Baltic Open Air 2017 – Das Wikingerland trumpft auf

“Das Wikingerland trumpft auf!“

Eventname: Baltic Open Air 2017

Band(s): Frei.Wild, In Extremo, Doro, Battle Beast, Gotthard, Unantasbar, Saltatio Mortis, Megaherz, Guildo Horn& Die Orthopädischen Strümpfe, Dartagnan, Leaves Eyes, Dorfrocker, Elbrebellen, Bad Jokers, Goitzsche Front, Grey Attack, Forgotten North, Haggefugg, Riding A Dead Horse, Uptoyou, Stromabnehmer Schultze, Hard Draft, Big Harry, One (Metallica Tribute), B.S.U.R., Kompliment

Ort: Wikingerland Haddeby (Selk bei Schleswig), Deutschland

Datum: 24.08 -26.08.2017

Kosten: 93,99 € VK, Kombiticket inkl. Camping, Freitag und Samstag, 56,99 € VK, Tagesticket jeweils Freitag und Samstag, Donnerstagsanreise nur Camping 15,00 € VK, VIP-Upgrade Ticket 113,90 € nur in Verbindung mit Festivalticket

Genre: Rock, Metal, Neue Deutsche Härte, Punk Rock, Mittelalter Rock, Schlager

Besucher: ca. 20.000 Besucher pro Tag

Veranstalter: Baltic Eventmanagement GmbH

Link: www.baltic-open-air.de

Zum siebten Mal ruft das Baltic Open Air an die Schlei Metropole. Im Gegensatz zu den sechs vorhergehenden Veranstaltungen hat sich das Management entschieden, die Location von der ehemaligen Kaserne Auf der Freiheit in die Nähe der Autobahn 7 in das sogenannte Wikingerland zu verlegen. Dies ist zum einen der wachsenden Zuschauerzahl und den besseren Unterbringungsmöglichkeiten der campenden Gäste geschuldet, zum anderen allerdings auch den Bebauungsplänen des alten Geländes. Auch diesmal gibt es drei Bühnen, die ihre vorherigen Bezeichnungen behalten haben. Die Viking Stage, zu der es Zutritt ohne Festivalbändchen gibt, da sie außerhalb des Infields liegt, sowie die beiden Hauptbühnen, Main– und Sea Stage im Innenfeld. Die beiden Hauptbühnen sind gewachsen und im Gegensatz zum alten Gelände üppiger ausgestattet. So hat die PA ordentlich zugelegt und auch der Pressegraben hat gewonnen. Der Soundcheck wurde traditionell mit Udo Jürgens Schlager Griechischer Wein getestet und das klang richtig super. Natürlich gibt es auch eine bunte Palette an gastronomischen Ständen und somit muss keiner hungern oder dursten. Alle Richtungen sind vertreten und so ist Fleisch, Süßes oder auch vegetarisches Essen möglich. Dass das Flensburger Bier ausgeschenkt wird, sieht man deutlich aber auch Cocktails, Jägermeister oder eine Jack Daniels-Bar laden zum Genuss ein. Vor dem Infield ist noch ein Riesenrad aufgebaut, welches gerade abends einen tollen Blick über das Gelände erlaubt.

