Versengold am 20.03.2026 im Deutschen Haus in Flensburg

An der dänischen Grenze eingenordet

Eventname: Eingenordet Tour 2026

Headliner: Versengold

Support: Kupfergold

Ort: Deutsches Haus, Flensburg, Schleswig-Holstein

Datum: 20.03.2026

Genre: Folk-Rock

Besucher: ca. 1400

Eintrittspreis: VVK 59,95 EUR Stehplatz, 69,95 EUR Sitzplatz

Setlisten:

  1. Der Tag Mag Kommen
  2. Klabauterfrau
  3. Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken
  4. Solange Jemand Geige Spielt
  5. Die Halbe Welt
  6. Falscher Leuchtturm
  7. The Devil Is A Barmaid
  8. Krug Voll Mondenschein
  9. Feuergeist
  10. Niemals Sang- Und Klanglos
  11. Verliebt In Eine Insel
  12. Erde
  13. Dans Op De Deel
  14. Hey Hanna
  15. Eingenordet
  16. Klopapier
  17. Thekenmädchen
  18. Haut Mir Kein‘ Stein
  19. Kobold Im Kopp
    Zugabe:
  20. Ich Und Ein Fass Voller Wein
  21. Butter Bei Die Fische

  1. Fasan Alarm
  2. Grüner Drache
  3. Und ’n Tripper
  4. Muschelbusen
  5. Der Klügere Kippt Nach
  6. Lichtermeer
  7. Koboldkeilerei

Kupfergold 2026 Flensburg; Foto: Norbert Czybulka

Versengold beweisen im Deutschen Haus Flensburg einmal mehr, warum sie sich in über zwei Jahrzehnten vom norddeutschen Geheimtipp zu einer festen Größe der deutschsprachigen Folk-Rock-Szene entwickelt haben. Die Bremer Band um Frontmann Malte Hoyer, die seit ihrer Gründung Anfang der 2000er kontinuierlich gewachsen ist, steht heute für eine einzigartige Mischung aus erzählerischem Songwriting, musikalischer Vielfalt und einer bemerkenswert nahbaren Bühnenpräsenz. Die aktuelle Tour knüpft dabei hörbar an ihre jüngere Erfolgsphase an, ohne die Wurzeln aus den Augen zu verlieren.

Den Abend eröffnet die Supportband Kupfergold, die sich in den letzten Jahren durch ihre Mischung aus Folk, Punk und augenzwinkernder Lyrik einen Namen erspielt hat. Vom ersten Ton an ist klar: Hier steht keine klassische Vorband auf der Bühne, sondern eine Formation, die das Publikum ernsthaft für sich gewinnen will. Woher der Bandname stammt, ist jedem sofort klar. Die Haarfarben von Sängerin Bonnie Banks und Gitarrist Eric Rhymes sprechen Bände.

Versengold 2026 Flensburg; Foto: Norbert Czybulka

Ihre Setlist, unter anderem mit Fasan Alarm, Grüner Drache, Lichtermeer und weiteren trinkfesten Hymnen, funktioniert wie ein Katalysator für die Stimmung im Saal. Kupfergold schaffen es mühelos, das Publikum aus der Reserve zu locken. Erste Mitsingversuche und ausgelassene Bewegung breiten sich schnell aus. Besonders beeindruckend ist dabei die Spielfreude der Band, die sich in spontanen Interaktionen und humorvollen Ansagen widerspiegelt. Musikalisch bewegt sich das Set zwischen tanzbarem Folk-Punk und klassischen Tavernensounds, wobei Geige und treibende Gitarren den Ton angeben.

Als Versengold schließlich die Bühne betreten, ist die Stimmung bereits auf Betriebstemperatur. Die Band nutzt diese Vorlage und steigt dynamisch in ihr Set ein. Die Setlist spiegelt die gesamte Bandgeschichte von frühen Fanlieblingen bis hin zu den neusten Songs des aktuellen Albums wider. Acht Songs des im Januar erschienenen Albums Eingenordet stehen auf dem Zettel.

