Steve ’n’ Seagulls am 08.12.2025 in der Kieler Pumpe

Mit viel Spaß dominiert der Folk-Metal vor ausverkauftem Haus

Event: The Dark Side Of The Moo Tour 2022

Band: Steve ’n’ Seagulls

Ort: Die Pumpe, Kiel, Schleswig-Holstein

Datum: 08.12.2025

Kosten: 33,70 €

Zuschauer: 720 (Ausverkauft)

Genre: Rock, Hard Rock, Folkrock, Country, Polka-Metal, Bluegrass

Link: https://stevenseagulls.com/

Setlist:

  1. The Number Of The Beast (Iron Maiden)
  2. People Just Need To Love You
  3. Paradise City (Guns N’ Roses)
  4. Freestyler (Bomfunk MC’s)
  5. Carry On Wayward Son (Kansas)
  6. Danger Zone (Kenny Loggins)
  7. Seagulls And Moonshine
  8. Still Loving You (Scorpions)
  9. More Than A Feeling (Boston)
  10. Sweet Maria
  11. Over The Hills And Far Away (Gary Moore)
  12. Self Esteem (The Offspring)
  13. Too Much Love Will Kill You (Brian May)
  14. Silvera (Gojira)
  15. You Shook Me All Night Long (AC/DC)
  16. The Signals From The Past
  17. (Don’t Fear) The Reaper (Blue Öyster Cult)
  18. The Trooper (Iron Maiden)
    Zugabe:
  19. Thunderstruck (AC/DC)
  20. Born To Be Wild (Mars Bonfire)

Musste ich 2022 wegen Corona drei Jahre auf ein Konzert mit den Jungs warten, dauerte es seitdem wieder exakt drei Jahre, bis sich die Finnen bei uns blicken lassen. Diesmal nicht vor 200 Leuten, die sich im großen MAX Nachttheater verlieren, sondern im ausverkauften Kulturverein Die Pumpe mitten in der Kieler Altstadt. Im Gepäck haben sie ihr fünftes Studioalbum The Dark Side Of The Moo.

Steve ’n’ Seagulls stammen aus Jyväskylä, Finnland, und sorgten erstmals 2014 mit ihrer ungewöhnlichen Bluegrass-Rock-Version des AC/DC-Klassikers Thunderstruck für weltweites Aufsehen. Seitdem mischen sie mit Banjo, Akkordeon, Kontrabass, Mandoline, Schlagzeug und viel finnischem Humor bekannte Rock- und Metal-Hits neu auf und sorgen damit bei Festivals oder in Clubs rund um die Welt für ausgelassene Stimmung. Aktuelle Mitglieder sind: Remmel (Gesang, Akustik-Gitarre, Mandoline, Balalaika), Herman de German (Banjo, Gitarre, Gesang), Wild Till Hiltunen (Akkordeon, Keyboard, etc.), Jamppa (Kontrabass, Gesang) und Skubu (Schlagzeug, Percussion, Gesang).

Einen Support gibt es bei den Finnen nicht. Schon vor dem Konzert lassen sich Bandmitglieder an dem Merch-Stand blicken und kurbeln den Verkauf der günstigen Waren an. Trotzdem legen sie direkt und pünktlich los. Die Show startet mit dem typischen Mix aus Folk-Instrumenten (Banjo, Akkordeon, Mandoline) und rockigem Drive, ein Gerüst, das sofort den Unterschied zu gewöhnlichen Rock-Covern macht. Im Zentrum steht die Kombination aus handgemachter Musik, unkonventionellen Instrumenten und dem verspielten, fast humorvollen Auftreten der Band. Das Publikum wird von der ersten Minute an mitgenommen. Lodernde Banjo-Riffs, schnelle Bass-Begleitung und eingängige Hymnen lassen die Energie spürbar werden, die Stimmung zwischen Pickup-Truck-Party und Lagerfeuer-Jam geht furios los.

Steve ’n’ Seagulls beweisen, dass sie Klassiker nicht einfach nachspielen, sondern neu interpretieren. Durch das Verschmelzen von Bluegrass-Traditionen mit Metal- und Rock-Klassikern entsteht eine ganz eigene Stimmung. Es ist rau, verspielt und immer mit einem Augenzwinkern. Die Performance ist mitreißend, mit spürbarer Spielfreude und einer Band, die sich bewusst von Standard-Covern abhebt. Im Gegensatz zu früheren Shows mischen sie auch eigene Songs ein. Im Stile finnischer Folklore verrocken sie aber auch diese traditionellen Klänge.

Die Arrangements wirken durchdacht, begeistern sowohl Folk-Fans als auch Rocker. Es ist handgemachte Musik mit Drive, die live funktioniert und Spaß macht. Die Mischung aus kräftigem Schlagzeug, melodischem Akkordeon, rhythmischem Banjo und warmem Gesang erzeugte eine dichte, lebendige Atmosphäre. Die Ansagen und lockeren Sprüche kommen in Englisch, obwohl mindestens zwei der Bandmitglieder Deutsch verstehen. In der Setliste, die mit der von vor drei Jahren wenig gemein hat, stehen natürlich auch Klassiker, die bei keinem Gig fehlen dürfen. Allen voran You Shook Me All Night Long und Thunderstruck von AC/DC. Aber auch The Number Of The Beast und The Trooper von Iron Maiden fehlen nicht. Mit ihrem unverwechselbaren, eigenen Stil sind die Metal- und Hardrock-Songs der 80er-Jahre hauptsächlich ihr Programm. Überraschen tun Songs wie Danger Zone von Kenny Loggins oder The Reaper vom Blue Öyster Cult. Wer Steve ’n’ Seagulls live erlebt, bekommt kein nostalgisches Revival serviert, sondern eine Show mit Herz, Humor und handfester musikalischer Qualität. Es ist ein Abend, der gleichermaßen Kopf, Beine und Herz erreicht. Als das Keyboard streikt, wird mit Mandoline das Konzert weitergespielt. „Heute ist nicht der Keyboardspieler voll, heute hatte das Instrument ein Bier zu viel“ sagt Remmel mit sichtlich Spaß an der Stichelei gegen seinen Bandkollegen. Was fehlt, ist die Show mit dem Kontrabass. Ist der nicht durch den Zoll gekommen oder ist der Platz im Bus zu klein? Dafür pfeifen sie The Reaper auf Bier- und Weinflaschen mit.

Der heutige Abend beweist, dass Bluegrass-Cover nicht das Gegenteil von Rock sind, sie können ihn neu beleben. Wer Lust auf Rebellion mit Banjo und guter Laune hat, sollte diese Show nicht verpassen. Die Setliste ist handgeschrieben, die gespielten, eigenen Songs stammen alle von dem neuen Album The Dark Side Of The Moo. Nach genau 90 Minuten ist der Spaß vorbei. Gefühlt steht ein Drittel der Gäste am Stand und wartet auf die Band, die auch direkt von der Bühne nach Konzertende erscheint. Sie freuen sich über jeden, der Merch kauft oder ein Gespräch sucht. Man hat den Eindruck, sie nehmen sich für Fotos, Gespräche und Autogramme mehr Zeit als für die Musik auf der Bühne, die im Hintergrund von eifrigen Helfern in enormem Tempo geräumt wird. Heute ist mal früh Feierabend im Saal der Pumpe.