Auf vier Campingplätzen rund um das Festivalgelände verteilen sich die zahlreichen Campingäste. Schön ist die Nähe zum Veranstaltungsort, kurze Wege heißt die Devise. Mangelhaft an diese Stelle: Die zu knapp berechneten Duschkabinen und die kostenpflichtigen WCs, die zudem zum Teil sehr selten gereinigt werden und auch keine Seife oder Desinfektionsmittel bereithalten. Bereits am Donnerstag wird über die lokalen Radiosender über den Stau zum Gelände berichtet. Mit so vielen Donnerstagsanreisen – zusätzliche 15 € Campingabgabe pro Person – hatte wohl keiner gerechnet und der einzige Zufahrtsweg ist lange Zeit eine Wartepiste. Das tut der guten Vorfestival Stimmung aber keinen Abbruch. Auch die Verteilung auf die eigentlichen Campgrounds entpuppt sich als etwas holprig. Aber das relativiert sich zum späteren Zeitpunkt. Dafür ist an den beiden folgenden Tagen der Zufahrtsweg frei. Auf dem eigentlichen Festivalgelände angekommen, erfolgt die erste Kontrolle. Dabei geht es hauptsächlich um Dosen oder Flaschen. Das klappt nur bedingt, denn auf dem Zugang vom Campinggelände ist dies als ad absurdum geführt. Da kontrolliert keiner richtig. Erst später wird der zweite Zugang mit Abgrenzungen aufgebaut, der dies verhindern soll. Bei der Menge an Dosen oder auch Flaschen, die aber dennoch den Weg auf das Gelände gefunden haben, später auch im Infield, sind die Einlasskontrollen ggf. etwas lax. Dafür verläuft die Bandausgabe reibungslos. Somit haben wir unsere Zutrittsberechtigung bereits heute, die Pressebändchen werden erst am Folgetag verteilt. Da aber der Zugang zum Infield eh erst ab Freitagnachmittag möglich ist, ist dies nur eine Zeitersparnis. Gut auch, das ich mein Eventshirt bereits gleich nach Ankunft geholt habe, denn bereits zur späteren Stunde sind die Shirts in L ausverkauft. Es gibt auch nur eine Sorte, Girlieshirts oder Tops mit dem Billing sind nicht vorgesehen. Das könnte verbessert werden. Dafür ist der Preis mehr als human. Der Vorplatz ist zunächst noch recht überschaubar, da sich die Masse erst einmal häuslich einrichtet. Zeltaufbau, grillen und chillen stehen im Vordergrund. Das Wetter spielt mit und die Sonne scheint fett vom Himmel. Der Wind ist etwas frisch, aber so ist das an der Küste. Nun aber zur Musik.

 

Donnerstag 24.08. Vorfeld /Viking Stage

One @ Viking Stage

Auf der Viking Bühne geben sich zunächst einmal One die Ehre. Wie der Name es vermuten lässt, haben sie sich dem covern von Metallica verschrieben. Die wenigen vor der Bühne nehmen das gut auf und die Stimmung ist klasse. Der Auftritt darf verlängert werden, da für die folgenden Bands genügend Zeit verplant wurde. Es wird ein Potpourri an Klassikern gespielt, und so dürften die Gettorfer, das ist ca. 40 km von hier entfernt, ein paar neue Fans gefunden haben. Nach einer

Stromabnehmer Schulze @ Viking Stage

kurzen Umbaupause treten Stromabnehmer Schultze auf. Ihr „Fischrock aus Eckernförde“ ist in der Region bekannt und hat eine ganze Schar von Fans. Auch hier ist der Auftritt großzügig geplant und so dürfen sie ihre teils sehr rockigen Songs mit deutschen Texten intonieren. In der Zwischenzeit reisen Big Harry & Band an. Durch die leichten Überziehungen der vorhergegangenen Gruppen fängt ihr Auftritt etwas später an. Auch hier ist die deutsche Sprache in den Songtexten Pflicht und der Auftritt wird schon gut abgefeiert.

Big Harry @ Viking Stage

Rock Songs wechseln sich mit freundlichen Worten im typischen schleswig-holsteinischen Slang von Big Harry ab, der nicht müde wird auch Teile seiner Familie zu erwähnen, die an Schlüsselpositionen der Begleitband stehen. Seine Tochter übernimmt Gesangsparts, welche aber nicht immer den richtigen Ton treffen. Der Auftritt kann trotzdem als erfolgreich gewertet werden. Zu später Stunde dann noch die Lokalmatadoren B.S.U.R., die ebenfalls ein gutes Programm abliefern. Eigene Songs, auch wieder mit deutschen Texten, wechseln sich mit originell gespielten Cover Versionen von Judas Priest, Iron Maiden oder auch Saxon und Manowar ab, also der gute alte NWOBHM. Doppel Gitarre und markanter Gesang lassen den Auftritt der fünf Schleswiger zu einem echten Heimspiel werden. Auch sie dürften neue Freunde gefunden haben.

