Ende Dezember – die News, die wir von unseren Partnern bekommen, sind derzeit sehr überschaubar, da die meisten im Weihnachtsurlaub sind, und auch die Arbeit bei den Korrekturen hält sich in Grenzen, denn auch meine TFM-Kollegen verbringen die Zeit eher mit der Familie als vor dem Rechner. Zudem habe ich ein paar Tage frei.
Zeit also, die Gedanken schweifen zu lassen, den einen oder anderen Gedanken zu “Papier” zu bringen und euch daran teilhaben zu lassen.
Wie ich zu TFM gekommen bin
Bei Time For Metal bin ich irgenwie so reingeschlittert 😀
Meine bessere Hälfte, Kay L., war damals relativ frisch bei TFM und immer recht aufgeregt, wenn er einen Artikel geschrieben hatte. Leider dauerte es ziemlich lange, bis diese Artikel online erschienen. Da ich zu dem Zeitpunkt bei meinem eigentlichen Arbeitgeber auch die E-Mails meiner Kollegen gegengelesen habe, die an Kunden verschickt werden sollten (also die E-Mails, nicht die Kollegen), habe ich angeboten, seine Texte vorab zu kontrollieren. Gesagt, getan, er hat mir seine Texte geschickt, ich habe sie korrigiert und die TFM-Kolleginnen, die damals das Lektorat gemacht haben, mussten nur noch nach der Formatierung etc. gucken. (Ich habe das übrigens nie studiert oder eine entsprechende Ausbildung gemacht, ich bin nur jemand, der sich bei der deutschen Grammatik und der deutschen Rechtschreibung einigermaßen auskennt und auch weiß, wie man ein Rechtschreibprogramm benutzt.)
Der Nächste, der mir seine Texte geschickt hat, war Norbert C., was dann wiederum Chefredakteur René W. auffiel, der auch auf den Zug aufsprang. Das muss so im Frühjahr 2017 gewesen sein.
Im Sommer 2017 waren wir dann auf dem Rockharz, bei dem wir René und seine Frau Franzi das erste Mal “in echt” getroffen haben, und das Schicksal nahm seinen Lauf 😀
Dazu muss man wissen, dass weit mehr als die Hälfte aller TFM-Kolleginnen und Kollegen über René zum Magazin gekommen sind. Unterhalte dich mit ihm und du bist früher oder später Teil der Time-For-Metal-Familie 😂
Nun gut, ich bin im September 2017 Mitglied bei TFM geworden, habe anfangs nur ein paar Korrekturen gemacht, kurze Zeit später habe ich einen Teil der News übernommen (inzwischen über 10.000 Newsartikel veröffentlicht), bin mittlerweile Teil des Vorstands (Schriftführerin) und habe die Leitung des Lektorats & des News-Teams.
Ein bisschen trockene Technik
Aber es soll hier ja nicht um mich, sondern in erster Linie um das Lektorat gehen.
Kurz zum technischen Ablauf: Meine Kolleginnen und Kollegen erstellen einen Artikel. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Review handelt, ein Eventbericht, eine Kolumne, ein Interview, eine News oder was auch immer. Wir arbeiten dabei über unsere Seite time-for-metal.eu im WordPress-Bereich. Die Berichte werden erstellt, gespeichert und in die Überprüfung “geschoben”. Dabei kann ich schon vorher sehen, wer an welchem Artikel arbeitet und weiß, was demnächst auf mich zukommt 😉
Wenn dann der Artikel bei “mir” in der Überprüfung ist, korrigiere ich natürlich sowohl Rechtschreibung als auch Grammatik und Zeichensetzung, aber auch die Formatierung. Wenn ihr unsere Artikel schon mal gelesen habt, ist euch bestimmt aufgefallen, dass wir bestimmte Vorgaben haben, was unsere Texte betrifft. So schreiben wir zum einen alle Namen fett. Sei es ein Bandname, ein Songtitel, der Name einer Location usw. Andere Magazine setzen die Namen in Anführungsstriche (norddeutsch: Tüddelchen), wiederum andere schreiben sie komplett in Großbuchstaben, wir schreiben sie eben in Fett, um sie hervorzuheben. Zudem werden die Anfangsbuchstaben in den Wörtern der Namen großgeschrieben. Zitate schreiben wir kursiv, Konzert- und Festivalberichte im Präsens.
