Van Canto und Winterstorm am 12.04.2014 im Pitcher in Düsseldorf

”Viel exklusiver kann eine Veranstaltung nicht sein!”

Band: Van Canto

Vorbands: Winterstorm

Location: Pitcher, Oberbilker Allee 29, 40215 Düsseldorf

Homepage: http://www.pitcher29.com

Datum: 12.04.2014

Einlass: 18:00 Uhr / Konzertbeginn: Winterstorm 19:30 Uhr / Van Canto 20:30 Uhr

Kosten: VVK: 20,00 € zzgl. Gebühren; AK: Ausverkauft

Besucher: ca. 150 Besucher

Van Canto und Winterstorm am 12.04.2014 im Pitcher in Düsseldorf

Da die Veranstalter in Nordrhein-Westfalen wohl nicht wissen, dass in Düsseldorf auch ca. 600.000 Menschen wohnen (von denen auch einige Metal hören), haben wir uns damit abgefunden, dass wir in der Regel mindestens vierzig Kilometer weiter in den Süden fahren müssen, um in Köln eine Band live erleben zu können. Dass wir heute mal nach Düsseldorf fahren, ist für uns genauso etwas besonderes, wie dass es nicht ins Zakk! oder in die Mitsubishi Electric Hall geht, sondern in die viel kleinere Kultkneipe Pitcher, die im Stadtteil Friedrichstadt bereits seit acht Jahren die Türen für Rock- und Metal–Fans aller Art geöffnet hat.

Durch das nahgelegende Parkhaus, welches für achtzig Cent pro Stunde unserem Gefährt eine Bleibe bietet, hat sich die zuerst als grausam erdachte Parksituation zum Positiven gewendet. Als wir um ca. 18:30 Uhr vor Ort eintreffen, stehen schon einige Leute vor dem Pitcher, die hier aber nur ein kurzweiliges Raucherlager aufgebaut haben. Nach unproblematischem Einlass (da „Sold Out“ an der Tafel vor der Türe steht, ist davon auszugehen, dass man heute nur Tickets kontrollieren wird und keine Arbeit mehr in den Verkauf von Karten investieren muss), stehen wir kurz hinter dem Merchandisestand, der den hinteren Teil des Pitchers ausmacht, eigentlich schon vor der Bühne. Da die Location nur sehr begrenzt Platz bietet, ist auch klar, warum man am Einlass mit nur zwei Din-A4 Seiten auskam, um diesen zu kontrollieren.

Uns zieht es erstmal zur Theke, wo wir uns mit Getränken eindecken. Mit zwei Euro für eine Cola und 1,50 € für ein Bier (zzgl. Becherpfand) müssen wir gestehen, dass man Fairness hier wohl sehr groß schreibt.

Als sich einige Menschen durch die Menge drücken fällt mir auf, dass es sich um Alex Schirmer, den Sänger der Band Winterstorm handelt. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät, dass es auch Zeit ist, sich auf die Bühne zu konzentrieren, denn in wenigen Minuten sollen Winterstorm mit ihrer Show beginnen.
Die Beyreuther müssen selbst über die Größe der Bühne schmunzeln und so kündigen sie einfach an, dass sie eine Runde “Bandroulette” spielen werden, in der sie nach jedem Lied die Bandmitglieder tauschen werden, die in der ersten Reihe stehen werden.

Mit Songs wie Cathyron, The Stormsons und Windkeepers wissen die fünf Musiker das Publikum zu überzeugen. Auf jeden Fall macht man exakt das, was man von einer sehr guten Vorband verlangen würde, sie heizen das Publikum auf und wissen, wie man für gute Laune sorgt. Als das Publikum bei Winterhumppa anfängt zu schunkeln, ist das Eis auf jeden Fall gebrochen und so nimmt auch keiner der Band übel, dass sie selbst als Vorband mit Kings Will Fall und Metalavial eine Zugabe geben.