 

Freitag 25.08. Viking Stage

Bevor es auf der Hauptbühne losgeht, sorgen zunächst Lagerband 13, Backdraft und Riding A Dead Horse auf der Viking Stage für gute Laune und Einstimmung. Natürlich warten alle gespannt darauf, dass das Infield geöffnet wird, um zu sehen, wie der Veranstalter die Location aufgebaut hat. Die Plätze sind zumindest bei den Bayern Backdraft mit der Sängerin Marina Schweiger gut gefüllt und dem gewillten Zuhörer wird ein bunter Mix aus Rock und Pop Coverversionen geboten. Lagerband 13 hatten es davor noch etwas schwerer. Der vorige Abend steckt vielen morgens um elf noch in den Knochen und der Platz ist nur mäßig gefüllt. Riding A Dead Horse beschließen dann die heutigen Performances auf der Viking Stage. Sie spielen einen rockigen Country Style, der für gute Laune sorgt.

 

Infield

Das Infield vom Riesenrad aus gesehen

Dann ist es so weit. Das Infield öffnet seine Tore und die ersten Gäste betreten das großzügig angelegte Gelände. Links und rechts gibt es Speis und Trank sowie diverse Ausstattungs-Stände und einen Merchandising-Stand, der je nach auftretenden Bands die notwendigen Shirts oder CDs bereithält. Nur Frei.Wild sticht da etwas hervor, haben die doch einen eigenen Truck mitgebracht, der bereits seit gestern vor dem Infield für Fans geöffnet ist. Links neben der Main Stage ist das VIP Zelt aufgebaut, in das auch die Presse Zutritt hat. Davor befindet sich ein Behindertenbereich. Wir haben heute Mittag unsere Pressebändchen erhalten und können uns somit auch dort frei bewegen. Das ist recht angenehm, denn im Zelt sind so ziemlich die einzigen Sitzplätze vorhanden. Das ist bei einem Tagesaufenthalt mit schwerer Kameraausrüstung schon nicht so übel.

 

Sea Stage 15:30

Grey Attack @ Sea Stage

Pünktlich um 15:30 beginnen Grey Attack auf der Sea Stage ihren Auftritt. Die schwierige Aufgabe des Openers meistern die vier Aachener ganz bravourös, aber die Anzahl der vor der Bühne stehenden ist überschaubar. Es ist warm und zunächst lockt auch das eine oder andere Kaltgetränk. Trotzdem lassen sich die Musiker nicht abschrecken und legen ein ordentliches Programm vor. Der von einem Industrial Flair geprägte Rock wartet mit fetten Beats und guten Gitarren Riffs auf.

 

 

 

Main Stage 16:30

Megaherz @ Main Stage

Weiter geht es mit Megaherz auf der Main Stage. Die aus München stammende Band um Sänger Alexander „Lex“ Wohnhaas wurde schon früh der neuen deutschen Härte zugeordnet. 1993 gegründet, können sie aus einem Fundus aus 9 regulären CDs schöpfen und präsentieren hier eine gute Mischung aus alt und neu. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann oder Miststück kommen beim jetzt wesentlich zahlreicher vertretenen Publikum gut an. Leider ist nach knapp 45 Minuten Schicht im Schacht, damit nebenan die Goitsche Front auftreten kann.