Da das gerne mal vergessen oder übersehen wird, ist dies ein wesentlicher Bestandteil der Korrektur. Dann muss überprüft werden, ob das Beitragsbild eingefügt wurde, ob alle Häkchen, die geklickt werden müssen, an der richtigen Stelle sitzen, ob die Bilder richtig beschriftet sind und vieles mehr. Das hört sich unglaublich kompliziert an, ist es aber nicht, nur zeitraubend. Allerdings ist das alles bei den meisten meiner Kollegen, nach einer gewissen Einarbeitungszeit, völlig ok.
Wenn dann alles korrigiert ist, speichere ich den Artikel, schaue ihn mir in der Vorschau an, überprüfe auch hier noch mal, ob alles drin ist, was drin sein soll und veröffentliche den Bericht (entweder zu sofort oder plane ihn zu einer bestimmten Zeit).
Auf die Fakten reduziert oder lieber empathisch und lebendig?
Wie seht ihr das eigentlich, wenn ihr einen Bericht von z. B. einem Konzert lest? Mögt ihr den eher trocken, nüchtern und auf die Fakten beschränkt? Oder habt ihr lieber ein paar Emotionen dabei? Da gehen in unserem Team die Meinungen teilweise stark auseinander. Chefredakteur René gehört eindeutig zum Team “Zahlen, Daten, Fakten”. Die meisten anderen und auch ich haben es lieber ein bisschen lebendiger. Ich liebe es, wenn ich einen Bericht von Kollegin Alex D. lese. Dabei habe ich das Gefühl, mittendrin zu sein. Oder die Berichte von Flo W., der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. Die Berichte von Markus P., Chris D. oder Michael E. haben mich schon so manches Mal laut auflachen lassen. Bei den Artikeln von Juergen S. staune ich immer, welche Bands er schon überall gesehen hat und wen er alles kennt …
Ich könnte die Aufzählung hier noch unendlich weiterführen 😍
Und ich weiß auch, dass es vielen Bands und anderen ebenso geht, denn es gab schon diverse Rückmeldungen von Bands oder Bandmitgliedern, die unsere Redakteure und Redakteurinnen direkt angeschrieben haben und sich für die tollen Berichte bedankt haben. ♥
Es gibt nur wenige Kolleginnen und Kollegen, die ihre Berichte staubtrocken halten. Aber so unterschiedlich, wie die Menschen sind, sind eben auch ihre Berichte.
Das Wichtigste an einem Artikel ist das Herzblut, das die meisten Redakteure in ihre Texte fließen lassen.
Auch die Länge der Reviews oder Eventberichte geht stark auseinander. Wenn z. B. Eva B. oder Flo W. ihre Berichte zur Überprüfung einreichen, weiß ich, ok, jetzt brauchst du ein bisschen mehr Zeit 😀 Wobei gerade bei diesen beiden wenig zu korrigieren ist, das macht das Lesen wiederum zu einem Vergnügen.
