Lunatic Soul – Through Shaded Woods

Schlicht und ergreifend - ein Meisterwerk

Artist: Lunatic Soul

Herkunft: Polen

Album: Through Shaded Woods

Spiellänge: 39:40 Minuten (Standardedition), 75:37 Minuten (inklusive Bonustracks)

Genre: Dark Folk

Release: 13.11.2020

Label: KScope

Link: https://www.facebook.com/lunaticsoulband

Bandmitglieder:

alle Instrumente und Gesang – Mariusz Duda

Tracklist:

  1. Navvie
  2. The Passage
  3. Through Shaded Woods
  4. Oblivion
  5. Summoning Dance
  6. The Fountain
    Bonus Tracks auf Disc 2 der Limited Edition CD Format:
  7. Vyraj
  8. Hylophobia
  9. Transition II

Wer den Sänger und Multi-Instrumentalisten Mariusz Duda bislang nur mit seiner Band Riverside kennt, hat definitiv was verpasst. Seit 2008 geht Mariusz nämlich mit seinem Soloprojekt Lunatic Soul auf anderen musikalischen Pfaden, die sich mit Riverside eher nicht verbinden lassen. Bislang sind von Lunatic Soul sechs Alben erschienen, in denen die unterschiedlichsten musikalischen Visionen umgesetzt sind. Die beiden letzten Alben Fractured und Under The Fragmented Sky waren dabei wohl die mit den größten elektronischen Anteilen. Die wurden für Through Shaded Woods fast komplett zurückgefahren und durch Einflüsse des Dark Folk, wie sie von Bands wie Wardruna, Heilung oder Danheim zelebriert werden, ersetzt. Herausgekommen ist ein Album, das am 13.11. über KScope veröffentlicht wurde und in der Standardedition auf knapp 40 Minuten Spielzeit kommt. Erfreulicherweise lag mir zum Review aber die Special Edition vor, die mit drei Bonustracks ausgestattet ist. Die allein kommen noch einmal auf ungefähr 36 Minuten.

Während sich die letzten beiden Alben noch um Schicksalsschläge und deren Bewältigung drehten, soll Through Shaded Woods nach vorne blicken und eine positive Stimmung vermitteln. Das wird gleich mit dem ersten Track Navvie deutlich. Er war die zweite Auskopplung aus dem Album, und zu Navvie wurde auch ein tolles Video veröffentlicht. Ein schöner Uptempo-Song mit der auf diesem Album omnipräsenten Bassgitarre und dem wunderbaren Gesang von Mariusz. Als erster Appetizer wurde Track zwei, The Passage, veröffentlicht. Knapp neun Minuten lang ist er, und den Basslauf werde ich wahrscheinlich nie wieder aus dem Hirn kriegen. Zweigeteilt kommt er im Grunde daher, die ersten knapp fünf Minuten noch sehr entspannt und konzentriert auf Gesang und Bass, bevor es dann in der zweiten – instrumentalen – Hälfte lebhaft wird. Der Teil könnte der Soundtrack zu einem schamanischen Ritual werden oder zumindest zu einem wilden Tanz ums Lagerfeuer.

Hatte ich in der Einleitung noch geschrieben, dass die elektronischen Anteile auf Through Shaded Woods fast komplett zurückgefahren wurden, bildet der Titeltrack eine kleine Ausnahme. Fast ein wenig nach Medieval Folk klingt es mit dem vielstimmigen Gesang zu Beginn, bevor der zerhackte Gesang von Mariusz zu hören ist. Als Schlagzeug- und Percussion-Fan macht mein Herz bei Oblivion dann einen richtigen Hüpfer. Die Trommeln geben den Rhythmus für diesen Beschwörungstanz vor, der von einer schönen akustischen Gitarre begleitet wird. Über den wunderbaren Gesang von Mariusz muss ich wohl nichts mehr schreiben.

The Summoning Dance ist in den Strophen sehr reduziert – nur Gesang, begleitet von akustischer Gitarre. Der Chorus mit seinem schönen Klavierspiel erscheint dann fast wie ein fröhlich vor sich hin plätscherndes Bächlein. In der Mitte des Songs könnte man ein ganz klein wenig an Mike Oldfield und sein Album Ommadawn aus dem Jahr 1975 denken, bevor Mariusz sich dann ein wenig austobt und mit Keyboardklängen wie zu besten EBM-Zeiten aufwartet. Die Überleitung zur zweiten Hälfte des Songs ist wohl gewählt  – dann den Folk-Elementen noch so etwas wie einen Dance Vibe zu verpassen, entlockt mir ein breites Grinsen. Dass Mariusz dann auch noch einen Sprechgesang in bester Yello-Manier präsentiert, ist noch das i-Tüpfelchen.

Der letzte Track auf der Standardedition, The Fountain, wurde als dritte Single bereits vorab veröffentlicht. Der Kontrast zu The Summoning Dance könnte nicht viel größer sein, denn The Fountain ist ein sehr ruhiger Song. Und da passen dann auch Textpassagen wie „So good-bye, we part our ways, it’s the point of no return my love“. Mit einem wunderbaren Klavierspiel, das noch einmal das Bassspiel aus The Passage aufnimmt, geht dann die Standardedition zu Ende.

Die Bonustracks lasse ich hier mal außen vor, aber ich kann jedem wirklich ans Herz legen, die Limited Edition zu kaufen. Allein der dritte Bonustrack Transition II, der allein auf knapp 28 (!!) Minuten kommt, ist es wert.

Lunatic Soul – Through Shaded Woods
Fazit
Ich finde es sehr bemerkenswert, wie breit aufgestellt Mariusz Duda musikalisch ist. Das einzig Vertraute auf den verschiedenen Alben von Lunatic Soul ist tatsächlich dieser wunderbare Gesang. Man muss nicht alle Alben lieben, und nach dem Meisterwerk Fractured war ich von Under The Fragmented Sky dann doch ein wenig enttäuscht. Aber mit diesem krassen Stilwechsel hin zu einer Richtung, die ich von den oben bereits genannten Bands Wardruna, Danheim oder Heilung liebe, ist so kurz vor Jahresende dann doch noch ein Album erschienen, das in meinen Top 5 des Jahres 2020 einen festen Platz hat. Und nicht vergessen: unbedingt die Limited Edition kaufen!

Anspieltipps: Navvie, The Passage und Oblivion
Heike L.
10
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Punkte
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