 

 

Sea Stage 17:30

Goitsche Front @ Sea Stage

Die Deutschrocker aus Bitterfeld begannen ihre Karriere mit eigenen Liedern, die zunächst auch noch von Punkeinflüssen lebten. Heute, nach der dritten Platte, sind diese aber merklich verschwunden und so wird ehrlicher Rock gespielt. Hart aber herzlich geht es zur Sache und das Auftreten gehört einfach zum guten Rockerhandwerk. Textlich breit aufgestellt, wird in dem Song Schweinepriester der politische Extremismus angeprangert, während in In der Osten rockt oder Männer aus Stahl mit den Ostklischees gespielt wird. Der Auftritt ist gelungen und nach dem Die Prinzen-Cover Alles nur geklaut ist Schluss.

 

Main Stage 18:30

Battle Beast @ Main Stage

Nun wird es internationaler. Battle Beast geben sich die Ehre. Die sechs Finnen um Sängerin Noora Louhimo zelebrieren ihren Heavy Metal angelehnt an die achtziger Jahre Bands W.A.S.P. oder Manowar. Inhaltlich wird sich häufig an der Figur „Beserk“, bekannt aus diversen Mangas oder Animes, angelehnt. Hier und heute tragen aber die neuen Stücke der letzten Scheibe Bringer Of Pain zum guten Gelingen bei. Energiegeladen geht es über die Main Stage. Das tut richtig gut und man merkt der Truppe die Lust hier zu spielen an. Straight To Your Heart, direkt ins Herz des gewillten Zuhörers, so ist diese Musik und das geht das gesamte Set so weiter. Sie verbreiten eine tolle, positive Stimmung. King For A Day und Beyond The Burning Skies lassen den Fan der etwas härterer Gangart erfreut die Mähne schütteln. Fette Riffs und ein mächtiges Schlagzeug lassen den Boden erzittern. Somit dürfte die erst seit 2008 existierende Band zu den Gewinnern zählen.

 

 

Sea Stage 19:30

Nun treten Up To You auf. Die aus einem kleinen Ort in der Nähe von Schleswig stammende Band spielt melodischen Metal mit deutschen Texten. Der Power Metal trifft auf durch Battle Beast gut genährten Boden und die authentischen Texte machen den Rest. Dass diese Truppe passend für dieses Event ist, hat sie bereits 2014 und 2015 bewiesen und auch dieses Mal wird ein guter, leider nur 35 Minuten dauernder, solider Auftritt absolviert.

Main Stage 20:15

Saltatio Mortis @ Main Stage

Auf diesem Fest darf das Mittelalter nicht zu kurz kommen und so sind Saltatio Mortis, liebevoll Samo genannt, an der Reihe. Da hier eine der bekanntesten Bands dieses Genres auftritt, wird der Zeitrahmen aufgebohrt und somit stehen ihnen 75 Minuten zur Verfügung. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde ist die Licht- und Feuershow passend und gibt dem ganzen Auftritt ein besonderes Flair. Angepasst an den Auftritt in Wacken dieses Jahr, werden Songs wie Früher War Alles Besser, Des Bänkers Neue Kleider oder Rattenfänger präsentiert. Das jetzt doch sehr volle Festivalgelände – gerade vor der Bühne drängeln sich Zigtausend – singt an vielen Stellen textsicher mit und die Truppe dankt es ihnen. Spielmannsschwur und weitere Highlights animieren die Besucher auch zum Tanz und somit darf hier wieder ein klasse Auftritt der Mittelalter Rockband aus Mannheim erlebt werden. Alea Der Bescheidene hat die Menge gut im Griff und animiert alle immer wieder, sich zu beteiligen. So machen Auftritte Spaß und das merkt man den Spielmannsleuten an, die hier zu Höchstform auflaufen. Das ist ein Garant für ein gutes Festivalgelingen.

 

Sea Stage 21:30 und 23:30

Nach diesem bombastischen Auftritt wird auf der Sea Stage ein DJ eingesetzt, da hier heute keine weiteren Bands auftreten werden. Nur auf der Main Stage geben sich noch In Extremo und zum Tagesabschluss Gotthard die Ehre.