Als die fünf Beyreuther mit einer Laolawelle die Bühne durch einen im Publikum gebildeten Gang verlassen und Van Canto die Bühne betreten, wechseln die Fangesänge schlagartig in ein “Racka Tacka – Masafakka” (original Ton Pitcher, Düsseldorf). Hier wird wieder klar, wie klein das Pitcher doch ist, so fängt es bereits jetzt an vor der Bühne leicht von der Decke zu tropfen, denn spätestens jetzt ist das Lokal bis zum Eingang restlos gefüllt.

Puristisch wie der Auftritt von Winterstorm fällt auch der Umbau auf der Bühne aus. Es reicht also, zwei oder drei Handgriffe zu machen, um alles Van Conto-fest umzubauen.

Van Canto starten direkt mit dem epischen Intro ihres aktuellen Albums Dawn Of The Brave und bringen eine gekonnte Mischung aus alten und neuen Songs. So darf Badaboom ebenso wenig wie Fight For Your Life keinesfalls fehlen. Da man hier wohl auf einer exklusiven Show ist, welche extra für das Lokal gespielt wird, hat man in den Reihen von Van Canto heute sogar tourexklusiv ein Saiteninstrument mit auf der Bühne. In einer Akustikgitarren-Version bekommt das Publikum somit nicht nur eine Coverversion des Alice Cooper-Klassikers Bed Of Nails und Manowars Kings Of Metal geboten, sondern auch den ein oder anderen Van Canto-Song. Wir müssen für unseren Teil gestehen, dass a Capella sehr gut mit Gitarrenklängen harmonieren kann.

Weiter geht es ohne Saiteninstrumente und so wie man es von den Mundmusikanten (mit Schlagzeug) erwartet. Jetzt werden noch einige Bandevergreens in die Ohren geschossen. Da darf Nightwishs Wishmaster und Metallicas Master Of Puppets ebenso wenig fehlen wie das 2006 veröffentlichte Lied The Mission.

Auch wenn die Band sich gern für eine Zugabe zurückziehen wollen würde, würden die Gäste sie nicht durchlassen, denn erneut zeigt sich, dass man auch als Band in einem kleinen Klub improvisieren muss. So bleibt man einfach auf der Bühe und sagt dem Publikum, dass man nur nach Zugaberufen weitermachen würde und so kommt es dann natürlich auch. Nach gefühlten drei Mal “Racka Tacka – Masafakka” und fünfmaliger Zugabeaufforderung lassen sich die Metal-a-capella-Musikanten auf die geforderten Zurufe ein und spielen als Abschlussständchen die Songs If I Die In Battle und die Ohrwürmer Fear Of The Dark (Original Iron Maiden) und The Bard’s Song – In the Forest (Original Blind Guardian) – was dafür sorgt, dass nicht nur die Stimmung auf dem Höhepunkt ist, sondern auch, dass jeder (selbst die Mitarbeiter hinter der Theke) mitsingen.

Fazit: Was war das für ein gelungener Abend. Im Pitcher hat eigentlich alles gestimmt – der Sound war für die Größe des Lokals extrem gut, die Stimmung war Dank der Exklusivität der Veranstaltung wie ein Hexenkessel und die Performance der beiden Bands war ganz große Klasse. Einzige Nachteile an dem Abend waren diese, die man immer bei einem ausverkauften Klubkonzert bemängeln kann – es war extrem überfüllt, die Wege (selbst zu Toilette) waren schwer bis gar nicht passierbar und durch die Wärme im Pitcher waren unsere Nachbarn im Publikum zum Teil alles andere als frisch geduscht. Doch mal ehrlich, wir sind hier auf einer Veranstaltung, bei der das Wort “Metal” mit in der Genrebezeichnung steht, da kann man die paar Wehwehchen einfach mal als Geschmackssache bei Seite schieben. Die Stimmung war so, als hätten Winterstorm und Van Canto in meinem Wohnzimmer gespielt und wir hätten dazu unsere besten Freunde eingeladen – danke euch für den unvergesslichen Abend!

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