Splendidula – Absentia

03.04.2026 - Atmospheric Black/Doom Metal - Argonauta Records – 42:58 Minuten

Eigentlich hätte Absentia längst den Weg auf meinen Plattenteller und zum Review finden müssen. Das vierte Studioalbum von Splendidula ist bereits am 03.04.2026 über Argonauta Records erschienen und als CD sowie auf Vinyl – unter anderem in einer attraktiven Splatter-Edition – erhältlich. Doch durch einige persönliche Umstände ist mir das Album nach seiner Veröffentlichung tatsächlich komplett durchgerutscht. Erst ein erneuter Kontakt mit Sängerin Kristien Cools erinnerte mich daran, dass hier noch ein echtes Highlight darauf wartete, entdeckt zu werden. Im Nachhinein bin ich froh über diesen kleinen Denkanstoß, denn Absentia hätte es keinesfalls verdient gehabt, übersehen zu werden.

Belgischer Doom mit persönlichem Bezug

Belgien gehört seit Jahren zu den spannendsten Brutstätten für atmosphärischen und düsteren Metal. Mit Splendidula stammt eine außergewöhnliche Formation aus Genk, die sich ihren ganz eigenen Platz zwischen Doom Metal, Black Metal und postmetallischen Klangwelten erspielt hat. Splendidula habe ich für mich persönlich bereits mit ihrem dritten Album Somnus 2021 entdeckt.

Einen persönlichen Bezug zur Band habe ich ebenfalls: Sängerin Kristien Cools und Schlagzeuger Joachim Taminau begegnen mir seit einigen Jahren regelmäßig auf dem Prophecy Fest in der Balver Höhle. Dort hat sich inzwischen sogar ein kleines Parkplatzritual entwickelt: Jedes Jahr treffen wir uns auf dem Festivalparkplatz für ein gemeinsames Selfie – für mich gehört dieses Foto mittlerweile genauso zum Prophecy Fest wie die einzigartigen Konzerte in der Höhle selbst. Unvergessen bleibt außerdem Kristiens Gastauftritt mit der Post-Black-Metal-Band Germ beim Prophecy Fest 2024, bei dem sie die ohnehin magische Atmosphäre der Balver Höhle eindrucksvoll bereicherte. Umso größer ist nun die Freude, endlich in Ruhe in das neue Werk von Splendidula einzutauchen.

Germ feat. Kristien Cools, Prophecy Fest 2024 Balve,
Pic by Big Simonski

Ein Album über Verlust und Hoffnung

Mit Absentia schlagen Splendidula ein neues Kapitel ihrer Bandgeschichte auf. Die sechs Stücke entstanden nach einer Zeit schwerer persönlicher Verluste. Besonders der Tod von Bassist Peter Chromiak im Jahr 2022 sowie weitere Schicksalsschläge im nahen Umfeld der Band haben die Entstehung des Albums maßgeblich geprägt. Entsprechend beschäftigen sich die Songs mit Trauer, Depression, Abschied und dem schwierigen Versuch, nach schmerzhaften Erfahrungen wieder Halt zu finden.

Musikalisch verbinden Splendidula monumentale Doom-Riffs mit frostigen Black-Metal-Einflüssen und atmosphärischen Klanglandschaften. Statt ausschließlich auf Schwere zu setzen, lebt Absentia von seinen feinen Kontrasten. Zerbrechliche Passagen stehen neben massiven Gitarrenwänden, melancholische Melodien treffen auf intensive Growls und harsche Vocals. Gerade diese Gegensätze sorgen dafür, dass die Musik nie eintönig wirkt, sondern ihre emotionale Wirkung Stück für Stück entfaltet.

Bereits der Opener und Titeltrack Absentia zieht die Hörer*innen mit seiner dichten Atmosphäre in den Bann. Die Band nimmt sich Zeit, ihre musikalischen Geschichten zu erzählen.

Atmosphärische Tiefe mit starken Gästen

Die Produktion überzeugt mit einem transparenten, gleichzeitig angenehm druckvollen Klangbild. Jedes Instrument erhält genügend Raum, ohne dass die bedrückende Stimmung verloren geht. Die Gitarren erzeugen mächtige Klangwände, während Schlagzeug und Bass das Fundament für die stetig wachsende Spannung legen. Kristien Cools ist die emotionale Stimme dieses Albums. Mit beeindruckender Ausdruckskraft bewegt sie sich zwischen verletzlicher Zerbrechlichkeit und kraftvoller Intensität. Ihre Performance transportiert die Trauer und Melancholie der Songs so glaubwürdig, dass einem beim Zuhören stellenweise regelrecht die Brust zugeschnürt wird.

Einen besonderen Reiz entfalten außerdem die Gastbeiträge, bereits zu Beginn des Albums.  Tim Yatras (Austere, Germ) und Aaron Stainthorpe (My Dying Bride, High Parasite) bringen ihre unverwechselbaren Stimmen und Persönlichkeiten ein, ohne Splendidula den Rang abzulaufen. Vielmehr verstärken sie die emotionale Tiefe einzelner Stücke und fügen sich organisch in das Gesamtkonzept ein.

Mit Songs wie Echoes Of Quiet Remain, Donkerte oder Kilte beweist die Band eindrucksvoll, wie facettenreich moderner Doom Metal heute klingen kann. Die Kompositionen entwickeln sich langsam, nehmen den Hörer mit auf eine intensive Reise und belohnen insbesondere diejenigen, die sich bewusst Zeit für dieses Album nehmen.

Hier! geht es für weitere Informationen zu Splendidula – Absentia in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Splendidula – Absentia
Fazit zu Absentia
Splendidula fordern auf Absentia Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf intensive Emotionen einzulassen. Gerade darin liegt die große Stärke des Albums. Die Mischung aus Doom Metal, Black-Metal-Einflüssen und atmosphärischer Tiefe entwickelt eine enorme Sogwirkung und macht das Album zu einem der eindrucksvollsten Genrebeiträge des Jahres. Nicht nur für Fans von My Dying Bride, Amenra, Austere oder Sylvaine ist Absentia eine uneingeschränkte Empfehlung.

Anspieltipps: Absentia, Echoes Of Quiet Remain und Kilte
Juergen S.
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