Die Karriere der Sickos von Vomitory verfolge ich eigentlich seit den Neunzigern, würde ich sagen. Gegründet wurden sie im Jahre 1989 und ich bin seit dem ersten Album Raped In Their Own Blood (1996) dabei. Ich war sehr bestürzt, als sie sich im Jahre 2013 nach acht geilen Alben auflösten, und war umso begeisterter, als ich irgendwo in einem Interview vom Drummer Tobias Gustafsson, der zwischenzeitlich Cut Up mit Basser und Sänger Erik Rundquist ins Leben gerufen hatte, gelesen hatte, dass Vomitory vor einer Reunion stehen würden. Gesagt, getan, und so war die Welt so ca. im Jahr 2018 wieder in Ordnung. Es dauerte aber bis zum Jahre 2023, bis man ein neues Album veröffentlichte, und nun folgt Album Nummer zehn namens In Death Throes. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Metal Blade Records wird natürlich fortgesetzt, das ist klar.
Und ich sing immer so schön bei Sepulturas Territory mit, aber dann „Gore With Vomitory!“ – nur so am Rande, und nach Lesen dieser völlig sinnfreien Einleitung kann man sich aber bestimmt vorstellen, dass ich entzückt über die Tatsache war, dass es ein neues Album der Schweden geben wird.
Die Reise geht zum Glück weiter und den Anfang macht Rapture In Rupture. Von der ersten Sekunde an gibt es hier Überzeugungstäter, die es uns zeigen wollen und wahrscheinlich, innerlich angetrieben, auch überzeugen. Die Schweden machen eben das, was sie können und auch wollen, und so wird uns gleich ein absolutes Death-Metal-Highlight als Opener um die Ohren gehauen. Hier bleibt kein Ohr trocken und egal, ob man Haare hat oder nicht, der Kopf muss wackeln. Der Knüppel schwingt von Anfang an mit und regiert das Dasein der Band. Die Gitarrenarbeit hat durch den Ausstieg von Peter Östlund, der leider aus zeitlichen Gründen die Band verlassen musste, natürlich in beiderseitigem Einvernehmen, keineswegs gelitten, denn der neue Schwinger am Instrument namens Christian Fredriksson macht seine Sache sehr gut. Kein Wunder, denn er hat ja schon beim Vorgängeralbum ausgeholfen und hat somit schon eine gewisse Vomitory-DNA in sich. Genug geschwafelt, denn die Musik spricht für sich selbst. Die Gitarre spielt kurz vorweg, Drums setzen ein. Geknüppel an. Break. Gitarre wieder vorweg, ein Uargh und dann ab ins Geballer. Welch Intensität. Das Riffing ist am Anfang teilweise melodisch und ansonsten eben Death-Metal-like. Das Tempo wird zwar variiert, aber man bleibt immer fix. Ein wildes Solo folgt und dann wieder volle Attacke. Ja, so mag ich es. Das klingt alles recht einfach, ist es aber natürlich nicht. Man fegt über die Köpfe des geneigten Metalheads hinweg. Sehr geil. Diese Kombination aus fettem Riffing, ballernden Drums und den Growls kann von der ersten Sekunde an überzeugen. Zeit zum Ausruhen gibt es eigentlich nicht, vielleicht ein wenig beim zweiten Solo, aber auch da spielt Tobias einen schnellen Rhythmus rüber, der es in sich hat. Die Songs von Vomitory waren noch nie sehr lang und das finde ich persönlich sehr geil. Hier wird nichts in die Länge gezogen, sondern man kommt einfach auf den Punkt.
