: Evil Invaders

Herkunft: Leopoldsburg, Belgien

Album: Feed Me Violence

Spiellänge: 35:50 Minuten

Genre: Speed Metal, Thrash Metal

Release: 29.09.2017

Label: Napalm Records

Link: http://www.evilinvaders.be

Bandmitglieder:
Vocals, Gitarre – Joe
Gitarre – Max
Bass – Joeri
Drums – Senne Jacobs

Tracklist:

  1. Mental Penitentiary
  2. As Life Slowly Fades
  3. Suspended Reanimation
  4. Broken Dream In Isolation
  5. Feed Me Violence
  6. Oblivion
  7. Shades Of Solitude
  8. Anger Within
  9. Among The Depths Of Sanity


Feed Me Violence ist nach dem Debüt Pulses Of Pleasure (2015) das zweite Album der belgischen Speed-Metal-Fraktion Evil Invaders. Ihr erstes Werk in Kombination mit den beiden EPs Evil Invaders (2013) und In For The Kill (2016) sorgte bereits für großes Aufsehen und dank ausgiebigen Touren im Vorprogramm von Größten wie Destruction oder Grand Magus steht die neuste Veröffentlichung im Fokus der Szene. Früh in ihrer Karriere haben Evil Invaders mehr zu beweisen als die meisten anderen Bands. Feed Me Violence gelingt es aber die Vorschusslorbeeren zu erfüllen und sogar noch einen drauf zu setzen.

Stilistisch knüpfen die Eindringlinge an ihrem älteren Material an: ein Thrash-Gerüst, das mit melodischen und virtuosen Lead-Gitarren ergänzt und von Sänger Joe’s kreischenden Vocals abgerundet wird. Diese Definition ist allerdings stark vereinfacht. Evil Invaders sind mittlerweile mehr als das. Neben deutlichen Einflüssen der Namensgeber Razor oder auch Iron Maiden hat die Band einen eigenen Stil entwickelt, der trotz einer gesunden Portion Experimentierfreudigkeit die Urform des Speed Metal symbolisiert: roh, schnell und wahnsinnig. Wahnsinnig ist natürlich kein musikalisches Attribut, nach dem Hören der Platte weiß der Hörer aber definitiv, was gemeint ist. Während die Texte von Wahnsinn und Geisteskrankheit sinnieren, spiegeln die wahnwitzigen Soli und der bereits erwähnte, irre Gesang die Inhalte präzise wieder. Auf Feed Me Violence ist lediglich die Stimmung ein wenig düsterer als auf den vorherigen Veröffentlichungen. Dabei verliert die Band allerdings nicht die Energie, die die Evil Invaders auszeichnet.

Zu den schnellen und unmittelbaren Songs wie Mental Penitentiary, Feed Me Violence oder Anger Within gesellen sich auch songwriting-technisch anspruchsvollere Tracks wie Broken Dreams In Isolation, Oblivion oder Among The Depths of Sanity. Hier wird zwar noch immer eine brachiale Geschwindigkeit an den Tag gelegt, es gesellen sich aber melodische, ausgedehnte und epische parts hinzu. Gerade Broken Dream In Isolation ist ein Paradebeispiel für einen Evil Invaders-Song. Zunächst baut die Band hier ein kleines Gimmick ein: die Lyrics des Songs lauten im Refrain ‘Suspended Reanimation Of Broken Dream In Isolation’ , wobei Suspended Reanimation der vorherige, allerdings rein instrumentale Song ist, der nahtlos in eine trabende, epische Melodie mit angeschlossener Strophe über geht, die an Songs wie Stairway To Insanity oder Master Of Illusion erinnert. Im letzten Drittel erfolgt dann ein Bruch und der Track geht zu den üblichen schnellen Soli und Riffs über, wobei Drummer Senne Jacobs wie während 90% des Albums die Füße kaum von der Double-Bass lassen kann. Ein großartiger und komplexer Song, der nur noch vom eingängigen Refrain von Anger Within getoppt wird. Die mehrstimmigen Vocals aus fast cleanen Parts und der üblichen krächzenden Stimme sind mittlerweile ja ein kleines Signature-Element der Belgier.

Das ausgereifte Songwriting spiegelt sich auch darin wieder, dass das Album, neben diversen instrumentalen und langsameren Intros, mit Suspended Reanimation und Shades Of Solitude zwei reine Instrumentals beinhaltet, die dank der Virtuosität der Bandmitglieder sehr aufregend und abwechslungsreich sind. Man hat das Gefühl, dass die Band noch einmal eine Spur kreativer geworden ist, was wohl unmittelbar mit den beiden Line-Up-Wechseln der Band nach dem ersten Album zusammenhängt. Hierzu als abschließender Beweis: das Outro des Albums bzw. des Songs Among The Depths Of Sanity, nachdem der Hörer sich fragen muss, warum die Platte nur 36 Minuten lang ist.

Mit Feed Me Violence beweisen die Evil Invaders ganz klar, dass sie auf dem richtigen Weg sind ein renommierter Name im Speed-Metal zu werden. Das Album ist komplex ohne die simple Direktheit zu verlieren, die das Genre ausmacht. Ebenso findet die Band ein gesundes Mittelmaß aus Weiterentwicklung und Festhalten am eigenen Stil, was die meisten Fans der Szene positiv stimmen dürfte, wird bei einer zu starken Entfernung vom alten Material doch gerne von Kommerzialisierung gesprochen. Davon sind die Evil Invaders zum Glück meilenweit entfernt.

Anspieltipps: Broken Dreams In Isolation, Among The Depths Of Sanity, Anger Within, Oblivion
Carsten B.
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