Eventname: Heinzelmännchen Hoflärm Festival
Bands: Sarkh, Mother Bear, Kardeathian, Mephistofes, Castle Rat, Kylesa, Void And The Nothingness, The Hebredian Sheep, Suck, Meatbodies, Blues Pills, Kadavar, Draugveil, Scott Hepple And The Sun Band, Mannequin Death Squad, Dopelord, Teen Mortgage, Conan, Elder
Ort: Obersalterberger Hof 1, 57577 Marienthal
Datum: 13.08. – 15.08.2026
Kosten: 145 Euro (3-Tages-Ticket)
Genre: Stoner Rock, Hard Rock, Heavy Rock, Heavy Metal, Retro Rock, Proto Metal, Doom Metal, Psychedelic Rock, Post Rock, Thrash Metal
Veranstalter: Heinzelmännchen Hofcafé
Link: https://www.facebook.com/events
In diesem Jahr feiert das Veranstalterteam rund um Caspar und Rainer bereits die achte Ausgabe – und das Festival hat sich längst einen exzellenten Ruf über die Grenzen Deutschlands hinaus erarbeitet. Sowohl Bands als auch Besucher*innen aus dem In- und Ausland schätzen die besondere Atmosphäre im Westerwald. Auch 2026 sind wieder zahlreiche hochkarätige Acts am Start – national wie international – und die Gästeliste wird von Jahr zu Jahr vielfältiger: Musikbegeisterte reisen aus ganz Europa, teils sogar von Übersee an, um dieses besondere Festivalerlebnis mitzuerleben.

Seit dem ersten Hoflärm Festival vor acht Jahren sind Heike und ich jedes Jahr für Time For Metal dabei – und natürlich freuen wir uns auch in diesem Jahr wieder auf das Event. Man kennt sich, trifft viele Freunde und Bekannte – fast schon wie eine große Familie. Auch unsere Berliner Lieblingsmenschen sind, wie die letzten Jahre, wieder vor Ort!
Sarkh – starker Auftakt in den Festivaltag
Pünktlich kommen wir an und schon geht es mit den Freunden von Sarkh los! Meine erste Begegnung mit Sarkh liegt mittlerweile sechs Jahre zurück. 2020 durfte ich das Trio erstmals bei Pizza.Beer&Music im Heinzelmännchen Hofcafé erleben, wo heute das kultige Höflärm Festival stattfindet. Damals war es für mich Liebe beim ersten Hören – der instrumentale Mix aus Post-Rock und Post-Metal hatte mich sofort gepackt. Seitdem konnte ich Sarkh mehrfach live erleben, unter anderem beim Freak Valley Festival, dem Mahlstrom Festival oder auch schon beim Hoflärm Festival.

Heute eröffnen Sarkh das Festival. Die Kombination aus schweren Gitarren, atmosphärischen Passagen und langen Spannungsbögen funktioniert live hervorragend. Ohne Gesang steht hier allein die Musik im Mittelpunkt, die das Publikum schnell und früh am ersten Festivaltag in ihren Bann zieht.
Personell hat sich seit meinem ersten Kontakt etwas verändert. Ralph Brachtendorf hat an der Gitarre schon lange Johannes Schaffer abgelöst und versteht sich musikalisch super mit Falko Schneider (Bass) und Johannes Dose (Schlagzeug). Diese Entwicklung steht Sarkh ausgesprochen gut, das Trio wirkt noch homogener und routinierter.
Mit Heretical Bastard hat die Band im letzten Jahr den Nachfolger des Debüts Kaskade herausgebracht. Die neuen Songs stehen hier heute im Mittelpunkt und diese zeigen, dass Sarkh ihren Weg konsequent weitergehen. Klasse Auftritt der Band!
Mother Bear – schwerer Doom trifft auf Zamonien
Nach dem starken Auftakt von Sarkh übernehmen Mother Bear die Bühne und schlagen musikalisch eine schwerere Richtung ein. Das Trio verbindet klassischen Stoner Doom mit einer ganz eigenen lyrischen Welt und entführt das Publikum dabei tief nach Zamonien, dem fantastischen Universum des Schriftstellers Walter Moers.

Im Mittelpunkt steht dabei die Vertonung der eigenwilligen Geschichten und Figuren aus Moers’ Romanwelt. Besonders spannend ist die Verbindung mit dem schweren Sound der Band. Tonnenschwere Riffs, jede Menge Fuzz, schleppende Rhythmen und psychedelische Elemente sorgen für eine düstere und zugleich hypnotische Atmosphäre. Musikalisch lassen sich dabei durchaus Parallelen zu den Stoner-Größen erkennen, Mother Bear entwickeln daraus aber ihren ganz eigenen Charakter.
Live funktioniert dieses Konzept ausgesprochen gut. Die Songs wirken bewusst entschleunigt und erzeugen eine dichte, beinahe entrückte Stimmung. Sänger Jonas fügt sich mit seinem genretypischen Gesang perfekt in das Klangbild ein.
Kardeathian – Uwe-Rufe schallen über den Westerwald
Kardeathian sind nun dran. Die Dortmunder Proberaum-Nachbarn von Daily Thompson lassen ihre Musik für sich sprechen und verzichten dabei vollständig auf Gesang. Stattdessen gibt es eine massive Wand aus tief gestimmten Gitarren, wuchtigen Grooves und doomiger Schwere, die sich unaufhaltsam durch das Publikum schiebt.
Instrumental, brachial und kompromisslos – Kardeathian brauchen keine großen Worte, um Wirkung zu erzielen. Die langen, schweren Passagen entwickeln live eine enorme Intensität und nehmen die Zuhörer mit auf eine Reise zwischen erdrückender Schwere und regelrechter Ekstase.