 

Main Stage 22:00 und 00:15

In Extremo @ Main Stage

Nach einer halben Stunde Umbau stehen In Extremo dann auf der Bühne. Requiem und Feuertaufe eröffnen das zwei-Stunden-Set. Viele aktuelle Stücke der letzten CD Quid Pro Quo haben den Weg auf die Set-Liste gefunden. Natürlich dürfen auch die Merseburger Zaubersprüche und Rasend Herz nicht fehlen. Untermalt werden die Stücke durch eine tolle Flammenshow, die sich auf der großen Bühne gut angehen lässt. Michael Robert Rhein, auch Das letzte Einhorn genannt, fordert die Zuschauer auf, die Refrains mitzusingen und damit sind schon einige Gänsehautmomente garantiert. Textsicher werden Passagen von Küss Mich oder Sternhagelvoll mitgesungen. Nach den Zugaben Spielmannsfluch und Pikse Palve ist die Performance zu Ende und ist bestimmt eines der Highlights heute, welches sich auch an den Tausenden von Zuschauern bemerkbar gemacht hat. Ein toller Festivalabend, der schöne Lieder, tolle, friedvolle Menschen und gut aufgelegte Musiker bereitgehalten hat. Da ja auch das Wetter mitgespielt hat, ist der Tag perfekt.

Den Tagesabschluss liefern die Eidgenossen Gotthard. Das schon merklich geleerte Infield erlebt noch mal einen ordentlichen Auftritt. Die Hard Rocker aus der Schweiz sind hauptsächlich in ihrem Heimatland bekannt geworden, blicken aber auch schon auf eine 25-jährige Laufbahn zurück. Ihr letztes Album Silver, erschienen im Januar, hat in der Schweiz wieder eine Top Position in den Charts erreicht und so werden auch hier daraus Songs präsentiert. Silver River und Electrified eröffnen den bunten Reigen. Nic Maeder entpuppt sich als Entertainer und unterhält das Publikum mit kleinen Anekdoten zu den Tracks. Weitere Songs, unter anderem Heaven oder Miss Me und Angel, runden das Gesamtbild ab und das Publikum wird in die Nacht entlassen.

 

Samstag 26.08.2017 Viking Stage

 

Auf der kleinen Bühne dürfen sich heute noch mal Stromabnehmer Schultze aus Eckernförde präsentieren. Auf der Viking Stage fangen die Auftritte bereits um zehn an und so haben sie die Aufgabe übernommen, die noch müden Gäste anzuheizen. Das gelingt ihnen ganz gut. Im Anschluss spielen Kompliment aus Schleswig. Der kultige, sportliche Deutschrock mit humorvollen Texten, so die Jungs über sich selbst, macht müde Männer und Frauen munter. Da es wieder ein schöner sonniger Tag wird, kann nach dem Kaffee bereits zum Mittag das erste oder zweite Flens dafür gesorgt haben, dass die Stimmung gut ist. Regenjacke und Gummistiefel werden nicht gebraucht. Deutlich ist auch der Anteil an Frei.Wild Fans zu merken. Diese Shirts überwiegen und es sollen noch deutlich mehr werden. Aber auch die letzte Truppe des Tages hier auf der Viking Stage, will ich nicht vorenthalten. Es ist Forgotten North, die ich schon im vergangenen Jahr bei der Eröffnung der Wacken Brauerei gesehen hatte. Diese im Wikingeroutfit auftretende Truppe spielt auf vielen Festivals oder auch regelmäßig beim MPS. Somit haben sie einen hohen Bekanntheitsgrad und werden entsprechend gefeiert. Der Wikingerrock passt wie die Faust aufs Auge beim Baltic Open Air. Stilecht und rau kommt ihre Musik daher.