Als Vorabsingle konnte man den Song For Gore And Country ja schon bewundern, denn der Song wurde ausgekoppelt, wie es heute so schön heißt. Früher gab es da dann noch eine schwarze Scheibe in Kleinformat dazu, heute eben nur ein YouTube-Video. Ich schweife wieder ab. Ein fettes und absolut dominantes Riffing leitet das Rennen ein, natürlich begleitet von feinstem Blastbeat, was denn auch sonst? Das Riff wird schön langgezogen und bleibt im Gedächtnis. Diese Stärke hatten die Schweden schon immer. Im Gegensatz zum Opener hat man nun aber einen Groove parat, der natürlich auch absolut aggressiv dargeboten wird. Ansonsten wären Vomitory ja nicht Vomitory. Man kann eben nicht aus seiner Haut und dieses wünscht sich ja auch keiner. Ich zumindest nicht. Dieser Groove hat am Ende einen verspielten Part, wechselt dann wieder in den Anfangspart. Fett. Das Geballer wird nun ein wenig variiert. Großartig. Hier lässt man seiner Brutalität freien Lauf, bis man zum absoluten Blastbeat-Gewitter ausholt. Tobias lässt seiner Ballerseele wieder freien Lauf. Aber man klingt eben zu keiner Zeit stumpf, und das ist die Kunst. Stopp, und dann groovt man wieder, wird dabei aggressiver und wieder grooviger. Dieses Hin und Her, einfach nur geil. Ein absoluter Brecher!
So nun aber endlich mal einen Song zur Erholung. Oh, sorry, falsche Band. Natürlich feuert man auch bei Forever Scorned aus allen Rohren und der Song wütet genauso wie die beiden Vorgängerstücke. Auch hier liefert man absolut geile Riffs, die sich einfach ins Gedächtnis brennen. Freunde des schnellen und gepflegten Krachs kommen hier voll auf ihre Kosten. Zwischendurch verringert man das Tempo, agiert im Midtempo und lässt das Getöse langsam auf die Menschheit niederprasseln. Es folgt ein kongeniales Solo, um dieses dann natürlich wieder komplett wegzuballern. Noch ein Break, Gitarre kurz vorweg und noch einmal volle Attacke. Erneut rifft man sich den Wolf und lädt zu einer weiteren Vernichtungsrunde ein und wird ganz kurz langsam am Ende.
Wrath Unbound bietet dann doch ein wenig Verschnaufpause und knabbert einem im Midtempo das Ohrläppchen kaputt. Hier überzeugt man mit melodischer Gitarrenarbeit und eben groovigem Midtempo, das absolut druckvoll beeindrucken kann. Hinzu eben die fetten Growls und eine vernichtende Produktion. Echt stark. Und tatsächlich finde ich es gut, dass man hier nicht noch einen Ballerpart mit eingebaut hat. Auch hier gibt es ein Video dazu.
Ebenso langsam und zermürbend bewegt man sich bei dem Namensgeber In Death Throes, allerdings nur die ersten dreißig Sekunden, denn danach tritt das typische schwedische Ungewitter wieder in Erscheinung. Bei Gewitter soll man sich ja unter Bäumen aufhalten, bei Vomitory stellt man sich vor die Bühne und dreht durch, denn die Band macht dieses ja schließlich auch. Wieder so ein Brett aus Geschwindigkeit und Riffing. Nach knappen zwei Minuten lässt man es ruhiger, aber nicht weniger intensiv angehen. Ein drückender und vernichtender Groove wird eingestreut, ein melodisches Riff erklingt. Aus diesem wird ein Solo und am Ende dieses Solos steigert man das Tempo, um wieder schnell zu werden. Geiles Songwriting. In Death Throes kann man nachher sogar mitschreien, denn sie grooven noch einmal kurz, um am Ende noch einmal über alles hinwegzufegen.
Tja, und natürlich lassen auch die restlichen Songs nichts zu wünschen übrig, und so zeigen sich Vomitory anno 2026 wie eh und je – eben einfach nur intensiv. Wer kann, der kann! Pflichtkauf, logisch!
Hier geht es für weitere Informationen zu Vomitory – In Death Throes in unserem Time For Metal Release-Kalender.



