Die Technik macht es möglich. Waren früher diverse Menschen an den Instrumenten in Aufnahmestudios unterwegs, so sitzt heute eine Person in ihren vier Wänden und spielt eine gesamte Platte ein. Bei Turbo’s Tribunal handelt es sich um den Dänen Andreas Thunbo, der zum Beispiel als Oath Of Woe oder Pugnator im dunklen Metall als One-Man-Show bereits Demos und EPs veröffentlichte. Nun also Mills Of Tribunal unter der Flagge Turbo’s Tribunal.
Mills Of Tribunal oder die One-Man-Show von Andreas Thunbo
Wenn eine Platte als One-Man-Show auf den Markt kommt, dann fühlt sich das auch 2026 eher nach mehr KI oder Computertechnologie an, als dass hier Instrumente und Fingerfertigkeit am Start sind. Der Blick auf das einfach gestaltete Artwork unterstreicht diesen Ansatz. Was hat Mills Of Tribunal zu bieten?
Nach dem instrumentalen Intro gibt es klassischen Metal, bei dem der Gesang bei Draw The Line mit etwas mehr Feuer rüberkommen könnte, allen voran im Chorus. Dazu ist die Saitenarbeit sehr brav und steril. Klar, es gibt keinen Bassisten oder Gitarristen, der einen anderen Ansatz als den von Thunbo in den Aufnahmeprozess bringt. Die Drums klingen nach Angelo Sasso, dem Drumcomputer von Running Wild, der erstmals 2000 bei der Victory zum Einsatz kam.
Das auf okkult getrimmte Satan Is Here knüpft an den Vorgänger an und spätestens mit dem wenig inspirierenden Gitarrensolo gibt es Überlegungen bezüglich der Skip-Taste. Den Anfang von The Sky Comes Alive haben andere Bands schon prägnanter dargeboten. Die Atmosphäre des Stücks mit den Rhythmuswechseln ist insgesamt interessant. Hier wäre die Frage, wie der Titel klingen würde, wenn eine komplette Band Hand anlegt.
Auch die weiteren Nummern wie Deliberation, Boogieman (Father Of Evil) oder Death Gallop liefern vom Songwriting gute Ansätze und Ideen. Die Umsetzung ist dagegen weniger spannend. Der Low-Budget-Ansatz lässt die Stücke nicht so zur Entfaltung kommen, wie es eventuell möglich wäre. Ein Beispiel ist der Versuch des zweistimmigen Gesangs bei Boogieman (Father Of Evil), der am Ende einfach nur billig und wenig gelungen klingt und daher nicht mitreißt.
So dreht sich Mills Of Tribunal dem Ende entgegen, ohne dass die finalen Tracks größere Akzente setzen. Die epischen Ansätze bei Men Of The World sind viel zu blass eingespielt, als dass sich groß etwas im Gehörgang festsetzt. Über den Titeltrack Mills Of Tribunal geht es zum Schlusspunkt Sealing Fates, bei dem Thunbo mit dem galoppierenden Rhythmus und Chorgesang nochmals weitere Ideen in das Getümmel wirft, die die LP aber nicht retten, aber auch nicht weiter verschlechtern.
Ein erster Eindruck ist auf Bandcamp bereits verfügbar.
Hier geht es für weitere Informationen zu Turbo’s Tribunal – Mills Of Tribunal in unserem Time For Metal Release-Kalender.