 

Sea Stage 14:00

Haggefugg @ Sea Stage

Im Infield ist die erste Band des Tages Haggefugg. Die Kölner Jungs präsentieren einen Mittelalter Party Rock, der bei einigen schon ganz gut ankommt. Allerdings bleibt der große Erfolg aus, denn die meisten sitzen vor den Bühnen und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Die Musik erfreut die wenigen, wohl Hard Core Fans, direkt vor der Bühne. Der Funke springt da noch nicht wirklich über. Deshalb schnell rüber zur Main Stage, auf der sich Leaves Eyes beim Soundcheck warm machen.

 

 

Main Stage 15:00

 

Leaves Eyes @ Main Stage

Der Female Fronted Symphonic Metal erinnert stellenweise doch sehr an Within Temptation oder Sirenia. Aber das ist halt so, wenn eine Gruppe in einem Genre gefangen ist. Leaves Eyes machen das nicht schlecht, aber zunächst hatten sie mit Soundproblemen zu kämpfen. So war der männliche Part zu leise und kam dementsprechend nicht gut rüber. Das gab sich aber im Laufe des Sets. Trotzdem fehlte es hier an einer kräftigeren männlichen Stimme. Auch der Einmarsch der Wikinger zu Beginn des Auftritts machte den Kohl nicht fett. Ich habe mir mehr erhofft und auch Elina Siirala konnte nicht vollends überzeugen. So bleiben Fire In The North, Edge Of Steel oder Blazing Waters nette Songs aber mehr auch nicht. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mit der Stimme von Liv Kristine besser zurechtkam.

 

Sea Stage 16:00

Dorfrocker @ Sea Stage

Die nun hier performenden Dorfrocker haben es auch nicht leicht. Immerhin haben sie mehr Zuschauer als die davor spielenden Haggefugg. Die Party Band aus dem unterfränkischen Kirchaich enthält volkstümliche Elemente sowie Anleihen aus dem Schlager oder auch Rock-Bereich. Die drei Brüder Thoman treten hier mit der Begleitband auf und versuchen für gute Stimmung zu sorgen. Das klappt auch nur bedingt, denn es ist zu warm und möglicherweise fehlt noch der gewissen Promillegrad, der dann auch zum Mitsingen animiert. Bestimmt haben sie ihr Publikum, aber für hier ist es nicht die richtige Truppe.

 

Main Stage 16:45

Guildo Horn @ Main Stage

Eine Steigerung ist erkennbar. Nun dürfen Guildo Horn und die orthopädischen Strümpfe auftreten. Was soll ich sagen, ich dachte, es wird noch schlimmer. Aber mitnichten. Eine Überraschung, mit der keiner, oder zumindest wenige, gerechnet haben. Der selbst ernannte Meister des guten Geschmacks rockt das Publikum. Sein Auftritt hat alles, was es braucht, um für eine super Laune zu sorgen. Die orthopädischen Strümpfe, seine Begleitband, liefert eine starke Leistung und zeigt ihre künstlerischen Fähigkeiten immer wieder aufs Neue auf. Guildo tobt und wütet auf der Bühne, als wenn es kein Morgen gibt, und fängt auch noch an sich zu entkleiden. Er spielt gekonnt auf den Kuhglocken und macht vor keinem Schlager halt. So werden reichlich Kollegen der Zunft parodiert, wobei die Texte doch ab und an mal verändert werden. Seine Ansagen sorgen für Lacher und das Publikum feiert den Auftritt. Da es der erste Auftritt beim Baltic Open Air ist, findet er auch nur Worte des Lobes. Da sich seine Brustwarzen gen Himmel recken, war es ein voller Erfolg. Der kommt wieder.