Für einen ganz besonderen Moment sorgt dabei Gitarrist Uwe, vielen auch als Ewu Lowrider bekannt. Für ihn und seine Band ist dieser Auftritt fast schon ein Heimspiel. Jahrelang war Uwe hier als Gast oder Helfer unterwegs, nun steht er endlich selbst auf dieser Bühne. Das Publikum weiß diesen besonderen Moment zu würdigen: „Uwe, Uwe, Uwe!“ schallt es über die Höhen des Westerwaldes.
Mephistofeles – legen das Hoflärm in Doom-Asche
Jetzt wird es teuflisch: Mephistofeles aus Argentinien übernehmen die Bühne und verwandeln das Hoflärm innerhalb kürzester Zeit in ein loderndes Doom-Inferno. Gabriel Ravera an Gitarre und Gesang, Ismael Dimenza am Bass und für die Effekte sowie Luca Frizza am Schlagzeug lassen dabei vom ersten Ton an keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht.
Tief gestimmte Gitarren, wuchtiger Bass, zähe Grooves und ein Schlagzeugspiel, das stoisch den Takt vorgibt, erschaffen eine gewaltige Soundwand. Musikalisch steht das Trio klar in der Tradition von Black Sabbath, Sleep und Electric Wizard, wirkt dabei aber noch eine Spur roher und unmittelbarer. Raveras kratziger, beschwörender Gesang passt perfekt zu den finsteren Riffs und den Texten über Dunkelheit, Versuchung und Rausch.

Die Songs wabern wie dichter Rauch über das Gelände und entwickeln eine hypnotische Wirkung. Das Publikum lässt sich bereitwillig in diesen Doom-Sog ziehen, während sich eine Mischung aus Trance, Schwere und unheilvollem Groove breitmacht. Genau diese Intensität macht Mephistofeles live so wirkungsvoll.
Für mich ist der Auftritt zudem ein kleines Wiedersehen. Bereits beim letztjährigen Heavy Psych Sounds Fest in Dresden durfte ich die Argentinier kennenlernen, und so ergibt sich nach dem Gig noch die Gelegenheit für einen längeren Austausch mit den Jungs.
Castle Rat – Fantasie, Doom und der ganz normale Wahnsinn
Was nun folgt, ist für mich bereits ein bekanntes Vergnügen: Castle Rat darf ich heute zum dritten Mal live erleben. Nach einem Auftritt in Bochum und dem Gastspiel im vergangenen Oktober im Kölner Club Volta, wo Daevar, die Band von Veranstalter Caspar, supportete, steht nun endlich der Gig an, der ursprünglich bereits 2024 hätte hier stattfinden sollen.
Und natürlich sind Castle Rat auf dem Hoflärm genau richtig. Die Mischung aus Fantasy, Gothic Metal und Doom ist alles andere als gewöhnlich, und auch heute bekommt das Publikum genau den erwarteten Wahnsinn serviert.
Im Mittelpunkt steht natürlich The Rat Queen, die mit dröhnender Gitarre, rauem Gesang und jeder Menge Sexappeal die Bühne vom ersten Moment an dominiert. Hinter der Figur steckt Riley Maureen Pinkerton McCurry, Tochter von Gitarrist und Songwriter John McCurry, der unter anderem mit Alice Cooper und Julian Lennon gearbeitet hat.

Doch The Rat Queen ist nicht allein. The Plague Doctor am Bass, The Druid am Schlagzeug und The Count an der Gitarre komplettieren das düstere Ensemble. Masken, Make-up, Kostüme und jede Menge Theatralik lassen den Auftritt wie eine Mischung aus Fantasy-Welt, Comic und Metal-Konzert wirken.
Dabei darf man aber nicht vergessen, dass hinter all der Show hervorragende Musiker stecken. Castle Rat verbinden ihre Inszenierung mit schweren Doom-Riffs, eingängigen Melodien und einer gehörigen Portion Gothic-Atmosphäre. Das Publikum lässt sich erwartungsgemäß schnell auf dieses bizarre Abenteuer ein und erlebt eine schöne schräge, theatralische und musikalisch überzeugende Doom-Fantasy-Show, die man gesehen haben muss, um sie wirklich zu verstehen. Schön, dass der ursprünglich für 2024 geplante Auftritt nun endlich nachgeholt werden konnte.
Kylesa – lange Umbauarbeiten / Soundcheck und ein verpasster Gig
Nun steht mit Kylesa noch der Headliner des Abends an, auf den ich mich persönlich besonders gefreut habe. Leider ziehen sich die Umbauarbeiten deutlich länger hin als erwartet. Da ich heute aus persönlichen Gründen pünktlich zu Hause sein muss, werde ich den Auftritt von Kylesa daher leider nicht mehr miterleben können.
Fazit zum ersten Festivaltag
Der erste Festivaltag beim Höflärm hat einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, warum dieses kleine, aber feine Festival einen festen Platz in der Szene verdient hat. Von den atmosphärischen Klängen von Sarkh über die schweren Doom-Walzen von Mother Bear und Kardeathian, das Doom-Inferno von Mephistofeles bis hin zum theatralischen Wahnsinn von Castle Rat hat heute musikalisch für reichlich Abwechslung gesorgt. Trotzdem zog sich ein roter Faden durch den Tag: schwere Riffs, düstere Atmosphäre und jede Menge Leidenschaft.
Weitere Bildergalerien:
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Castle Rat

