Versengold 2026 Flensburg; Foto: Norbert Czybulka

Mit Titeln wie Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken, Klabauterfrau und Thekenmädchen zeigt sich schnell, wie stark die Verbindung zwischen Band und Publikum über die Jahre gewachsen ist. Kaum ein Refrain bleibt unbesungen, kaum ein Einsatz ohne kollektive Reaktion. Versengold beginnen mit zwei Songs des neuen Albums. Bei Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken verwandelt sich der Saal danach in einen einzigen Chor. Ein Moment, der exemplarisch für die besondere Live-Qualität von Versengold steht.

Dabei ist es vor allem die Mischung aus Humor, Melancholie und erzählerischer Tiefe, die die Songs der Band auszeichnet. Stücke wie Solange Jemand Geige spielt oder Verliebt In Eine Insel, das auf einer kleinen Bühne vor den Mischpulten gespielt wird, bringen eine ruhigere, fast intime Atmosphäre in den Abend. Hier zeigte sich die Stärke von Versengold. Feine Arrangements, gefühlvolle Melodien und Texte, die zwischen Fernweh, Nostalgie und leiser Gesellschaftskritik pendeln.

Versengold 2026 Flensburg; Foto: Norbert Czybulka

Die aktuelle Besetzung präsentiert sich dabei als perfekt eingespieltes Kollektiv. Neben Malte Hoyers charismatischem Gesang sind es vor allem die instrumentalen Nuancen, die den Abend prägen. Filigrane Geigen, treibendes Akkordeon, präzise Gitarrenarbeit und eine Rhythmussektion, die sowohl Druck als auch Dynamik liefert, bestimmen den Abend.

Seit ihren frühen Tagen haben sich Versengold stetig weiterentwickelt. Sie sind weg von reinen Mittelalter-Anleihen hin zu einem eigenständigen Folk-Rock-Sound, der sich jetzt auch im Mainstream behauptet, ohne an Charakter zu verlieren. Genau diese Entwicklung wird im Flensburger Konzert hörbar. Ältere Songs wirken gereift, die neuen Stücke fügen sich nahtlos in das Gesamtbild ein. Zwischen den Songs nimmt sich Hoyer immer wieder Zeit für Ansagen, Anekdoten und direkte Interaktion mit dem Publikum. Dass die Bandgeschichte hier im hohen „echten“ Norden zwischen Bordesholm und Schleswig, zwischen Leck und Flensburg begann, wusste wohl niemand.

Versengold 2026 Flensburg; Foto: Norbert Czybulka

Die Dramaturgie des Sets ist durchdacht. Da wird Krug Voll Mondschein an einem Lagerfeuer gespielt, bei Klopapier fliegt eine entsprechende Rolle durch die Menge. Eine Weltkugel geht auf die Reise über die Köpfe des Publikums und ständig heizen Feuersäulen die Bühne an. Auf energetische Phasen folgen ruhigere Passagen, bevor sich die Intensität zum Ende steigert. Das Finale gerät entsprechend euphorisch. Mitsingchöre, erhobene Hände und eine spürbare Verbundenheit zwischen Bühne und Saal prägen die letzten Minuten. Hier wird einfach ein Flightcase in die Mitte des Publikums geschoben und mit einem Strudel des Publikums weiter gefeiert. Auch die Zugaben werden vom Publikum lautstark eingefordert. Hier bleibt Geburtstagskind Eike Otten einfach im Publikum stehen.

Es ist ein Konzert, das gleichermaßen von Ausgelassenheit und emotionaler Tiefe lebt. Ein zweistündiger Balanceakt, den nur wenige Bands so überzeugend beherrschen. Versengold gelingt es, ihre eigene Geschichte, ihre musikalische Entwicklung und ihre enge Verbindung zum Publikum in einem einzigen Event zu bündeln. Was bleibt, ist das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft aus Musik, Geschichten und Momenten, die noch lange nachhallen, zu sein. Ein Konzert, das nicht nur unterhält, sondern berührt und genau deshalb im Gedächtnis vieler bleiben wird.