 

Sea Stage 18:00

D’Artagnan @ Sea Stage

Was Santiano auf den Meeren ist, ist D‘Artagnan zu Lande. Der Musketier Rock beinhaltet Volksmusikelemente und Schlagerrhythmen, die aber doch eine große Anhängerschar anziehen. So sind doch viele textsichere Fans vor der kleineren Bühne und geben den drei Hauptakteuren und der vierköpfigen Begleitband einen guten Rückhalt. Die Nürnberger haben erst eine CD am Start und daraus werden die heutigen Songs gespielt. Im September erscheint dann das neueste Werk und die eine oder andere Kostprobe gibt es schon heute daraus. Ansonsten merkt man deutlich, dass die Masse des Publikums sich auf den Frei.Wild Auftritt vorbereitet, denn vor der Main Stage wird es immer voller. Das mag auch an Unantasbar und Doro liegen, die beide noch davor dran sind. Aber eher wird schon jetzt der Platz gehalten, um möglichst dicht beim Set der Headliner zu sein. Immerhin sind hier mindestens 10.000, die den Auftritt der teils umstrittenen Österreicher sehen wollen.

 

Main Stage 18:45

Unantastbar @ Main Stage

Unantastbar gelten als Partnerband von Frei.Wild, kommen ebenfalls aus Südtirol und haben sich lange einen Proberaum geteilt. Ihr Frontmann Joggl Bergmeister hat mit Phillip Burger schon bei den Kaiserjägern, der rechtsextremen Vorgängerband von Frei.Wild, gespielt. Musikalisch liegen die Bands weit voneinander entfernt, textlich nicht. Unantastbar spielen meist rauen Oi!Punk. Auf dem Baltic spielen sie Für Immer zusammen mit Sänger Pascal „Bocki“ Bock von der Goitschen Front. Beim Goitschen Festival vor 14 Tagen kam es bereits schon einmal zu diesem Gastauftritt.

 

Sea Stage 20:00

Sorry Bad Jokers! Während eures Gigs zog ich es vor, einmal mein Auto aufzusuchen und die Fototechnik aufzufrischen. Fairerhalber deshalb kein Statement…

Main Stage 20:30

Doro @ Main Stage

Eine perfekte Bühnenbeleuchtung, ein fulminant routinierter Auftritt beim Ritt durch die eigene Musikgeschichte liefert das Energiebündel Doro Pesch ab. 2018 feiert die Old-School-Metal-Queen auf dem Wacken Open Air ein paar Kilometer von hier entfernt, ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum. Bei East Meets West oder dem Warlock-Klassiker Metal Racer, der Wacken-Hymne We Are The Metalheads oder dem Judas Priest-Cover Breaking The Law geht jeweils ein Ruck durch die Menge. Drummer Johnny Dee wirkt nicht ausgelastet, bringt ein minutenlanges Solo bis zur Zugabe. Mit All We Are, Burn It Up und Herzblut schließt sich ein gefühlt viel zu kurzer Trip durch die History.

 

Sea Stage 22:00

 

Alt wie ein Baum von den Puhdys? Sorry Rock DJ, da hast Du deutlich in den falschen Koffer gegriffen… Das war ein Rock-Festival und keine Kirmesdisco!

 

Main Stage 22:30

 

Frei.Wild @ Main Stage

Was sich bereits durch Tausende Frei.Wild T-Shirts andeutete: Viele der Festivalbesucher nahmen die Reise hierher nur wegen dieses Auftritts in Kauf. Die umstrittene Band aus der Grauzone des Deutschrock wird mächtig abgefeiert. Diesmal fackeln sie auch nicht die Bühne ab, wie bei ihrem letzten Besuch des Baltic Open Air´s 2015. Diesmal geht mit der Pyroshow alles glatt. Über das Lichter- und Händemeer hallen im Einklang die Refrains der simplen und zum Mitsingen prädestinierten Nummern von Verdammte Welt, LUAA Rock´n Opposition oder Wir Brechen Eure Seelen. Eine Live-Premiere gibt es mit Macht Euch Endlich Alle Platt. Dieser Song ist während des G20-Wochenendes entstanden und soll als ein Statement gegen die ausufernde Gewalt verstanden werden.