Lustig sind für mich als Norddeutsche ja auch immer mal wieder Begriffe oder Redewendungen aus “anderen Sprachen”. Also alles, was aus dem Rest von Deutschland kommt. Gerade am Anfang meiner Lektorenkarriere habe ich einiges googeln müssen 😊
Die typischen Fehler (oder, ich kenne meine Pappenheimer)
Ja, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich kenne die Fehler, die ihr immer macht 😀 Sei es bei der einen Kollegin, die das „das“ immer falsch schreibt, sei es der eine Kollege, der einfach (auch nach Jahren) die Songtitel nicht mit großem Anfangsbuchstaben schreibt, oder der andere Kollege, der die Songtitel, die er in seinen (ansonsten wirklich tollen) Reviews gerne mal so schreibt, wie er meint, dass sie heißen und nicht so, wie sie wirklich lauten. (Und meinen Kollegen sag ich immer, vermeidet Schachtelsätze.😅)
Dann gibt es den einen Kollegen, der die Sätze immer „krumm“ schreibt, sodass ich sie nach fünfmal lesen und nicht verstehen umstellen muss, und einen weiteren, der gerne Sprichwörter in seine Texte einbaut, die dann aber leider falsch zitiert sind 😀
Beliebt sind auch „Lückentexte“. Da lieste einen Satz und dann fehlen da ein oder mehrerer Wörter. Manchmal kann ich die Lücken füllen, manchmal muss ich den Verfasser anschreiben und fragen, was er denn da gemeint haben könnte.
Na, liebe Kollegen, erkennt ihr euch? 😉
Eigentlich (ich hasse dieses Wort) sind alle Kolleginnen und Kollegen dazu verpflichtet, ihre Texte vor der Abgabe mit einem Rechtschreibprogramm zu prüfen, leider wird das kaum gemacht. Und ja, manchmal ärgere ich mich sehr, wenn so dermaßen viele Fehler in einem Text sind, dass ich ihn am liebsten zurückgeben möchte, mach es dann aber meist doch nicht, da es die Bearbeitungszeit zu sehr verzögert und mich damit noch mehr nervt.
Doch das ist zum Glück die Ausnahme und viele der Fehler sind auch einfach nur lustig.
„Outtakes“
Was mich ja auch diverse Male schon zum teilweise herzhaften Lachen gebracht hat, sind die üblichen Verschreiber oder lyrischen Ergüsse. Solche Sachen wie “die Büxe der Pandora” zum Beispiel (nein, ich verrate nicht von wem).
Wenn man bedenkt, dass Deutschland das Land der Dichter und Denker ist …, lassen mich die folgenden Wort- und Textschöpfungen daran durchaus manchmal zweifeln und verzweifeln – willkommen in meiner Welt 😀
So, zurücklehnen und genießen:
– „So hätten My Dying Bride mal weitermachen sollen. Diese fast zehn Minuten zwingen die Zehennägel dazu, nach innen zu wachsen.“
– „Die Amerikaner Blood Incantation aus Denver haben im Oktober ihren vierten Longplayer Absolute Elsewhere auf den Globus gekotzt.“
– „Musikalisch wird auf einen wechselnden und leicht groovenden Rhythmus gesetzt. Das ist ein Track, der sich in die Gehörgänge schleicht und für Verzückung sorgt, als wenn ein Ohrenarzt eine reinigende Spülung vollzieht.“ – Echt jetzt?
– „Der Titelsong startet erst mal mit einem 08/15 Gitarrenintro, bevor der Sänger stimmlich in die Schublade meines Zahnarztes greift und wie die dortigen Bohrmaschinen klingt.“ – Autsch!
– „Über Metal Blade Records ging Cruel Magic Anfang September auf den christlichen Markt, um dort der letzten Nonne das Kreuz so lange um die Ohren zu hauen, bis es ihr falsch herum am Hals baumelt.“
– „Meine Lieblingstracks gibt’s auch, nämlich Lovesick und Ultraviolence, und wie sich Sänger Alexander da setzen kann, weiß ich nicht, ich hüpfe wie ein Flummi in meinem Zimmer rum.“ – Kopfkino!!!!!!!
– „Kirrende Kälte wird wütend in die Nacht getragen. Das Schlagzeug hoppelt durch den Proberaum, während die gewaltigen Vocals die Wände zum Zittern bringen.“ – By the way, hier ging es um Behemoth …
– „Nicht nur in der Rap und Hippo Szene dürfte diese Aufmachung ankommen …“ – Oh, ein neues Genre?
