Festivalname: Rock Bei Kurt
Bands: Wokfries, Goon, WBR, Tomb Of Giants, Rebels With A Cause, Opium Fürs Volk, Living Theory, SAD
Ort: Dratum-Ausbergen
Datum: 06.09.2025
Kosten: 32 € VK, 38 € AK
Genre: Rock, Punk
Besucher: ca. 2.200 Besucher
Veranstalter: Rock Bei Kurt GbR
Link: www.rock-bei-kurt.de
Heute freue ich mich ganz besonders, als wir uns auf den Weg zu unserem Festival-Ziel machen. Es ist Heimspiel-Zeit: Das Rock Bei Kurt in Melle öffnet heute um 13:30 Uhr seine Pforten und es hat uns beim letzten Mal hier so gut gefallen, dass die Vorfreude einfach nur riesengroß ist. Wie zuvor ist hier alles super ausgeschildert. Der Parkplatz auf dem Stoppelfeld ist direkt neben dem Festivalgelände und mit wenigen Schritten sind wir auch schon mitten im Geschehen. Die erste Band beginnt um 14 Uhr und wir können uns noch kurz umsehen. Am Aufbau hat sich zu 2023 auf den ersten Blick nichts geändert. Aber wozu auch, es war ja alles super!

Pünktlich erscheinen Wokfries aus Bückeburg auf der Bühne. Die Band um Frontfrau Vox füllt den meist undankbaren Opener-Slot mit viel Energie und Spielfreude und lockt schon zu dieser frühen Uhrzeit einige vor die Bühne. Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen, besonders der Bassist ist hier sehr präsent, strahlt übers ganze Gesicht und agiert hervorragend mit dem Publikum. Mitten in all dem Metal-/Punk-Crossover wird es plötzlich ruhiger und Vox kündigt einen Song für ihre Katze an. Kurz grinsen alle, aber bei dem Satz „R.I.P. kleine Freundin“ läuft mir dann ein Schauer über den Rücken und diese lustige und laute Band zeigt uns, dass hier auch die leisen Töne sitzen. Ein runder Auftritt und eine Combo, die ihre 35 Minuten Stagezeit hervorragend nutzt. Das fängt ja hier schon mal gut an.

Zweiter Act sind Goon aus Melle. Stoner-Rock und Grunge sind die Themen der Band. Da sie sich während der Corona-Zeit gegründet haben, ist es laut Ansagern mit der Bühnenerfahrung noch nicht so ausgeprägt. Ihnen kommt zugute, dass die Sonne vom Himmel knallt und es den einen oder anderen immer näher in Richtung Bühne in den Schatten zieht. Die Jungs machen ihren Job ordentlich. Ab und an denke ich, der Sänger dürfte etwas lauter rausstechen, aber gesanglich gefällt es mir ansonsten gut. Auch die Kollegen an den Instrumenten wissen, was sie da tun, und liefern handfest ab.
Wir begutachten erst mal den Merchstand und natürlich können wir nicht ohne ein Rock Bei Kurt-Shirt nach Hause gehen. Es gibt auch Tassen, Hoodys, Feuerzeuge, Patches, Schlüsselbänder und günstige Shirts aus den Vorjahren. Inzwischen ist es 16 Uhr und das Infield füllt sich immer mehr. Zum ersten Mal in der Festivalgeschichte sind schon im Vorverkauf 1.700 Tickets verkauft worden. Absoluter Rekord, und man darf sicher mit einigen rechnen, die auch noch die Abendkasse nutzen werden. Das wird kuschelig, und bei 2.500 Gästen wäre das Gelände dann auch am Ende der Kapazität angekommen.

Als Nächstes sehen wir WBR aus Olpe. Punkrock mit Pop-Rock-Einflüssen steht im wunderschönen Rock Bei Kurt Festivalheft. Auch so ein kleiner, aber feiner Unterschied. So was kenne ich sonst nur von den ganz großen Veranstaltungen wie Wacken und Rockharz. Und von hier. Ich mag das. Fotos aus den Vorjahren, ein bisschen Festivalgeschichte und Infos zu den diesjährigen Bands und das Ganze in einem freundlichen Schwarz gehalten. Doch zurück zu WBR: Die Band kommt äußerst sympathisch rüber und zwischendurch erinnert mich der Sound etwas in Richtung Kraftklub. Die deutschen Texte sind gut gemacht und verdient wird die Tanzfläche immer mehr genutzt, denn das ist einfach Gute-Laune-Musik.
Durchs Programm führen heute Sebastian und Hans von Dicks’N’Dynamite, die hier beim letzten Mal noch selbst auftraten.
Es folgt das Gruppenfoto der Crew. Die netten Menschen, die sich für uns in den letzten zwei Jahren den Arsch aufgerissen haben, damit es hier heute rundläuft, werden ordentlich bejubelt. So ein Festival ist unfassbar viel Arbeit und hier stecken wirklich einige wenige Musikverrückte all ihre Energie rein, um uns eine gute Zeit zu schenken. Trotz all des Jubels vergessen sie aber nicht, ihre Unterstützer zu erwähnen, und holen dann noch einige Helfer (ich glaube, es waren die Pfadfinder) mit auf die Bühne, um auch ihnen als nächste Generation den gebührenden Dank zukommen zu lassen.