 

Sea Stage 00:00

Die Elbrebellen aus Lüneburg beschließen das Festival als letzte Band. Umgehend nach Frei.Wild leert sich das Infield deutlich. Dabei lohnt sich das Set der sympathischen Jungs. Mit ihrem „Premium Rebel Rock“ sind sie irgendwo zwischen Deutschrock, Ska und Punk zu Hause. Dies bekommen leider nur noch wenige Versprengte mit.

Fazit.

Über das Riesenrad gab es geteilte Meinungen.

Gelungene Premiere des Baltic Open Air an neuer Stelle. Die Intension des Veranstalters Daniel Spinler mit seinem Team das Festival zu verlegen ist nachvollziehbar und auch der neue Ort ist gut gewählt. Mehr Fläche für Camping und ein größeres Infield werden den wachsenden Zuschauerzahlen gerecht. Das Musikangebot war vielfältig und vielleicht kann auch noch der eine oder andere bekannte Act geworben werden. Es gibt bestimmt viele weitere Bands, die hier gern auftreten würden, es muss ja nicht bei jedem zweiten Festival Frei.Wild oder Doro sein. Das Sicherheitskonzept geht auf, und die Ordner waren durchweg freundlich und hilfsbereit. Auch an der Organisation ist generell nichts auszusetzen, aber an der einen oder anderen Stelle wäre vielleicht etwas mehr Manpower gut. Fällt z.B. wie geschehen, ein Bühnenbetreuer aus, dann ist es mit dem Ersatz schwierig. Das Preis-Leistungsverhältnis ist gut, es wird schon einiges geboten. Die Implementierung und Vergrößerung des Mittelaltermarktes ist passend, und dass es separater liegt, kam sehr gut an.

Kritikpunkte darf es aber auch geben. So ist zum einen die Anreise zu überdenken, denn der einzige Zufahrtsweg zu den vier Campingplätzen war am Hauptanreisetag überfüllt. Vielleicht sollte über einen zweiten, alternativen Weg nachgedacht werden, der nur am Donnerstag genutzt werden kann (z.B. wird der einzige vorgesehene Abfahrtsweg geöffnet). Es war nicht so ganz klar, wo der Shuttle Bus fährt, vielleicht mal über ein Wegweiser System nachdenken. Auch die Frequenz des Shuttles sollte eventuell noch mal überdacht werden, allerdings habe ich keine verlässlichen Auskünfte über die Frequentierung des Dienstes. Eventuell kann hier auch eine Fahrkarte für alle Tage erworben werden. Die WC-Situation hatte ich oben bereits erwähnt. Geld zu nehmen ist o.k., aber dann sollte auch entsprechend ein Gegenwert da sein. Nicht nur die Benutzung, sondern auch die damit zusammenhängende Reinigung und Bereitstellung von Seife und Toilettenpapier gehört meiner Meinung nach dazu. Duschen wird auf einem Festival natürlich überbewertet. Aber wenn, dann sollten ausreichend Boxen da sein. Das war dieses Mal für die Menge der Besucher zu knapp. Etwas bessere Beleuchtung wäre auch an der einen oder anderen Stelle gut, es ist doch sehr dunkel und uneben. Beispiel: Zuwegung zu den Campgrounds oder der hintere Bereich des Tagesparkplatzes. Ferner sollte man für die doch überraschend vielen Rollstuhlfahrer eine eigene Plattform zur Verfügung stellen. Der abgesperrte Bereich vor dem VIP-Zelt war sehr klein, viel zu weit weg und viel zu tief. Etwas Sicht gab es nur auf die Main-Stage, die Sea-Stage war nicht einzusehen. Viele Zuschauer monierten zudem, dass es für beide Bühnen je ein Mischpult gab. Durch eine Zusammenlegung würde mehr freie Sicht entstehen.

Alles in allem ein friedliches und schönes Festival. Wir freuen uns, wie viele andere auch, auf das nächste Jahr.
Für Time for Metal waren vor Ort: Maren Jansen, Kay Ledderer und Norbert Czybulka.

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