Maybeshewill – Fair Youth

“Nostalgie-DIY – Kasten“

Artist: Maybeshewill

Herkunft: Leicester, United Kingdom

Album: Fair Youth

Spiellänge: 43:22 Minuten

Genre: Post- Rock, Electronica, Ambient

Release: 25.08.2014

Label: Superball Music

Link: www.maybeshewill.net

Produktion: Jamie Ward

Bandmitglieder:

Gitarre – John Helps

Gitarre – Robin Southby

Bassgitarre – Jamie Ward

Keyboard – Matthew Daly

Schlagzeug – James Collins

Tracklist:

1. …

2. In Amber

3. You and Me and Everything in Between

4. Fair Youth

5. All Things Transient

6. Sanctuary

7. Asiatic

8. Waking Life

9. Permanence

10. In the Blind

11. Volga

Maybeshewill - Fair Youth

Bei dem Begriff „DIY“ denkt man vermutlich zuerst an Punk oder Folk, der irgendwo in der heimischen Garage oder der Gartenlaube mit nur einem völlig verranzten Mikrofon aufgenommen wurde. Seltener denkt man an Black Metal – obwohl auch bei diesem Genre der DIY-Gedanke für einen Teil der Szene sehr wichtig war – oder gar an Hip Hop, obwohl hier vermutlich bis heute viele Tapes und Alben die Bedingungen für den „Hausgemacht“- Stempel erfüllen würden. Aber scheinbar ist dieses Prädikat nicht in allen Genres so positiv besetzt, wie beispielsweise in der Punk-Szene. Und in wieder anderen Kreisen ist es vielleicht auch einfach nicht geläufig.

Die britische Post-Rock-Band Maybeshewill bezeichnet sich beispielsweise als Band, für die das DIY-Ethos schon immer zur Band-Idee gehörte. Dabei ist gerade das opulente Genre des Post-Rock eigentlich eher ein Kandidat für große Studios und große Technik. Doch hier muss wohl ein Umdenken erfolgen: Wie die fünf Briten mit ihrem vierten Album Fair Youth beweisen, muss „selbstgemacht“ nicht mehr „schlecht gemacht“ heißen. Die Gitarren klingen fett und ergeben wunderbare Klangflächen, die Drums knallen präzise und wohlklingend und sogar die echten Streicher, die Maybeshewill schon auf dem letzten Album eingebracht haben, klingen wieder ganz hervorragend. Nur hin und wieder (bspw. im Titelstück oder im Outro von Waking Life) hat sich die Band für käsig klingende Square-Synth-Sounds entschieden, die an die 8 Bit-Ästhetik von And So I Watch You From Afar erinnern – leider aber deren Witzig- und Spritzigkeit vermissen lassen.

Die Riffs und Melodiebögen, die die Band immer mit so scheinbarer Leichtigkeit konstruiert, fesseln den Zuhörer sofort wieder (und treiben das in diesem Genre häufig beschworene Kopfkino zu Höchstleistungen an). Führt man sich dazu das Cover Artwork sowie das passende Bandfoto dazu vor Augen, klingen die Stücke direkt ein wenig nostalgisch, wie der Titel es ja auch schon vermuten lässt. Von einer schönen Jugend, in der man im Moment lebt (mit der Energie und Ausdruckskraft eines Feuerwerkskörpers – aber auch mit dessen Kurzatmigkeit) kündet diese Musik. Von Momenten, die in Bernstein eingefangen werden sollten und von Orten, die eine heilige Ruhe in den hektischen Alltag bringen – all diese Geschichten erzählen Maybeshewill ganz ohne Worte. Aber wie diese Geschichten ausfallen muss wohl jeder Hörer für sich selbst entdecken – diese Unbestimmtheiten nimmt sich der Post-Rock seit jeher.

 

Fazit: Mit „Fair Youth“ bleiben Maybeshewill ihrem insgesamt hohen Niveau treu und liefern ein in sich (größtenteils) stimmiges und packendes Post-Rock-Album ab. Dass der starke Sound des Albums in Eigenregie entstanden ist, ist gerade deswegen umso beeindruckender. Der Gestus des Albums deutet insgesamt eher auf Sommermusik für lange Autofahrten hin als auf getragene Herbst- und Wintermusik. Also schnell noch mal die letzten warmen Tage des Jahres nutzen und mit großen Augen durch die Welt fahren.

Anspieltipps: In Amber, You and Me and Everything in Between, In the Blind
Sören R.
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