Und dann wird es metallisch mit Tomb Of Giants. Inzwischen zieht sich der Timetable eine gute Viertelstunde nach hinten, aber das stört hier niemanden. Entspannt werden noch ein paar Totenköpfe und Efeuranken auf der Bühne drapiert und dann kommen die energiegeladenen Metalheads auf die Bühne und legen ohne Kompromisse los. Mit reichlich Druck ballern sie uns ihren puren Metal um die Ohren und ich finde es sehr erfrischend, hier mal nicht nach Unter-Genres oder Schubladen suchen zu müssen. Das ist wunderbarer, einfacher, ehrlicher Metal ohne Schnörkel. Mit viel Power geht es durchs Programm und die Nacken werden gut geschüttelt.
Wir werfen jetzt erst mal einen genaueren Blick auf die Fressbuden. Auch hier wurde an alles gedacht: Neben Pommes, verschiedenen Bratwürsten und Leberkäsebrötchen gibt es Champignons, Pizza, Crêpes und Gyrosteller. Und für den Nachtisch ist nun auch noch der Eiswagen vorgefahren. Der Preis für eine Mantaplatte liegt bei 7,50 Euro und ich denke, dass wir damit auf einem fairen Level sind.

Gegen 18 Uhr starten dann Rebels With A Cause den Reigen der Tribute-Bands. Mit neun Musikern bringen sie uns die Songs der Dropkick Murphys auf die Bühne. Ich habe das Original noch nicht live gesehen und bin auch mit den Songs nicht so sehr vertraut. Aber das hier gefällt mir so gut, ich hätte ihnen auch geglaubt, dass es ihre eigenen Stücke sind, die sie hier präsentieren. Sie sind so in ihrem Element, und ob Banjo, Dudelsack, Akustikgitarre, Flöten, Akkordeon oder Mundharmonika – die Musiker haben so eine Bandbreite, die sie hier abliefern, dass wir einfach nur begeistert sein können. Besonders sticht eine junge Dame mit roten Haaren heraus. Alle paar Minuten wechselt sie das Instrument, ist permanent in Aktion und immer vorn dabei und strahlt einfach so aus sich heraus: Wie sympathisch kann man eigentlich rüberkommen? Aber auch die anderen haben so viel Spielfreude, und was ich wirklich toll finde, sind die unterschiedlichen Altersgruppen, die hier ein solches Miteinander zelebrieren und gemeinsam ihr Ding machen. Respekt!

Glücklich und zufrieden von diesem starken Auftritt warten wir nun auf Opium Fürs Volk, die mit uns die Songs der Toten Hosen feiern werden. Ich war früher wirklich großer Fan der Düsseldorfer Band und habe endlose Konzerte gesehen. In den letzten 20 Jahren habe ich mich dann anders orientiert, und umso mehr freue ich mich, heute ein paar der alten Klassiker zu hören. Optisch ist das Bühnenoutfit schon mal sehr an das Original angelehnt und mit dem ersten Takt des Soundchecks haben sie das Publikum fest im Griff. Ob Opelgang, Bofrost-Mann, Bonny Und Clyde, Liebesspieler oder Pushed Again, ein Knaller nach dem anderen ballert uns um die Ohren und plötzlich bin ich wieder 20 und stehe vor der Bühne und kann jede einzelne Textzeile. Krass, wie viel Platz in so einem Gehirn sein kann. Zwischendurch gibt es noch einen kurzen Abstecher zu Schrei Nach Liebe von den Ärzten. Die Stimmung erreicht hier gerade ihren Höhepunkt und ich schaue in glückliche Gesichter um mich herum und bin einfach happy. Was für ein starker Auftritt der Punkrocker. Danke für eine Megadosis Endorphine!

Das Line-Up ist hier dies Jahr wirklich ein Brett und als Nächstes kommen Living Theory aus Italien mit ihrem Linkin Park-Tribute. Jetzt ist das Infield dicht gedrängt und wir warten gespannt, wie es weitergeht. Leider hören wir zunächst kaum was vom Gesang und sind etwas desillusioniert. Dann stellen wir fest, dass es mittig deutlich besser ist, und wechseln im Laufe des Auftritts noch einige Male unseren Platz. Ich bin kein Linkin Park-Anhänger und kenne tatsächlich nur zwei oder drei der Songs, trotzdem macht es mir grad zum Ende hin richtig Spaß und ich lasse mich von der allgemeinen Begeisterung gerne anstecken. Das Publikum feiert jeden Song der energiegeladenen Italiener. O-Ton aus dem Publikum: „Das ist echt der geilste Scheiß, der hier heute Abend lief!“

Nach diesem starken Abriss dünnt sich das Infield wieder etwas aus. Das macht Platz für die Metallica-Anhänger, die jetzt auf ihren Geschmack kommen sollen. SAD kommen ebenfalls aus Italien und ziehen noch mal ordentlich Leute vor die Bühne. Ob Seek And Destroy, One oder Nothing Else Matters, sie zelebrieren authentisch ihre Show und lassen glückliche Menschen zurück. Man möchte gar nicht, dass es aufhört, denn dann ist auch das diesjährige Rock Bei Kurt zu Ende.
Kurz vor Schluss machen wir uns dann aber doch auf den Weg zum Auto. Die Füße brennen und nach zehn Stunden vor der Bühne sind wir einfach nur noch platt, aber glücklich. Und wir sind uns absolut einig: Was das Rock Bei Kurt-Team hier wieder auf die Beine gestellt hat, war absolut der Hammer. Jede einzelne Band hat uns gefallen und es waren ausschließlich Musiker auf der Bühne, die zum einen ihre Instrumente zu nutzen wussten und zum anderen eine solch pure Spielfreude ausstrahlten, dass uns nur Lob übrigbleibt. Die Orga war einfach hervorragend und wir hatten absolut nix auszusetzen. Dieser Tag war von vorne bis hinten einfach nur entspannt und voller schöner Momente. Danke für dieses tolle Event!
























































