Chemicide – Violence Prevails

Dezente Thrash-Metal-Nostalgie aus Costa Rica

Artist: Chemicide

Herkunft: Costa Rica

Album: Violence Prevails

Spiellänge: 38:03 Minuten

Genre: Thrash Metal

Release: 28.02.2025

Label: Listenable Records

Link: https://www.facebook.com/chemicide/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Frankie
Gitarre – Sebastian
Bassgitarre – Kohke
Schlagzeug – Chalo

Tracklist:

1. Do As I Say, Not As I Do
2. Red Giant
3. Systemic Decay
4. Parasite
5. Violence Prevails
6. Prey Of Failure
7. Chokehold
8. Supremacy
9. That’s Right, We’re That Spic Band! (Los Crudos Cover)
10. 72 Seasons (CD-Bonustrack – Metallica Cover)
11 . Hear Nothing, Say Nothing (CD-Bonustrack – Discharge Cover)

Klaro ist es heutzutage überall möglich aufzunehmen, aber erst einmal die Möglichkeiten zu schaffen, ist, glaube ich, immer noch in einigen Ecken dieser Welt recht schwierig und so gibt es immer wieder Bands aus exotischen Ländern, die dann meistens ihren Idolen hinterhereifern. Dieses ist definitiv nicht negativ gemeint, ganz klar. Chemicide aus Costa Rica ist zum Beispiel so eine Combo. Natürlich gibt es auch dort eine Menge Anzahl von Bands, aber kaum jemand schafft es so richtig, sein Material weltweit anbieten zu können. Seit 2008 sind diese Burschen nun schon unterwegs (eigentlich seit 2006, damals aber noch unter dem Namen Conqueror) und vier Alben pflastern ihren Weg. Ein Deal mit Listenable Records macht es möglich, dass ihr fünftes Album weltweit zu ergattern ist.

Und natürlich machen die ersten Sekunden des Albums klar, dass man sich keinen Zentimeter von der eingeschlagenen Richtung entfernt. Von Anfang an huldigen sie dem Thrash Metal und dieses bleibt natürlich auch so, wie der Opener Do As I Say, Not As I Do eindrucksvoll unter Beweis stellt. Man startet zu Beginn ein wenig sinnig, im langsamen Tempo, dann steigert man sich ins Midtempo, fügt einige Crossover-Momente hinzu und nach neunzig Sekunden ist Schluss mit lustig und man holt die Thrash-Metal-Keule heraus. Ab ins Uptempo und schön draufdreschen. Klaro, das freut den Thrasher, hat man sich aber an der einen oder anderen Stelle schon einmal besser gehört. Schnell noch ein wildes Solo eingestreut, kleines Drum-Break und noch einmal Vollgas. Besonders das Drumming treibt und verlangt nach einem Headbanger. Gute-Laune-Song.

Langsam und druckvoll geht man bei Red Giant zu Werke. Hier ackert man das Midtempo ab und drückt und lässt die Haare kreisen. Der Sänger klingt schön aggressiv. Guter Shouter. Aber auch hier kommt irgendwie nicht so ganz das Feeling auf. Ist nicht schlecht, aber bei der Flut an Bands, die da draußen gerade den Thrash Metal abfeiern, muss noch einiges mehr kommen. Nach einem Break kommt dann ein Midtempopart, der schockt. Und dann holt man einen Slayer-Groove-Part heraus, der so was nach Slayer klingt, erhöht das Tempo, liefert ein Solo ab und gibt am Ende noch einmal richtig Gummi. Der zweite Teil des Songs hat alles noch einmal herausgezogen und führt dazu, dass die Stimmung des Reviewers durchaus steigt.

Systemic Decay kommt zu Beginn erst einmal mit einem ziemlich langen Intro, inklusive weiblicher Nachrichtensprecher, zumindest klingt es danach. Dann knallen die Gitarren vor und der Drummer ballert langsam rhythmisch dazu. Hier werden Parallelen zu Sepultura hörbar. So schleppt man sich erst einmal mit einem ziemlich eindringlichen Riff durch das Universum. Auch hier mag bei mir der Funke nicht so richtig überspringen. Wie gesagt, das ist alles gut gemacht, aber es fehlt mir ein wenig der Dreck. Aber sie besinnen sich immer eines Besseren und lassen noch einmal die Puppen tanzen. Nach dem Vorgeplänkel spielt die Gitarre vor und man knüppelt wild drauflos. Jo, das ist dann wieder ganz geil.

Dieses Stakkato-Gedresche mit sirenenhafter Gitarrenarbeit, wie man sie von Sepultura kennt, hat dann schon durchaus etwas Interessantes und klingt ganz anders. Das nennt man dann wohl Crossover. Hier werden halt Einflüsse der Helden hörbar und zu einem eigenen Song umgesetzt. So soll es ja auch sein. Dieses kann man hören beim Song Parasite. Am Ende ist mir der Song aber auch ein wenig zu verspielt.

Das klingt jetzt alles hier so negativ. So ist es aber nicht gemeint. Die Burschen gehen schon ihren eigenen Weg und werden nicht umsonst in den Vorjahren von den Medien als Slaypultura bezeichnet. Da ist schon etwas dran. Der Titelsong Violence Prevails ist der beste Beweis dafür und dieser knallt auch wirklich richtig. Eine geile thrashige Granate. Hier geht man schön straight forward, liefert ein kleines Solo zur Beruhigung und verschleppt das Tempo. Man hört ein Violence Prevails durch den Raum fliegen. Dann kommt ein Break und schöne Grüße gehen raus an Slayer. Fettes Riff, aber schon nah dran. Aber sie verharren dann halt nicht da, sondern holen noch einmal den Anfangspart heraus und knüppeln weiter. Bis zum Ende hält man die aggressive Fahne in den Wind. Davon noch acht Songs und es wäre ein Megaalbum.

Zum Ende hin finde ich eh, dass sie sich steigern können. Besonders der Song Chokehold macht absolut Laune. Fette, thrashige Nummer, die nur nach vorne geht. So muss das!

Warum man dann noch drei Coversongs (Los Crodos, Metallica und Discharge) zocken muss, ist mir nicht ersichtlich, aber das muss ja auch jeder selber wissen. Die Cover sind alle gelungen, fühlen sich aber wie zeitliche Füller an.

Chemicide – Violence Prevails
Fazit
Album Nummer fünf zeigt die Band Chemicide wieder von ihrer typischen Seite. Scherzhaft wird die Band aus Costa Rica auch Slaypultura genannt und dieses nicht ohne Grund. Der old schoolige Thrash Metal von Slayer wird dann teilweise mit neueren Sepultura-Elemente kombiniert, ohne dabei aber wie ein billiger Abklatsch zu klingen. Hier und da ein paar Crossover-Momente und viele eigene Ideen. Der erste Teil des Albums fliegt irgendwie an mir vorbei, der zweite Teil knallt dafür umso mehr. Thrasher sollten das Teil unbedingt anchecken.

Anspieltipps: Violence Prevails und Chokehold
Michael E.
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