Das folgende Review stammt von unserer lieben Gastschreiberin Diane Z. Hier ihre Ausführungen:
Act II – Iron And Blood bewegt sich klar im atmosphärischen, melodischen Black-Metal-Bereich, mit starkem Fokus auf Nihilismus, Verfall und martialischer Bildsprache.
Lömsk ist eine sehr junge schwedische Black-Metal-Band, direkt aus Göteborg. Seit 2022 haben sich die Musiker zusammengefunden, die unter Pseudonymen in Erscheinung treten: The Captain am Schlagzeug, The Major an der Leadgitarre, The Lieutenant mit der Rhythmusgitarre und The Colonel an Bass und Gesang. 2024 gab es mit der EP Act I die erste Veröffentlichung, worauf nur zwei Jahre später ein komplettes Album mit einer Spielzeit von fast 50 Minuten folgen sollte. Textlich bewegt es sich konsequent in einem brutalen Spannungsfeld aus Krieg, Niedergang und innerer Leere, wobei immer wieder eine fast schon nachdenklich-philosophische Sicht auf Vergänglichkeit und Sinnverlust durchscheint.
Verzweiflung, Krieg und Melancholie
Fields Of Elysium: Von der ersten Sekunde an ziehen sie dich in die unvermeidliche Reise des Todes. Schnelle Blastbeats mit melodischen Riffs und keifenden Vocals erzeugen Kälte und Trauer – treibend, episch und fast hymnisch. Beim Titeltrack Of Iron And Blood nehmen sie etwas Geschwindigkeit raus. Doch der Midtempo-Groove trifft auf eiskalte Riffs, die dem Song Schwere und Düsternis verleihen. Der gesprochene Part am Ende ist voller Anklage und Resignation. Requiem Of Fire ist wohl der eingängigste Track. Extrem atmosphärisch und dennoch auf den Punkt gebracht, sind die wiederkehrenden Fire Shouts mitsingverdächtig. Live kann man dazu mit erhobenem Arm und geballter Faust mitgehen. Großartig.
Ein Feldzug durch eine sterbende Welt
Entropia ist der komplexeste Song des Albums. Weniger direkt und mehr Strukturwechsel, sogar leichte Dissonanzen hier und da. Es fühlt sich eher wie ein Prozess an – treibende Beats und leichte Gitarrenläufe nehmen dich mit auf eine Reise von Zerfall und Auflösung. Die teils gegrowlten und gescreamten Vocals erzeugen diese bitterschwere Dunkelheit über eine weite Klanglandschaft. Da kommt das kurze Interlude zum Verschnaufen gerade recht. The Gathering Storm: Eine tiefe, orchestrale Atmosphäre dient als Soundtrack zur Besichtigung des Schlachtfeldes.
Der Krieg ist nicht auszuhalten
Chimaera trümmert gleich weiter: Aggressiv und sehr rifflastig gibt es hier weniger Melodie und mehr Chaos. Diese Rohheit lässt bei mir Gänsehautmomente entstehen, wenn Drums, Bass, Gitarren und die starken Vocals zusammentreffen. Stare Into The Void ist deutlich melancholischer, so, als würde man ins Leere starren. Langgezogenes Riffing, reduziertes Snaretempo und getragene Vocals lassen mehr Post-Black-Metal-Vibes hervortreten. Viel Raum zum Nachdenken und zum Verschmelzen mit der Musik.
Angriff
Furia ist ein klassischer Black-Metal-Angriff und mit einer Spielzeit von über neun Minuten das längste Stück. Schnell, direkt, wütend. Kein großes Theater mehr, sondern einfach pure Attacke. Dominiert von den Gitarren wirken die Vocals eher eingestreut und geben dem Gesamtwerk Nachdruck, aber die Gitarrenläufe führen unweigerlich durch die gesamte Komposition. The Silence Thereafter ist ein langsames Ausklingen, fast elegisch. Kein großes Finale, sondern ein bewusstes Zurückziehen aus der kalten Leere.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Lömsk – Act II – Iron And Blood in unserem Time For Metal Release-Kalender.