– „Tracks wie Funky Queen, Günther Kimmich oder Burning Warriors können nachhaltig wirken und noch ein paar Tage in den alten Gehirnwindungen meines völlig überladenen Schädels spucken.“ – Ohne Worte …
– Bleiben wir mal beim Spucken: „Da reicht es auch nicht, wie wild mit den Ketten zu rasseln und wie ein Poltergeist durch das leere Schloss zu spucken.“
– „Die sechste Kompensation zieht das Tempo deutlich an.“ – Was muss hier kompensiert werden?
– „Anlässlich des Releases ihres Autos hatte ich das Vergnügen, mich mit der Band XXX zu einem Interview zu treffen.“ – Haben wir unsere Fachrichtung geändert?
– „Ausbaufähig, auf einem soliden Socken platziert, darf man …“ – Ja ja, Socken sind wichtig.
– „… erinnern sie an Darkthrone oder Kornsorten …“ – Korn? Wo???
– „Unter der Flagge von Napalm Records segeln sie seit einigen Jahren erfolgreich und konnten ihren Status in der Szene weiter fermentieren.“ – Fermentation oder Fermentierung bezeichnet in der Biologie und Biotechnologie die mikrobielle oder enzymatische Umwandlung organischer Stoffe in Säure, Gase oder Alkohol.
– „… die in Holland ansässige Death/Thrash Metal Band aus Brasilien …“ – Ich gaube, ich habe in Geografie gefehlt …
– „… zufriedene Gesichter erblickt man unter den Nasen Haaren.“ – Iiihhh!
– „Ein Pheromon, das sich an sich leicht erklären lässt.“ – Wen da wohl die Pheromone gequält haben?
– „… Musik-DVD geschaffen, die noch mal verdeutlichen kann, welche Massagen sich in unscheinbaren Stücken befinden können …“ – Ich habe keine Idee, was hier gemeint war.
– „…ab und an laufen bei uns im Tourbus sogar obskure Sachen wie Hauert Carpendale in der Anlage.“ – Hauerha … (Achtung Norddeutsch)
– „Doch hier liegt leider auch schon die Ziege begraben.“ – Hä?
– „Das hat zur Folge, dass keine alten Karamellen wieder aufgetaut werden“ – …
– „Mein Fazit zu Helvetios sieht wie folgt aus: Die Schweisser haben meiner Meinung nach wieder gekonnt gezeigt, wie man Folkeinflüsse mit Metal vereinen kann.“
– „Ihre exzellente Musikführung und das technische No-How sind in jedem Song zu spüren.“ – Ja, das denke ich mir oftmals bei so einigen Outputs …
– „Riffs, Drums, Bass und Volkills sind sehr gelungen.“
– „… Ohne Hilights die Muslimische Karriere vor drei Jahren gestartet …“
– „… Eine Akustikgiratte …“ – Der Klassiker!
– „Eine Konstanze im Thrash-Zyklus“ – Was kann denn die Konstanze dafür?
– „Eine Bolognese zieht sich quer übers Gelände, wird länger und länger …“
Quickies…:
– Ein Meister seiner Zumpft
– Leicht eingedampfte Setlist …
– Mit Zahnfachplatin …
– Duckelsäcke
– Die Langgriller
– Ostfiesland
– Depp Purple
– Rausscheisser
Auch diese Liste könnte ich unendlich weiterführen 😀
Fazit
Ihr merkt, die Arbeit bei Time For Metal nimmt einen großen Teil meiner Freizeit in Anspruch. Es sind jedes Jahr weit über 1.000 Korrekturen (je nachdem, wie fleißig das TFM-Team ist), Stand heute 1.490. Dazu kommen noch die News, die ich fast täglich veröffentliche, Einträge im Release-Kalender und im Festival-Guide. Manchmal ärgere ich mich, meistens mach ich das allerdings unglaublich gerne. Denn durch diese Arbeit habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt und so viele tolle Texte lesen dürfen, ich möchte es nicht missen. Wenn ihr Bock drauf habt, meldet euch gerne bei uns, in unserer TFM-Familie ist noch Platz 😉


