Mörk Gryning – Hinsides Vrede

Nach 15 Jahren Pause zurück zu den eigenen Wurzeln

Artist: Mörk Gryning

Herkunft: Stockholm, Schweden

Album: Hinsides Vrede

Spiellänge: 35:26 Minuten

Genre: Melodic Black Metal

Release: 23.10.2020

Label: Season Of Mist

Link: https://www.facebook.com/morkgryningband/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre, Schlagzeug und Keyboard – Peter “Draakh Kimera” Nagy
Bassgitarre, Gitarre, Backgroundgesang und Keyboard – Jonas “Goth Gorgon” Berndt
Gitarre – Mattias “Avathar” Eklund

Tracklist:

  1. The Depths Of Chinnereth
  2. Fältherren
  3. Existence In A Dream
  4. Infernal
  5. A Glimpse Of The Sky
  6. Hinsides
  7. The Night
  8. Sleeping In The Embers
  9. For Those Departed
  10. Without Crown
  11. Black Spirit
  12. On The Elysian Fields

Der ursprüngliche Black Metal hat seine Wurzeln unbestritten in Norwegen. Während traditionelle Anhänger schwarzer Raserei dort ihr Seelenheil finden, schauen sich Fans atmosphärischer und melodischer Klänge lieber in Schweden um. Genregrößen und Vorreiter wie Bathory, Dissection, Naglfar oder Dark Funeral sind in jeder gut sortierten Schwarzkittel-Sammlung zu finden. Das 1993 gegründete Black-Metal-Projekt Mörk Gryning (dt. dunkle Morgendämmerung) zählt hingegen eher zu den Geheimtipps der Szene, trotz von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeierten Alben wie Tusen År Har Gått oder Return Fire.

Mit ihrem vierten Output Pieces Of Primal Expressionism spalteten Mörk Gryning ihr Fanlager. Sie entfernten sich von ihren Wurzeln, experimentierten mit elektronischen Sounds und Instrumenten wie Violine und Posaune. Anfang 2005 verkündete Hauptsongschreiber Goth Gorgon das Ende von Mörk Gryning, weil er nach eigener Aussage nicht mehr das notwendige Interesse an der Musikrichtung aufbringen konnte. Im selben Jahr folgte posthum ein selbst betiteltes Album und besiegelte somit das vorzeitige Ende der Band.

2016 gab es ein überraschendes Lebenszeichen von Mörk Gryning – ein Auftritt auf dem Party.San Metal Open Air. Eigentlich als einmalige Sache geplant, folgte 2017 ein Gig im Stockholmer Kraken Club. Dort wurde, neben anderen Songs, das komplette Debütalbum zum Besten gegeben. Vier Songs der Show wurden auf der Live At Kraken EP veröffentlicht. Nach weiteren Liveshows im Jahr 2019 scheint die Band endgültig wieder Blut geleckt zu haben und verkündete vor wenigen Monaten folgende Neuigkeiten: „Wir sind stolz darauf, bekannt geben zu können, dass wir endlich ein neues Album fertig haben. Es hat lange gedauert, aber wir sind immer noch genauso hungrig. Es geht direkt zum Kern dessen, was wir sind; brutal und melodisch, dunkel und euphorisch. Bereite dich darauf vor, wieder einmal in unseren Sog zu geraten!“

Das Ergebnis nach 15-jähriger Studioabstinenz hört auf den Namen Hinsides Vrede (dt. jenseitiger Zorn). Eingespielt in der Besetzung ihres dritten Werkes Mælström Chaos und mit Season Of Mist als neuem Label im Rücken, greifen die Schweden wieder an. Das Intro The Depths Of Chinnereth leitet im Stil eines Horrorfilm-Soundtracks aus den Siebzigerjahren die nächste halbe Stunde ein. Mit Fältherren folgt eine Blaupause dessen, was Mörk Gryning auf den ersten drei Alben zu ihrem Sound gemacht haben. Zu den Blastbeats des Schlagzeugs keift Sänger Draakh Kimera unnachahmlich in schwedischer Sprache, umrahmt von eingängigen Gitarrenharmonien. Diese Trademarks haben schon dem Debütalbum der Band zum Klassikerstatus verholfen. In hohem Tempo geht es mit Existence In A Dream weiter. In diesem Fall allerdings mit englischen Lyrics und einem hymnischen Refrain, der im Ohr hängen bleibt. Noch eine Spur ruppiger startet Infernal, das aber dank genialem Gitarrenspiel noch eine andere Richtung einschlägt und sehr gefällige Melodien in den Gehirnwindungen hinterlässt.

Wie auch Fältherren und Infernal wurde A Glimpse Of The Sky vorab als Single veröffentlicht. Dieser Song ist laut Aussage der Band eine Hommage an Bathory. Episch anmutend und mit gedrosseltem Tempo verströmt er sogleich einige Vibes von Blood Fire DeathQuorthon wäre stolz. Hinsides leitet als akustisches Zwischenspiel zum nächsten Song über, ganz in der Tradition von Armageddon Has Come To Pass vom ersten Album der Schweden. Nach dieser kurzen Verschnaufpause wird in The Night weiter fröhlich drauflosgeknüppelt. Für Abwechslung sorgt der Mittelteil mit fast schon gesprochenen Gesangsparts und düsterem Chorgesang im Hintergrund. Eine ähnliche Atmosphäre versprüht die Midtempo-Nummer Sleeping In The Embers mit ihren überlagerten Gesangspassagen und melodischen Gitarrenriffs.

For Those Departed ist dann wieder ein Intermezzo, welches mit Pianoklängen den Bogen zum nächsten Song spannt. Without Crown rauscht mit seinen viereinhalb Minuten etwas belanglos aus den Boxen. Ganz im Gegenteil zu Black Spirit, das mit einer bedrohlichen Soundkulisse startet. Einen Teil des Gesangs übernimmt hier Goth Gorgon, der mich irgendwie an Immortals verlorenen Sohn Abbath erinnert. Zusätzlich wird die Band in diesem Song von Gastsängerin Laura Ute unterstützt. Während im Outro On The Elysian Fields die letzten Akkorde des Pianos erklingen, freue ich mich über das gelungene Comeback von Mörk Gryning.

Mörk Gryning – Hinsides Vrede
Fazit
Ein Kultalbum mit Undergroundstatus, diverse Soundexperimente und ein halb gares Abschiedsalbum hinterließen gemischte Gefühle bei den Fans von Mörk Gryning. Manchmal regiert eben das Chaos den Verlauf einer Bandgeschichte. Vielleicht ist es auch die Chance, gestärkt daraus hervorzugehen. Das haben Mörk Gryning mit Hinsides Vrede für meinen Geschmack sehr gut gemeistert. Die positiven Reaktionen in den sozialen Medien zu den bisher veröffentlichten Songs zeigen, dass die Schweden noch immer eine treue Anhängerschaft haben. Hervorzuheben ist auch die gelungene Produktion von Sverker Widgren in den Wing Studios, die den traditionellen Spirit mit genug Druck für modernen Sound verfeinert. Die Schweden schaffen es, schnörkellos und ohne Kitsch auf den Punkt zu kommen. Deshalb lege ich dieses Album jedem Fan des Melodic Black Metal ans Herz.

Anspieltipps: Fältherren, Infernal und Sleeping In The Embers
Florian W.
8.5
Leser Bewertung3 Bewertungen
8.9
8.5
Punkte
Weitere Beiträge
Urfaust – Teufelsgeist